DEUTSCH

Die Eisjungfrau

ESPAÑOL

La Virgen de los Ventisqueros


I. Klein-Rudi

Laßt uns die Schweiz besuchen, laßt uns in dem herrlichen Berglande umsehen, wo die Wälder die steilen Felsenwände hinaufwachsen; laßt uns die blendenden Schneegefilde emporsteigen und wieder in die grünen Wiesen hinabgehen, wo Flüsse und Bäche dahinbrausen, als befürchteten sie, das Meer nicht früh genug erreichen und verschwinden zu können. Die Sonne brennt in dem tiefen Tale; sie brennt auch auf die schweren Schneemassen, so daß sie im Laufe der Jahre zu schimmernden Eisblöcken zusammenschmelzen und rollende Lawinen, aufgetürmte Gletscher werden. Zwei solcher Gletscher liegen in den breiten Felsenklüften unterhalb des Schreckhorns und des Wetterhorns bei dem kleinen Bergstädtchen Grindelwald. Sie gehören zu den merkwürdigsten und ziehen deshalb während der Sommerzeit viele Fremde aus allen Ländern der Welt herbei. Sie kommen über die hohen schneebedeckten Berge; sie kommen aus den tiefen Tälern und müssen dann stundenlang steigen, und während sie steigen, senkt sich das Tal tiefer und tiefer, sie sehen tief hinein, als schauten sie aus einen Luftballon. Oben hängen oft die Wolken wie dicke, schwere Vorhänge um die Berggipfel, während unten im Tale, wo die vielen braunen hölzernen Häuser verstreut liegen, noch ein Sonnenstrahl glänzt und ein grünes Plätzchen wie durchsichtig hervortaucht. Das Wasser braust, rauscht und gießt herab; das Wasser rieselt und plätschert hernieder; es sieht aus, als ob silberne Bänder von den Felsen hinabflatterten.

Auf beiden Seiten des Weges liegen Balkenhäuser; jedes Haus hat seinen kleinen Kartoffelacker, und der ist ein Bedürfnis; denn hinter der Tür gibt es viele Münder, gibt es einen Reichtum an Kindern, denen allen es vortrefflich schmeckt. Aus allen Häusern wimmeln sie hervor, drängen sie sich um die Reisenden, ob sie nun zu Fuß oder zu Wagen kommen. Ganze Kinderscharen treiben Handel; die kleinen bieten niedlich ausgeschnitzte Häuschen feil, wie man sie hier im Gebirge gebaut findet. Mag es nun Regen oder Sonnenschein sein, das Kindergewimmel kommt mit seinen Waren zum Vorschein.

Vor etwa 30 Jahren stand hier bisweilen, aber stets von den anderen Kindern getrennt, ein kleiner Knabe, der auch Waren zum Verkauf bei sich hatte. Er stand mit einem so ernsten Antlitz da und hielt mit beiden Händen seine Holzschachtel so fest umklammert, als wollte er sie doch nicht loslassen. Aber gerade dieser Ernst und die Kleinheit des Bürschchens waren die Ursache, daß er oftmals bemerkt, ja, angerufen wurde und nicht selten den besten Handel machte, er wußte selbst nicht weshalb. Höher hinauf wohnte sein Großvater mütterlicherseits, der die feinen niedlichen Häuser schnitzte; und in der Stube stand ein alter Schrank, vollgestopft von allerlei Schnitzwerk. Da gab es Nußknacker, Messer, Gabeln und Kästchen mit schönem Laubwerk und springenden Gemsen; da gab es alles, was Kinderaugen erfreuen konnte; aber der Kleine, Rudi hieß er, betrachtete mit größerer Lust und Sehnsucht das alte Gewehr unter dem Balken, das er einmal, wie Großvater gesagt hatte, bekommen sollte, aber er müßte erst groß und stark genug werden, um es meistern zu können.

So klein der Knabe war, wurde ihm doch schon das Hüten der Ziegen anvertraut und, wenn es zu den Vorzügen eines guten Ziegenhirten gehört, mit seinen Untergebenen um die Wette klettern zu können, ja dann war Rudi ein guter Hirt. Er kletterte sogar noch höher als sie; die Vogelnester im Gipfel hoher Bäume auszunehmen, war seine Lust. Keck und verwegen war er, aber lächeln sah man ihn nur, wenn er im brausenden Wasserfalle stand oder eine Lawine rollen hörte. Nie spielte er mit den anderen Kindern: er kam nur mit ihnen zusammen, wenn ihn sein Großvater zum Verkauf hinabsandte, und daran war Rudi nicht viel gelegen. Er zog es vor, sich allein auf den Bergen umherzutummeln oder beim Großvater zu sitzen und auf seine Erzählungen aus alter Zeit und über den Volksstamm zu lauschen, der in seiner alten Heimat Meiringen ansässig war. Der Stamm gehörte, wie man sich erzählte, nicht zu den Ureinwohnern, sondern war erst in späterer Zeit eingewandert. Hoch oben vom Norden war er herabgekommen, wo die Schweden wohnten. Es gehört schon immer eine gewisse Klugheit dazu, das zu wissen, und Rudi wußte es; aber eine noch ungleich größere Klugheit verdankte er einem anderen guten Umgange, und zwar mit den Hausbewohnern aus der Tierwelt. Sie teilten das Häuschen mit einem großen Hunde, Ajola, den Rudis Vater hinterlassen hatte, und mit einem Kater. Besonders dieser Kater hatte für Rudi große Bedeutung gewonnen, denn er hatte ihm das Klettern beigebracht.

"Komm mit auf das Dach hinaus!" hatte der Kater völlig deutlich und verständlich gesagt; denn wenn man ein Kind ist und noch nicht sprechen kann, versteht man Hühner und Enten, Katzen und Hunde ganz vortrefflich; sie sprechen ebenso verständlich wie Vater und Mutter, nur muß man recht klein sein. Selbst Großvaters Stock kann dann wiehern, kann sich in ein Pferd mit Kopf, Beinen und Schwanz verwandeln. Bei einigen Kindern verliert sich dieses Verständnis später als bei anderen, und von diesen sagt man, daß sie weit zurück sind, daß sie sich sehr spät entwickeln. Man sagt ja so viel!

"Komm mit, Rudichen, komm mit hinaus aufs Dach!" war mit das erste, was der Kater sagte, und Rudi verstand. "Das Hinunterfallen kommt nur in der Einbildung vor. Man fällt nicht, wenn man sich davor nicht fürchtet.. Komm, setz Dein eines Pfötchen so, das andere so! Setze die Vorderpfötchen voreinander! Habe Augen im Kopf und sei gewandt! Ist eine Spalte da, so spring hinüber und halte Dich fest, ich mache es auch so!"

Und Rudi machte es gleichfalls so. Deshalb saß er so oft bei ihm auf dem Dache, saß mit ihm in den Baumgipfeln, ja hoch oben auf den Felsenrändern, wohin der Kater nicht kam.

"Höher, höher!" sagten Bäume und Büsche. "Siehst Du, wie wir hinaufklettern, wie hoch wir gelangen, wie fest wir uns selbst auf den äußersten schmalen Felsenspitzen halten!"

Und Rudi kletterte den Berg hinauf, oft ehe die ersten Sonnenstrahlen auf ihn fielen, und dort bekam er seinen Morgentrunk, die frische stärkende Bergluft, den Trunk, den nur Gott bereiten kann. Die Menschen lesen sein Rezept und darauf steht geschrieben: der frische Duft der Gebirgskräuter und der Krauseminze und des Thymians im Tale. Alles, was schwer ist, saugen die hängenden Wolken in sich und strömen es dann auf die Nachbarwälder aus, aber der Geist des Duftes wird Luft, leicht und frisch und immer frischer; sie war Rudis Morgentrunk.

Die Sonnenstrahlen, der Sonne segenspendende Töchter, küßten seine Wangen, und der Schwindel stand daneben und lauerte auf ihn, durfte sich ihm aber nicht nahen. Die Schwalben unten von Großvaters Hause, an dem sich nicht weniger als sieben Nester befanden, flogen zu ihm und den Ziegen empor, lustig zwitschernd: "Wir und ihr! Ihr und wir!" Grüße brachten sie von daheim, selbst von den beiden Hühnern, den einzigen Vögeln in der Stube, mit denen sich Rudi nie einließ.

Wie klein er auch war, so hatte er sich doch schon in der Welt umgesehen. Für so einen kleinen Knirps war seine Reise ziemlich bedeutend gewesen. Geboren war er drüben im Kanton Wallis und über die Berge hierher getragen. Vor kurzem hatte er zu Fuß den nahegelegenen Staubbach besucht, der vor der Jungfrau, diesem schneebedeckten blendenweißen Berge, wie ein Silberschleier in der Luft flattert. Auch in Grindelwald war er bei dem großen Gletscher gewesen, aber das war eine traurige Geschichte. Seine Mutter hatte hier den Tod gefunden. "Der hat dem kleinen Rudi die Kinderlust fortgetragen," sagte der Großvater. Als der Knabe noch kein Jahr alt war, da hatte er, wie die Mutter schrieb, mehr gelacht als geweint, seit er aber in der Gletscherspalte gesteckt hatte, war ein ganz anderer Sinn über ihn gekommen. Großvater sprach sonst nicht viel davon, aber auf dem ganzen Berge wußte man Bescheid.

Rudis Vater war Postillon gewesen, der große Hund dort in der Stube hatte ihn auf seinen Fahrten über den Simplon nach dem Genfer See hinab regelmäßig begleitet. Im Rhonetale im Kanton Wallis wohnte noch Rudis Familie väterlicherseits. Der Bruder seines Vaters war ein geschickter Gemsenjäger und wohlbekannter Führer. Rudi war erst ein Jahr alt, als er seinen Vater verlor. Seine Mutter wollte nun gern mit ihrem kleinen Kinde zu ihrer Familie im Berner Oberlande zurück. Einige Stunden Weges von Grindelwald entfernt wohnte ihr Vater, er war Holzschnitzer und verdiente sich durch seine Arbeit so viel, daß er sich durchschlagen konnte. Im Monat Juni ging sie mit ihrem kleinen Kinde in Gesellschaft zweier Gemsjäger über die Gemmi, um auf dem kürzesten Wege ihre Heimat zu erreichen. Schon hatten sie den größten Teil ihres Weges zurückgelegt, schon hatten sie den Kamm des Gebirges mit seinem ewigen Schnee überschritten, schon überblickte sie ihr heimisches Tal mit all seinen ihr wohlbekannten zerstreuten Holzhäusern, und es galt nur noch einen großen Gletscher zu passieren. Frischgefallener Schnee bedeckte ihn und verhüllte eine Spalte, die zwar nicht bis auf den Boden hinabbreichte, wo das Wasser rauschte, aber doch tiefer als Manneshöhe war. Die junge Frau, die ihr Kind trug, glitt aus, sank hinein und war verschwunden. Man hörte keinen Schrei, keinen Seufzer, aber man hörte ein kleines Kind weinen. Mehr als eine Stunde verging, ehe ihre beiden Begleiter aus dem nächstgelegenen Hause Stricke und Stangen geholt hatten, womit sie ihr möglicherweise Hilfe bringen konnten; und nach unendlicher Mühe wurden zwei Leichen, wie es schien, aus der Eisspalte hervorgezogen. Alle Mittel wurden angewendet, und es glückte wirklich, das Kind wieder ins Leben zurückzurufen, nicht aber die Mutter; und deshalb bekam der Großvater einen Tochtersohn anstatt einer Tochter ins Haus, jenen Kleinen, der mehr lachte als weinte. Aber das schien er sich jetzt abgewöhnt zu haben; die Veränderung war wahrscheinlich in der Gletscherspalte vor sich gegangen, in der kalten wunderbaren Eiswelt, wo, wie der Schweizerbauer glaubt, die Seelen der Verdammten bis zum Tage des Gerichts eingesperrt sind.

Nicht unähnlich einem brausenden Wasser, zu grünen Glasblöcken erstarrt und zusammengedrückt, liegt der Gletscher da, ein großes Eisstück immer über das andere gewälzt. Unten in der Tiefe rauscht der reißende Strom von geschmolzenem Schnee und Eis. Tiefe Löcher, mächtige Spalten zeigen sich in ihm, er bildet einen wunderbaren Glaspalast, und darin wohnt die Eisjungfrau, die Gletscherkönigin. Sie, die Todbringende, die Zerschmetternde, ist halb ein Kind der Luft, halb des Flußes mächtige Beherrscherin. Deshalb vermag sie sich mit der Geschwindigkeit der Gemse zu dem höchsten Gipfel des Schneegebirges zu erheben, wo sich die kühnsten bergbesteiger, um festen Fuß fassen zu können, Tritte in das Eis hauen müssen. Sie schwebt auf dem dünnen Tannenzweige zu dem reißenden Fluße hinab und springt dort von Felsblock zu Felsblock, von ihrem langen schneeweißen Haare und ihrem blaugrünen Gewande umflattert, welches wie das Wasser der tiefen Schweizer Seen glänzt und schimmert.

"Zerschmettre, halte fest, mein ist die Macht!" ruft sie. "Einen schönen Knaben stahl man mir, einen Knaben, den ich geküßt hatte. Er ist wieder unter den Menschen, er weidet die Ziegen auf dem Berge, er klettert hinauf, immer hinauf, fort von den anderen, nicht von mir! Mein ist er, ich hole ihn!"

Und sie bat den Schwindel, ihren Auftrag auszuführen. Im Sommer war es der Eisjungfrau zu schwül im Grünen, wo die Krauseminze wächst. Und der Schwindel erhob und verbeugte sich. Da kam einer, nein, da kamen drei. Der Schwindel hat viele Brüder, eine ganze Schar. Die Eisjungfrau wählte die stärksten aus der großen Menge, die draußen in der Natur wie drinnen in den Gebäuden herrschen. Sie sitzen auf den Treppen, und auf dem Turmgeländer, sie laufen wie ein Eichhörnchen am Felsenrand entlang, sie springen von ihm hinab und treten Luft, wie der Schwimmer Wasser tritt, und locken ihre Opfer über den Abgrund hinaus und hinab. Der Schwindel und die Eisjungfrau, beide greifen sie nach den Menschen, wie der Polyp nach allem greift, was sich um ihn bewegt. Der Schwindel sollte Rudi ergreifen.

"Ja, greift ihn mir nur!" sagte der Schwindel, "Ich vermag es nicht, die böse Katze hat ihn ihre Künste gelehrt. Dem Menschenkinde steht eine Macht bei, die mich fortstößt. Ich kann den kleinen Burschen nicht erreichen, so oft er an einem Zweige über den Abgrund hinaushängt, wenn ich ihn auch unter den Fußsohlen kitzelte oder ihn tief unter die Luft tauchte! Ich vermag es nicht!"

"Wir vermögen es!" sagte die Eisjungfrau, "Du oder ich, ich, ich!"

"Nein, nein!" schallte es zu ihnen hinüber, als wäre es das Echo der Kirchenglocken; aber es war Gesang, es war Rede, es war der zusammenschmelzende Chor anderer Naturgeister, milder, liebevoller und guter, der Töchter der Sonnenstrahlen. Sie lagern sich jeden Abend auf den Gipfeln der Bergesgipfeln und breiten ihre rosigen Schwingen aus, die, je tiefer die Sonne sinkt, desto röter und röter aufflammen. Die hohen Alpen glühen, die Menschen nennen es das "Alpenglühen." Wenn dann die Sonne hinunter ist, flüchten sie sich in die Felsenspitzen, in den weißen Schnee hinein, schlafen dort, bis sich die Sonne erhebt, und kommen dann wieder hervor. Besonders lieben sie die Blumen, die Schmetterlinge und die Menschen, und unter diesen hatten sie sich vorzüglich den kleinen Rudi erkoren. "Ihr fangt ihn nicht! Ihr fangt ihn nicht!" sangen sie.

"Größere und Stärkere habe ich gefangen und bekommen!" erwiderte die Eisjungfrau.

Da sangen die Töchter der Sonne ein Lied von dem Wandersmann , dem der Wirbelwind den Mantel entriß und in stürmischer Eile entführte. "Die Hülle trug der Wind fort, aber nicht den Mann. Ihn könnt Ihr Kinder der Kraft ergreifen, aber nicht halten. Er ist stärker, er ist geistiger als wir selbst. Er steigt höher als die Sonne, unsere Mutter. Er kennt das Zauberwort, das Wind und Wasser bindet, so daß sie ihm dienen und gehorchen müssen. Ihr löst nur das schwere hinabziehende Gewicht, und er erhebt sich desto höher."

So herrlich lautete der glockenklingende Chor.

Und jeden Morgen schienen die Sonnenstrahlen durch das einzige kleine Fenster in Großvaters Haus, zu dem stillen Kinde, hinein. Die Töchter der Sonnenstrahlen küßten ihn, sie wollten die Eisküsse auftauen, erwärmen, vernichten, welche ihm die königliche Maid der Gletscher gegeben hatte, als er im Schoße seiner toten Mutter in der tiefen Eiskluft lag und wie durch ein Wunder daraus gerettet wurde.

II. Die Reise nach der neuen Heimat
Rudi war jetzt acht Jahre alt; sein Onkel im Rhonetal auf der anderen Seite des Gebirges wollte den Knaben zu sich nehmen. Dort konnte er besser unterrichtet werden und es einmal weiter bringen; das sah auch sein Großvater ein und setzte sich deshalb dem Plane nicht entgegen.

Rudi sollte fort. Großvater war es nicht allein, von dem es nun galt Abschied zu nehmen; da war zuerst Ajola, der alte Hund.

"Dein Vater war Postillon, und ich war Posthund," sagte Ajola. "Wir sind auf und ab gefahren; ich kenne die Hunde und Menschen auch auf der anderen Seite des Gebirges. Viel zu reden war nicht meine Gewohnheit, aber jetzt, wo wir leider nicht mehr lange miteinander sprechen können, will ich etwas mehr als sonst reden. Ich will Dir eine Geschichte erzählen, die ich schon lange mit mir herumgetragen habe. Ich kann sie nicht verstehen und Du kannst es auch nicht, aber das tut auch weiter nichts, denn so viel habe ich doch daraus ersehen, daß in der Welt die Lose der Hunde und der Menschen nicht völlig richtig verteilt sind. Nicht alle sind dazu geschaffen, auf dem Schoße zu liegen oder Milch zu schlürfen. Ich bin nicht daran gewöhnt worden, aber ich habe ein Hündchen mit im Postwagen fahren und einen Menschenplatz einnehmen sehen. Die Frau, die seine Herrin war (wenn nicht etwa das Hündchen ihre Herrschaft war), hatte eine Milchflasche bei sich, aus der sie ihm zu trinken gab. Es erhielt Zuckerbrot, mochte es aber nicht einmal fressen, sondern schnüffelte nur daran, und sie aß es dann selbst. Ich lief in der Sonnenhitze neben dem Wagen her, hungrig wie ein Hund nur sein kann, und kaute an meinen eigenen Gedanken. Das war nicht in Ordnung aber wie vieles gibt es freilich noch außerdem, was nicht in Ordnung ist. Möchtest Du doch auf den Schoß kommen und in der Kutsche fahren können! Aber das kann man sich leider nicht selbst verschaffen, ich habe es wenigstens nicht vermocht, weder durch Bellen noch durch Heulen."

So lautete Ajolas Rede, und Rudi fasste ihn um den Hals und küßte ihn gerade auf seine feuchte Schnauze. Dann nahm er den Kater in seine Arme, der sich jedoch seinen Liebkosungen entzog.

"Du wirst mir zu stark, und gegen Dich will ich meine Krallen nicht gebrauchen. Klettere nur über die Berge: ich habe Dir das Klettern ja beigebracht! Bilde Dir nie ein, daß Du hinabfällst, dann hältst Du Dich gewiß fest!" Nach diesen Worten lief der Kater davon, denn er wollte Rudi nicht sehen lassen, daß ihm der Kummer aus den Augen leuchtete.

"Rudi will über die Berge!" sagte das Huhn.

"Er hat immer Eile!" versetzte das andere, "und ich liebe die Abschiedsszenen nicht!" Und schnell trippelten sie beide fort.

Den Ziegen sagte er gleichfalls Lebewohl, und sie riefen: "Mit! Mit! Meck! Meck!" Was gar traurig klang.

Zwei Leute aus der Gegend, tüchtige, flinke Führer, mußten gerade über die Berge und wählten den Weg über die Gemmi. Rudi begleitete sie, und zwar zu Fuß. Es war ein anstrengender Marsch für einen so kleinen Burschen, aber Kräfte hatte er und einen Mut, der unermüdlich war.

Die Schwalben flogen eine Strecke mit. "Wir und ihr, ihr und wir!" sangen sie. Der Weg führte über die reißende Lütschine, die in vielen kleinen Bächlein aus der schwarzen Kluft des Grindelwaldgletschers hervorstürzt. Frei daliegende schwankende Baumstämme und zertrümmerte Felsenblöcke dienen hier als Brücken. Jetzt waren sie oberhalb des Erlengebüsches und begannen den Berg hinaufzusteigen, dicht neben der Stelle, wo sich der Gletscher vom Berge gelöst hat. Darauf traten sie auf den Gletscher selbst hinaus über Eisblöcke, fort oder um sie herum. Bald mußte Rudi kriechen, bald gehen. Seine Augen strahlten vor Entzücken. Mit seinen eisenbeschlagenen Bergschuhen trat er so fest auf, als wollte er in dem zurückgelegten Wege seine Fußstapfen zurücklassen.

Aufwärts, immer aufwärts ging es; hoch erstreckte sich der Gletscher. Er glich einer Flut wild übereinandergetürmter Eismassen, die zwischen steilen Felsen eingeklemmt dalagen. Rudi dachte einen Augenblick an das, was ihm erzählt worden war, dachte daran, daß er mit seiner Mutter in einer dieser Kälte aushauchenden Spalten gelegen hatte, aber bald lenkte er seine Gedanken wieder auf andere Gegenstände. Es galt ihm nicht mehr als jede andere der vielen Geschichten, die er gehört hatte. Ein und das andere mal, wenn die Männer das unaufhörliche Steigen zu beschwerlich für den kleinen Buben hielten, reichten sie ihm die Hand, aber er ermüdete nicht und stand auf dem Glatteise fest wie eine Gemse. Jetzt gelangten sie auf Felsenboden; bald gingen sie zwischen nackten Steinen hindurch, bald unter niedrigen Tannen fort und wieder auf grüne Weideplätze hinaus, fortwährend dem Blicke Neues darbietend. Ringsumher erhoben sich schneebedeckte Berge, deren Namen er wie jedes Kind hiesiger Gegend kannte: Jungfrau, Mönch und Eiger.

Rudi war nie zuvor so hoch gewesen, hatte nie zuvor das ausgedehnte Schneemeer betreten. Es lag mit seinen unbeweglichen Schneewogen da, von denen der Wind die einzelnen Flocken weggeblasen hatte, wie er den Schaum von den Wellen des Meeres bläst. Ein Gletscher reicht, wenn man so sagen kann, dem anderen die Hand; jeder ist ein Glaspalast der Eisjungfrau, deren Macht und Wille ist: zu fangen und zu begraben. Die Sonne brannte heiß, der Schnee war blendend und wie mit bläulich blitzendem Diamantengefunkel übersät.

Unzählige Insekten, hauptsächlich Schmetterlinge und Bienen, lagen massenhaft tot auf dem Schnee; sie hatten sich zu hoch gewagt, oder der Wind hatte sie, die in dieser Kälte notwendig zugrunde gehen mußten, so hoch getrieben. Um das Wetterhorn hing gleich ein Büschel schwarzer Wolle eine drohende Wolke. Sie senkte sich, von dem, was sie in sich barg, dem Föhn, immer mehr anschwellend. Zerstörend und schreckerregend mußte sich seine Macht offenbaren, wenn er losbrach. Der Eindruck der ganzen Wanderung, das Nachtquartier hier oben, der Weg am folgenden Tage, die tiefen Felsenspalten, welche das Wasser in unvordenklicher Zeit in die harten Steinblöcke hineingerissen hatte, hafteten unvergeßlich in Rudis Erinnerung.

Ein verlassenes steinernes Gebäude jenseits des Schneemeeres gewährte ihnen für die Nacht ein sicheres Obdach. Hier fanden sie Holzkohlen und Tannenzweige; bald war das Feuer angezündet und das Nachtlager, so gut man konnte, hergestellt. Die Männer setzten sich um das Feuer, rauchten ihr Pfeifchen und erquickten sich an dem warmen gewürzreichen Tranke, den sie sich selbst bereitet hatten. Rudi erhielt redlich seinen Anteil. Die Unterhaltung drehte sich um die geheimnisvollen Wesen des Alpenlandes, um die seltsamen Riesenschlangen in den tiefen Seen, um die nächtlichen Erscheinungen, das Gespensterheer, das den Schlafenden nach der wunderbaren schwimmenden Stadt Venedig durch die Luft trägt, den wilden Hirten, der seine schwarzen Schafe über die Weideplätze triebt. Hatte sie man auch nicht gesehen, so hatte man doch den Ton ihrer Glocken, das unheimliche Gebrüll der Herde gehört. Rudi lauschte neugierig, aber ohne alle Furcht zu, die kannte er nicht; und während er zulauschte, glaubte er das spukartige, hohle Gebrüll zu vernehmen. Ja, es wurde immer lauter und deutlicher, die Männer hörten es auch, unterbrachen ihr Gespräch, horchten und forderten Rudi auf, nicht zu schlafen.

Es war ein Föhn, der einherblies, der gewaltige Sturmwind, der sich von den Bergen in die Täler hinabstürzt und in seiner Heftigkeit Bäume bricht, als wären sie Rohrstengel, und die Blockhäuser von einem Flussufer auf das andere versetzt, wie wir die Schachfiguren hin- und herrücken.

Erst nach einer Stunde sagten sie zu Rudi, daß es nun überstanden wäre und er jetzt schlafen könnte, und, müde vom Marsch, schlief er wie auf Befehl.

Früh am folgenden Morgen brachen sie auf. Die Sonne zeigte dem kleinen Rudi heute neue Berge, neue Gletscher und Schneefelder. Sie hatten die Grenzen des Kanton Wallis überschritten und befanden sich jetzt auf der anderen Seite des Bergrückens, den man von Grindelwald aus wahrnahm, waren aber von des Knaben neuer Heimat noch immer weit entfernt. Andere Bergklüfte, andere Weideplätze, Wälder und Felsenpfade entfalteten sich, andere Häuser, andere Menschen zeigten sich, aber welche Menschen er auch sah, alle waren Mißgestalten, widerliche, fette, weißlichgelbe Gesichter, der Hals ein schwerer, häßlicher, tief hängender Fleischklumpen. Es waren Kretins. Siech und elend schleppten sie sich weiter und glotzten mit dummen Augen die anlangenden Fremden an. Die Weiber sahen am gräßlichsten aus. Wie, waren das die Menschen in seiner neuen Heimat?

III. Der Onkel
In Onkels Haus, in das nun Rudi eintrat, sahen, Gott sei Lob! die Menschen aus, wie Rudi sie zu sehen gewohnt war. Nur ein einziger Kretin wohnte augenblicklich hier; ein armer, blödsinniger Bursche, eines dieser armen Geschöpfe, die in ihrer Armut und Verlassenheit von den Familien des Kanton Wallis abwechselnd unterhalten werden und in jedem Hause ein paar Monate bleiben. Der arme Saperli war gerade hier, als Rudi ankam.

Onkel war noch ein kräftiger Jäger und verstand sich außerdem auf das Böttcherhandwerk. Seine Frau war eine kleine lebhafte Person mit einem vogelähnlichen Antlitze, mit Augen wie ein Adler und einem langen, von oben bis unten mit Flaum bedeckten Halse.

Alles war Rudi neu: Kleidung, Sitte und Gebrauch, die Sprache sogar, aber diese konnte das Kindesohr bald verstehen lernen. Im Vergleich zu dem Hause seines Großvaters machte sich überall eine gewisse Wohlhabenheit bemerkbar. Die Stube, in der sie wohnten, war größer, die Wände waren mit Gemsenhörnern und blankpolierten Büchsen geschmückt, über der Tür hing das Bild der Mutter Gottes. Frische Alpenrosen und eine brennende Lampe standen davor.

Onkel war, wie gesagt, einer der tüchtigsten Gemsenjäger der Gegend und außerdem der geschickteste und beste Führer. Es war alle Aussicht, daß Rudi hier im Hause bald der Liebling werden würde; freilich gab es einen solchen schon. Es war ein alter, blinder, tauber Jagdhund, der nicht mehr Dienste verrichten konnte, es aber einst treu und fleißig getan hatte. Man vergaß die Tüchtigkeit des Tieres in früheren Jahren nicht, und deshalb gehörte es jetzt mit zur Familie und sollte das Gnadenbrot haben. Rudi streichelte den Hund, der sich aber mit Fremden, und das war ja Rudi bis jetzt noch, nicht mehr einließ. Lange sollte es Rudi jedoch nicht bleiben; in Haus und Herz schlug er bald feste Wurzeln.

"Hier im Kanton Wallis lebt es sich nicht so übel!" sagte der Onkel. "Gemsen haben wir, sie sterben nicht so schnell wie die Steinböcke aus; es ist jetzt hier weit besser als in alter Zeit. Wie viel auch immer zu ihrer Ehre erzählt wird, die unsrige ist doch besser. Der Sack hat ein Loch bekommen, ein frischer Luftzug weht jetzt durch unser eingeschlossenes Tal. Wenn das Veraltete und Überlebte fällt, kommt immer etwas Besseres zum Vorschein" sagte er, und wurde Onkel recht gesprächig, dann erzählte er von seinen Jugendjahren, die in seines Vaters kräftigste Manneszeit fielen, wo noch Wallis, wie er sich ausdrückte, ein verschlossener Sack mit allzuviel siechen Leuten, elenden Kretins war. "Aber die französischen Soldaten kamen, sie waren die richtigen Ärzte, schlugen die Krankheiten und die Menschen gleich dazu tot. Auf das Schlagen verstehen sich die Franzosen, sie teilen Schläge mancherlei Art aus, und auch die Französinnen können Schläge versetzen!" und dabei nickte Onkel seiner Frau, die eine Französin von Geburt war, freundlich zu und lachte. "Die Franzosen verstehen das Steineschlagen meisterlich! Die Simplonstraße haben sie in die Felsen hineingeschlagen, haben dort eine Straße angelegt, daß ich jetzt zu einem dreijährigen Kinde sagen kann: Gehe nach Italien hinab, halte Dich immer nur auf der Landstraße! Und das Kleine findet sich nach Italien hinunter, wenn es nicht von der Landstraße abweicht!" Dann sang der Onkel ein französisches Lied und brachte ein Hoch auf Napoleon Bonaparte aus.

Damals hörte Rudi zum erstenmal von Frankreich, von Lyon, der großen Stadt an der Rhone, wo Onkel gewesen war.

In nicht allzu vielen Jahren würde Rudi gewiß ein flinker Gemsenjäger werden, Anlagen hätte er dazu, meinte Onkel, und er lehrte ihn, eine Büchse im Anschlage zu halten, zielen und sie abschießen. Während der Jagdzeit nahm er ihn mit auf die Berge, ließ ihn von dem warmen Gemsenblute trinken, was, wie man dort allgemein glaubt, den Jäger schwindelfrei machen soll. Er machte ihn mit der Zeit bekannt, in den auf den verschiedenen Bergseiten die Lawinen zu rollen pflegen, um Mittag oder zur Abendzeit, je nach den Wirkungen der Sonnenstrahlen. Er hielt ihn an, die Gemsen recht zu beobachten und von ihnen zu lernen, wie man nach dem Sprunge auf die Füße fallen und feststehen müßte. Fände man in der Felsenspalte keine Stütze für den Fuß, so müßte man zusehen, sich mit den Ellenbogen zu stützen, sich mit den Muskeln in Waden und Schenkeln anzuklammern. Selbst der Nacken könnte sich im Notfalle förmlich festbeißen. Die Gemsen wären klug und stellten Vorposten aus, aber der Jäger müßte klüger sein und ihnen den Wind abzugewinnen suchen. Er verstände es, sie in ergötzlicher Weise zu überlisten, hinge seinen Rock und Hut auf den Alpenstock, und die Gemsen nähmen das Kleid für den Mann. Diesen Spaß trieb Onkel eines Tages, als er mit Rudi auf der Jagd war.

Der Felsenpfad war schmal, ja es war eigentlich keiner vorhanden, sondern ein nur kaum bemerkbarer Sims dicht neben dem schwindelnden Abgrund. Der Schnee dort war halb aufgetaut, das Gestein so verwittert, das es beim Auftreten zerbröckelte; Onkel legte sich deshalb, so lang er war, hin, und kroch vorwärts. Jeder Stein, der sich löste, fiel, prallte gegen, sprang, rollte und machte viele Sprünge von Felsenwand zu Felsenwand, ehe er in der dunklen Tiefe zur Ruhe kam. Hundert Schritte hinter dem Onkel stand Rudi auf dem äußersten festen Felsenknoten und erblickte in der Luft, langsam über Onkel hinschwebend, einen Lämmergeier, der mit seinen Flügelschlägen den kriechenden Wurm mit seinen Flügelschlägen in den Abgrund schleudern wollte, um ihn zur künftigen Nahrung in Aas zu verwandeln. Onkel hatte nur für die Gemse, die jenseits der Kluft mit ihrem Zicklein sichtbar wurde, Augen. Rudi verließ den Vogel mit keinem Blicke, verstand, was er wollte, und behielt deshalb die Hand am Drücker, um schnell feuern zu können. Da setzte die Gemse zum Sprunge an, Onkel schoß, und das Tier war von der tödlichen Kugel getroffen, während das Zicklein, das ein ganzes Leben in Flucht und Gefahr zugebracht hatte, in weiten Sätzen entsprang. Der ungeheure Vogel, vom Knalle erschreckt, schlug eine andere Richtung ein, Onkel wußte nichts von der Gefahr, in der er geschwebt hatte, hörte sie erst von Rudi.

Als sie sich jetzt in bester Stimmung auf den Weg machten und Onkel ein Lied aus seinen Knabenjahren pfiff, erschallte auf einmal ein eigentümlicher Laut in nicht allzu weiter Ferne. Sie schauten nach allen Seiten, sie schauten aufwärts, und dort in der Höhe, auf dem schrägen Felsenabsatz, erhob sich die Schneedecke, es wogte, wie wenn der Wind unter ein ausgebreitetes Stück Leinwand fährt. Die hochgehobenen Wogen brachen plötzlich in sich zusammen und lösten sich in scheinbar schäumende Wasserstrudel auf, die prasselnd wie gedämpftes Donnergeroll hinabstürzten. Es war eine Lawine, die hinabfiel, nicht über Rudi und seinen Onkel, aber nahe, nur allzu nahe neben ihnen.

"Halte Dich fest, Rudi!" reif er. "Fest, aus allen Kräften!"

Rudi umklammerte den nächsten Baum, Onkel kletterte über ihn in die Zweige des Baumes hinauf und hielt sich fest, während die Lawine viele Meter von ihnen entfernt hinabrollte; aber der durch sie erregte Sturm, der Wirbelwind, der sie begleitet, knickte und brach ringsum Bäume und Büsche, als wären sie dürre Rohrstengel und warf sie weit umher. Rudi wurde zu Boden geschmettert; der Baumstamm, an dem er sich hielt, war wie zersägt, und die Krone ein weites Stück fortgeschleudert. Zwischen den zerknickten Zweigen lag mit zerschmettertem Haupte der Onkel, seine Hand war noch warm, aber sein Gesicht nicht zu erkennen. Bleich und zitternd stand Rudi da; es war der erste Schreck in seinem Leben, das erste Gefühl von Furcht, das er empfand.

Mit der Todesbotschaft kam er spät am Abend nach Hause, wo nun die Trauer einzog. Wortlos, tränenlos stand die Gattin da, und erst als die Leiche gebracht wurde, kam der Schmerz zum Ausbruch. Der arme Kretin kroch in sein Bett, man sah ihn den ganzen Tag nicht. Gegen Abend kam er zu Rudi.

"Schreibe mir einen Brief! Saperli kann nicht schreiben! Saperli kann aber den Brief auf die Post tragen!"

"Einen Brief für Dich?" fragte Rudi. "Und an wen?"

"An den Herrn Christus!"

"Wen meinst Du damit?"

Und der Halbblödsinnige, den sie einen Kretin nannten, sah Rudi mit einem rührenden Blicke an, faltete seine Hände und sagte dann feierlich und fromm: "Jesus Christus! Saperli will ihm einen Brief senden, will ihn bitten, daß Saperli tot daliegen muß und nicht der Mann hier im Hause!"

Rudi drückte ihm Die Hand "Der Brief kommt nicht an sein Ziel! Der Brief gibt ihn uns nicht zurück."

Es war Rudi schwer, ihm die Unmöglichkeit zu erklären.

"Nun bist die Stütze des Hauses," sagte die Pflegemutter, und Rudi wurde es.

IV. Babette
Wer ist der beste Schütze im Kanton Wallis? Nun, die Gemsen wußten es. "Nimm Dich vor Rudi in acht!" konnten sie sagen. "Wer ist der schönste Schütze?" - "Je nun, das ist der Rudi!" sagten die Mädchen, aber sie setzten nicht hinzu: "Nimm Dich in acht!" Nicht einmal die ernsten Mütter sagten es, denn er nickte ihnen ebenso freundlich zu wie den jungen Mädchen. Er war kühn und frohgesinnt, seine Wangen waren braun, seine Zähne weiß und seine Augen leuchteten kohlschwarz; ein schöner Bursch war er und nur zwanzig Jahre. Das Eiswasser kam ihm nicht kalt vor, wenn er schwamm; wie ein Fisch konnte er sich im Wasser wenden und drehen, klettern wie kein anderer, wie eine Schnecke an die Felsenwände kleben; es war Mark in ihm; stahlfest waren seine Muskeln und Sehnen. Das bewies er auch beim Springen, der Kater hatte ihn ja zuerst gelehrt und später die Gemsen. Er war der zuverlässigste Führer, er hätte als solcher ein ganzes Vermögen sammeln können. Für das Böttcherhandwerk, in dem ihn Onkel ebenfalls unterrichtet hatte, fehlte es ihm an Sinn; Gemsen zu schießen war seine Lust und Sehnsucht; das brachte nicht weniger Geld ein. Rudi war, wie man sagte, eine gute Partie, wollte er nur seinen Augen nicht über seinen Stand erheben. Er war beim Tanze ein Tänzer, von dem die Mädchen träumten, und eine und die andere dachte seiner auch wachend.

"Mich hat er im Tanze geküßt!" sagte Schullehrers Anette zu ihrer liebsten Freundin, aber das hätte sie nicht erzählen sollen, nicht einmal ihrer liebsten Freundin. Dergleichen ist nicht leicht bei sich zu behalten, es gleicht dem Sande im durchlöcherten Sacke, der ausläuft. Bald wußte man, wie gut und brav Rudi auch sonst war, daß er im Tanze küßte, und doch hatte er nicht einmal die geküßt, die er am liebsten geküßt hätte.

"Paß auf ihn auf!" sagte ein alter Jäger, "er hat Anette geküßt; er hat mit A angefangen und wird das ganze Alphabet durchküssen."

Ein Kuß bei Tanze war bisher alles, was die Klatschschwestern über ihn zu berichten wußten, aber geküßt hatte er wirklich Anette, und sie war keineswegs seines Herzens Blume.

Unten in der Nähe von Bex, zwischen den großen Walnußbäumen, hart an einem kleinen, reißenden Bergstrome wohnte der reiche Müller. Das Wohnhaus, ein großes, dreistöckiges Gebäude mit kleinen Türmen, war mit Schindeln gedeckt und mit Blechplatten beschlagen, die im Sonnen- wie im Mondenscheine weithin leuchteten. Der größte Turm hatte einen schimmernden Pfeil, der einen Apfel durchbohrte, als Wetterfahne. Es sollte damit auf Tells Pfeilschuß hingedeutet werden. Die Mühle verriet schon im Äußern Wohlhabenheit und sah schön und stattlich aus; der Maler, der sie sah, griff unwillkürlich zum Pinsel, um sie zu malen, aber des Müllers Tochter ließ sich nicht malen, ließ sich nicht beschreiben. Dies behauptete Rudi wenigstens, während doch ihr Bild in seinem Herzen lebte. Ihre Augen strahlten darin so, daß es in hellen Flammen loderte. Der Brand war so plötzlich wie jede andere Feuersbrunst ausgebrochen, und das Wunderbarste dabei war, daß des Müllers Töchterlein, die niedliche Babette, keine Ahnung davon hatte; sie und Rudi hatten in ihrem Leben auch nicht zwei Worte miteinander gesprochen.

Der Müller war reich, der Reichtum machte, daß Babette zu hoch für viele Wünsche stand. Aber nichts steht so hoch, dachte Rudi, daß man es nicht erreichen kann. Man muß klettern, und man fällt nicht, wenn man es sich nicht einbildet. Die Lehre hatte er von Hause mitgebracht.

Nun traf es sich, daß Rudi Geschäfte in Bex hatte. Es war eine nicht unbedeutende Reise dorthin, denn die einzige Eisenbahn dorthin war damals noch nicht gebaut. Vom Rhonegletscher aus, den Fuß des Simplon entlang, dehnt sich zwischen vielen und abwechselnden Bergen das breite Walliser Tal mit seinem mächtigen Flusse, der Rhone, aus, die häufig anschwillt und alles verheerend Felder und Wege überschwemmt. Zwischen den Städten Sion und St. Maurice bildet das Tal eine Krümmung, biegt sich wie ein Ellbogen und wird unterhalb Maurice so schmal, daß es nur für das Flußbett und die schmale Forststraße Raum darbietet. Ein alter Turm steht gleichsam als Schildwache des Kanton Wallis, der hier endet, auf dem Berge und schaut über die steinerne Brücke nach dem Zollhause auf der anderen Seite hinüber. Dort beginnt der Kanton Waadt, und die nächstgelegene Stadt darin ist Bex. Hier drüben nimmt alles bei jedem Schritte vorwärts an Fülle und Fruchtbarkeit zu, man wandelt in einem Garten von Walnuß- und Kastanienbäumen. Hier und da tauchen Zypressen und Granatbäume auf; es herrscht hier eine südliche Wärme, als wäre man schon nach Italien hinabgekommen.

Rudi langte in Bex an, verrichtete sein Geschäft, sah sich um, aber kein Müllerbursche, geschweige denn Babette ließ sich blicken. Es war nicht, wie es sein sollte.

Es wurde Abend, die Luft war mit dem Dufte des wilden Thymian und der blühenden Linden geschwängert. Es lag gleichsam ein schimmernder, luftblauer Schleier um die waldgrünen Berge. Eine tiefe Stille herrschte überall, nicht die des Schlafes, nicht die des Todes, nein, es war, als hielte die Natur ihre Atemzüge an, als hätte sie diese feierliche Ruhe angenommen, damit ihr Bild auf dem blauen Himmelsgrunde photografiert werden könnte. Hier und da standen das ganze Feld entlang zwischen den Bäumen hohe Stangen, die den Telegraphendraht hielten, der durch das stille Tal geführt war. Gegen eine lehnte sich ein Gegenstand, so unbeweglich, daß man hätte glauben können, es wäre ein verdorrter Baumstamm; aber es war Rudi, der hier ebenso stillstand wie seine ganze Umgebung in diesem Augenblicke. Er schlief nicht, war noch weniger tot, aber wie durch den Telegraphendraht oft große Weltbegebenheiten, Lebensmomente von entscheidender Bedeutung für den einzelnen hindurchfliegen, ohne daß der Draht durch ein Zittern oder durch einen Ton darauf hindeutet, so zogen dort durch Rudi Gedanken, mächtige, überwältigende, das Glück seines Lebens, von nun an seine einzigen, seine beständigen Gedanken. Seine Augen waren auf den Punkt zwischen dem Laube gerichtet, auf ein Licht in der Wohnstube des Müllers, wo Babette wohnte. Bei der unerschütterlichen Ruhe, mit der Rudi dastand, hätte man annehmen können, er zielte nach einer Gemse, aber er selbst glich in diesem Augenblicke einer Gemse, die minutenlang wie aus dem Felden herausgemeißelt dastehen kann, und plötzlich, wenn ein Stein rollt, einen Satz macht und von dannen jagt. Und das tat Rudi gerade auch. Ein Gedanke rollte durch seine Seele.

"Niemals verzagen!" rief er. "Besuch in der Mühle! Guten Abend zum Müller, Guten Tag zu Babette! Man fällt nicht, wenn man es sich nicht einbildet. Soll ich Babettes Mann werden, so muß sie mich doch einmal sehen."

Und Rudi lachte, war guten Muts und ging nach der Mühle; er wußte, was er wollte, er wollte Babette haben.

Schäumend brauste der Fluß mit seinem weißlichgelben Wasser, Linden und Weiden neigten sich tief über den rauschenden Strom. Schnell schritt Rudi auf das Haus zu, aber wie es in dem alten Kinderliede heißt:

"im Müllerhaus
War keine Seele heut daheim,
Nur eine Katze guckt heraus!"


Die Stubenkatze stand vorn auf der Treppe, machte einen krummen Buckel und sagte: "Miau!" aber Rudi hatte jetzt keinen Sinn für diese Sprache. Er klopfte an; niemand hörte, niemand öffnete. "Miau!" sagte die Katze. Wäre Rudi noch klein gewesen, so hätte er die Sprache der Tiere verstanden und gehört, daß die Katze sagte: "Es ist niemand zu Hause." Nun muß er erst zur Mühle hinüber und sich dort erkundigen. Da erhielt er Bescheid. Der Hausherr befand sich auf Reisen, weit fort in der Stadt Interlaken, "inter lacus, zwischen den Seen," wie es ihnen der Schullehrer, Anettes Vater, beim Unterricht erklärt hatte. So weit war der Müller verreist und hatte Babette mitgenommen. Ein großes Schützenfest wurde daselbst gefeiert, morgen sollte es beginnen und dauerte acht Tage lang. Die Schweizer aus allen deutschen Kantonen strömten dort zusammen.

Armer Rudi, konnte man sagen, es war nicht die glücklichste Zeit, daß er nach Bex kam, er konnte nur getrost wieder umkehren; und das tat er und schlug den Weg über St. Maurice und Sion nach seinem eigenen Tale, seinen eigenen Bergen ein. Doch verzagt war er deshalb nicht. Als die Sonne am nächsten Morgen aufging, war seine gute Laune längst wieder zurückgekehrt, lange verließ sie ihn nie.

"Babette ist in Interlaken, viele Tagereisen von hier entfernt," sprach er bei sich selbst. "Es ist ein weiter Weg dorthin, will man die große Landstraße benutzen, aber er ist lange nicht so weit, wenn man über die Berge klettert, und das ist gerade ein Weg für einen Gemsenjäger. Den Weg bin ich schon früher gegangen, dort drüben ist ja meine Heimat, wo ich als Kind beim Großvater lebte. Außerdem ist Schützenfest in Interlaken! Dabei will ich der erste sein; und das will ich auch bei Babette sein, wenn ich erst ihre Bekanntschaft gemacht habe."

Mit seinem leichten Ränzel, mit dem Sonntagsstaat darin, Gewehr und Jagdtasche über der Schulter, stieg Rudi den Berg hinauf, ging den kurzen Weg, der doch ziemlich lang war. Aber das Schützenfest hatte ja heute erst seinen Anfang genommen und dauert über eine Woche. Die ganze Zeit über blieben, hatte man gesagt der Müller und Babette bei ihren Verwandten in Interlaken. Rudi ging über die Gemmi und wollte bei Grindelwald hinabsteigen.

Munter und fröhlich schritt er vorwärts, in die frische, die stärkende Bergesluft hinein. Das Tal sank tiefer, der Gesichtskreis wurde weiter; hier ein Schneegipfel, dort ein Schneegipfel und bald die weithin leuchtende, weiße Alpenkette. Rudi kannte jeden schneebedeckten Berg. Er schritt geradewegs auf das Schreckhorn zu, das seinen weißgepuderten Steinfinger hoch in die blaue Luft streckte.

Endlich hatte er den Höherücken überschritten. Die Weideplätze neigten sich abwärts nach dem Tale seiner Heimat. Die Luft war leicht, sein Herz war leicht. Berg und Tal waren voller Blumen und Grün, sein Herz voller Jugendgedanken: man wird nie alt, man kann nie sterben; leben, herrschen, genießen! Frei wie ein Vogel, leicht wie ein Vogel war er. Und die Schwalben flogen vorüber und sangen wie in seiner Kindheit: "Wir und ihr, ihr und wir!" Alles war Flug und Freude!

Unten lag die samtgrüne Wiese, mit braunen Holzhäusern gleichsam bestreut; die Lütschine schlängelte sich murmelnd und plätschernd hindurch. Er sah den Gletscher mit seinen glasgrünen Rändern, seinen tiefen Spalten; den obersten und untersten Gletscher erblickte er. Die Glocken klangen von der Kirche auf der Höhe zu ihm hinüber, als wollten sie zu seinem Willkommen in der Heimat läuten. Sein Herz klopfte stärker, erweiterte sich, so daß Babette einen Augenblick daraus verschwand, so groß wurde sein Herz, so voller Erinnerungen.

Er ging wieder denselben Weg entlang, auf dem er als kleiner Bursche mit den anderen Kindern am Grabenrande gestanden und ausgeschnitzte Holzhäuser verkauft hatte. Dort oben hinter der Tanne lag noch Großvaters Haus, Fremde wohnten jetzt darin. Kinder kamen ihm auf dem Wege entgegengelaufen, sie wollten ihren kleinen Handel betreiben; das eine reicht ihm eine Alpenrose, Rudi nahm sie als gutes Zeichen an und dachte an Babette. Bald hatte er die Brücke im Tale erreicht, wo sich die beiden Lütschinen vereinigen. Die Laubbäume nahmen zu, die Walnußbäume gaben Schatten. Jetzt sah er die wehende Flagge, das weiße Kreuz im roten Grunde, wie der Schweizer und der Däne sie führt. Vor ihm lag Interlaken.

Nach Rudis Gedanken war es wirklich eine Prachtstadt, wie keine andere. Eine Schweizer Stadt im Sonntagsstaate. Sie war nicht, wie die anderen kleinen Städte, eine Masse schwerfälliger, steinerner Häuser, plump, fremd und vornehm; nein, hier sah es so aus, als ob sich die hölzerne Häuser oben von den Bergen unten in das grüne Tal an den klaren pfeilschnellen Fluß verlaufen und sich, hier ein wenig auswärts, dort ein wenig einwärts, in Reihe gestellt hätten, um eine Straße zu bilden. Die prächtigste von allen Straßen, ja, die war freilich ordentlich in die Höhe geschossen, seitdem Rudi als Kind zum letzten Male hier gewesen war. Es kam ihm vor, als ob alle die niedlichen hölzernen Häuser, welche Großvater ausgeschnitzt hatte und mit denen das Spind zu Hause angefüllt war, sich hier aufgestellt hätten und ebenso kräftig wie die alten, edlen Kastanienbäume aufgewachsen wären. Jedes Haus hieß ein Hotel, Fenster und Altane zeichneten sich durch treffliche Holzarbeiten aus, die durch ihre Schönheit und Zierlichkeit dem Ganzen einen eigentümlichen Reiz verliehen, und vor jedem Hause dehnte sich ein reizender Blumengarten bis an die breite, asphaltierte Landstraße aus. Längs der Straße standen nur auf der einen Seite die Häuser, sie würden sonst die frische, grüne Wiese unmittelbar davor versteckt haben, auf welcher die Kühe mit ihren Glocken gingen, die gerade wie auf den hohen Alpenweiden klangen. Die Wiese war von hohen Bergen eingeschlossen, die gerade in der Mitte gleichsam zur Seite traten, so daß man die Jungfrau, diesen leuchtenden, schneebedeckten Berg, recht überschauen konnte, den schönsten aller Schweizerberge.

Was für eine Menge geputzter Herren und Damen aus fremden Ländern, was für ein Gewimmel von Landleuten aus den verschiedenen Kantonen! Die Schützen trugen ihre Schießnummer am Hute. Überall war Musik und Gesang, ließen sich Leierkasten und Blasinstrumente, Rufen und Lärmen vernehmen. Häuser und Brücken waren mit Versen und Emblemen geschmückt. Flaggen und Fahnen wehten, die Büchsen knallten Schuß auf Schuß. Das war die schönste Musik in Rudis Ohren, er vergaß unter all diesen Babette völlig, um derentwillen er doch allein hergekommen war.

Die Schützen drängten sich zum Scheibenschießen, Rudi war bald unter ihnen, und zwar der Geschickteste, der Glücklichste. Immer traf er mitten in das Schwarze.

"Wer ist nur der fremde, blutjunge Jäger?" fragte man. "Er spricht die französische Sprache, wie sie im Kanton Wallis geredet wird. Er drückt sich aber auch in unserer deutschen Sprache ganz verständlich aus!" sagten einige. "Als Kind soll er hier in der Gegend von Grindelwald gelebt haben!" wußte jemand zu berichten.

Es war Leben in dem Burschen, seine Augen leuchteten, sein Blick und Arm waren sicher. Glück verleiht Mut, und Mut hatte Rudi ja immer. Bald hatte er hier schon einen großen Kreis von Freunden um sich, man ehrte ihn; man huldigte ihm; Babette war ihm fast ganz aus den Gedanken entschwunden. Da schlug ihm plötzlich eine schwere Hand auf die Schulter, und eine grobe Stimme redete ihn in französischer Sprache an: "Ihr seid aus dem Kanton Wallis?"

Rudi wandte sich um und sah ein rotes, vergnügtes Gesicht, eine dicke Gestalt; es war der reiche Müller aus Bex. Er verbarg mit seinem breiten Körper die feine niedliche Babette, die jedoch bald mit ihren strahlenden, dunklen Augen hervorguckte. Für den reichen Müller diente zum Beweise, daß er ein Jäger seines Kantons war, lediglich der Umstand, daß er die besten Schüsse abgab und der Gefeiertste war. Rudi war wahrlich ein Glückskind; wonach er hierher gewandert war, was er aber an Ort und Stelle beinahe vergessen hatte, das suchte ihn auf.

Wo sich Landsleute fern von der Heimat treffen, da kennen sie einander, da reden sie einander an. Rudi war beim Schützenfeste durch seine Schüsse offenbar der Erste, geradeso wie der Müller daheim in Bex durch sein Geld und seine gute Mühle war, und deshalb drückten die beiden Männer einander die Hände, was sie nie zuvor getan hatten. Auch Babette reichte Rudi treuherzig die Hand, und er drückte sie ihr wieder und sah sie an, daß sie ganz rot dabei wurde.

Der Müller erzählte von dem langen Wege, den sie zurückgelegt, von den vielen Städten, die sie gesehen hatten. Es war eine ordentliche Reise gewesen; sie hatten das Dampfschiff benutzt, waren mit der Eisenbahn und mit der Post gefahren.

"Ich bin den kürzeren Weg gegangen," sagte Rudi. "Ich bin über die Berge gegangen. Kein Weg ist so hoch, daß man ihn nicht passieren kann!"

"Aber auch den Hals dabei brechen," sagte der Müller. "Und Ihr seht mir gerade danach aus, daß Ihr den Hals einmal brechen müßt, so verwegen wie Ihr seid!"

"Man fällt nicht, wenn man es sich nicht selbst einbildet!" sagte Rudi.

Des Müllers Verwandte in Interlaken, bei denen der Müller und Babette auf Besuch waren, baten Rudi, bisweilen bei ihnen vorzusprechen, er wäre ja mit ihnen aus demselben Kanton. Das war für unseres Rudi Pläne ein gar günstiges Anerbieten, das Glück war mit ihm, wie es immer mit denjenigen ist, der sich auf sich selbst verläßt und dessen eingedenk bleibt: "Gott gibt uns zwar die Nüsse, aber er knackt sie uns nicht auf."

Rudi saß, als ob er mit zur Familie gehörte, bei den Verwandten des Müllers; ein Hoch wurde auf den besten Schützen ausgebracht, und Babette stieß mit an, und Rudi bedankte sich für die ihm erzeigte Ehre.

Gegen Abend durchschritten sie alle die schöne Straße längs den prächtigen Hotels unter den alten Walnußbäumen, und es bewegte sich dort eine solche Volksmenge, es war ein so großes Gedränge, daß Rudi Babette den Arm bieten mußte. Er wäre so froh darüber, daß er Leute aus Waadt getroffen hätte, sagte er. Waadt und Wallis wären gute Nachbarkantone. Er sprach seine Freude so aufrichtig und ungeheuchelt aus, daß es Babette durchaus notwendig erschien, ihm dafür die Hand zu drücken. Sie gingen fast wie alte Bekannte nebeneinander, und drollig war sie, das kleine, allerliebste Menschenkind. Es stand ihr in Rudis Augen so niedlich, auf das Lächerliche und Übertriebene in der Kleidung und den Moden aufmerksam zu machen, welche die fremden Damen zur Schau trugen. Es geschah übrigens durchaus nicht , um sich über sie lustig zu machen, denn es konnten sehr rechtschaffene, ja gute und liebenswürdige Menschen sein, wie Babette sehr wohl wußte, hatte sie doch eine solche vornehme englische Dame zur Patin. Vor achtzehn Jahren befand sie sich, als Babette getauft wurde, gerade in Bex; sie hatte Babette die kostbare Nadel geschenkt, die sie an der Brust trug. Zweimal hätte ihre Patin bereits geschrieben, und in diesem Jahr hätte sie mit ihr und ihren Töchtern, alten Jungfern an die Dreißig heran, wie sich Babette ausdrückte, sie selbst war ja nur achtzehn, hier in Interlaken zusammentreffen sollen.

Der süße kleine Mund stand nicht einen Augenblick still, und alles, was Babette sagte, klang Rudi wie Dinge von der größten Wichtigkeit, und er erzählte wieder, was er zu erzählen hatte, erzählte, wie oft er in Bex gewesen wäre, wie gut er die Mühle kenne, wie oft er Babette gesehen, sie ihn dagegen wahrscheinlich nie bemerkt hätte. Als er nun das letztemal zur Mühle gekommen, und zwar mit allerlei Gedanken, die er ihr nicht sagen könnte, wäre sie und ihr Vater fortgewesen, weit fort, aber doch nicht so weit, daß man nicht hätte die Mauer überspringen können, die den Weg weit machte.

Ja, das sagte er, und er sagte so vieles. Er sagte, wie lieb er sie hätte, und daß er nur um ihretwillen und nicht wegen des Schützenfestes gekommen wäre.

Babette wurde ganz still; es war fast zu viel, was er ihr zu tragen anvertraute.

Und während sie gingen, sank die Sonne hinter die hohe Felsenwand, die Jungfrau erhob sich in Pracht und Glanz, umgeben vom waldgrünen Kranze der nahen Berge. Die vielen Menschen blieben stehen und schauten dorthin; auch Rudi und Babette weideten ihre Augen an der erhabenen Pracht.

"Nirgends ist es schöner als hier!" sagte Babette

"Nirgends!" wiederholte Rudi und sah Babette dabei an.

"Morgen muß ich fort!" fügte er kurz darauf hinzu.

"Besuche uns in Bex!" flüsterte Babette. "Das wird meinen Vater erfreuen!"

V. Auf dem Heimwege
Oh, wie vieles hatte Rudi zu tragen, als er am nächsten Tage über die hohen Berge heimwärts ging! Ja, er hatte drei silberne Becher, zwei ausgezeichnete Büchsen und eine silberne Teekanne, von der man Gebrauch machen konnte, wenn man einen Hausstand begründete. Das war jedoch noch nicht das am meisten ins Gewicht Fallende. Etwas Gewichtigeres, Mächtigeres trug er, oder trug ihn vielmehr über die Berge nach Hause. Aber das Wetter war rauh, der Himmel grau, trüb und schwer. Die Wolken senkten sich wie Trauerschleier über die Bergeshöhen und hüllten die weithin leuchtenden Berggipfel ein. Aus dem Waldgrunde schallten die letzten Axtschläge, und die Berge abwärts rollten Baumstämme, die sich von der Höhe aus wie leichtes Schnitzwerk, in der Nähe dagegen wie schwere Mastbäume ausnahmen. Die Lütschine rauschte in ihren einförmigen Akkorden, der Wind sauste, die Wolken segelten. Dicht neben Rudi ging plötzlich ein junges Mädchen, das er nicht eher bemerkt hatte, als bis es ihm unmittelbar zur Seite ging. Es wollte ebenfalls über das Gebirge. Des Mädchens Augen hatten eine eigentümliche Macht, man mußte in sie hineinschauen, sie waren so sonderbar glashell, so tief, so bodenlos.

"Hast Du einen Liebsten?" fragte Rudi. Seine Gedanken drehten sich nur darum, daß man eine Liebste haben müßte.

"ich habe keinen!" sagte das Mädchen und lachte, aber es war, als ob es nicht die Wahrheit spräche. "Laß uns keinen Umweg machen!" fuhr es fort. "Wir müssen uns mehr nach links halten; es ist kürzer!"

"Ja, um in eine Eisspalte zu fallen!" erwiderte Rudi. "Weißt Du den Weg nicht besser und willst Führerin sein?"

"Ich kenne den Weg recht gut und habe meine vollen Gedanken beisammen. Deine weilen wahrscheinlich noch unten im Tale. Hier oben muß man an die Eisjungfrau denken. Sie ist den Menschen nicht gut, sagen die Menschen."

"Ich fürchte sie nicht," versetzte Rudi, "hat sie mich loslassen müssen, als ich noch ein Kind war, so werde ich ihr jetzt, wo ich älter bin, auch wohl entgehen."

Und die Finsternis nahm zu, der Regen fiel, der Schnee kam, er leuchtete, er blendete.

"Reiche mir Deine Hand, damit ich Dir beim Steigen helfen kann!" sagte das Mädchen und berührte sie mit eiskalten Fingern.

"Du mir helfen!" rief Rudi. "Noch nie bedurfte ich Weiberhilfe zum Klettern!" Er ging rascher zu, fort von ihr. Das Schneegestöber hüllte ihn gleichsam in einen Vorhang ein, der Wind sauste, und hinter sich hörte er, wie das Mädchen lachte und sang. Es klang so seltsam. Es gab soviel Zauberspuk im Dienste der Eisjungfrau. Rudi hatte davon gehört, wie er als Kind auf seiner Wanderung über die Berge hier oben übernachtete.

Der Schnee fiel dünner, die Wolken lagen unter ihm. Er schaute zurück, und niemand war mehr zu sehen, aber er hörte Lachen und Jodeln, und es tönte nicht, als ob es von einem Menschen herrührte.

Als Rudi endlich die obersten Gipfel des Berges erreichte, wo sich der Gebirgspfad nach dem Rhonetale abwärts senkte, erblickte er in dem hellen blauen Luftstreifen, in der Richtung auf Chamonix, zwei funkelnde Sterne, und er dachte an Babette, an sich und sein Glück, und wurde bei den Gedanken warm.

VI. Der Besuch in der Mühle
"Sachen, wie sie für Herrschaften passen, bringst Du in das Haus!" rief die alte Pflegemutter, und ihre sonderbaren Adleraugen blitzten, sie bewegte den mageren Hals noch geschwinder in seltsamen Verdrehungen. "Das Glück ist mit Dir, Rudi! Ich muß Dich küssen, mein süßer Junge!"

Und Rudi ließ sich küssen, aber es war seinem Gesicht anzusehen, daß er sich in die Umstände, in die kleinen häuslichen Beschwerden nur mit Mühe fand. "Wie schön Du bist, Rudi!" sagte die alte Frau.

"Bilde mir nichts ein!" versetzte Rudi lachend, aber es war ihm doch angenehm.

"Ich sage es noch einmal," fuhr die Alte fort, "Das Glück ist mit Dir!"

"Ja, darin schenke ich Dir Glauben!" antwortete er und dachte an Babette.

Nie hatte er sich vorher so wie jetzt nach dem tiefen Tale gesehnt.

"Sie müssen jetzt zurückgekommen sein!" sagte er bei sich selbst. "Es sind schon zwei Tage über die festgesetzte Zeit. Ich muß nach Bex!"

Und Rudi kam nach Bex, und Müllers waren daheim. Gut wurde er aufgenommen und empfing Grüße von der Familie in Interlaken. Babette sprach nicht viel, sie war schweigsam geworden, aber ihre Augen sprachen, und das war auch Rudi völlig genug. Der Müller, der sonst gerne das Wort führte, denn er war gewöhnt, daß man seine Einfälle und Wortspiele stets belachte, war er doch der reiche Müller, fand merkwürdigerweise ein Vergnügen daran, Rudi seine Jagdabenteuer, die Beschwerden und Gefahren, welche die Gemsenjäger auf den hohen Felsenzacken zu bestehen haben, erzählen zu hören. Aufmerksam lauschte er der Erzählung, wie sie über die unsicheren Schneegesimse, welche Wind und Wetter fest an den Felsenrand kitten, kriechen müßten, über die kühnen Brücken hinwegkriechen, welche das Schneegestöber über die tiefen Abgründe gezogen hat. So kühn sah Rudi dabei aus, seine Augen glänzten, während er von dem Jägerleben, von der Klugheit und den verwegenen Sprüngen der Gemsen, vom wütenden Föhn und von den rollenden Lawinen erzählte. Er merkte sehr wohl, daß er bei jeder neuen Beschreibung mehr und mehr bei dem Müller gewann. Das, was diesen aber ganz besonders ansprach, war sein Bericht über die Lämmergeier und die kühnen Königsadler.

Nicht weit von hier befand sich im Kanton Wallis ein unter einem überhängenden Felsenrande sehr schlau angelegtes Adlernest. Es war ein Junges darin, das niemand auszunehmen wagte. Ein Engländer hatte Rudi vor wenigen Tagen eine ganze Handvoll Gold geboten, wenn er ihm das Junge lebendig verschaffen wollte. Aber "es hat alles seine bestimmten Grenzen," hatte er geantwortet. "Der junge Adler läßt sich nicht ausnehmen, es wäre eine Torheit, sich darauf einzulassen."

Und der Wein floß, und die Rede floß, aber der Abend deuchte Rudi zu kurz, und doch war es weit über Mitternacht, als er nach seinem ersten Besuch in der Mühle Abschied nahm.

Einen kurzen Augenblick blinkten die Lichter noch durch das Fenster und zwischen die grünen Zweige hindurch. Aus der offenen Dachluke kam die Stubenkatze und die Dachrinne entlang spazierte die Küchenkatze.

"Weißt Du was Neues aus der Mühle?" fragte die Stubenkatze. "Es gibt hier im Hause eine heimliche Verlobung! Vater weiß noch nichts davon. Rudi und Babette haben sich während des ganzen abends einander unter dem Tische auf die Füße getreten. Mich traten sie zweimal, aber ich miaute doch nicht, es hätte sonst Aufmerksamkeit erregt!"

"Ich würde es doch getan haben!" entgegnete die Küchenkatze.

"Was sich in der Küche schickt, schickt sich nicht in der Stube!" erwiderte die Stubenkatze. "Ich möchte nur wissen, was der Müller sagen wird, wenn er von der Verlobung hört!"

Ja, was würde der Müller sagen, das hätte auch Rudi gern wissen mögen; aber lange darauf zu warten, bis er es erfuhr, vermochte er nicht. Und deshalb saß Rudi nicht viele Tage später, als der Omnibus über die Rhonebrücke zwischen Wallis und Waadt rollte, guten Mutes wie immer darin und wiegte sich in herrliche Träume von dem Jaworte, das er noch heute abend zu erhalten hoffte.

"Weißt Du es schon, Du aus der Küche! Der Müller weiß jetzt alles. Es hat ein merkwürdiges Ende genommen. Rudi kam hier gegen Abend an, und er und Babette hatten viel miteinander zu flüstern und zu tuscheln; sie standen auf dem Gange gerade vor des Müllers Zimmer. Ich lag zu ihren Füßen, aber sie hatten für mich weder Auge noch Sinn. 'Ich gehe direkt zu Deinem Vater hinein,' sagte Rudi, 'es ist eine ehrliche Sache.' 'Soll ich Dich begleiten?' fragte Babette. 'Meine Gegenwart wird Dir Mut einflößen!' 'An Mut fehlt es mir nicht!' versetzte Rudi, 'aber bist Du zugegen, muß er wenigstens Ruhe bewahren, er mag wollen oder nicht!' Und darauf gingen sie hinein. Rudi trat mir dabei heftig auf den Schwanz. Rudi ist schrecklich linkisch. Ich miaute, aber weder er noch Babette hatten Augen, um zu hören. Sie öffneten die Tür und traten beide ein, ich voran, schnell sprang ich auf eine Stuhllehne, konnte ich doch nicht wissen, was für Kratzfüße Rudi machen würde. Aber jetzt kam die Reihe an den Müller, seine Füße zu gebrauchen. Ohne Fußtritte ging es nicht ab. 'Hinaus zur Tür und zu den Gemsen ins Gebirge hinauf! Nach ihnen kann nun Rudi zielen und nicht nach unserer kleinen Babette!'"

"Aber was wurde denn gesagt?" fragte die Küchenkatze.

"Gesagt? Nun, es wurde alles gesagt, was die Leute bei einer Bewerbung zu sagen pflegen: Ich habe sie lieb und sie hat mich lieb; und wenn Milch im Topfe für einen da ist, so ist auch genug Milch im Topfe für zwei!"

"'Aber sie steht viel zu hoch für Dich!' erwiderte der Müller, 'sie steht, das weißt Du ja, auf einem Berge, auf einem Goldberge! Zu ihr klimmst Du nicht hinauf!' 'Nichts steht so hoch, daß man es nicht erreichen könnte, wenn man ernstlich will!' sagte Rudi, denn um eine Antwort ist er nicht verlegen. 'Aber das Adlernest ist Dir doch zu hoch; den jungen Adler kannst Du Dir doch nicht erbeuten, sagtest Du selbst das letzte Mal. Babette steht höher!' 'Ich erbeute sie alle beide!' rief Rudi rasch. 'Ja, ich will sie Dir schenken, wenn Du mir den jungen Adler lebendig bringst,' versetzte der Müller und lachte, daß ihm die Tränen in die Augen traten. 'Aber nun habe schönen Dank für Deinen freundlichen Besuch, Rudi; komm morgen wieder, dann ist hier niemand zuhause! Lebe wohl, Rudi!' Und Babette sagte ebenfalls 'Lebewohl,' so kläglich, wie ein junges Kätzchen, das seine Mutter nicht sehen kann. 'Ein Mann, ein Wort!' sprach Rudi entschlossen. 'Weine nicht, Babette, ich bringe den jungen Adler!' 'Ich hoffe, Du brichst Dir den Hals!' entgegnete der Müller, 'und dann sind wir Dich los!' Das heiße ich einen Fußtritt versetzen! Rudi ist nun fort, und Babette sitzt und weint, aber der Müller singt ein deutsches Lied, das er auf der Reise gelernt hat. Ich will mich nicht weiter über die Geschichte grämen; es hilft doch nichts!" - "Es kann ja immer noch anders kommen!" sagte die Küchenkatze.

VII. Das Adlernest
Ein lustiger und lauter Jodler schallte von dem Felsenpfade herab und drückte gute Laune und unerschrockenen Mut aus. Rudi war es, er ging zu seinem Freunde Vesinand.

"Du mußt mir helfen! Wir nehmen Ragli mit, ich muß den jungen Adler aus dem Neste oben am Felsenrande ausnehmen!"

"Willst Du nicht lieber gleich den Mann aus dem Monde holen, das ist ungefähr ebenso leicht!" erwiderte Vesinand. "Du bist heut gut gelaunt!"

"Ja, denn ich denke, Hochzeit zu feiern. Doch nun ernstlich geredet: Du mußt wissen, wie meine Angelegenheiten stehen!"

Und bald wußten Vesinand und Ragli, um was es sich handelte.

"Du bist ein waghalsiger Bursche!" sagten sie. "Es geht nicht, Du brichst Dir den Hals!"

"Man fällt nicht, wenn man es sich nicht einbildet!" entgegnete Rudi.

Um Mitternacht brachen sie auf, mit Stangen, Leitern und Stricken reichlich versehen. Der Weg führte zwischen Sträuchern und Büschen hindurch, über rollende Steine hinweg, immer aufwärts, aufwärts in die dunkle Nacht hinein. Das Wasser rauschte hernieder, das Wasser rieselte auf der Höhe, feuchte Wolken trieben in der Luft. Die Jäger erreichten den steilen Felsenrand, dunkler wurde es hier, die Felsenwände stießen fast zusammen, und nur hoch oben in der schmalen Spalte zeigte sich ein geringer Lichtschimmer. Dicht vor ihnen war ein tiefer Abgrund mit einem rauschenden Wasserfall. Still saßen sie alle drei da, sie wollten die Dämmerung erwarten, in welcher der Adler ausflog. War er nicht erst geschossen, konnte man gar nicht daran denken, sich des Jungen zu bemächtigen. Rudi saß zusammengekauert, so still, als wäre er ein Stück des Steines, auf dem er saß. Das Gewehr hielt er schußfertig vor sich, die Augen unverwandt auf die oberste Spalte gerichtet, wo sich das Adlernest unter den herabhängenden Felsen verbarg. Die drei Jäger warteten lange.

Plötzlich ertönte über ihnen ein krachender, rauschender Laut; ein großer schwebender Gegenstand überschattete sie. Zwei Büchsenläufe richteten sich auf die schwarze Adlergestalt, als sie aus dem Neste aufflog. Ein Schuß fiel. Einen Augenblick bewegten sich die ausgebreiteten Schwingen und dann senkte sich der Vogel langsam hinab, als wollte er durch seine Größe und seine ausgestreckten Flügel die ganze Kluft ausfüllen und die Jäger in seinem Falle mit hinunterreißen. Der Adler sank in die Tiefe; es krachte in den Baumzweigen und Büschen, die durch den Fall des Vogels zerknickt wurden.

Und jetzt begann eine emsige Geschäftigkeit. Drei der längsten Leitern wurden, damit sie bis oben hinaufreichten, zusammengebunden. Sie wurden auf dem äußersten festen Punkte am Rande des Abgrundes aufgestellt, reichten aber trotzdem noch nicht. Und noch ein ganzes Stück höher hinauf, bis dorthin, wo sich das Nest im Schutze des obersten hinüberragenden Felsenknotens verbarg, war die Felswand glatt wie eine Mauer. Nach kurzer Beratung wurde man darüber einig, daß sich nichts Besseres tun ließe, als von obenher zwei zusammengebundene Leitern in die Kluft hinabzulassen und dann diese mit den dreien, die schon unten aufgestellt waren, in Verbindung zu setzen. Mit großer Mühe gelang es, die beiden Leitern hinaufzuschleppen und die Stricke zu befestigen. Die Leitern wurden über den hervorspringenden Felsen hinausgeschoben und hingen frei mitten über dem Abgrunde. Rudi saß bereits auf der untersten Sprosse. Es war ein eiskalter Morgen; Nebelwolken erhoben sich von unten aus der schwarzen Kluft. Rudi saß draußen, wie eine Fliege auf dem schaukelnden Strohhalme sitzt, welchen ein sein Nest bauender Vogel auf dem Rande des hohen Fabrikschornsteins verloren hat, aber die Fliege kann eben fliegen, Rudi konnte sich nur den Hals brechen. Der Wind umsauste ihn, und im Abgrunde unter ihm brauste das aus dem aufgetauten Gletscher, dem Palaste der Eisjungfrau, schnell herabströmende Wasser.

Nun setzte er die Leitern in eine schwingende Bewegung, wie die Spinne, die sich von ihrem langen schwebenden Faden aus an irgendeinen Haltepunkte festklammern will, und als Rudi zum viertenmal die von untenher angelehnten Leitern berührte, faßte er sie und band sie mit sicherer und kräftiger Hand zusammen, was aber doch nicht verhinderte, daß sie unaufhörlich hin und her schwankten.

Einem schwebenden Rohre glichen die fünf langen Leitern, die bis zum Neste hinaufreichten und sich fast senkrecht an die Felsenwand lehnten. Doch das Gefährlichste kam jetzt erst; nun galt es wie eine Katze zu klettern; aber Rudi verstand es auch, sein alter Kater hatte es ihn gelehrt. Er empfand keinen Schwindel, gewahrte nicht, daß der Schwindel hinter ihm Luft trat und seine Polypenarme nach ihm ausstreckte. Jetzt stand er auf der obersten Sprosse der Leiter und bemerkte, daß er immer noch nicht in das Nest hineinzusehen vermochte, nur mit der Hand konnte er an dasselbe reichen. Vorsichtig prüfte er, wie fest die untersten Zweige saßen, die den Boden des Nestes bildeten, und nachdem er einen dicken und haltbaren Zweig ergriffen hatte, schwang er sich von der Leiter auf den Zweig hinauf und lag nun mit Brust und Kopf über dem Neste; aber ein erstickender Leichengeruch strömte ihm entgegen. Verfaulte Lämmer, Gemsen und Vögel lagen in großen Fetzen umher. Der Schwindel, der ihn nicht zu berühren vermochte, blies ihm die giftigen Dünste ins Antlitz, um ihn zu betäuben; und unten in der schwarzen gähnenden Tiefe, auf dem rauschenden Wasser saß die Eisjungfrau selbst mit ihren langen weißlichgrünen Haaren und starrte ihn mit todbringenden Augen, wie mit zwei Büchsenläufen an.

"Jetzt fange ich Dich!"

In einer Ecke des Nestes saß groß und mächtig der junge Adler, der noch nicht fliegen konnte. Rudi richtete seine Augen auf ihn, hielt sich mit der einen Hand kräftig fest und warf mit der anderen Hand die Schlinge um den jungen Adler. Lebendig war er gefangen, die Schnur hatte sich um seine Füße gewunden, und Rudi warf die Schlinge mit dem Vogel über seine Schulter, so daß das Tier ein gutes Stück unter ihm hinabhing, während er sich an einem zu seiner Hilfe herabgelassenen Stricke festhielt, bis er wieder mit der Fußspitze den obersten Rand der Leiter erreichte.

"Halte Dich fest, bilde Dir nicht ein, daß Du fällst, dann fällst Du auch nicht!" so lautete die alte Lehre, und er befolgte sie, hielt sich fest, kroch, war dessen gewiß nicht zu fallen, und er fiel nicht.

Ein Jodler, kräftig und froh, schallte weithin. Rudi stand mit seinem jungen Adler wieder auf festem Felsengrunde.

VIII. Welche Neuigkeiten die Stubenkatze wieder zu erzählen hatte
"Hier ist das Verlangte!" sagte Rudi, der zu dem Müller in Bex in das Zimmer trat und einen großen Korb auf den Fußboden setzte. Als er das Tuch abnahm, starrten zwei gelbe, schwarz umränderte Augen daraus, so funkelnd, so wild hervor, daß man ihm die Lust anmerkte, sich in alles, was er sah, einzubeißen. Der kurze starke Schnabel öffnete sich zum Bisse, der Hals war rot und mit Daunen bedeckt.

"Der junge Adler!" rief der Müller. Babette stieß einen Schrei aus und sprang auf die Seite, vermochte aber ihre Augen weder von Rudi noch von dem jungen Adler abzuwenden.

"Du läßt Dich nicht verblüffen!" sagte der Müller.

"Und Ihr haltet stets Wort!" sagte Rudi. "Jeder hat sein besonderes Merkmal!"

"Aber weshalb brachest Du Dir nicht den Hals?" fragte der Müller

"Weil ich festhielt!" erwiderte Rudi, "und das tue ich auch jetzt, ich halte fest an Babette!"

"Sieh erst zu, daß Du sie hast!" sagte der Müller und lachte; und das war, wie Babette wußte, ein gutes Zeichen.

"Laß uns erst den jungen Adler aus dem Korbe schaffen, es ist ja schrecklich mit anzusehen, wie er uns anglotzt! Wie hast Du ihn denn gefangen?"

Und Rudi mußte erzählen, und der Müller betrachtete ihn mit Augen, die immer größer und größer wurden.

"Mit Deinem Mute und Deinem Glücke kannst Du drei Frauen versorgen!" hob endlich der Müller an.

"Dank, herzlichen Dank!" rief Rudi.

"Ja, Babette hast Du deshalb doch noch nicht!" entgegnete der Müller und klopfte dem jungen Alpenjäger scherzend auf die Schulter.

"Weißt Du das Neueste aus der Mühle?" fragte die Stubenkatze die Küchenkatze; "Rudi hat uns den jungen Adler gebracht und tauscht Babette dafür ein. Sie haben einander geküßt und den Vater zusehen lassen, das ist so gut wie eine Verlobung! Der Alte versetzte keine Fußtritte mehr, zog die Krallen ein, hielt ein Mittagsschläfchen und ließ die beiden sitzen und schön miteinander tun. Sie haben sich soviel zu erzählen, sie werden bis Weihnachten nicht fertig!"

Und sie wurden auch bis Weihnachten nicht fertig. Der Wind wirbelte in braunen Kreisen das Laub umher, der Schnee stöberte im Tale wie auf den hohen Bergen. Die Eisjungfrau saß in ihrem stolzen Schloß, das zur Winterszeit sich ausdehnte und vergrößerte. Die Felsenwände waren mit Eis überzogen und klafterdicke, elefantenschwere Eiszapfen hingen da, wo im Sommer der Gebirgsstrom seinen Wasserschleier flattern ließ. Eisgirlanden von fantastischen Eiskristallen glitzerten über den schneebepuderten Tannen. Die Eisjungfrau ritt auf dem sausenden Winde, über die tiefsten Täler dahin. Bis nach Bex hinab lag eine feste Schneedecke, und wenn sie dort ankam, konnte sie Rudi weit mehr als er gewohnt war, hinter der Tür sehen; saß er doch bei seiner Babette. Im Sommer sollte die Hochzeit gefeiert werden; freunde und Bekannte sprachen so oft davon, daß ihnen ordentlich die Ohren klangen. Es war ewiger Sonnenschein, wie die schönste Alpenrose glühte die muntere, lachende Babette, schön wie der Frühling, der jetzt nahte, der Frühling, der alle Vögel vom Sommer, vom Hochzeitstage singen ließ.

"Wie die beiden nur so ewig beieinander sitzen und sich übereinander neigen können!" sagte die Stubenkatze. "Das stete Einerlei ihres Miauens ist mir nun doch zu langweilig!"

IX. Die Eisjungfrau
Der Frühling hatte seinen saftgrünen Kranz von Walnuß- und Kastanienbäumen entfaltet, der besonders von der Brücke bei St. Maurice die Rhone entlang bis zum Ufer des Genfer Sees an Üppigkeit stets zunahm. In schnellem Lauf rauschte dieser Strom von seiner Quelle unter dem grünen Gletscher, dem Eispalaste, daher, rauschte stürmisch von dorther, wo die Eisjungfrau wohnt, wo sie sich vom scharfen Wind auf das oberste Schneefeld tragen läßt und sich im warmen Sonnenscheine auf den rein gefegten Kissen ausstreckt. Dort saß sie und blickte weitschauend in die tiefen Täler hinab, wo sich die Menschen wie Ameisen geschäftig bewegten.

"Geisteskräfte, wie Euch die Kinder der Sonne nennen!" sagte die Eisjungfrau, "Gewürm seid Ihr! Ein rollender Schneeball, und Ihr und Eure Häuser seid zerdrückt und ausgewischt von der Tafel des Lebens!" Und höher erhob sie ihr stolzes Haupt und blickte mit todsprühenden Augen weit umher und tief hinab. Aber aus dem Tale schallte ein eigentümliches Rollen empor: der Donner von Felsensprengungen, Menschenwerk! Wege und Tunnel wurden für Eisenbahnen angelegt.

"Die niedrigen Maulwürfe!" sagte sie; "sie graben Gänge und deshalb lassen sich Töne wie Flintenschüsse vernehmen. Verlege ich meine Schlösser, dann klingt es stärker als Donnergeroll!"

Aus dem Tale erhob sich Rauch, der sich vorwärts bewegte wie ein flatternder Schleier, ein von der Lokomotive wehender Federbusch, von der Lokomotive, die auf der neueröffneten Eisenbahn die Wagenreihe zog, diese sich windende Schlange, deren Glieder Wagen an Wagen bilden; pfeilschnell schoß der Zug dahin.

"Sie spielen die Herren da unten, diese Geisteskräfte!" fuhr die Eisjungfrau in ihrem Selbstgespräche fort. "Die Kräfte der Naturmächte sind doch allein die herrschenden!" und sie lachte, sie sang, und es hallte im Tale wider.

"Dort rollte soeben eine Lawine!" sagten die Menschen da unten. Aber die Kinder der Sonne sangen noch lauter von dem Menschengedanken, welcher gebietet; das Meer unter dem Joche hält, Berge versetzt, Täler füllt; der Menschengedanke, er ist der Herr der Naturkräfte. Gerade in demselben Augenblicke ging über das Schneefeld, auf dem die Eisjungfrau saß, eine Gesellschaft Reisender. Sie hatten sich mit Stricken aneinander festgebunden, um gleichsam einen einzigen größeren Körper auf der glatten Eisfläche, an den tiefen Abgründen zu bilden.

"Gewürm!" sagte sie. "Ihr wäret die Herren der Naturmächte!" und sie wandte sich von ihnen ab und sah spöttisch in das tiefe Tal hinab, wo der Eisenbahnzug eben vorüberbrauste.

"Da sitzen sie, diese Gedanken. Sie sitzen in der Gewalt der Kräfte, ich sehe sie, sehe jeden einzelnen Menschen im Zuge! Einer sitzt stolz wie ein König, allein; dort sitzen sie in einem Haufen zusammen, die Hälfte schläft, und wenn der Dampfdrache hält, steigen sie aus und gehen ihre Wege. Die Gedanken gehen in die Welt hinaus!" Und sie lachte.

"Da rollt schon wieder eine Lawine!" sagten sie unten im Tale.

"Uns trifft sie nicht!" sagten zwei auf dem Rücken des Dampfdrachens, "zwei Seelen und ein Gedanke," wie es im Liede heißt. Es waren Rudi und Babette, auch der Müller war dabei.

"Als Gepäck!" sagte er. "Ich reise mit als das notwendige Übel!"

"Da sitzen die beiden!" sagte die Eisjungfrau. "Viele Gemsen habe ich zerschmettert, Millionen von Alpenrosen habe ich geknickt und gebrochen, nicht die Wurzel blieb. Ich vertilge sie, die Gedanken, die Geisteskräfte!" Und sie lachte.

"Es rollt schon wieder eine Lawine!" sagten sie unten im Tale.

X. Die Frau Patin
In Montreux, einem der nächsten Städtchen, das mit Clarens, Vernex und Crin einen Kranz um den nordöstlichen Teil des Genfer Sees bildet, wohnte Babettes Patin, die vornehme Engländerin mit ihren Töchtern und einem jungen Verwandten. Sie waren vor kurzem eingetroffen, doch hatte ihnen der Müller schon seinen Besuch abgestattet, hatte ihnen Babettes Verlobung mitgeteilt und von Rudi und dem jungen Adler, von dem Besuche in Interlaken, kurzum die ganze Geschichte erzählt, und das alles hatte sie im höchsten Grade unterhalten und ihnen ein lebhaftes Interesse für Rudi und Babette und auch für den Müller eingeflößt. Schließlich sollen sich alle drei vorstellen, und deshalb kamen sie. Babette soll ihre Patin, die Patin Babette sehen.

Bei der kleinen Stadt Villeneuve, am Ende des Genfer Sees, lag das Dampfschiff, das die Reisenden in halbstündiger Fahrt nach Bernex, gerade unterhalb Montreux, befördert. Es ist ein von Dichtern besungenes Ufer; hier, unter den Walnußbäumen an dem tiefen blaugrünen See, saß Byron und schrieb seine melodischen Verse von dem Gefangenen in dem unheimlichen Felsenschloß Chillon. Dort, wo Clarens sich mit seinen Trauerweiden im Wasser spiegelte, wanderte Rousseau, von seiner Heloïse träumend. Die Rhone gleitet unter Savoyens hohen schneebedeckten Bergen hervor. Hier liegt nicht weit von ihrer Mündung in den See eine kleine Insel, ja sie ist so klein, daß sie vom Ufer aus wie ein Schiff erscheint. Es ist ein Felseneiland, das eine Dame vor länger als hundert Jahren eindämmen, mit Erde belegen und mit drei Akazienbäumen, die jetzt die ganze Insel überschatten, bepflanzen ließ. Babette war über das kleine Plätzchen völlig entzückt, in ihren Augen war es das schönste auf der ganzen Fahrt, dort sollte man hin, dort müßte man hin, dort müßte es unvergleichlich lieblich sein, meinte sie. Aber das Dampfschiff fuhr vorüber und legte, wie es sollte, bei Vernex an.

Die kleine Gesellschaft wanderte von hier zwischen den weißen sonnigen Mauern aufwärts, welche die Weingärten vor dem kleinen Bergstädtchen Montreux umgeben. Feigenbäume gewähren vor den Bauernhäusern Schatten, Lorbeeren und Zypressen wachsen in den Gärten. Den Berg halb hinauf lag die Pension, in welcher die Frau Patin wohnte.

Der Empfang war sehr herzlich. Die Patin war eine große freundliche Frau mit rundem lächelndem Gesicht. Als Kind mußte sie ein wahres Raffaelsches Engelsköpfchen gewesen sein, aber jetzt war sie ein alter Engelskopf, den sie silberweißen Haare reich umlockten. Die Töchter waren zierlich, fein, lang und schlank. Der junge Vetter, der sie begleitet und vom Scheitel bis zu den Zehen ganz in Weiß gekleidet war, mit rötlichem Haar und rötlichem Backenbarte, so lang, daß sich drei Gentlemen darein hätten teilen können, erzeigte der kleinen Babette sofort die größte Aufmerksamkeit.

Reich eingebundene Bücher, Notenblätter und Zeichnungen lagen zerstreut auf dem großem Tische, die Tür zu dem Balkon, von dem eine herrliche Aussicht auf den sich weithin ausdehnenden See hatte, stand geöffnet. Still und ruhig lag der klare Wasserspiegel da, in dem sich Savoyens Berge mit ihren Städtchen, Wäldern und Schneegipfeln umgekehrt spiegelten.

Rudi, der sonst immer kühn, lebensfrisch und unbefangen war, fühlte sich sehr beklommen und unbehaglich. Hier bewegte er sich, als ob er auf einem glatten Boden über Erbsen ginge. Wie entsetzlich träge die Zeit verstrich! Er glaubte sich in einer Tretmühle zu befinden. Nun wollte man spazieren gehen. Es ging genau ebenso langsam. Rudi mußte zwei Schritte vorwärts und einen rückwärts machen, um den anderen nicht zuvorzukommen. Nach Chillon, dem alten düstern Schloß auf der Felseninsel, gingen sie hinab, um den Marterpfahl, die Kerker, die verrosteten Ketten an der Felsenmauer, die steinerne Pritsche für die zum Tode Verurteilten und die Falltür anzusehen, von welcher die Unglücklichen hinabgestürzt und auf eisernen Stacheln mitten in der Brandung gespießt wurden. Ein Richtplatz war es, durch Byrons Lied in die Welt der Poesie gehoben. Rudi war es zumute, als würde er selbst zur Richtstätte geführt; er lehnte sich an den steinernen Fensterrahmen und schaute in das tiefe bläulichgrüne Wasser hinab, schaute hinüber zu der kleinen einsamen Insel mit den drei Akazien; weit fort wünschte er sich von der ganzen schwatzenden Gesellschaft, während Babette in der heitersten Laune war. Sie hätte sich vortrefflich amüsiert, sagte sie später. Den Vetter fand sie vollkommen.

"Ja, ein vollkommenes Schatzmaul ist er!" erwiderte Rudi, und das war das erstemal, daß Rudi etwas sagte, was Babette unangenehm berührte. Ein kleines Buch hatte ihr der Engländer zur Erinnerung an Chillon geschenkt. Es war Byrons Gedicht "Der Gefangene in Chillon" in französischer Übersetzung, so daß Babette imstande war, es zu lesen.

"Das Buch kann vielleicht gut sein," sagte Rudi, "aber der feingekämmte Bursche, der es Dir gab, hat bei mir wenigstens kein Glück gehabt."

"Er sah wie ein Mehlsack ohne Mehl aus!" sagte der Müller und belachte seinen Witz. Rudi brach ebenfalls in Gelächter aus und meinte, daß es eine ganz richtige Bezeichnung wäre.

XI. Der Vetter
Als Rudi ein paar Tage später zu dem Müller auf Besuch kam, fand er den jungen Engländer daselbst; Babette setzte ihm gerade gekochte Forellen vor, die sie jedenfalls eigenhändig mit Petersilie ausgeputzt hatte, sonst hätten sie nicht so einladend aussehen können. Das hatte sie durchaus nicht nötig. Was wollte überhaupt der Engländer hier? Was konnte er nur hier wollen? Sich etwa von Babette traktieren und sie den Mundschenk spielen lassen? Rudi war eifersüchtig und das amüsierte Babette; es machte ihr Freude, ihn von allen Seiten seines Herzens, den starken, wie den schwachen, kennen zu lernen. Die Liebe war ihr bis jetzt noch ein Spiel, und sie spielte mit Rudis Herzen, und dennoch, das muß man zugestehen, war er allein ihr Glück, der einzige Gedanke ihres Lebens, das beste und herrlichste in dieser Welt. Aber je finsterer er dreinschaute, desto mehr lachten ihre Augen, sie würde den blonden Engländer mit dem rötlichen Backenbarte gern geküßt haben, hätte sie es dadurch zuwege gebracht, daß Rudi rasend und wütend fortliefe. Das hätte ihr ja gerade den Beweis geliefert, wie sehr sie von ihm geliebt wurde. Recht und klug handelte die kleine Babette darin freilich nicht, aber sie war ja auch erst neunzehn Jahre. Sie bedachte das nicht, bedachte noch weniger, wie ihr Betragen ausgelegt werden konnte, von dem jungen Engländer sicherlich leichtfertiger und lebensfroher, als sich für des Müllers ehrbare und neuverlobte Tochter schickte.

Wo die Landstraße von Bex unter der schneebedeckten Felsenspitze hinläuft, die in der Landessprache Diablerets heißt, lag die Mühle unweit eines reißenden Gebirgsstromes, der eine weißlichgraue Farbe wie gepeitschtes Seifenwasser hatte. Die Mühle trieb er aber nicht, vielmehr tat das ein kleiner Gießbach der auf dem anderen Ufer des Flusses vom Felsen hinabstürzte und sich durch einen steinernen Abzugskanal unter der Straße hindurch infolge seiner Kraft und Schnelligkeit wieder erhob und dann in einer breiten, von starken Balken gezimmerten und auf allen Seiten geschlossenen Rinne über den reißenden Fluß lief. Die Rinne war so reichhaltig an Wasser, daß es überströmte und deshalb demjenigen, der auf den Einfall geriet, die Mühle auf diesem Weg schneller zu erreichen, nur einen nassen und schlüpfrigen Pfad darbot. Und auf diesen Einfall geriet ein junger Mann: der Engländer. Weißgekleidet wie ein Müllerbursche trat er in der Abendstunde, von dem Lichtschimmer geleitet, der aus Babettes Kammer fiel, seine Kletterwanderung an. Klettern war seine Stärke nicht, das hatte er nicht gelernt, und beinahe wäre er häuptlings in den Strom gefallen, kam aber mit durchnäßten Ärmeln und bespritzten Beinkleidern fort. Durchnäßt und beschmutzt kam er unter Babettes Fenstern an, wo er in die alte Linde hinaufkletterte und das Geschrei einer Eule nachahmte; das war der einzige Vogel, dessen Töne er einigermaßen nachmachen konnte. Babette hörte es und guckte durch die dünnen Vorhänge hindurch, als sie aber den weißen Mann gewahrte und sich denken konnte, wer es war, schlug ihr kleines Herz vor Schrecken und zugleich vor Zorn. Schnell löschte sie das Licht, fühlte, ob alle Fensterriegel vorgeschoben waren, und ließ ihn dann tuten und heulen.

Schrecklich müßte es sein, wenn Rudi jetzt hier in der Mühle wäre; aber Rudi war nicht in der Mühle, nein, es war weit schlimmer er befand sich gerade davor.

Laute zornige Worte wurden gewechselt; es schien zur Schlägerei kommen zu wollen; vielleicht gab es gar Mord und Totschlag.

In ihrer Angst öffnete Babette ihr Fenster, rief Rudi bei Namen und bat ihn, doch zu gehen; sie könnte, sagte sie, es nicht dulden, daß er hierbliebe.

"Du duldest es nicht, daß ich bleibe!" brach er zornig aus, "es ist also eine Verabredung! Du erwartest gute Freunde, bessere als ich! Schäme Dich, Babette!"

"Du bist abscheulich!" erwiderte Babette. "Ich hasse Dich!" und dabei brach sie in Tränen aus. "Geh, geh!"

"Das habe ich nicht verdient!" entgegnete er und ging; seine Wangen brannten wie Feuer, sein Herz brannte wie Feuer.

Babette warf sich auf ihr Bett und weinte.

"So innig liebe ich Dich, Rudi, und Du kannst so übel von mir denken!"

Und sie war böse, und das war gut für sie, sonst wäre sie tief betrübt gewesen. Nun konnte sie in Schlaf fallen und den stärkenden Schlaf der Jugend schlafen.

XII. Böse Mächte
Rudi verließ Bex, begab sich auf den Heimweg und suchte die Berge mit ihrer frischen, kühlenden Luft auf, die Berge, wo der Schnee lag, wo die Eisjungfrau herrschte. Die Laubbäume standen tief unten, als wären sie nur Kartoffelkraut. Tannen und Sträucher wurden kleiner, die Alpenrosen wuchsen aus dem Schnee hervor, der in einzelnen Flecken wie Leinwand auf der Bleiche dalag. Ein blaues Blümchen wiegte sich in der balsamischen Luft, er zerschlug es mit seinem Gewehrkolben.

Höher hinauf zeigten sich zwei Gemsen; Rudis Augen erhielten Glanz, seine Gedanken neuen Flug. Aber er war nicht nahe genug, um sich seines Schußes sicher zu sein. Höher stieg er, wo nur noch struppiges Gras zwischen den Steinblöcken wuchs. Ruhig gingen die Gemsen auf dem Schneefeld weiter. In Eile beflügelte er seine Schritte. Die Nebelwolken senkten sich rings um ihn, und plötzlich stand er vor der steilen Felsenwand. Der Regen begann hinabzuströmen.

Er fühlte einen brennenden Durst, Hitze im Kopfe, Kälte in seinen anderen Gliedern; er griff nach seiner Jagdflasche, aber diese war leer; er hatte, als er in die Berge hinaufstürmte, nicht daran gedacht. Nie war er krank gewesen, aber jetzt hatte er ein Gefühl davon. Müde war er; Lust, sich hinzuwerfen und zu schlafen, überschlich ihn, doch strömte das Wasser überall und er suchte sich deshalb zusammenzunehmen. Sonderbar zitterten die Gegenstände vor seinen Augen, und plötzlich gewahrte er, was er vorher nie bemerkt hatte: ein neu gezimmertes niedriges Haus, das sich an den Felsen lehnte. In der Tür stand ein junges Mädchen; im ersten Augenblicke hielt er es für Schullehrers Anette, die er einmal beim Tanzen geküßt hatte, allein Anette war es nicht, und doch mußte er sie schon vorher gesehen haben, vielleicht bei Grindelwald, an jenem Abend, als er vom Schützenfest in Interlaken heimkehrte.

"Wie kommst Du hierher?" fragte er.

"Ich bin hier zu Hause!" entgegnete sie. "Ich hüte meine Herde!"

"Deine Herde? Wo weidet sie?" versetzte er und lachte. "Hier gibt es nur Schnee und Felsen."

"Du weißt wirklich gut Bescheid!" erwiderte sie lachend. "Hier hinten, ein klein wenig unten, ist ein herrlicher Weideplatz. Dort gehen meine Ziegen! Ich hüte sie gut. Nicht eine verliere ich, was mein ist, bleibt mein!"

"Du bist kühn!" sagte Rudi.

"Auch Du!" lautete die Antwort.

"Hast Du Milch, so gib mir einen Schluck. Ich durste ganz unerträglich."

"Ich habe etwas Besseres als Milch!" entgegnete sie, "das sollst Du bekommen. Gestern waren einige Reisende mit ihren Führern hier; sie vergaßen eine halbe Flasche Wein, wie Du ihn noch nie gekostet hast. Sie holen sie nicht und ich trinke sie nicht; trinke Du!"

Und sie holte den Wein hervor, goß ihn in eine hölzerne Schale und reichte sie Rudi.

"Der ist gut!" sagte er. "Nie kostete ich einen so wärmenden, so feurigen Wein." Seine Augen strahlten, es kam ein Leben, eine Glut in ihn, als ob alles, was ihn traurig gemacht und bedrückt hatte, verdunstet wäre. Die sprudelnde, frische Menschennatur bewegte sich in ihm.

"Aber es ist doch Schullehrers Anette!" rief er mit einem Male aus. "Gib mir einen Kuß!"

"Wenn Du mir den schönen Ring gibst, den Du am Finger trägst!"

"Meinen Verlobungsring?"

"Gerade den!" sagte das Mädchen, goß Wein in die Schale und setzte sie ihm an die Lippen; und er trank. Echte Lebensfreude strömte da in sein Blut, die ganze Welt schien ihm zu gehören; weshalb sich mit Grillen plagen? Alles ist da, um uns Genuß und Glück zu gewähren! Der Lebensstrom ist ein Freudenstrom; sich von ihm forttragen zu lassen, das ist Glückseligkeit. Er sah das junge Mädchen an, es war Anette und doch auch wieder nicht, noch weniger das Spukphantom, wie er es genannt hatte, das er bei Grindelwald traf. Das Mädchen hier auf dem Berge war wie frisch wie der neugefallene Schnee, schwellend wie die Alpenrose und leicht wie ein Reh, doch immer aus Adams Rippe geschaffen, ein Mensch wie Rudi. Und er schlang seine Arme um sie, schaute in ihre wunderbaren hellen Augen hinein, nur eine einzige Sekunde war es, und in dieser ja wer erklärt, was geschah? war es das Leben des Geistes oder des Todes, was ihn erfüllte? Wurde er erhoben oder sank er in den tiefen tödlichen Eisschlund hinab, tiefer, immer tiefer? Er sah die Eiswände wie bläulichgrünes Glas glänzen; unendliche Spalten und Klüfte gähnten ringsum und das Wasser tröpfelte klingend wie ein Glockenspiel hinab, und dabei in blauweißen Flammen strahlend. Die Eisjungfrau gab ihm einen Kuß, der ihn durch das Rückenmark bis in die Stirn erstarren ließ. Er stieß einen Schmerzensschrei aus, riß sich los, taumelte und fiel; es wurde Nacht vor seinen Augen, aber er öffnete sie wieder. Böse Mächte hatten ihr Spiel getrieben.

Fort war das Alpenmädchen, fort die bergende Hütte; das Wasser rann von der nackten Felsenwand hinab, der Schnee lag ringsum. Rudi schauderte vor Kälte, bis auf die Haut war er durchnäßt, und sein Verlobungsring war fort, der Ring, den ihm Babette an den Finger gesteckt hatte. Sein Gewehr lag neben ihm im Schnee, er hob es auf, wollte es abschießen, aber es versagte. Feuchte Wolken lagerten sich wie feste Schneemassen über die Kluft, der Schwindel saß darin und lauerte auf seine kraftlose Beute, und unter ihm klang es in der tiefen Kluft, wie wenn ein Felsenblock fiele und alles, was seinen Fall aufhalten wollte, zerschmetterte und mit sich fortrisse.

Aber in der Mühle saß Babette und weinte. Rudi war sechs Tage lang nicht dagewesen, er, der unrecht hatte, er. Der sie hätte um Verzeihung bitten müssen und den sie doch von ganzem Herzen liebte.

XIII. Im Hause des Müllers
"Die Menschen machen doch schrecklichen Unsinn," sagte die Stubenkatze zur Küchenkatze. "Zwischen Babette und Rudi ist schon wieder alles aus. Sie weint und er denkt wahrscheinlich gar nicht mehr an sie."

"Das gefällt mir nicht!" erwiderte die Küchenkatze, "aber deswegen will ich mich grämen! Babette kann ja die Braut des Rotbärtigen werden! Er ist übrigens auch nicht hier gewesen, seitdem er auf das Dach klettern wollte."

Böse Mächte treiben ihr Spiel, in und außer uns. Rudi hatte es empfunden und darüber nachgedacht. Was war doch um ihn und in ihm vorgegangen, dort oben auf dem Berge? Waren es Visionen oder ein Fiebertraum? Nie hatte er früher etwas von Fieber oder Krankheit gewußt. Während er Babette verurteilte, hatte er einen Einblick in sich selbst getan. Er dachte an die wilde Jagd in seinem Herzen, an den heißen Föhn, der neulich darin losbrach. Konnte er Babette alles, jeden Gedanken beichten, der bei ihm in der Stunde der Versuchung zur Tat werden konnte? Ihren Ring hatte er verloren, und gerade durch diesen Verlust hatte sie ihn wiedergewonnen. Konnte sie ihm beichten? Es war, als sollte ihm das Herz brechen, wenn er an sie dachte. So viele Erinnerungen wurden in ihm wach. Er sah sie vor sich, wie sie leibte und lebte, lachend, ein mutwilliges Kind. Manch zärtliches Liebeswort, das sie aus der Fülle ihres Herzens geredet hatte, flog wie ein Sonnenblick durch seine Brust, und bald leuchtete Babette nur in hellem Sonnenschein vor ihm.

Sie mußte ihm beichten und sollte es.

Er kam zur Mühle und es kam zur Beichte. Sie begann mit einem Kuß und endete damit, daß Rudi der eigentliche Sünder war. Sein großer Fehler bestand darin, an Babettes Treue zweifeln zu können. Es wäre geradezu abscheulich von ihm! Solches Mißtrauen, solche Heftigkeit könnte nur sie beide ins Unglück stürzen. Ja, ja, ganz gewiß, und deshalb hielt ihm Babette eine kleine Predigt; es machte ihr selbst Spaß und kleidete sie so reizend. In einem Punkte hätte Rudi jedoch recht, der Vetter der Frau Patin wäre ein Schwatzmaul! Sie würde das Buch, das er ihr geschenkt hätte, verbrennen, und nicht das geringste im Besitze halten, was sie an ihn erinnern könnte.

"Nun ist es überstanden!" sagte die Stubenkatze. "Rudi ist wieder hier; sie haben sich miteinander verständigt und versichert, es sei das größte Glück!"

"Heute nacht," erwiderte die Küchenkatze, "hörte ich die Ratten sagen, das größte Glück bestehe darin, Talglichter zu fressen und eine gehörige Portion verdorbenen Speck vor sich zu haben. Wem soll man nun glauben, den Ratten oder den Liebesleuten?"

"Keinem von ihnen," versetzte die Stubenkatze. "Das ist immer das Sicherste."

Das größte Glück für Rudi und Babette war gerade in seinem Aufgange begriffen, den schönsten Tag, wie er genannt wird, den Hochzeitstag, hatten sie zu erwarten.

Aber nicht in der Kirche zu Bex, nicht in dem Hause des Müllers sollte die Trauung stattfinden. Die Frau Patin wünschte, daß die Hochzeit bei ihr gefeiert würde und die Trauung in der hübschen kleinen Kirche zu Montreux geschähe. Der Müller bestand darauf, daß man auf dieses Verlangen einginge. Er allein wußte, was die Frau Patin für die Neuvermählten bestimmt hatte. Sie sollten ein Brautgeschenk erhalten, das wohl diese kleine Nachgiebigkeit wert war. Der Tag war festgesetzt. Schon den Abend vorher beabsichtigten sie, nach Villeneuve zu reisen, um mit dem Schiffe früh am nächsten Morgen nach Montreux hinüberzufahren, damit die Töchter der Frau Patin die Braut schmücken könnten.

"Es wird wohl am nächsten Tage hier im Hause eine Nachfeier geben," sagte die Stubenkatze. "Sonst ist das Ganze auch nicht ein einziges Miau wert."

"Hier gibt es natürlich ein Fest," sagte die Küchenkatze. "Enten sind geschlachtet, Tauben gerupft und eine ganze Gemse hängt an der Wand. Mir wässert ordentlich der Mund, wenn ich sie mir betrachte! Morgen begeben sie sich schon auf die Reise."

Ja morgen! Diesen Abend saßen Rudi und Babette zum letztenmal als Verlobte in der Mühle.

Draußen war Alpenglühen, die Abendglocke klang, die Töchter der Sonnenstrahlen sangen: "Das Beste geschehe!"

XIV. Nächtliche Gesichte
Die Sonne war untergegangen; die Wolken senkten sich zwischen die hohen Berge im Rhonetal hinab; ein Südwind, der über die heißen Sandwüsten Afrikas hinweggebraust war, blies über die hohen Alpen fort, ein Föhn, welcher die Wolken zerriß. Als der Wind vorübergejagdt war, wurde es einen Augenblick ganz still. Die zerrissenen Wolken lagerten sich in phantastischen Gestalten zwischen den waldbedeckten Bergen über die schnell dahinfließende Rhone. Sie bildeten die Gestalten der Seetiere der Urwelt, des schwebenden Adlers der Luft und der springenden Frösche des Sumpfes; sie senkten sich auf den reißenden Strom hinab, sie segelten auf ihm und segelten doch in der Luft. Der Strom führte eine mit den Wurzeln ausgerissenen Tanne mit sich, vor ihr zeigten sich im Wasser kreiselnde Wirbel. Es war der Schwindel, es war mehr als einer seiner Brüder, die sich auf dem rauschenden Strome im Kreise drehten. Der Mond beleuchtete den Schnee der Berggipfel, die dunklen Wälder und die weißen, sonderbaren Wolken, die Gesichte der Nacht, die Geister der Naturkräfte. Der Bauer im Gebirge sah sie durch die Scheiben, scharenweise schwebten sie vor der Eisjungfrau her. Sie kam von ihrem Gletscherschloß, sie saß auf ihrem zerbrechlichen Schiff, einer ausgerissenen Tanne, das Gletscherwasser trug sie den Strom abwärts nach dem offenen See.

"Die Hochzeitsgäste kommen!" brauste und sang es in Luft und Wasser.

Gesichte draußen, Gesichte drinnen. Babette hatte einen merkwürdigen Traum.

Es kam ihr vor, als wäre sie mit Rudi verheiratet, und zwar schon seit vielen Jahren. Er befand sich auf der Gemsenjagd, sie aber war in ihrer Heimat, und neben ihr saß der junge Engländer mit dem rötlichen Backenbarte. Seine Augen blickten so warm, seine Worte hatten solche Zaubermacht, er reichte ihr die Hand, und sie mußte ihm folgen. Sie verließen miteinander die Heimat. Beständig ging es aufwärts! Babette war es, als läge ihr eine schwere Last auf dem Herzen, sie wurde immer schwerer, eine Sünde war es gegen Rudi, eine Sünde gegen Gott. Plötzlich stand sie verlassen da, ihre Kleider waren von den Dornen zerrissen, ihr Harr war grau, voll Schmerz schaute sie aufwärts und auf dem Felsenrande gewahrte sie Rudi. Sie streckte ihre Arme gegen ihn aus, wagte es aber nicht, ihn zu rufen oder zu bitten, und das würde ihr auch nichts geholfen haben, denn bald sah sie, daß er es nicht selbst war, sondern nur seine Jägerjacke und Hut, die auf dem Alpenstocke hingen, wie die Jäger sie hinstellen, um die Gemsen zu überlisten. Und in grenzenlosem Schmerze jammerte Babette: "O wäre ich doch an meinem Hochzeitstage, meinem glücklichsten Tage, gestorben! Herr, Du mein Gott, es wäre eine Gnade, ein unsägliches Glück gewesen! Dann wäre das Beste geschehen, was für mich und Rudi geschehen konnte! Niemand weiß seine Zukunft vorher!" Und in frevelhaftem Schmerze stürzte sie sich in die tiefe Felsenkluft hinab. Es riß eine Saite, es klang ein Trauerton...!

Babette erwachte, der Traum war zu Ende und verwischt, jedoch wußte sie, daß sie etwas Schreckliches geträumt und von dem jungen Engländer geträumt hatte, den sie seit Monaten nicht gesehen und an den sie noch weniger gedacht. Ob er sich in Montreux befand? Sollte sie ihn bei der Hochzeit zu sehen bekommen? Ein leichter Schatten glitt um ihren feinen Mund. Ihre Augenbrauen runzelten sich. Aber bald kehrte ein Lächeln und ein eigentümlicher Schimmer in ihr Auge zurück: die Sonne schien draußen so schön, und morgen war ihre und Rudis Hochzeit.

Er war schon in der Stube, als sie herunterkam, und bald machten sie sich auf den Weg nach Villeneuve. Sie waren so glücklich, die beiden und der Müller gleichfalls, er lachte und strahlte in der herrlichsten Laune, ein guter Vater, eine ehrliche Seele war er.

"Nun sind wir die Herrinnen zu Hause!" sagte die Stubenkatze.

XV. Schluß

Es war noch nicht Abend, als die drei frohen Menschen Villeneuve erreichten und ihre Mahlzeit hielten. Der Müller setzte sich mit seiner Pfeife in den Lehnstuhl und hielt ein kleines Schläfchen. Die jungen Brautleute gingen Arm in Arm zur Stadt hinaus, die Landstraße unter den mit Buschwerk bewachsenen Felsen hinab, den bläulichgrünen tiefen See entlang. Das düstre Chillon spiegelte seine grauen Mauern und schwarzen Türme in dem klaren Wasser. Die kleine Insel mit den drei Akazien lag noch näher, sie sah aus wie ein Blumenstrauß auf dem See.

"Dort drüben muß es lieblich sein!" sagte Babette, sie hatte wieder die größte Lust, hinüberzukommen, und der Wunsch ließ sich sofort erfüllen. Ein Boot lag am Ufer; der Strick, der es hielt, war leicht zu lösen. Man sah niemand, den man hätte um Erlaubnis fragen können, und deshalb nahm man ohne weiteres das Boot. Mit der Ruderkunst war Rudi ganz vertraut.

Die Ruder griffen wie Fischflossen in das nachgiebige Wasser; es ist so gefügig und doch so stark, es ist ganz Rücken zum Tragen, ganz Mund zum Verschlingen, sanft lächeln, die Weichheit und Sanftmut selbst, und doch Schrecken einjagend und stark zum Zerschmettern. Schäumend spritzte das Kielwasser hinter dem Boote auf, das in wenigen Minuten die beiden zur Insel hinübertrug. Dort stiegen sie ans Land. Hier gab es keinen größeren Platz, als gerade zu einem Tänzchen für die beiden hinreichte.

Rudi schwenkte Babette zwei-, dreimal herum, und dann setzten sie sich auf die kleine Bank unter den herabhängenden Akazien, schauten einander in die Augen, hielten einander an den Händen, und alles ringsumher strahlte im Glanze der sinkenden Sonne. Die Tannenwälder auf den Bergen erhielten dem blühenden Heidekraut gleich ein rötlichlila Aussehen, und wo die Bäume aufhörten und der nackte Fels hervortrat, glühte er, als ob er durchsichtig wäre. Die Wolken am Himmel leuchteten wie das rote Gold, der ganze See glich einem frischen flammenden Rosenblatte. Während sich die Schatten bis zu den schneebedeckten Bergen Savoyens erhoben, wurden diese dunkelblau, aber der oberste Rand leuchtete wie die rote Lava. Er enthüllte einen Moment aus der Gebirgsschöpfung, als sich diese Massen glühend aus dem Schoße der Erde erhoben und noch nicht erloschen waren. Es war ein Alpenglühen, wie Rudi und Babette nie ein ähnliches gesehen zu haben meinten. Der schneebedeckte "Dent Du Midi" hatte einen Glanz wie die Scheibe des Vollmondes, wenn er sich am Horizonte erhebt.

"Soviel Schönheit, soviel Glück!" riefen beide. "Mehr hat die Erde nicht zu geben!" sagte Rudi. "Eine Abendstunde wie diese ist doch ein ganzes Leben! Wie oft empfand ich mein Glück, wie ich es jetzt empfinde, und dachte, wenn jetzt plötzlich alles endete, wie glücklich hätte ich doch gelebt! Wie voller Segen ist doch diese Welt! Und der Tag endete, allein ein neuer begann wieder, und es kam mir vor, als wäre dieser noch schöner! Der liebe Gott ist doch unendlich gut, Babette!"

"Ich bin so glücklich!" erwiderte sie.

"Mehr hat die Erde mir nicht zu geben!" brach Rudi stürmisch aus.

Und die Abendglocken klangen von den Bergen Savoyens, von den Bergen der Schweiz herab. Im Goldglanz erhob sich gegen Westen das dunkelblaue Juragebirge.

"Gott gebe Dir das Herrlichste und Beste!" sagte Babette sanft und zärtlich.

"Das will er!" entgegnete Rudi. "Morgen habe ich es! Morgen bist Du ganz die Meine, mein trautes, reizendes Weibchen!"

"Das Boot!" rief Babette in demselben Augenblicke.

Das Boot, welches sie zurückbringen sollte, hatte sich gelöst und trieb von der Insel ab.

"Ich hole es!" entgegnete Rudi, warf seinen Rock ab, zog schnell die Stiefel aus, sprang in den See und schwamm mit kräftigen Bewegungen dem Boote nach.

Kalt und tief war das klare, blaugrüne Eiswasser aus dem Gletscher. Rudi schaute in die Tiefe, nur einen einigen Blick warf er herab; und es kam ihm vor, als sähe er einen goldenen Ring rollen, blinken und spielen. Er gedachte seines verlorenen Verlobungsringes, und der Ring wurde größer, dehnte sich zu einem funkelnden Kreise aus und darin leuchtete der helle Gletscher. Ringsum gähnten unendlich tiefe Klüfte, und das Wasser tropfte wie ein Glockenspiel und in weißlichblauen Flammen erglänzend hinab. In einem Augenblicke überschaute er, was wir in langen vielen Worten erzählen müssen. Junge Jäger und junge Mädchen, Männer und Weiber, einst in die Spalten des Gletschers gesunken, standen hier lebendig mit offenen Augen und lächelndem Munde. Tief unter ihnen erschallte der Klang der Kirchenglocken aus den begrabenen Dörfern. Die Gemeinde kniete unter dem Kirchengewölbe, Eisstücke bildeten die Orgelpfeifen, der Gebirgsstrom spielte die Orgel. Die Eisjungfrau saß auf dem hellen, durchsichtigen Grunde, sie schwang sich zu Rudi empor, küßte ihm die Füße, und ein Todesschauer durchzitterte seine Glieder, es war, als träfe ihn ein elektrischer Stoß - -Eis und Feuer zugleich! Bei der kurzen Berührung fühlt man zwischen ihnen keinen Unterschied.

"Mein, mein!" klang es um ihn und in ihm. "Ich küßte Dich, als Du noch klein warst, küßte Dich auf den Mund! Jetzt küsse ich Dich auf die Zehen und Fersen, mein bist Du ganz!"

Und er war verschwunden in dem klaren, blauen Wasser.

Alles war still. Die Kirchenglocken hörten auf zu läuten, die letzten Töne verschwanden mit dem Glanze der roten Wolken.

"Mein bist Du!" klang es in der Tiefe; "mein bist Du!" klang es in der Höhe, aus dem Unendlichen.

Schön ist es, zu fliegen von Liebe zu Liebe, von der Erde in den Himmel.

Es riß eine Saite, es erklang ein Trauerton; der Eiskuß des Todes besiegte das Vergängliche. Das Vorspiel endete, damit das Lebensdrama beginnen konnte, der Mißklang wurde aufgelöst in Harmonie.

Nennst Du es eine traurige Geschichte?

Arme Babette! Für sie war es eine Stunde der Angst; weiter und weiter trieb das Boot fort. Niemand wußte, daß sich das Brautpaar auf der kleinen Insel befand. Der Abend nahm zu; die Wolken senkten sich, die Finsternis kam. Allein, verzweifelt, jammernd stand sie da. Ein Unwetter hing über ihr. Blitze leuchteten über den Bergen des Jura auf, über der Schweiz und über Savoyen; von allen Seiten Blitz auf Blitz, Donner ging in Donner über, sie rollten unaufhörlich, minutenlang. Die Blitzstrahlen wetteiferten bald mit dem Sonnenglanze, man konnte jeden einzelnen Weibstock wie zur Mittagszeit sehen, und bald darauf herrschte wieder schwarze Finsternis. Die Blitze bildeten Schleifen, Zickzacke, schlugen ringsum in den See ein, leuchteten von allen Seiten auf, während die Donnerschläge sich durch den Widerhall des Echos verstärkten. Auf dem Lande zog man die Boote bis auf das Ufer; alles, was Leben hatte, suchte Schutz und nun strömte der Regen hinab.

"Wo sind doch nur Rudi und Babette in diesem entsetzlichen Unwetter!" sagte der Müller

Babette saß mit gefalteten Händen, den Kopf gegen den Schoß geneigt, stumm vor Schmerz, vom Schreien und Jammern, da.

"Im tiefen Wasser," sagte sie bei sich selbst, "tief unten, wie unter dem Gletscher, ist er!"

Ihr kam in den Sinn, was ihr Rudi vom Tode seiner Mutter, von seiner Rettung und wie er scheinbar als Leiche aus der Spalte des Gletschers gezogen wurde, erzählt hatte. "Die Eisjungfrau hat ihn wieder!"

Und ein Blitzstrahl leuchtete so blendend wie Sonnenglanz auf den weißen Schnee. Babette fuhr in die Höhe; der See erhob sich in demselben Augenblicke, wie ein weithin schimmernder Gletscher, die Eisjungfrau stand mittendrin, majestätisch, bläßlichblau, strahlend, und zu ihren Füßen lag Rudis Leiche. "Mein!" rief sie, und ringsum war wieder Dunkelheit und Finsternis, strömendes Wasser.

"Entsetzlich!" jammerte Babette. "Weshalb mußte er doch sterben, während der Tag unseres Glücks kam! Gott, erleuchte meinen Verstand, erleuchte mein Herz! Ich verstehe meine Wege nicht, tappe im Dunkeln umher, welches mir Deine Weisheit und Güte verbirgt!"

Und Gott erleuchtete ihr Herz. Ein Gedankenblitz, ein Gedankenstrahl, ihr Traum der letzten Nacht, völlig lebendig, durchzuckte sie. Sie entsann sich der Worte, die sie gesprochen hatte: der Wunsch von dem Besten für sich und Rudi.

"Weh mir! War es der Samen der Sünde in meinem Herzen? War mein Traum ein Zukunftsleben, dessen Saiten um meiner Rettung willen zerrissen werden mußten? Ich Elende?"

Jammernd saß sie in der finsteren Nacht. In ihrer tiefen Stille klangen ihr noch immer Rudis Worte in den Ohren, die letzten, die er gesagt hatte: "Mehr Glück hat mir die Erde nicht zu bieten!" Sie erklangen in der Fülle der Freude, sie wurden wiederholt im Strome des Schmerzes.

Ein paar Jahre sind seither verstrichen. Der See lächelt, die Ufer lächeln; die Weinreben setzen schwellende Trauben an. Dampfschiffe mit wehenden Wimpeln jagen vorüber, Luftboote mit ihren zwei ausgespannten Segeln fliegen wie Schmetterlinge über den Wasserspiegel. Die Eisenbahn über Chillon ist eröffnet, sie führt tief über das Rhonetal hinein. Auf jeder Station steigen Fremde aus, sie kommen mit ihrem in Rot eingebundenen Reisebuche und lesen aus ihm heraus, was sie Merkwürdiges zu sehen haben... Sie besuchen Chillon, sie sehen sich draußen im See die kleine Insel mit den drei Akazien an, und lesen im Buche von dem Brautpaare, das eines abends im Jahre 1856 hinüberfuhr, lesen vom Tode des Bräutigams, und wie man erst am nächsten Morgen am Ufer das verzweifelte Jammern der Braut hörte.

Aber das Reisehandbuch meldet nichts von Babettes stillen Lebenstagen bei ihrem Vater, nicht in der Mühle in der jetzt Fremde wohnen, sondern in dem schönen Häuschen in der Nähe des Bahnhofs, aus dessen Fenstern sie noch manchen Abend über die Kastanienbäume fort nach den Schneebergen hinüberschaute, wo sich Rudi einst tummelte. Sie betrachtet des Abends das Alpenglühen, die Kinder der Sonne lagern sich dort oben und wiederholen das Lied von dem Wandersmann, dem der Wirbelwind den Mantel abriß und entführte. Die Hülle und nicht den Mann nahm er.

Es ist Rosenglanz auf dem Schnee des Gebirges, es ist Rosenglanz in jedem Herzen, in dem der Gedanke lebt: "Gott läßt stets das Beste für uns geschehen!" Aber es wird uns nicht immer offenbart, wie einst Babette in ihrem Traume.
1. El pequeño Rudi

Os voy a llevar a Suiza. Ved estas magníficas montañas, con los sombríos bosques que se encaraman por las abruptas laderas; subid a los deslumbrantes campos de nieve y bajad a las verdes praderas, cruzadas por impetuosos torrentes, que corren raudos como si temiesen no llegar a tiempo para desaparecer en el mar. El sol quema en el fondo de los valles, centellea también en las espesas masas de nieve, que con los años se solidifican en deslumbrantes bloques de hielo, se desprenden vertiginosos aludes, y se amontonan en grandes ventisqueros. Dos de éstos se extienden por las amplias gargantas rocosas situadas al pie del Schreckhorn y del Wetterhorn, junto a la aldea de Grindelwald. Su situación es tan pintoresca, que durante los meses de verano atrae a muchos forasteros, procedentes de todos los países del mundo. Suben durante horas y horas desde los valles profundos, y, a medida que se elevan, el valle va quedando más y más al fondo, y lo contemplan como desde la barquilla de un globo. En las cumbres suelen amontonarse las nubes, como gruesas y pesadas cortinas que cubren la montaña, mientras abajo, en el valle, salpicado de pardas casas de madera, brilla todavía algún rayo de sol que hace resplandecer el verdor del prado como si fuera transparente. El agua se precipita, rugiendo, monte abajo, o desciende mansa, con un leve murmullo; diríanse ondeantes cintas de plata prendidas a la roca.
A ambos lados del camino se alzan casas de troncos, cada una con su pequeño campo de patatas, bien necesario por cierto, pues detrás de la puerta hay muchas bocas, un tropel de chiquillos que las comen con excelente apetito. Salen a montones de todas las casas, y rodean a los viajeros, ya lleguen a pie o en coche. Ejércitos de niños se alinean en los caminos para ofrecer a los forasteros lindas casitas talladas en madera, reproducción en miniatura de las que se encuentran en aquellas montañas. Llueva o luzca el sol, jamás falta el enjambre de niños con sus mercancías.
Hace cosa de treinta años se veía por allí de vez en cuando un niño, siempre aislado de los otros, que, como ellos, ofrecía sus productos a los turistas. Su rostro era extraordinariamente serio, y sus manitas agarraban con fuerza su caja de madera, como dispuesto a no soltarla jamás. Mas precisamente la gravedad del rapaz, llamaba a menudo la atención de los turistas, y no era raro que realizara buenos negocios, sin saber él mismo por qué. Monte arriba vivía su abuelo materno, artífice de aquellas primorosas casitas, y en su cuarto había un viejo armario repleto de obras de talla de todas clases.
Había allí cascanueces, cuchillos, tenedores y estuches con bonitos adornos de hojas y animales...; en fin, había cuanto puede deleitar a los ojos infantiles; pero lo que con mayor avidez miraba el pequeño Rudi - que tal era su nombre - era la vieja escopeta que colgaba de las vigas y que, según decía el abuelo, algún día sería suya; pero antes debía crecer y hacerse fuerte y robusto.
Pese a su poca edad, confiábase ya al niño el cuidado de las cabras, y si una de las cualidades de un buen cabrero consiste en competir con las reses en el arte de trepar, no cabe duda de que Rudi era un buen pastor. Incluso las aventajaba, pues una de sus diversiones consistía en cazar nidos de aves en las copas de los altos árboles. Era atrevido y resuelto, pero sólo se le veía sonreír cuando se hallaba ante la rugiente catarata o cuando oía rodar el alud. Nunca jugaba con los demás niños; sólo se reunía con ellos cuando su abuelo lo enviaba abajo a vender, ocupación que no era muy de su agrado. Prefería vagar sin rumbo fijo por las montañas o permanecer sentado junto al abuelo, escuchando sus narraciones de los tiempos pasados y de las gentes del país de Meiringen, donde el viejo había nacido. Según se decía, esas gentes no eran nativas del país, sino que habían inmigrado en época relativamente reciente. Habían venido de allá del Norte, del país donde viven los suecos. Oyendo al abuelo contar estas cosas, Rudi se iba instruyendo; pero aún era más valioso lo que aprendía de los animales domésticos que compartían su vivienda. Había en la casa un gran perro, llamado Ayola, que había sido del padre de Rudi, y un gato. Por éste último sentía el niño un afecto particular, pues él era quien le había enseñado a trepar por las rocas.
- Vente conmigo al tejado - le había dicho el gato, en lenguaje perfectamente claro e inteligible; pues cuando se es niño y no se sabe hablar todavía, se entiende a los pollos y a los patos, a los gatos y a los perros; se les entiende con la misma claridad que al padre y a la madre; sólo que hace falta ser muy pequeñín. Hasta el bastón del abuelo puede entonces relinchar y transformarse en caballo, con cabeza, patas y cola. Algunos niños tardan más que los otros en perder esta facultad, y se dice de ellos que son muy atrasados, que su desarrollo es muy lento. ¡Tantas cosas se dicen!
- ¡Ven conmigo, Rudi, ven conmigo al tejado! - fue una de las primeras cosas que dijo el gato, y que Rudi entendió -. El peligro de caerse es pura imaginación. Nunca se cae si no se tiene miedo. Ven, pon una patita así, la otra así. Pon las patitas delanteras una delante de la otra. Abre bien los ojos y sé ligero. Si hay una grieta, salta por encima y agárrate fuerte; mira cómo lo hago yo.
Y Rudi le imitaba. Por eso estaban con frecuencia juntos en el tejado, y él se subía a las copas de los árboles y los altos bordes de las peñas, adonde no iba el gato.
- ¡Más arriba, más arriba! - decían los árboles y los arbustos -. ¡Mira cómo nos encaramamos nosotros, y a qué altura llegamos, y con qué seguridad nos sostenemos en las puntas más empinadas de las rocas!
Y Rudi trepaba a la cumbre de la montaña, muchas veces antes de que le dieran los primeros rayos del sol, y allí tomaba su primer refrigerio matinal, el aire puro y confortante de la montaña, una bebida que sólo Dios sabe preparar.
He aquí la receta: mézclese el fresco aroma de las hierbas de montaña con la menta y el tomillo de los valles. Lo que el aroma tiene de pesado, lo absorben las nubes suspendidas en la atmósfera para verterlo luego sobre los bosques vecinos; pero la esencia sutil del perfume se convierte en aire, ligero y puro, cada vez más puro. Aquélla era la bebida matinal de Rudi.
Los rayos del sol, los hijos del astro que nos traen sus bendiciones, besaban las mejillas del niño, y el vértigo, que merodeaba por aquellos parajes acechándolo, no se atrevía a acercarse a él. Las golondrinas de la casa del abuelo, que formaban allá abajo no menos de siete nidos, volaban hasta él y las cabras, trinando alegremente: «¡A mí y a ti, a ti y a mí!». Traían saludos de la casa, incluso de las dos gallinas, las únicas aves con quien Rudi no mantenía relaciones.
Aunque era muy pequeño, había corrido ya bastante mundo. Nacido en el cantón de Wallis, lo habían traído del lado de acá de las montañas. Más tarde había ido a pie hasta la cascada cercana, que, bajando de la Jungfrau, ese pico deslumbrante cubierto de nieves perpetuas, flota en el aire como un velo de plata. También había estado en el gran glaciar de Grindelwald, pero ésta fue una triste historia, pues su madre había encontrado allí la muerte. - Allí terminó la alegría de Rudi - decía el abuelo - En sus primeros años estaba siempre sonriente, y no sabía lo que era llorar, según escribía su madre, pero desde el día en que cayó en la grieta del glaciar, su carácter había cambiado. Por lo demás, al abuelo no le gustaba hablar de aquel episodio, pero todas las gentes de la montaña lo conocían. He aquí cómo fue:
El padre de Rudi era postillón; el perrazo de la casa lo había acompañado regularmente en sus viajes al lago de Ginebra pasando por el Simplón. En el Valle del Ródano, en el Valais, vivía aún la familia de Rudi por línea paterna. El hermano de su padre era un gran cazador de gamos y un guía muy conocido. Rudi tenía un año cuando perdió a su padre, y su madre decidió volverse con su hijito al Oberland bernés, a vivir con su padre, que habitaba a unas horas de Grindelwald; era tallista de madera, y con su trabajo se ganaba lo suficiente para sustentarse. En junio partió la madre con su pequeño, en compañía de dos cazadores de gamos, tomando por la ruta del Gemmi, la distancia más corta hasta su tierra. Habían recorrido ya la mayor parte del camino y salvado la cresta de la montaña eternamente nevada; veían ya el valle natal y distinguían sus diseminadas casas de madera, tan conocidas; sólo faltaba salvar un gran ventisquero. Estaba cubierto de nieve recién caída y debajo de ésta se ocultaba una grieta, que aunque no era muy profunda, pues le faltaba mucho para llegar hasta el suelo, donde se oye murmurar el agua, bastaba para cubrir a un hombre. La joven mujer, con su hijo en brazos, resbaló y desapareció en la grieta. Al principio no se oyó ni un grito, ni un suspiro; pero pronto pudo percibirse el llanto de un niño. Pasó más de una hora antes de que los dos acompañantes pudieran traer cuerdas y pértigas de la casa más próxima, para intentar el salvamento; y después de ímprobos esfuerzos izaron a la superficie dos cuerpos al parecer, cadáveres. Los hombres hicieron cuanto pudieron, y lograron reanimar al niño, mas no a la madre. Llevaron al pequeño a su abuelo, el cual lo crió lo mejor que supo: pero el muchacho ya no era alegre y risueño, como había dicho su madre. Sin duda su carácter había cambiado en la grieta, aquel maravilloso mundo de hielo donde, según cree el campesino suizo, están encerradas las almas de los condenados hasta el día del juicio.
Este mundo es como un río impetuoso, que hubiera quedado petrificado y comprimido en verdes bloques de cristal, con las masas de hielo amontonadas unas sobre otras. Por el fondo fluye precipitadamente la corriente originada por la fusión de la nieve y el hielo. En la superficie hay profundos agujeros y enormes grietas, y el conjunto forma un encantado palacio de cristal en cuyo interior mora la Virgen de los Ventisqueros, la reina de este mundo helado. Esta reina, que se goza en matar y destruir, es hija del aire y señora poderosa del río; por eso puede subir con la rapidez del gamo a las cumbres más altas de la nevada sierra, donde los más audaces montañeros, para afianzar el pie, tienen que excavar peldaños en el hielo. Flota por encima de las finas ramas de los abetos, baja veloz hasta el río y salta en él de roca en roca, envuelta en su ondeante y nívea cabellera y en su manto verdeazulado, que brilla y centellea como las aguas de los profundos lagos.
«¡Detente, déjalo, es mío! - gritaba cuando sacaban al niño de la hendidura -. Me han robado un hermoso niño, un niño al que había besado, pero aún no con el beso de la muerte. Ahora vuelve a estar entre los hombres, guardando las cabras en la montaña, arriba, siempre arriba. Se aparta de los demás, pero no de mí. ¡Es mío y lo cogeré! ».
Y pidió al Vértigo que le trajera al muchacho: Era verano, y allá en los prados, donde crece la menta crespa, el aire era demasiado bochornoso para la Virgen de los Ventisqueros. El Vértigo obedeció. Vino uno, o, mejor dicho, tres, pues el Vértigo tiene una caterva de hermanos: unos viven al aire libre, en plena Naturaleza, y otros en los edificios; se sientan en las barandillas de las escaleras y en las balaustradas de las torres, corren como ardillas por los bordes de las rocas, saltan desde allí al vacío, flotan en el aire como el nadador en el agua y atraen a sus víctimas, situadas a un paso del abismo. Tanto la Virgen de los Ventisqueros como el Vértigo atacan a los humanos, del mismo modo que el pólipo se agarra a todo lo que se mueve a su alcance. Entre la multitud de Vértigos, la Virgen eligió al más fuerte para que se apoderase de Rudi.
- ¡No es poco lo que me pides! - dijo el Vértigo -. A éste no puedo cogerlo, ese maldito gato lo adiestró en sus artes. Además, este hijo de los hombres parece estar protegido por un poder que me rechaza. No consigo alcanzar al chiquillo por mucho que, cogido de una rama, se columpie sobre el abismo, aunque, le haga cosquillas en las plantas de los pies o le envíe mi aliento al rostro. ¡No puedo con él!
- Pues podremos - dijo la Virgen -, tú o yo; ¡si, yo, yo!
- ¡No, no! - se oyó, como si fuera el eco de las campanas de la iglesia. Pero era un canto, eran palabras verdaderas, era el coro armonioso de otros espíritus naturales más clementes, amorosos y bondadosos; las hijas de los rayos del sol. Todas las noches se disponen en círculo en las cumbres montañosas y extienden sus rosadas alas, cuyo rojo resplandor va intensificándose a medida que el astro se oculta bajo el horizonte. Los altos prados naturales brillan con el «arrebol alpestre», que así lo llaman los hombres. Luego, cuando el sol se ha puesto, se refugian en las puntas de las rocas y en la blanca nieve, donde se echan a dormir, hasta que reaparecen con la aurora. Sienten particular preferencia por las flores, las mariposas y los seres humanos, y entre éstos habían hecho a Rudi objeto de especial predilección. «¡No lo cogeréis, no lo cogeréis!», cantaban.
- ¡Otros mayores y más fuertes han caído en mis manos! - respondía la Virgen de los Ventisqueros.
Cantaron entonces las hijas del sol una canción acerca del caminante a quien el huracán había arrebatado el manto y lo arrastraba a velocidad vertiginosa. «El viento se llevó la envoltura, mas no al hombre. Podréis cogerlo, hijos de la fuerza bruta, pero no retenerlo; es más fuerte, más espiritual que nosotras mismas. Sube a mayor altura que el sol, nuestro padre; conoce la palabra mágica que ata al viento y al agua y hace que lo sirvan y obedezcan. Vosotros no hacéis sino disolver el elemento que lo atrae hacia abajo, y así sólo conseguís que se eleve cada vez más alto.
Tal era lo que cantaba el dulce coro, cuya voz resonaba como el eco de las campanas.
Y cada mañana los rayos del sol llegaban hasta el niño a través de la única ventanuca de la choza del abuelo, y lo besaban para derretir, caldear y destruir aquellos otros besos que le había dado la Virgen de los Ventisqueros cuando lo tuvo en el regazo de su madre muerta, en la profunda sima, de la que sólo un milagro pudo salvarlo.

2. Viaje a la nueva patria

Rudi tenía ya 8 años. Su tío del Valle del Ródano, allá en la vertiente opuesta de la cordillera, llamó al muchachito, diciendo que él tenía más posibilidades de instruirlo y abrirle camino en la vida. El abuelo comprendió la verdad de aquellas razones y no se opuso al proyecto.
Rudi tenía que partir; y no sólo debía despedirse del abuelo,
sino también de Ayola, el viejo perro.
Tu padre fue postillón, y yo, perro de postas - dijo Ayola -. Mucho viajamos por esos mundos de Dios, y yo conozco a los perros y los hombres de allende las montañas.
Nunca he sido muy hablador, pero como ésta es nuestra última conversación, quiero decirte algunas cosas y contarte una historia que desde hace mucho tiempo llevo en el estómago. No la comprendo, ni tú la comprenderás tampoco, pero no importa, puesto que de ella he sacado una cosa en claro: que en este mundo los destinos de los perros, como los de los hombres, no están muy bien repartidos. No todos han sido creados para reposar en un regazo o para saborear leche. A mi no me acostumbraron a ello, pero he visto un perrito que viajaba en la diligencia ocupando el sitio de una persona. La señora, que era su ama - suponiendo que no fuera el perrito el amo de la señora -, llevaba consigo una botella de leche, que le daba a beber. Ofrecióle también mazapán, pero el animalito no se lo podía tragar, por lo que se limitaba a husmearlo, y entonces se lo comía la señora. Yo corría junto al coche, bajo el ardor del sol, hambriento como sólo puede estarlo un perro y rumiando mis propios pensamientos. Aquello no era justo, pero ¡cuántas otras cosas hay que no son justas! ¡Ah, si hubiese podido sentarme en el regazo de una señora y viajar en el coche! Pero eso no depende de uno, o por lo menos yo no lo logré, pese a todos mis ladridos y aullidos.
Tal fue el discurso de Ayola, y Rudi cogió al perro por el cuello y le dio un beso en el húmedo hocico. Después levantó en brazos al gato, pero éste se sustrajo a sus caricias.
- Eres demasiado fuerte para mí, y contra ti no quiero emplear mis garras. Trepa a las montañas, ya te enseñé a hacerlo. Si nunca piensas en que puedes caerte no hay peligro de que lo hagas -. Dichas estas palabras, el gato echó a correr; no quería que Rudi notara que sus ojos brillaban de emoción.
Las dos gallinas correteaban por el aposento; una había perdido la cola. Un viajero que se las daba de cazador la tomó por un ave de rapiña y disparó sobre ella.
- ¡Rudi se va al otro lado de las montañas! - dijo una de las gallinas.
- ¡Siempre tiene prisa! - respondió la otra -, y no me gustan las escenas de despedida -. Y las dos se alejaron con sus saltitos ligeros y apresurados.
Dijo también adiós a las cabras, y ellas gritaron: - ¡Ven, ven! - y su acento era realmente triste.
Dos comarcanos, que eran unos guías excelentes, se disponían a pasar la montaña y habían elegido el camino del Gemmi. Rudi los acompañó a pie, aunque era una marcha agotadora para un chiquillo de su edad; pero se sentía con fuerzas, y nada lo desanimaba.
Las golondrinas lo acompañaron un trecho. «¡A mí y a ti, a ti y a mí!», cantaban. El camino cruzaba el Lütschine, que brota, en numerosos arroyuelos, de la negra garganta del glaciar de Grindelwald. Troncos de árboles derribados, que se balanceaban inseguros, y desmoronados bloques de rocas, servían de puente en aquel lugar. Se encontraban encima del bosquecillo de alisos y comenzaban a subir la montaña muy cerca del punto donde el glaciar se desprende de ella. Luego penetraron en el propio ventisquero, caminando por encima de bloques de hielo o contorneándolos. Rudi tan pronto andaba como avanzaba a gatas, y sus ojos brillaban arrobados. Con sus botas claveteadas pisaba tan firme y recio como si quisiera dejar marcadas sus huellas en el camino recorrido.
Arriba, siempre arriba; en las alturas, el glaciar se extendía como un mar de témpanos superpuestos y aprisionados entre las rocas cortadas a pico. Rudi pensó por un momento en lo que le habían contado, en que había estado con su madre en una de aquellas gélidas hendeduras, pero no tardó en dirigir sus pensamientos hacía otros objetos. Para él, aquel relato era uno de tantos entre los muchos que había oído. De vez en cuando, los hombres pensaban que aquella incesante subida era demasiado fatigosa para el chiquillo y le tendían la mano, pero él seguía incansable, sosteniéndose sobre el liso hielo tan seguro como un gamo. Llegaron a un terreno rocoso; ora avanzaban por entre desnudas piedras, ora lo hacían por entre bajos abetos, para salir de nuevo a verdes pastizales. El camino variaba a cada momento, ofreciendo siempre nuevas perspectivas a la mirada. En derredor se alzaban cumbres nevadas cuyos nombres Rudi conocía, como los conocían todos los niños de la comarca: Jungfrau, Mönch, Eiger.
Jamás había subido tan alto Rudi. A sus pies se extendía un inmenso mar de nieve con sus olas inmóviles, cuyos copos desprendidos se llevaba el viento, lo mismo que se lleva la espuma de las olas del mar. Podría decirse que un glaciar da la mano a otro; cada uno es un palacio de cristal de la Virgen de los Ventisqueros, aquella virgen que se complace en apresar y sepultar. El sol quemaba, y la nieve deslumbrante parecía sembrada de un azulado polvo de diamantes.
Innúmeros insectos, principalmente mariposas y abejas, yacían muertas sobre la nieve, en verdaderas masas; habían osado remontarse a excesiva altura, o bien habían sido arrastrados hasta allí por el viento, y habían sucumbido víctimas del intenso frío. Rodeaba al Wetterhorn una nube amenazadora, semejante a un mechón de negra lana, que se hinchaba por momentos y descendía pesadamente: era la precursora del terrible «föhn», el viento que abate todo lo que encuentra por delante. Cuando estallase, pondría de manifiesto su fuerza destructora. Pero Rudi no pensaba en ello: su memoria estaba ocupada por las incidencias del viaje, el campamento donde pernoctaron, el camino del siguiente día, las profundas grietas abiertas por el agua desde mucho atrás en los duros bloques de hielo.
Una construcción de piedra, abandonada, que se alzaba en el lado opuesto del mar de nieve, ofrecióles un cobijo seguro para la noche. En ella encontraron carbón y ramas de abeto; pronto ardió un buen fuego, y los hombres se sentaron junto a la hoguera, fumando sus pipas y reparando las fuerzas con una bebida caliente y picante que prepararon. Rudi recibió la ración que le correspondía. La conversación giró en torno a la misteriosa naturaleza de las tierras alpinas, de las gigantescas serpientes que pueblan los profundos lagos, de las apariciones nocturnas, los fantasmas que arrebatan a un hombre dormido y lo llevan por el aire, hasta la ciudad de Venecia, que flota milagrosamente sobre el agua; del pastor salvaje que conduce sus negras ovejas a pastar en las cumbres más altas. Nadie lo había visto, es verdad, pero sí se había oído el son de sus cencerros, el lúgubre balar de su rebaño. Rudi escuchaba lleno de curiosidad, pero sin temor alguno, pues no lo conocía; y mientras escuchaba parecíale percibir aquel bramar hueco y fantasmal. Sí, se oía cada vez más fuerte y distinto, los hombres lo oían también; interrumpieron la charla y recomendaron a Rudi que no se durmiese.
Era el «föhn», que se acercaba por momentos, el terrible viento tempestuoso que de las montañas se precipita a los valles, arrancando a su paso los árboles cual si fuesen débiles cañas, y transporta las casas de una orilla del río a la opuesta, como nosotros movemos las piezas en un tablero de ajedrez.
Hasta una hora más tarde no dijeron a Rudi que había pasado el peligro y podía echarse a dormir, y el chiquillo, fatigado de la jornada, se quedó dormido inmediatamente.
A la mañana siguiente partieron de madrugada. El sol mostró al pequeño Rudi nuevas montañas, nuevos glaciares y campos de nieve. Habían franqueado el límite del Valais, y ahora se encontraban en la vertiente opuesta de la montaña que se veía desde Grindelwald; pero aún faltaba mucho para llegar al pueblo a donde iba el pequeño. Otras gargantas, otros prados, otros bosques y rocosos senderos fueron desfilando ante ellos. Pronto encontraron seres humanos, pero, ¡qué hombres eran aquéllos! Todos eran deformes, con caras repugnantemente abultadas y amarillentas, y cuellos que parecían pedazos de carne colgante, pesados y horribles. Eran cretinos, que arrastraban su vida miserable, mirando con ojos inexpresivos a los forasteros que iban de paso. Las mujeres eran las más repulsivas. ¿Serían así los habitantes de la nueva patria de Rudi?



3. El tío

En la casa del tío de Rudi las personas - ¡loado sea Dios! ­ eran como las que el niño estaba acostumbrado a ver y tratar. Un solo cretino residía en ella temporalmente; un pobre muchacho idiota, uno de esos pobres abandonados que las familias del Valais mantienen alternativamente, unos meses cada una. El pobre Saperli estaba allí precisamente cuando llegó Rudi.
El tío era todavía un robusto cazador, y, además, experto en el oficio de tonelero. Su mujer era una personita vivaracha, de cara de pájaro, ojos de águila y cuello cubierto de vello en toda su longitud.
Todo era nuevo para Rudi: vestidos, usos y costumbres, incluso la lengua, si bien su oído infantil tardó muy poco en hacérsela suya. En comparación con la casa del abuelo, veíase en todo un cierto bienestar. El aposento de estar era más espacioso, las paredes estaban adornadas con cuernos de gamo y relucientes escopetas, y sobre la puerta colgaba la imagen de la Virgen María, con frescos rododendros y una lamparilla encendida.
Como ya dijimos, el tío era uno de los más diestros cazadores de gamos de la comarca, y, además, el mejor y más experto de sus guías. Todo hacía pensar que Rudi se convertiría muy pronto en el favorito de la casa. Cierto es, empero, que tenía un rival: un viejo perro de caza ciego y sordo, incapaz ya de prestar servicio, pero que en otros tiempos había sido un fiel y activo servidor. Nadie había olvidado el buen comportamiento del animal en sus años jóvenes; por eso seguía formando parte de la familia y tenía el pan asegurado. Rudi acariciaba al perro, pero éste rehuía a los extraños, y el niño lo era aún. Mas no iba a serlo por mucho tiempo, pues muy pronto echó firmes raíces en la casa y en el corazón de sus habitantes.
No se está mal aquí en el Valais - decía el tío -. Gamos no faltan; la raza no se extingue, como la de las cabras monteses; y ahora lo pasamos mucho mejor que antaño. Digan lo que quieran del tiempo pasado, el nuestro es mejor. Antes vivíamos como en un saco. Ahora en el saco se ha abierto un boquete, y una corriente de aire fresco sopla en el cerrado valle. Cuando se derrumba lo viejo, siempre aparece algo que es mejor.
Los días que le daba por charlar contaba cosas de su juventud, ocurridas cuando su padre estaba aún en posesión de todas sus facultades, cuando el Valais era todavía, como decía él, un saco cerrado y poblado por pobres cretinos.
- Pero vinieron los soldados franceses, y éstos eran los médicos que necesitábamos, pues las emprendieron contra los hombres, pero también contra las enfermedades. Son gente entendida en eso de batirse, los franceses. No hay quien los gane; ¡y tampoco las francesas son mancas! - añadía el tío, riendo y haciendo un guiño a su mujer, francesa de nacimiento -. Cuando hubieron terminado con los hombres, los franceses atacaron a las piedras; cortaron la carretera del Simplón en las rocas, y abrieron un camino, tal, que hoy puedo yo decirle a un niño de tres años: «Vete a Italia sin dejar la carretera». Y el pequeño llegará a Italia si no se separa del camino. Luego entonaba el tío una canción francesa y gritaba un hurra a Napoleón Bonaparte.
En casa de su tío, Rudi oyó hablar por vez primera de Francia, de Lyón, la gran ciudad a orillas del Ródano, que el tío había visitado.
- Me parece - decía a Rudi - que en pocos años llegarás a ser un buen cazador de gamos; aptitudes no te faltan; y le enseñó a apuntar con la escopeta y a disparar. Durante la estación de caza se lo llevaba a la montaña y le daba a beber sangre caliente de gamo - lo cual, según creencia general en el país, inmuniza a los cazadores contra el vértigo -. Con el tiempo lo fue instruyendo acerca de las laderas por donde suelen producirse aludes, a mediodía o al anochecer, según la acción de los rayos del sol. Lo estimuló a observar bien los gamos y a aprender de ellos la manera de caer de pie y sostenerse después del salto. Cuando en la grieta de la roca no se encontraba un apoyo para el pie, había que utilizar el codo, agarrarse con los músculos de las pantorrillas y los muslos. En caso de necesidad, incluso la cerviz podía servir de punto de apoyo. Los gamos eran listos y colocaban centinelas, pero el cazador debía ser más listo que ellos y tratar de acercarse a ellos a contraviento. Sabía engañarlos de una manera muy divertida: colgaba del bastón su sombrero y su chaqueta, y los animales tomaban el vestido por el hombre. El tío les gastó esta broma un día que salió de caza con Rudi.
El rocoso sendero era tan angosto, que apenas podía decirse que existiera, pues se reducía a un reborde casi imperceptible junto al vertiginoso abismo. La nieve estaba allí medio fundida, y la piedra tan desgastada por la erosión, que se desmenuzaba bajo los pies; por eso el tío se tendió cuan largo era y empezó a avanzar a rastras. Cada piedra que se desprendía caía, rebotaba, rodaba y pegaba muchos saltos de roca en roca antes de detenerse en el fondo del tenebroso abismo. A cien pasos detrás del tío estaba Rudi en lo alto de la peña, viendo cómo en el aire, encima del lugar donde se hallaba su tío, un buitre describía lentos círculos, pegando aletazos como para precipitar al abismo aquel gusano que se arrastraba, ávido de convertirlo en carroña para su pitanza. El hombre sólo tenía ojos para el gamo con su cabritilla, visible al otro lado de la sima. Rudi no perdía de vista al ave de rapiña, sabiendo perfectamente lo que quería, el dedo en el gatillo, dispuesto a disparar en el momento crítico. Aprestóse el gamo a saltar, hizo fuego el tío, y el animal cayó mortalmente herido, mientras el cabrito huía a grandes saltos por entre las peñas. La siniestra ave, asustada por el disparo, cambió de dirección, sin que el tío supiera el riesgo que había corrido; después se lo contó Rudi.
Iban de regreso contentos como unas Pascuas, cantando el tío una canción de sus años infantiles, cuando de repente se oyó un extraño ruido a no mucha distancia. Miraron a todos lados, y al levantar los ojos vieron que allá en lo alto, en la inclinada ladera rocosa, se alzaba una masa de nieve ondeante, como un lienzo extendido, por debajo del cual sopla el viento. De pronto, aquellas levantadas olas se desplomaron y descompusieron en un torrente de blanca espuma, y se precipitaron con el fragor de un trueno lejano. Era un alud, que bajaba, no sobre Rudi y su tío, pero sí a muy poca distancia de ellos, demasiado poca.
- ¡Agárrate firme, Rudi! - gritó el hombre -. ¡Agárrate con todas tus fuerzas!
Rudi se abrazó al árbol más cercano; el tío trepó por él hasta las ramas y se agarró a ellas, mientras el alud pasaba rodando a muchos metros de los dos; pero la tempestad por él provocada, el torbellino que lo acompañó, quebraba y desgajaba en derredor árboles y arbustos cual si fuesen cañas secas, esparciéndolos en todas direcciones. Rudi fue arrojado violentamente al suelo; el tronco al que se agarró parecía aserrado, y la copa había sido proyectada a un buen trecho de allí.
Entre las ramas rotas yacía el tío con la cabeza abierta; la mano estaba aún caliente, pero la cara era irreconocible. Rudi lo miraba, lívido y tembloroso; fue el primer espanto de su vida, la primera vez que conoció lo que era el miedo.
Llegó a casa ya bien anochecido con la trágica noticia. Su tía no dijo una palabra ni derramó una lágrima: su dolor no estalló hasta que trajeron el cadáver. El pobre cretino se acostó y no se le vio en todo el día; al atardecer fue en busca de Rudi.
- Escríbeme una carta. Saperli no sabe escribir. Pero Saperli puede llevar la carta a correos.
- ¿Quieres mandar una carta? - preguntó Rudi -. ¿A quién?
- A Nuestro Señor Jesucristo.
- ¿Qué estás diciendo?
El idiota, al que llamaban cretino, dirigió al muchacho una mirada conmovedora, y, doblando las manos, dijo con acento solemne y piadoso:
- A Jesucristo. ¡Saperli quiere mandarle una carta, quiere pedirle que el muerto en esta casa sea Saperli y no aquel hombre.
Rudi le estrechó la mano.
- La carta no llegaría. ¡La carta no nos lo puede devolver!
Le resultaba difícil al niño explicar a Saperli por qué era imposible aquello.
- ¡Ahora eres tú el apoyo de esta casa! - le dijo su madre adoptiva. Y Rudi aceptó la carga.

4. Babette

¿Quién es el mejor tirador del cantón del Valais? Bien lo sabían los gamos.
- ¡Guárdate de Rudi! - se decían.
- ¿Quién es el cazador más guapo? - ¡Pues Rudi! - contestaban las mozas; pero éstas no añadían: - ¡Guárdate de Rudi!
No lo decían ni siquiera las madres serias, pues él las saludaba con la misma amabilidad que a las muchachas. Era audaz y de genio alegre, tenía morenas las mejillas, blancos los dientes, y negros y brillantes los ojos; era un guapo mozo de 20 años. El agua helada no le parecía fría cuando nadaba; se revolvía y giraba en ella como un pez, sabía trepar como nadie, y pegarse como un caracol a las paredes de roca; había fibra en él, sus músculos y tendones eran de acero. Bien se le veía al saltar; su primer maestro había sido el gato, y después los gamos. Era el guía más seguro; habría podido reunir una fortuna dedicándose a este oficio. Para el de tonelero, que su tío le había enseñado también, le faltaba disposición. Su anhelo y su placer eran cazar gamos, y esta ocupación no resultaba menos lucrativa. Rudi era un buen partido, decían todos, pero no quería levantar los ojos a una clase social superior a la suya. En el baile era la pareja con quien soñaban todas las muchachas; y eran muchas las que pensaban en él también en las horas de vela.
- Hoy en el baile me ha dado un beso - dijo Anita, la hija del maestro, a su mejor amiga; y, sin embargo, no debiera de haberlo contado, ni a la mejor de sus amigas. Estas cosas son difíciles de guardar; son como arena en un saco agujereado; se van derramando por todas partes. A pesar de lo bueno y formal que era Rudi, pronto corrió la voz de que besaba en el baile; y, en realidad, sólo lo había hecho una vez, y no a la que más le hubiera gustado.
- ¡Cuidado con él! - dijo un viejo cazador -. Ha besado a Anita; ha empezado por la A, y seguirá besando a todo el alfabeto.
Un beso en el baile era, hasta el momento, todo lo que las comadres habían podido murmurar de él; pero había besado a Anita, que no era, ni mucho menos, la flor de su corazón.
Allá abajo, cerca de Bex, entre corpulentos nogales, y a orillas de un torrente impetuoso, vivía el rico molinero. La casa, un gran edificio de tres pisos con pequeñas torres, estaba cubierta con ripias y chapeada de hojalata, por lo que relucía a gran distancia bajo los rayos del sol o de la luna. La torre mayor tenía por veleta un palo brillante que atravesaba una manzana; recordaba la hazaña de Guillermo Tell. Ya por su exterior, el molino revelaba una situación próspera; su aspecto era majestuoso; el pintor que lo veía echaba mano maquinalmente al pincel para pintarlo; pero la hija del molinero no podía ser pintada ni descrita. Por lo menos así lo pensaba Rudi, en cuyo corazón vivía su imagen. Una sola mirada de sus ojos había bastado para inflamar su alma, como basta una antorcha para provocar un pavoroso incendio. Y lo más sorprendente era que la linda Babette, la hijita del molinero, no tenía de ello la menor sospecha; en toda su vida no había cambiado jamás una palabra con Rudi.
El molinero era rico, y su riqueza ponía a Babette fuera del alcance del muchacho. «Pero - pensaba Rudi - nada está tan alto que no pueda alcanzarse. Hay que trepar, y ya es sabido que nadie se cae si está convencido de que no ha de caer». Esta máxima la había aprendido de pequeño en su casa.
Un día, Rudi tuvo que ir a Bex a resolver unos asuntos. Era todo un viaje, pues no existía aún el ferrocarril que hoy enlaza aquellos lugares. Desde el glaciar del Ródano, y a lo largo de la falda del Simplón, se extiende, entre numerosas y alternantes montañas, el amplio valle del Valais, con su caudaloso río, el Ródano, que experimenta frecuentes crecidas, durante las cuales inunda y asola los campos y caminos. Entre las ciudades de Sión y Saint-Maurice, el valle forma un ángulo, tuerce a manera de codo y se estrecha tanto, aguas abajo de Maurice, que sólo deja espacio para el lecho del río y la carretera. Una antigua torre sirve al mismo tiempo de centinela del cantón del Valais, que termina allí, y desde la montaña domina el puente de piedra que lleva a la aduana de la margen opuesta, donde empieza el cantón de Vaud; Bex es la primera ciudad que se encuentra. Desde allí, a cada paso se ve aumentar la riqueza y la feracidad del suelo; el viajero entra en un vergel de nogales y castaños. Aquí y allí destacan cipreses y granados, y en el ambiente se nota un calor meridional que hace presentir Italia.
Rudi llegó a Bex, despachó su negocio y dio una vuelta por la población, pero no vio a ningún molinero, y no hablemos ya de Babette. Las cosas no marchaban como debían.
Al anochecer, el aire se impregnó del aroma del tomillo silvestre y de los tilos en flor. En torno a las montañas verdeazuladas flotaba una especie de velo centelleante, de un etéreo color. Un profundo silencio reinaba por doquier; pero no el silencio del sueño o de la muerte, era como si la Naturaleza entera retuviese la respiración, como si hubiese adoptado aquella actitud de reposo solemne para que su imagen pudiera fotografiarse en el fondo azul del cielo. Entre los árboles, a lo largo de la campiña, se levantaban altos postes que sostenían los hilos del telégrafo, los cuales discurrían a través del silencioso valle. Contra uno de ellos había apoyado un objeto, tan inmóvil, que habría podido tomarse por un tronco seco: era Rudi, que permanecía allí quieto como todo lo que lo rodeaba en aquel momento. No dormía, ni mucho menos estaba muerto; pero del mismo modo que por el alambre vuelan a menudo sucesos trascendentales, noticias de decisiva importancia, sin que el hilo los revele por una vibración o un sonido, así también pasaban por la mente de Rudi pensamientos grandiosos, supremos, la felicidad de toda su vida, pensamientos que en adelante serían los únicos y constantes. Sus ojos se clavaban en un punto situado en medio del follaje: la luz de la casa del molinero, la morada de Babette. Ante la inmovilidad absoluta de Rudi se habría pensado que apuntaba a un gamo, aunque más bien él parecía un gamo estático, como tallado en la roca, que de repente, al rodar una piedra, pegará un salto y echará a correr. Y esto es, efectivamente, lo que hizo Rudi. Un pensamiento había rodado por su alma.
- ¡No hay que desalentarse nunca! - exclamó -. ¡A visitar el molino! ¡A decir buenas noches al molinero, buenas noches a Babette! Nadie cae si no piensa que va a caer. Para llegar a ser el marido de Babette, es necesario que ella me vuelva a ver.
Rudi se echó a reír y se encaminó al molino, muy animado. Sabía lo que quería: ganarse a Babette.
Bramaba el río espumeante con sus aguas amarillentas; tilos y sauces se inclinaban sobre la impetuosa corriente. Rudi se acercó a la casa con paso resuelto, pero, como reza la antigua canción:

... en casa del molinero
no había un alma aquella noche;
sólo el gato miraba por el agujero.

El gato estaba, en efecto, en la escalera, hecho un arco y diciendo: «¡miau!». Pero a Rudi nada le decía aquel lenguaje; llamó, pero no lo oyeron; nadie respondió. «¡Miau!», repitió el gato. Si Rudi hubiese sido niño todavía, habría comprendido el lenguaje de los animales y oído que el gato le decía: «¡No hay nadie en casa!». Hubo de ir al molino para informarse. Allí le explicaron que el dueño estaba de viaje, lejos, en la ciudad de Interlaken - «inter lacus, entre los lagos», como le había explicado el maestro, el padre de Anita -. El molinero se había marchado pues, y, con él, Babette. Se celebraba una gran fiesta de tiro en aquella ciudad; empezaría al día siguiente, e iba a durar una semana; a ella acudían los tiradores de todos los cantones alemanes.
¡Pobre Rudi! No había elegido un buen momento para ir a Bex; no le quedaba más alternativa que volverse, reemprender el camino, por Saint-Maurice y Sión, a su valle, a sus montañas. Mas no se desalentó por ello; cuando salió el sol, a la mañana siguiente, ya había recuperado su buen humor; nunca lo perdía por muchas horas.
- Babette está en Interlaken, a muchas jornadas de aquí - se dijo -. Está muy lejos si se va por la carretera principal, pero el camino es mucho más corto por la montaña, y éste es el camino que conviene a un cazador de gamos. Lo he seguido ya una vez; del otro lado está mi tierra, donde de niño viví en casa de mi abuelo. Además, en Interlaken se celebra la fiesta de los tiradores. Yo seré el primero, y me meteré en el corazón de Babette en cuanto haya hecho amistad con ella.
A la espalda la ligera mochila que contenía su traje dominguero, y la escopeta y el morral colgados del hombro, Rudi emprendió la ascensión de la montaña, tomando por un atajo que, a despecho de su nombre, era bastante largo. Pero la fiesta no empezaba hasta aquella tarde, y duraría más de una semana. Según le habían dicho, el molinero y su hija permanecerían hasta el fin en Interlaken, en casa de unos parientes. Rudi atravesó el Gummi con el propósito de bajar cerca de Grindelwald.
Avanzaba alegre y contento, en el aire fresco y reparador de la montaña. El valle iba quedando abajo, mientras el horizonte se ensanchaba progresivamente: aquí una cumbre nevada, allí otra, y pronto, a lo lejos, toda la blanca y reluciente cadena de los Alpes. Rudi conocía todos los picos, por lo cual tomó directamente el camino del Schreckhorn, que levantaba en el aire azul su empolvado índice de piedra.
Por fin dejó a su espalda la alta cresta; los prados descendían hacia el valle de su infancia. Ligero era el aire, y ligero su corazón. Monte y valle aparecían cuajados de flores y verdor, y su corazón era presa de la embriaguez juvenil: ¡nunca se envejece, la muerte no existe! ¡Vivir, vencer, gozar! Libre como el ave era, y, como ella, ligero. Las golondrinas pasaban volando y cantando, como cuando era niño: «A mí y a ti, a ti y a mí». ¡Todo era vida y alegría!
Abajo se extendía el prado verde aterciopelado, salpicado de pardas casas de madera; el Lütschine serpenteaba murmurador y chapoteante. El mozo veía el glaciar, con sus verdes bordes cristalinos y sus profundas grietas; distinguía los dos glaciares, el superior y el inferior. Las campanas de la iglesia le enviaban sus sonidos, como anunciando su regreso a la patria. Rudi sintió que su corazón latía con más fuerza y se ensanchaba; tan grande se hizo y tan lleno de recuerdos, que por un momento Babette se borró de él.
Volvía a recorrer aquel mismo camino en el que, siendo niño y con otros chiquillos de su edad, había salido a vender casitas de madera tallada. Arriba, detrás del abeto, alzábase todavía la casa del abuelo, habitada hoy por desconocidos. Varios rapaces corrieron a su encuentro, ofreciéndole sus mercancías; uno le brindó un rododendro, que Rudi tomó como signo de buen agüero, pensando en Babette. Pronto llegó al puente del valle, donde se unen los dos brazos del Lütschine. Aumentaba el número de árboles de follaje, y los nogales daban sombra. Vio entonces la ondeante bandera con la cruz blanca sobre fondo rojo, emblema de suizos y daneses. Ante él se hallaba Interlaken.
Jamás había visto Rudi una ciudad tan magnífica. Una ciudad suiza endomingada. No era, como las otras poblaciones menores, un conjunto de pesadas casas de piedra, toscas, ariscas y poco acogedoras. Parecía como si las casas de madera de la montaña hubiesen bajado al verde valle con el río límpido y raudo y, una un poco más entrante y otra un poco más saliente, se hubiesen alineado para formar una calle. Era la más hermosa de todas las calles, y por cierto que había crecido también en altura desde que Rudi estuviera en la ciudad por última vez, siendo aún niño.
Imaginó que todas aquellas lindas casitas de madera que había tallado el abuelo y llenaban el armario de la vivienda, se habían plantado allí y crecido vigorosamente, como los viejos y nobles castaños. Cada casa era un chalet; ventanas y balcones se distinguían por sus primorosos labrados en madera, dando belleza y gracia al conjunto; y delante de cada casa se extendía un magnífico jardín hasta la carretera, ancha y asfaltada. A lo largo de ésta había casas sólo por un lado, para no ocultar los verdes y jugosos prados inmediatos, por donde vagaban las vacas con sus cencerros, que sonaban exactamente como en los pastizales de las alturas. La pradera quedaba rodeada por altas montañas, que se apartaban en el centro para que pudiera contemplarse en toda su grandiosidad la Jungfrau, esa cumbre brillante y nevada, la más hermosa de todas las montañas de Suiza.
¡Qué muchedumbre de elegantes caballeros y damas llegados de tierras extranjeras, y qué hormigueo de campesinos de los diversos cantones suizos! Los tiradores llevaban sus respectivos números en el sombrero. Por todas partes resonaban música y cantos, organillos e instrumentos de viento, griterío y ruido. Las casas y los puentes aparecían adornados con versos y emblemas. Ondeaban banderas y pendones, y las escopetas disparaban sin interrupción. Para los oídos de Rudi, ésta era la música más bella; en medio de tanta magnificencia olvidóse incluso de Babette, a pesar de que sólo por ella había venido.
Los cazadores se concentraron para sus ejercicios; Rudi se mezcló con ellos y se mostró el más diestro y afortunado. Tiro que disparaba, tiro que daba en la diana.
- ¿Quién es ese forastero, ese joven cazador? - se preguntaba la gente.
- Habla francés, y parece del Valais; pero se expresa bastante bien en alemán - observaron algunos -. Seguramente vivió de niño en la región de Grindelwald - dijo alguien.
El mozo rebosaba de vida, sus ojos brillaban, su mirada era tan segura como su brazo. La felicidad infunde valor, y valor no le faltaba nunca a Rudi. Muy pronto se vio rodeado de un gran círculo de amigos, respetado y admirado por todos; Babette casi se había borrado por completo de su mente. De pronto, una pesada mano se posó en su hombro, y una ruda voz le dijo en francés:
- Sois del cantón de Valais, ¿verdad?
Al volverse, Rudi vio ante sí una cara roja y satisfecha, y una recia figura; era el rico molinero de Bex, que, con su corpulencia, ocultaba a la linda Babette, aunque ésta no tardó en asomar con sus radiantes ojos oscuros. Para el rico molinero, la prueba de que el mozo fuese de su cantón era simplemente el hecho de que disparaba como nadie y de que todo el mundo lo agasajaba. En verdad que Rudi era un favorito de la suerte; aquella por quien había venido y a la que casi había olvidado, lo buscaba a su vez.
Siempre que unos paisanos se encuentran lejos de su tierra, se reconocen y entablan conversación. En el concurso de tiro, Rudi había sido sin discusión el primero, del mismo modo que el molinero era el primero en Bex por su riqueza y su hermoso molino. Por eso los dos hombres se estrecharon la mano, cosa que nunca habían hecho hasta entonces. También Babette alargó ingenuamente la suya a Rudi, el cual la estrechó, mientras dirigía a la muchacha una mirada que la hizo ruborizarse.
Contóle el molinero su largo viaje y le habló de las muchas ciudades que habían visitado. Había sido un viaje con todas las de la ley: en vapor, en ferrocarril y en diligencia.
- Pues yo he venido por el camino más corto - dijo Rudi ­ por la montaña. No hay senda tan alta que no pueda pasarse.
- Pero también se puede uno romper el cuello - replicó el molinero -. Y me das la impresión de que algún día te lo vas a romper, por lo temerario que eres.
- ¡Nadie se cae si no piensa que va a caerse! - dijo Rudi.
Los parientes del molinero, en cuya casa se hospedaban él y su hija, invitaron a Rudi a alojarse también con ellos, en vista de que eran del mismo cantón. Para los proyectos que nuestro mozo se había forjado, el ofrecimiento venía al dedillo; la suerte lo acompañaba, como acompaña siempre a aquel que tiene confianza en sí mismo y se acuerda de que «Dios nos da nueces, pero quiere que las casquemos nosotros».
Instalóse Rudi en casa de los parientes del molinero como si fuese de la familia; se pronunció un brindis en honor del mejor tirador; sumóse a él Babette, y Rudi le dio las gracias por la distinción que se le otorgaba.
Al anochecer salieron a pasear por la hermosa calle, delante del lujoso hotel y bajo los viejos castaños. Tal era la multitud y el bullicio, que Rudi hubo de ofrecer el brazo a Babette. Estaba muy contento, le dijo, de haberse encontrado con gente de Vaud, pues Vaud y el Valais eran cantones que vivían en buena vecindad. Expresóle su alegría de un modo tan abierto y sincero, que Babette creyóse obligada a estrecharle la mano. Paseaban juntos, casi como antiguos conocidos, él y la encantadora muchachita. A Rudi le hacían gracia sus observaciones sobre los ridículos y exagerados vestidos y modas que exhibían las damas forasteras. Pero no lo hacía para burlarse de ellas, pues podían ser personas muy conformes y simpáticas; bien lo sabía Babette, que tenía por madrina a una distinguido señora inglesa. Hallóse casualmente en Bex dieciocho años atrás, cuando fue bautizada la niña, y le regaló el hermoso broche que llevaba en el pecho. Dos veces le había ya escrito, y aquel año había proyectado coincidir con ella en Interlaken, adonde pensaba ir en compañía de sus hijas, dos solteronas que iban por los treinta, según se expresaba Babette, que no contaba más de dieciocho abriles.
La dulce boquita no callaba ni un momento, y todo cuanto parloteaba sonaba a los oídos de Rudi como cosas de la mayor importancia. A su vez contó él cuanto tenía por contar; las veces que habla estado en Bex, lo bien que conocía el molino; ella, en cambio, probablemente ni se había fijado en él. La última vez que había estado allí, llevado por mil pensamientos que no podía comunicarle, ella y su padre estaban ausentes, muy lejos, aunque no tanto que no pudiese saltarse el muro que los separaba.
Todo esto dijo, y muchas cosas más. Díjole que la quería mucho, y que sólo por ella, no por la fiesta, había bajado a la ciudad.
Babette se quedó callada; acaso el mozo le había dicho más de lo que ella podía comprender. Y mientras caminaban, se ocultó el sol detrás de la gigantesca muralla rocosa; la Jungfrau se elevó en toda su magnificencia y luminosidad, rodeada de la verde corona formada por los bosques de las montañas vecinas. Mucha gente se había detenido a contemplar el espectáculo, y también Rudi y Babette recrearon sus ojos en aquella majestad.
- Éste es el lugar más hermoso de todos - dijo la muchacha.
- ¡El más hermoso! - repitió Rudi, mirándola - ¡Mañana debo marcharme! - añadió.
- Ve a visitarnos a Bex - susurró ella -. Mi padre se alegrará.

5. El regreso

¡Cuán cargado iba Rudi al día siguiente, cuando volvió a tomar el camino de la montaña, de regreso a casa! Llevaba tres copas de plata, dos magníficas escopetas y una cafetera, también de plata, que podría servir el día que se casase. Pero nada eran estas riquezas comparadas con las palabras de Babette, que llevaba guardadas en su memoria; y más que llevarlas, eran ellas las que le daban alas para franquear las alturas.
Pero el tiempo estaba destemplado, el cielo era gris, torvo, lleno de amenazas, las nubes se cernían sobre las cumbres como sudarios.
Del fondo del bosque llegaban los hachazos de los leñadores, y monte abajo rodaban troncos que, vistos de lejos, parecían palillos, cuando en realidad eran poderosos mástiles. El Lüt­schine fluía con un zumbido monótono, silbaba el viento, y las nubes surcaban el cielo. De pronto apareció una muchacha junto a Rudi, que él no vio hasta tenerla a su lado. Debía también cruzar la montaña, y en sus ojos brillaba una fuerza singular; eran límpidos, profundos e insondables.
- ¿Tienes novio? - le preguntó Rudi, cuyos pensamientos no podían separarse de Babette.
- No - respondió la muchacha, riendo como quien no dice la verdad -. ¡No demos rodeos! - añadió -. Por la izquierda el camino es más corto.
- ¡Sí, para que caigamos en una grieta! - replicó Rudi -. ¿Tal vez tú conoces mejor el camino y quieres hacer de guía?
- Lo conozco muy bien, y además mis pensamientos no divagan. Los tuyos están al parecer en el valle. Aquí arriba hay que pensar en la Virgen de los Ventisqueros. No es muy amiga de los hombres, según se dice.
- No le temo - replicó Rudi -. Tuvo que soltarme cuando era yo muy pequeño, y ahora que soy un hombre estoy seguro de que sabré escapar a sus acechanzas.
Aumentó la oscuridad y empezó a llover, y después de la lluvia vinieron ráfagas de nieve, que cegaban al cazador.
- Dame la mano, te ayudaré a subir - dijo la muchacha, tocándole con los gélidos dedos.
- ¡Ayudarme tú! - exclamó Rudi -. ¡Nunca necesité de la ayuda de una mujer para trepar! -. Y apretó el paso, alejándose de ella. El torbellino de nieve lo envolvió como en una cortina, y por entre los bramidos del viento pudo oír cómo la doncella reía y cantaba. Su voz sonaba de un modo siniestro. La Virgen de los Ventisqueros tenía muchos hechizos a su servicio; Rudi había oído hablar de ello cuando, de niño, había pernoctado en la montaña en el curso de sus expediciones.
La nevada disminuyó de intensidad, las nubes quedaban a sus pies. Miró a su espalda y no vio a nadie; pero seguía oyendo risas y gritos, que no parecían salidos de una garganta humana.
Cuando, por fin, Rudi llegó a la cresta de la montaña, donde comenzaba el sendero que descendía hacia el Valle del Ródano, en la faja de aire azul que se dibujaba hacia Chamonix vio dos estrellas centelleantes y pensó en Babette, en sí mismo y en su felicidad, y aquellos pensamientos le hicieron entrar en calor.



6. La visita al molino

- ¡Qué traes, hijo mío! - exclamó su vieja madre adoptiva - ¡Estas cosas sólo las tienen los potentados! -, y sus ojos de águila brillaban, y la emoción le hacía mover el cuello escuálido, en extrañas contorsiones -. La suerte te acompaña, Rudi. ¡Deja que te bese, hijo mío!
Y Rudi se dejó besar, pero en su cara se reflejaba la pena que le causaba la pobreza de su casa.
- ¡Qué hermoso eres, Rudi! - dijo la anciana.
- ¡No me llenes la cabeza de ilusiones! - replicó Rudi riendo; pero, con todo, le agradaba.
- Pues lo repito - prosiguió la mujer -, la suerte te acompaña.
- ¡Sí, en esto te creo! - respondió él, pensando en Babette. Nunca como en aquel momento había sentido la nostalgia del valle.
«Ya deben estar de regreso - pensó -. Han pasado ya dos días de la fecha que me dijo. No puedo más: me voy a Bex».
Y Rudi se fue a Bex, y encontró el molinero en casa. Lo recibieron muy bien y le dieron recuerdos de la familia de Interlaken. Babette se había vuelto taciturna, pero sus ojos eran elocuentes, y esto le bastaba a Rudi. El molinero, aficionado a llevar siempre la voz cantante, pues estaba acostumbrado a que los demás celebraran sus chistes y ocurrencias - por algo era el rico molinero -, esta vez se complacía, cosa rara, en escuchar a Rudi contar sus aventuras de caza, las fatigas y los peligros que han de afrontar los cazadores de gamos en las rocosas alturas. Escuchó atentamente su relato acerca de las inseguras cornisas de nieve, que el viento y la intemperie labran en el reborde de la roca, y por las que el cazador ha de arrastrarse, como ha de cruzar también los arriesgados puentes levantados por las ventiscas sobre los insondables precipicios. ¡Qué audaz parecía Rudi, y cómo brillaban sus ojos cuando narraba la existencia del cazador, la inteligencia y los hábiles saltos de los gamos y describía la furia del «föhn» y el precipitarse de los aludes vertiginosos! Se daba perfecta cuenta de que cada nuevo relato le hacía subir en la estima del molinero, al cual impresionó especialmente cuanto dijo acerca de los buitres y del águila real.
No lejos de allí, en el cantón del Valais, debajo de un borde colgante de roca, había un nido de águilas muy hábilmente colocado. En él vivía un aguilucho, que nadie se atrevía a ir a capturar; pocos días antes, un inglés había ofrecido a Rudi un puñado de oro si le traía viva la cría. Pero «todo tiene sus límites», había replicado el mozo.
- El aguilucho no dejará que lo saquen del nido; sería una locura intentarlo.
Y fluyó el vino, y fluyeron los discursos, pero la velada se le hizo muy corta a Rudi, a pesar de que era ya más de media noche cuando se despidió de la gente del molino.
Un instante brillaron aún las luces a través de la ventana y entre las verdes ramas. Por el tragaluz del tejado salió el gato del salón en busca del de la cocina, que paseaba a lo largo del canalón.
- ¿Sabes la novedad del molino? - preguntó el primero -. Tenemos noviazgo a la vista. El padre no está enterado aún. Rudi y Babette se han estado dando con los pies por debajo de la mesa durante toda la velada. A mí me pisaron por dos veces, pero no maullé para no llamar la atención. -Pues yo habría maullado -respondió el gato de la cocina. - Lo que está permitido en la cocina no conviene en el salón - replicó el otro -. ¡Sólo quisiera saber lo que dirá el molinero cuando se entere!
Lo mismo hubiera deseado Rudi; pero su impaciencia no le permitió esperar a que el molinero se enterara por sí mismo. Así, unos días después, cuando el ómnibus que hacía el servicio entre el Valais y Vaud cruzaba el puente del Ródano, podía verse en él a nuestro mozo, animoso como siempre y meciéndose en la anticipación de lo que aquella noche le esperaba.
Cuando, al anochecer, el ómnibus emprendió el viaje de regreso, iba también en él Rudi camino de casa. En el molino, el gato del salón tenía una importante noticia que comunicar.
- ¿Sabes qué pasa, cocinero? Pues que el molinero está enterado de todo. La cosa ha acabado de un modo muy raro. Rudi llegó al atardecer, y él y Babette venga cuchichear y hablarse al oído en el corredor, frente a la habitación del molinero. Yo estaba a sus pies, pero ellos tenían los ojos y el pensamiento muy lejos de mí. «Me voy derecho a tu padre - dijo Rudi -, es lo más honrado». «¿Quieres que vaya contigo? - le preguntó Babette -. Quizá pueda darte ánimos». «Ánimos no me faltan - replicó Rudi -; pero si estás tú presente, por lo menos no perderá la calma; yo quiero saber si está conforme o no». Entraron los dos, y al pasar Rudi me pisó la cola; ¡no he visto hombre más torpe! Yo solté un maullido, pero ni él ni Babette repararon en mí. Abrieron la puerta y entraron; yo me adelanté, y salté sobre el respaldo de una silla; estaba curioso por ver cómo Rudi plantearía la cosa. Pero ahora le tocó al molinero utilizar los pies: ¡qué patada dio sobre el piso! «¡A la puerta y a los gamos de la montaña!», gritó encolerizado y razón que tiene. Está bien que Rudi cace gamos, pero no a nuestra pequeña Babette.
- Pero en fin, ¿qué dijeron? - preguntó el gato de la cocina. - ¿Qué dijeron? Pues todo lo que la gente suele decir en una petición de mano: Yo la quiero y ella me quiere; y cuando en el puchero hay leche para uno la hay también para dos. «¡Pero la chica está demasiado alta para ti! - replicó el molinero -. Está en la cima de una montaña, bien lo sabes, de una montaña de oro. ¡No puedes trepar hasta ella!». «Nada está tan alto que no pueda alcanzarse, cuando uno se lo propone seriamente», respondió Rudi, pues es hombre que tiene respuesta para todo. «Sin embargo, no has podido llegar al nido de águilas; tú mismo lo dijiste el otro día. Pues Babette está aún más alta». «¡Los tendré a los dos!», exclamó Rudi. «Te la doy si me traes vivo el aguilucho», respondió el molinero, soltando la carcajada tan a gusto que se le saltaron las lágrimas. «Entretanto, gracias por tu amable visita, Rudi; si vuelves mañana no habrá nadie en casa. Adiós, Rudi». Y Babette le dijo también adiós, con un acento lastimero como el de un gatito que ha perdido a su madre. «Es propio del hombre cumplir lo prometido - dijo Rudi, resuelto -. No llores, Babette; volveré con el aguilucho». «¡Así te rompas la crisma - exclamó el molinero - y nos libremos de ti!». ¡A eso le llamo yo dar una patada! Rudi se marchó, Babette se dejó caer en una silla y allí se quedó llorando, mientras el molinero cantaba una canción alemana que aprendió durante el viaje. Pero yo no voy a perder el sueño por esta historia. ¡De qué serviría, además?
- Todavía pueden suceder muchas cosas - observó el gato de la cocina.



7. El nido de águilas

Una canción tirolesa, alegre y sonora, llegaba del sendero de la montaña; expresaba buen humor y un ánimo inconmovible. Era Rudi que se encaminaba a casa de su amigo Vesinand.
- Tú y Regli tenéis que ayudarme - le dijo -. Quiero coger el aguilucho del nido de la cornisa.
- ¿Por qué no vas a descolgar el hombre de la luna? Vendría a costarte lo mismo - replicó Vesinand -. Estás de muy buen humor hoy.
- Es que pienso en la boda. Pero hablando en serio, voy a explicarte lo que pasa.
Y puso a sus amigos al corriente de la situación.
- Eres demasiado temerario - dijeron los dos -. Lo que te propones es imposible; te romperás la crisma.
- Nadie se cae si no piensa que puede caerse - replicó Rudi.
Salieron a medianoche, bien provistos de pértigas, escaleras y cuerdas. El camino pasaba por entre arbustos, matorrales y piedras desprendidas, siempre subiendo, subiendo en la oscuridad. El río corría impetuoso, se oía el rumor de agua en las alturas, y nubes cargadas de lluvia surcaban el firmamento. Los cazadores llegaron al borde cortado a pico; la oscuridad era allí más profunda, pues las paredes de roca casi se tocaban; sólo en lo alto, por entre la estrecha fisura, se divisaba un tenue resplandor. Ante ellos se abría un profundo abismo, por el que una cascada se despeñaba con gran estrépito. Sentáronse los tres en silencio, para aguardar el alba, hora en que el águila saldría del nido. Si no la mataban primero, no había que pensar en apoderarse de la cría. Rudi permanecía acurrucado, inmóvil como si formase parte de la piedra que le servía de asiento, preparada la escopeta, clavados los ojos en la grieta de arriba, donde se ocultaba el nido bajo las rocas colgantes. Largo rato esperaron los tres cazadores.
De pronto resonó sobre sus cabezas un estridente chillido; la luz que venía de arriba quedó tapada por algo que flotaba en el aire. Dos escopetas encañonaron la negra figura del águila cuando levantó el vuelo desde el nido. Sonó un disparo; un instante se agitaron las desplegadas alas, y luego el ave cayó lentamente, como si con su enorme cuerpo y sus alas extendidas quisiera llenar la sima, arrastrando a los cazadores en su caída. El águila se precipitó en el abismo, y se oyeron crujir las ramas y los arbustos, que se quebraban bajo el peso del animal.
Entonces los cazadores pusieron mano a la obra con febril actividad. En primer lugar ataron fuertemente una con otra las tres escaleras más largas que habían traído, creyendo que llegarían hasta el nido. Las sujetaron luego al borde del precipicio; quedaban cortos, y el trecho que faltaba para llegar al nido, cobijado bajo un saliente de la roca superior, era vertical y liso como una pared. Tras breve deliberación, los jóvenes convinieron en que lo mejor era descolgar desde arriba dos escaleras atadas y unirlas luego con las tres que habían sido ya emplazadas abajo. Con grandes trabajos consiguieron subir las dos escaleras y atar la cuerda; luego lanzaron las escaleras por encima de la roca saliente, con lo que quedaron suspendidas en el abismo. Rudi estaba ya en el escalón inferior. La mañana era glacial; jirones de niebla se levantaban desde el fondo de la negra sima. Rudi estaba suspendido sobre ésta como una mosca en una paja oscilante, desprendida del nido que un pájaro ha construido al borde de la alta chimenea de una fábrica, pero la mosca puede volar si la paja cede, y, en cambio, Rudi sólo podía romperse el cuello. El viento silbaba a su alrededor, y en el fondo rugía, veloz y espumeante, el río nacido de los hielos del glaciar: el palacio de la Virgen de los Ventisqueros.
Dio entonces a las escaleras un movimiento oscilatorio, como la araña que, desde su largo hilo flotante, busca un punto donde agarrarse; al cuarto intento logró tocar las escaleras de abajo, y, cogiéndose a ellas, las ató a las otras con mano fuerte y segura; seguían oscilando como un punto agitado por el viento.
Parecían una caña colgante las cinco largas escaleras que, bajando hasta el nido, se pegaban casi verticalmente a la pared de roca.
Pero el verdadero peligro venía ahora; había de trepar como un gato, arte que conocía bien Rudi, por habérselo enseñado el suyo cuando niño. No se daba cuenta de que a su espalda estaba el Vértigo, alargando hacia él sus tentáculos de pólipo. Hallábase ya en el peldaño más alto, mas no podía ver el interior del nido; sólo podía alcanzarlo con la mano. Con precaución, comprobó la solidez de las gruesas ramas inferiores entrelazadas que formaban la base del nido; se cogió a la más recia y resistente, y con un impulso se desprendió de la escalera, quedando con la cabeza y el pecho dentro del nido; un hedor asfixiante lo obligó a apartar el rostro. Restos de corderos, gamos y aves en estado de descomposición llenaban el lugar. El Vértigo resoplaba a la cara aquellas ponzoñosas emanaciones para aturdirlo, y allá abajo, en las negras profundidades abismales, en las aguas mugientes, estaba la Virgen de los Ventisqueros en persona, con su larga cabellera de un verde pálido, mirándolo con ojos homicidas, como los dos cañones de una escopeta.
- ¡Ahora serás mío!
En una esquina del nido había un aguilucho grande y vigoroso, aunque todavía incapaz de volar. Rudi lo miró, y, sujetándose fuertemente con una mano, le lanzó el lazo con la otra. La cuerda aprisionó al animal por la patas, y Rudi, tirando del nudo corredizo, lo arrojó, con el ave, por encima del hombro; el aguilucho quedó colgado un buen trecho por debajo de él, mientras el cazador se agarraba a una cuerda que le habían tendido los de arriba, hasta que pudo alcanzar con la punta del pie el borde superior de la escalera.
- Cógete fuerte; sí no piensas que puedes caer, no caerás - rezaba la vieja lección. Fiel a ella, Rudi se cogió vigorosamente, avanzó trepando y, como estaba seguro de no caer, no cayó.
Un grito, sonoro y jubiloso, resonó a lo lejos. Rudi pisaba terreno firme con su aguilucho.

8. Las novedades que el gato del salón pudo contar al de la cocina

- ¡He aquí lo que deseabais! - dijo Rudi entrando en la morada del molinero de Bex y depositando en el suelo un gran cuévano. Al levantar la tela que lo cubría, brillaron en su interior dos ojos amarillos bordeados de negro, con fiera expresión. El breve y fuerte pico se abrió para morder; el cuello era rojo, cubierto de plumón.
- ¡El aguilucho! - exclamó el molinero. Babette lanzó un grito y se apartó de un salto, mirando alternativamente a Rudi y al águila. - ¡Nada te espanta! - dijo el molinero.
- Y vos sois un hombre que cumple su palabra - respondió Rudi -. Cada cual tiene su carácter.
- ¿Y cómo lo hiciste para no romperte la crisma? - preguntó el padre.
- Porque me aguanté firme - replicó el mozo -, y ahora hago lo mismo me agarro a Babette.
- No te fíes demasiado - dijo el molinero riendo, lo cual, como sabía la muchacha, era una buena señal.
- Primero retiremos el aguilucho del cesto; es horrible ver cómo nos mira. ¿Cómo lo cazaste?
Y Rudi hubo de contar la hazaña, mientras el molinero lo consideraba con ojos que reflejaban un asombro creciente.
- ¡Con tu valor y tu buena fortuna puedes mantener a tres mujeres! - exclamó al fin.
- ¡Gracias, gracias de todo corazón! - dijo Rudi.
- Pero con todo eso aún no tienes a Babette - contestó el molinero, dando familiarmente con la mano en el hombro del cazador de águilas.
- ¿Sabes la última novedad del molino? - preguntó el gato del salón a su camarada de la cocina -. Rudi nos ha traído el aguilucho, para recibir a Babette a cambio. Se han besado en presencia del padre, y esto significa que el noviazgo es un hecho. El viejo esta vez no ha pateado; al contrario, ha retraído las garras y se ha puesto a echar una siestecita, mientras la pareja se hacía mil arrumacos. Tienen tantas cosas que contarse, que no habrán terminado para Navidades.
Y, en efecto, no habían terminado para Navidades. El viento arremolinaba las hojas mustias, y la nieve caía en el valle y en las altas montañas. La Virgen de los Ventisqueros permanecía en su soberbio palacio, que en invierno es aún más grande y amplio. De las paredes de roca, tapizadas con gruesas capas de hielo, colgaban carámbanos del peso de un elefante, allí donde en verano el torrente dejaba ondear su velo de agua. Guirnaldas de hielo, de fantásticos cristales, centelleaban sobre los abetos, espolvoreados de nieve. La Reina de los Hielos, montada sobre las alas del viento, cabalgaba por encima de los valles más hondos. Hasta Bex se extendía una espesa capa de nieve, y al pasar la Reina por allí, pudo ver detrás de la puerta a Rudi y Babette enlazados de la mano. La boda se celebraría en verano; amigos y conocidos hablaban tanto de ella, que, como suele decirse, les zumbaban los oídos.
Reapareció el sol, y con él las rosas de los Alpes; pero la más resplandeciente era la alegre Babette, hermosa como la primavera que se acercaba, la primavera que haría que todos los pájaros cantasen el verano y el día de la boda.
- No entiendo cómo esos dos pueden estar tanto tiempo juntos con las caras tan cerca - decía el gato del salón -. Sus eternos maullidos acabarán por fastidiarme.



9. La Virgen de los Ventisqueros

La primavera había desplegado su verde rosario de nogales y castaños, que, especialmente desde el puente de Saint-Maurice, se extiende cada vez más frondoso a lo largo del Ródano, hasta las orillas del Lago de Ginebra. En rápido curso descendía el río de su fuente, situada debajo del verde glaciar, el palacio de hielo donde reside la Virgen de los Ventisqueros. Esta se hacía llevar por el viento hasta el más elevado de los campos de nieve, y se tendía bajo el tibio sol de verano, sobre sus mullidas almohadas. Desde allí dirigía sus ojos hacia los profundos valles, donde los hombres se agitaban con actividad de hormigas.
- ¡Fuerzas del espíritu, os llaman las Hijas del Sol! - decía con desprecio -. ¡Gusanos sois! Basta hacer rodar una bola de nieve para borraros a vosotros y vuestros hogares -. E irguió más aún la altiva cabeza, mirando con siniestros ojos a su alrededor y a sus pies. Pero del valle le llegaba un estruendo insólito: el tronar de las barrenas que volaban las rocas, obra del hombre. Se construían vías y túneles para los ferrocarriles.
- ¡Topos miserables! - exclamó -; se excavan galerías subterráneas; por eso se oyen detonaciones como disparos de fusil. Cuando yo hago cambios en mis palacios, el estruendo es comparable al retumbar del trueno.
Subió del valle una columna de humo, que avanzaba como un velo flotante; era el penacho ondeante de una locomotora, que arrastraba una serie de vagones por la vía férrea recién inaugurada; una serpiente sinuosa cuyas vértebras son vagones y más vagones. Corría el tren como una flecha.
- Se creen los señores de la Tierra ¡esas fuerzas del espíritu! - prosiguió la Virgen de los Ventisqueros -.
Y, sin embargo, las únicas que dominan son las fuerzas de las potencias de la Naturaleza - y prorrumpió a reír y a cantar, y su voz resonó en el valle.
- ¡Por allí baja un alud! - exclamaron los hombres de abajo. Pero las Hijas del Sol entonaron un canto en loor del espíritu del hombre, que doma los mares, mueve montañas y colma valles; el espíritu del hombre: él es el señor de las fuerzas naturales. Precisamente en aquellos momentos, un grupo de excursionistas atravesaban el campo de nieve donde estaba la Virgen de los Ventisqueros. Iban atados con cuerdas para constituir un único cuerpo más voluminoso sobre la lisa superficie del hielo, al borde de los ingentes abismos.
- ¡Gusanos! - exclamó ella -. ¡Vosotros, los señores de las potencias naturales! - y, volviéndoles la espalda, miró burlona el fondo del valle, por donde corría el ferrocarril.
- Allá van esos pensamientos. Allá van en el ímpetu de las fuerzas; los veo, veo a cada uno de los humanos que van en el tren. Uno va sentado orgulloso como un rey, solo; otros, amontonados; la mitad, dormidos, y cuando se detiene el dragón de vapor, bajan y siguen su camino. ¡Los pensamientos salen a correr mundo! -. Y se echó a reír.
- ¡Otro alud que baja! - dijeron las gentes del valle.
- ¡A nosotros no nos coge! - exclamaron dos que viajaban en el dragón de vapor, «dos almas y un pensamiento», como dice la canción. Eran Rudi y Babette, y los acompañaba el molinero.
- ¡Como una maleta! - decía -. Soy el mal necesario.
- Allá van los dos - dijo la Virgen de los Ventisqueros -. He aplastado mucho gamos, he doblado y quebrado millones de rosas alpinas sin dejar ni la raíz. ¡Aniquilaré los pensamientos, las fuerzas del espíritu! -. Y soltó una nueva carcajada.
- ¡Viene otro alud! - dijeron las gentes del valle.



10. La señora madrina

En Montreux, una de las ciudades más próximas que, junto con Clarens, Vernex y Crin, forma una guirnalda en torno a la parte nordeste del Lago de Ginebra, vivía la madrina de Babette, la noble inglesa, con sus hijas y un joven pariente. No hacía mucho que habían llegado de Inglaterra, pero ya el molinero las había visitado y explicado el noviazgo de la muchacha y la hazaña de Rudi al capturar el aguilucho, precedida de su viaje a Interlaken; en resumen, toda la historia, que había despertado en ellos grandes deseos de conocer a Rudi y ver a Babette y a su padre. Finalmente, invitaron a los tres a hacerles una visita. Babette iba a conocer a su madrina, y ésta a su ahijada.
En la pequeña ciudad de Villeneuve, en el extremo del Lago de Ginebra, estaba anclado el vapor que, en un viaje de media hora, transportaba a los pasajeros a Vernex, más abajo de Montreux. Es una orilla cantada por los poetas; allí, bajo los nogales, junto al lago azuloscuro, Byron escribió sus melódicos versos sobre el prisionero del tétrico castillo roquero de Chillon. Allí, donde Clarens se refleja en el agua con sus sauces llorones, anduvo errante Rousseau, soñando con su Eloísa. El Ródano se desliza al pie de las altas montañas nevadas de Saboya. No lejos de la desembocadura del río hay una islita, tan pequeña, que, vista desde la orilla, parece un barco. Es una isla rocosa que, hace más de un siglo, una dama mandó rodear de un dique y cubrir de tierra; en ella plantó tres acacias, que hoy dan sombra a toda su extensión. Babette quedó encantada del lugar; le parecía el más hermoso de todo el viaje; había que desembarcar allí: ¡debía ser tan maravilloso! Pero el barco pasó de largo, y, de acuerdo con el itinerario, ancló en Vernex.
Los tres viajeros se dirigieron monte arriba, por entre las blancas paredes soleadas que rodean los viñedos situados frente a la pequeña población de Montreux. Ante las casas de campo dan sombra las higueras, y en los jardines crecen laureles y cipreses. A media ladera estaba situado el chalet donde residía la madrina.
Fueron acogidos con la mayor cordialidad. La madrina era una señora alta, amable, de cara redonda y sonriente. De niña debió de haber sido una verdadera cabecita de ángel, de Rafael; ahora era una cabeza de ángel viejo, rodeada de abundante cabellera de plata. Las hijas eran elegantes, altas y esbeltas. El joven primo que las acompañaba - vestido de blanco, de la cabeza a los pies, pelirrojo y con rubias patillas, y tan alto que de él podrían haber salido tres caballeros - demostró enseguida las mayores atenciones a la joven Babette.
Libros lujosamente encuadernados, apuntes y dibujos, yacían desparramados encima de la gran mesa; la puerta del balcón, desde el cual se dominaba un magnífico panorama sobre el extenso lago, estaba abierta. Las aguas eran claras y tranquilas, y en su superficie se reflejaban, invertidas las montañas de Saboya, con sus villas, bosques y nevadas cumbres.
Rudi, siempre atrevido, optimista y sereno, sentíase allí oprimido e incómodo. Se movía como si anduviese sobre guisantes esparcidos por un pavimento liso. ¡Con qué terrible lentitud pasaba el tiempo! Creía encontrarse amarrado a una noria. Si salían de paseo, ¡qué lentitud, Santo Dios! Tenía que dar dos pasos hacia delante y uno hacia atrás para seguir la marcha de los otros. Bajaron a Chillón, el antiguo y lóbrego castillo construido en una isla de roca, para ver el poste del tormento, las mazmorras, las herrumbrosas cadenas clavadas en la pared, el catre destinado a los condenados a muerte y el postillón por donde, según se decía, los in es eran precipitados sobre púas de hierro, al fondo de las aguas. Era un patíbulo que el poema de Byron había llevado al mundo de la poesía. A Rudi le parecía como si el cadalso fuera para él; asomado a los marcos de piedra de las ventanas, estuvo contemplando las aguas verdeazuladas del pie y la diminuta isla solitaria de las tres acacias, ávido de alejarse de aquella gente parlanchina, con la cual, en cambio, tan a gusto se encontraba Babette. Se había divertido la mar, según dijo más tarde. Al primo lo encontraba un perfecto caballero. - Sí, es un perfecto papagayo - repuso Rudi; y fue la primera vez que sus palabras hirieron a Babette. El inglés había regalado a la muchacha un libro como recuerdo del castillo: era el poema de Byron, titulado «El prisionero de Chillon», en traducción francesa, para que Babette pudiera leerlo.
- Es posible que el libro sea bueno - dijo Rudi -, pero al petimetre que te lo ha regalado, francamente no puedo tragarlo.
- Parecía un costal de harina sin harina - observó el molinero, riéndose de su propio chiste. Rudi soltó también la carcajada, y dijo que el retrato no podía ser más acertado.



11. El primo

Cuando Rudi, unos días después, fue de visita a casa del molinero, encontró en ella al joven inglés. Babette le estaba sirviendo un plato de truchas, que había aderezado con perejil, para hacerlas más apetitosas. La verdad es que no tenía necesidad de hacerlo. ¿Qué venía a buscar el inglés, a fin de cuentas? ¿Que Babette lo obsequiase y lo sirviese? El muchacho estaba celoso, y aquello divertía a la muchacha. Le agradaba conocerlo en todos sus aspectos, en sus buenas cualidades y en sus flaquezas. Para ella, hasta entonces el amor había sido sólo un juego, y por esto jugaba con el corazón de Rudi. No obstante, el mozo era el ídolo de su corazón, el único pensamiento de su vida, lo mejor y más sublime de este mundo. Pero cuanto más hosca era su mirada, más reían los ojos de ella; gustosa habría besado al inglés de las rojas patillas, si con ello hubiese podido poner furioso a Rudi y sacarlo de quicio. Habría sido la mejor prueba del amor que por ella sentía su novio. Tal vez no fuera justa ni razonable la conducta de Babette, pero, al fin y a la postre, ¡tenía 19 años! No reflexionaba, y todavía menos pensaba en cómo se interpretaría su conducta al permitir que el inglés la tratase con mayor ligereza y desenvoltura de la que convenía a la hija del molinero, honesta y recién prometida.
En el lugar donde la carretera de Bex discurre al pie de una nevada cima rocosa que las gentes del país llaman el «Diablerets», levantábase el molino, a poca distancia de un torrente impetuoso cuyas aguas eran de una tonalidad gris blanquecina, como de jabón liquido agitado. No era aquel torrente el que accionaba el molino, sino un pequeño afluente que se precipitaba en él por la otra orilla, procedente de las altas rocas y que, por un canal de piedra excavado debajo de la carretera, volvía a elevarse gracias a su fuerza y velocidad, pasando luego sobre el río por una ancha acequia encauzada con fuertes vigas y cerrada por todos los lados. Esta acequia era tan caudalosa, que su agua se salía de cauce, por lo cual la persona que tomaba aquel atajo para ir al molino encontrábase con un camino mojado y resbaladizo. Y esto fue lo que hizo el inglés. Vestido todo él de blanco como mozo de molinero, tomó aquella senda y trepó por las rocas, guiado por la luz que salía de la habitación de Babette. El trepar no era precisamente su fuerte, y se cayó más de una vez, faltándole poco para ir de cabeza al torrente. Empapado de agua y salpicado de lodo llegó al pie de las ventanas de Babette, y, subiéndose a un viejo tilo, imitó el grito de la lechuza, el único que era capaz de remedar hasta cierto punto. Oyólo la muchacha y salió a mirar por detrás de la transparente cortina, mas al ver al hombre blanco e imaginar quién era, su corazón se puso a palpitar de miedo y de cólera a la vez. Rápidamente apagó la luz, y después de comprobar que todas las ventanas estaban bien cerradas, lo dejó que siguiera gritando y aullando.
Hubiera sido terrible que Rudi se encontrara entonces en el molino. Pero era mucho peor: estaba precisamente ante la casa.
Cambiáronse palabras airadas, y pareció que el lance iba a terminar a golpes, si no en algo más grave.
Angustiada, la muchacha abrió la ventana y suplicó a Rudi que se marchase; no podía permitir, dijo, que siguiera allí.
- ¡No permites que me quede! - respondió el mozo airado ¡Es una cita, pues! Esperas a buenos amigos, mejores que yo. ¿No te da vergüenza, Babette?
- ¡Es indigno lo que dices! - replicó ella -. ¡Te detesto! - y rompió a llorar -. ¡Márchate, márchate!
- Yo no he merecido esto - replicó él, alejándose; las mejillas y el corazón le ardían como fuego.
Babette se arrojó sobre la cama, desecha en lágrimas.
- ¡Tanto como te quiero, Rudi, y tú eres capaz de pensar tan mal de mí!
Estaba airada, lo cual era mejor para ella, ya que, de otro modo, se habría desesperado. Así pudo dormir, dormir con el sueño reparador de la juventud.

12. Potencias del mal

Rudi salió de Bex para volver a su casa. Tomó el camino de las montañas, con su aire puro y confortante - las montañas nevadas, mansión de la Virgen de los Ventisqueros. Los árboles de fronda quedaban al fondo, semejantes a hortalizas; los abetos y matorrales se iban empequeñeciendo, las rosas alpinas brotaban entre la nieve, que, en manchones aislados, aparecía como sábanas puestas a secar. Una florecilla blanca se mecía al aire balsámico; él la machacaba con la culata de la escopeta.
Más arriba presentáronse dos gamos; los ojos de Rudi brillaron, y sus pensamientos cobraron nuevo vuelo. Pero no estaba lo bastante cerca para asegurar el tiro, y así continuó subiendo hasta un punto en que sólo una hierba hirsuta crecía entre los bloques de rocas. Los gamos avanzaban tranquilamente por el mar de nieve; él aceleró el paso. Extendíanse a su alrededor jirones de niebla y de pronto se encontró al borde de la pared vertical. Empezó a llover.
Rudi sentía una sed abrasadora; la cabeza le ardía, mientras el resto del cuerpo estaba frío. Sacó la cantimplora, pero estaba vacía; no se había acordado de llenarla al emprender la ascensión. Nunca había estado enfermo, pero ahora le daba la impresión de estarlo. Sentíase cansado, y lo dominaba el deseo de echarse a dormir; pero el agua fluía por todas partes. Trató de concentrar sus fuerzas. Cosa extraña: los objetos temblaban ante sus ojos, y de repente observó algo que antes no había visto: una casa baja, nueva, de madera, adosada a las rocas. Había en la puerta una doncella, a quien tomó de momento por Anita, la hija del maestro, a la que besara una vez bailando. Pero no, no lo era, y, sin embargo, debía de haberla visto antes, tal vez en Grindelwald, la noche en que regresó de la fiesta de los cazadores de Interlaken.
- ¿Qué haces aquí? - preguntó.
- Es mi casa - respondió ella -. Guardo mi rebaño.
- ¿Tu rebaño? ¿Dónde pace? - replicó él, riendo -. Aquí no hay más que nieve y rocas.
- ¡Sí que conoces el país! - replicó ella riendo -. Ahí detrás, un poco más abajo, hay un prado magnífico. A él llevo mis cabras. Las guardo bien y jamás pierdo una. Lo que es mío, mío queda.
- Eres atrevida - dijo Rudi.
- ¡Tú también! - fue la respuesta.
- Si tienes leche, dame un trago. Tengo una sed insoportable. - Tengo algo mejor que leche - replicó ella -; voy a dártelo. Ayer pasaron por aquí varios turistas con sus guías y se olvidaron media botella de vino, un vino como no has probado en tu vida. No volverán a buscarlo, y yo no lo bebo. ¡Bébelo tú!
Y fue a buscar la botella, vertió parte del contenido en una escudilla de madera y se la ofreció a Rudi.
- ¡Qué rico! - exclamó el mozo. - Nunca había saboreado un vino tan confortante, tan ardiente -. Sus ojos brillaron, y sintió en todo su ser una plenitud de vida, un fuego que hizo desvanecer toda su melancolía y su tristeza. La fogosa naturaleza humana se agitó en él.
¡Pero si es la Anita del maestro! - exclamó de repente-. ¡Dame un beso!
- ¡A condición de que tú me des esa hermosa sortija que llevas en el dedo!
- ¿Mi anillo de prometido?
- ¡Justamente! - afirmó la muchacha, y, echándole más vino en la escudilla, se la acercó a sus labios, y él bebió. Una gran ansia de vivir corrió por su sangre; parecióle que era dueño del
mundo entero. ¿Para qué preocuparse de quimeras? Todo ha sido creado para nuestro gozo. La corriente de la vida es una corriente de placer; en dejarse arrastrar por ella está la bienaventuranza. Miró a la doncella: era Anita. Pero un instante después no lo era, y menos aquel fantasma - como la llamara - con quien se había topado en las cercanías de Grindelwald. Aquella muchacha de la montaña era pura como nieve recién caída, turgente como la rosa de los Alpes y ligera como un corzo, y, sin embargo, creada de la costilla de Adán, una criatura humana como Rudi. La rodeó con los brazos, la miró al fondo de sus claros ojos maravillosos, un solo segundo, y en aquel instante... ¿quién puede explicar lo que ocurrió? ¿Fue el espíritu de la vida o el de la muerte el que se apoderó de él? Sintióse arrastrado hacia el fondo del insondable y mortal abismo de hielo, cada vez más abajo. Vio las paredes de hielo brillar como cristal verdeazulado; innúmeras grietas y simas lo rodearon, mientras el agua goteaba sonora como un carillón, irradiando llamas blancoazuladas. La Virgen de los Ventisqueros lo besó, y su beso lo dejó aterido desde la médula hasta la frente. El joven exhaló un grito de dolor, y, apartándose de ella, tambaleóse y cayó desplomado. Hízose la noche ante sus ojos, pero volvió a abrirlos. Las potencias del mal lo habían hecho víctima de sus tretas.
Había desaparecido la doncella y la cabaña de pastores; el agua caía por la desnuda pared rocosa, y él estaba rodeado de nieve. Tiritaba de frío, estaba empapado hasta el tuétano y no tenía la sortija de prometido que Babette le pusiera en el dedo. La escopeta yacía a su lado en la nieve; la levantó y disparó, pero falló el tiro. Húmedas nubes se posaban cual sólidas masas níveas sobre el precipicio, y dentro de ellas estaba el vértigo acechando su presa impotente, mientras abajo, en el fondo del abismo, se percibían unas resonancias, semejantes a las producidas por una peña que se desploma, destruyendo y aplastando todos los obstáculos que encuentra en su camino.
Entretanto, Babette, en el molino, no cesaba de llorar. La ausencia de Rudi duraba ya seis días. Rudi, que la había ofendido, que hubiera debido pedir perdón y a quien, a pesar de todo, quería con toda su alma.



13. En casa del molinero

- ¡Los hombres están locos de atar! - dijo el gato del salón al de la cocina -. Todo ha terminado de nuevo entre Rudi y Babette. Ella llora, y él probablemente ya no se acuerda de la chica.
- Esto no me gusta - observó el gato de la cocina.
- Ni a mí - dijo su compañero -, pero no voy a hacerme mala sangre por ello. Babette puede casarse con el pelirrojo. Por lo demás, éste no ha vuelto por aquí desde que trató de encaramarse al tejado.
Las potencias del mal ponen en práctica sus artes perversas, dentro y fuera de nosotros. Rudi había sido víctima de ellas, y ahora reflexionaba, ¿Qué le había ocurrido allá en la montaña? ¿Habían sido visiones, o el delirio de la fiebre? Nunca hasta entonces habla conocido la calentura ni la enfermedad. Mientras enjuiciaba a Babette, pensó también en sí mismo. Recordó la tumultuosa tormenta, el ardoroso «föhn» que se había desencadenado en su alma. ¿Podía confesar a Babette todo lo sucedido, cada uno de los pensamientos que hubieran podido convertirse en actos? Había perdido el anillo, y precisamente esta pérdida era lo que lo hacía volver a ella. ¿Podía confesárselo? Parecíale que el corazón le iba a estallar cuando pensaba en su amada. ¡Cuántos recuerdos acudían a su mente! No tenía más remedio que confesárselo todo.
Volvió al molino como quien va al confesionario. La confesión empezó con un beso y terminó con el fallo de que Rudi había sido el verdadero pecador. Su gran falta había consistido en dudar de la fidelidad de Babette. ¡Era un pecado abominable! Semejante desconfianza sólo podían causar la desgracia de ambos. Sí, sí, no podía ser de otro modo, y por eso Babette le echó un sermoncito; se divirtió un poco a costa de él, y estaba encantadora en su papel de predicador. Sin embargo, en un punto daba la razón a Rudi: el primo de la señora madrina era una cotorra. Quemaría el libro que le había regalado; no quería guardar nada que le recordase a aquel hombre.
- ¡Todo se arregló! - dijo el gato del salón -. Rudi vuelve a estar aquí, han hecho las paces y parecen más felices que unas pascuas.
- Anoche - respondió el gato de la cocina - oí decir a los ratones que la mayor felicidad consiste en comer vela de sebo y tener a la mesa una buena ración de tocino. ¿A quién hay que creer, a los ratones o a los enamorados?
- Ni a unos ni a otros - sentenció el gato del salón -. Es lo más seguro.
Para Rudi y Babette, la mayor felicidad estaba en camino. Se acercaba el día de la boda.
Pero el casamiento no se celebraría en la iglesia de Bex ni en la casa del molinero. La señora madrina deseaba que lo hicieran en la linda iglesita de Montreux, y el molinero insistió en que fuera complacida. Sólo él sabía lo que la madrina tenía preparado para los novios; su regalo compensaría sobradamente todas las molestias. Se fijó el día. Decidieron trasladarse a Villeneuve para efectuar la travesía en barco hasta Montreux a la mañana siguiente; así, la madrina podría ataviar a la novia.
- Sin duda habrá aquí fiesta grande después - dijo el gato del salón -; de lo contrario todo eso no valdría un miau.
- ¡Claro que habrá fiesta! - respondió el gato cocinero -. Han matado patos, han pelado pichones, y un gamo entero cuelga de la pared. ¡Sólo de verlo se me hace la boca agua! Mañana emprenden el viaje. Sí, mañana. Aquélla era la última noche que Rudi y Babette pasaban en el molino como prometidos. Fuera brillaba el rosicler de los Alpes, sonaba la campana vespertina, y las Hijas de los rayos del Sol cantaban: «¡Dios les dé ventura!».



14. Espectros nocturnos

El sol se había puesto; las nubes, por entre las altas montañas, descendían hacia el Valle del Ródano; un viento de Mediodía, llegado de los ardientes desiertos arenosos de África, soplaba por encima de los Alpes: el «föhn», que rasgaba las nubes. Una vez hubo pasado su ráfaga impetuosa, prodújose un momento de absoluta calma. Las deshechas nubes se esparcieron en fantásticas figuras por entre las montañas, cubiertas de bosque, que dominan las aguas veloces del Ródano. Adoptaban las formas de los animales marinos del mundo primitivo, del águila que flota en los aires y de las saltadoras ranas del pantano; bajaban sobre la rauda corriente navegando en ella y, sin embargo, surcando el aire. El río arrastraba un abeto arrancado con todas sus raíces, y delante de él el agua formaba violentos remolinos. Era el Vértigo, una tropa de sus hermanos, que giraban en círculo en la rauda corriente. La luna iluminaba la nieve de las cumbres, los oscuros bosques y las blancas y singulares nubes, las caras de la noche, los espíritus de la fuerzas naturales. El campesino las veía a través de los cristales, sus huestes desfilaban por delante de la Virgen de los Ventisqueros. Salida de su palacio de cristal, navegaba en su frágil nave, un abeto arrancado de cuajo; el agua del glaciar la conducía, río abajo, hacia el amplio mar.
- ¡Llegan los invitados a la boda! - bramaban y cantaban el aire y el agua.
Espectros fuera, y espectros dentro. Babette había tenido un sueño muy raro.
Viose casada con Rudi, hacía ya largos años. El había salido a cazar gamos, mientras ella se quedaba en el pueblo, y a su lado estaba el inglés de rojas patillas. ¡Había tanto ardor en sus ojos, tanto hechizo en sus palabras! Le tendió la mano, y ella no tuvo más remedio que seguirlo. Abandonaron su tierra, descendiendo, siempre descendiendo. Babette experimentaba la sensación de llevar un enorme peso en el corazón, un peso cada vez más fatigoso; era un pecado contra Rudi y contra Dios. De pronto se encontró sola; los vestidos, desgarrados por los espinos; el cabello, gris. Dolorida, alzó los ojos a las alturas y vio a Rudi en el borde de la roca. Extendió hacia él los brazos, sin atreverse a llamarlo o suplicarle, aunque tampoco le hubiera servido de nada, pues muy pronto se dio cuenta de que no era él, sino solamente su chaqueta de caza y su sombrero, colgados del bastón de montaña, como solían ponerlos los cazadores para engañar a los gamos. Y en su dolor infinito exclamó Babette: «¡Ojalá hubiese muerto el día de mi boda, el más feliz de mi vida! ¡Señor, Dios mío, habría sido para mí una gracia, una dicha indecible! Nada mejor podía sucedernos, a Rudi y a mí. Nadie sabe qué le guarda lo por venir». Y, en su dolor sacrílego, se arrojó al precipicio. Resonó un acorde de violín, un tono lastimero...
Babette despertó, y el sueño se borró de su memoria, pero ella sabía que acababa de soñar algo horrible, en que había intervenido el joven inglés, a quien no había visto desde hacía meses y en quien no había vuelto a pensar. ¿Estaría en Montreux? ¿Lo vería en su boda? Una leve sombra se dibujó en torno a su linda boca, y sus cejas se contrajeron. Sin embargo, pronto volvió la sonrisa a sus labios y el brillo a sus ojos. El sol lucía maravillosamente en ellos, y mañana se casaría con Rudi.
Él estaba ya en el salón cuando ella bajó, y emprendieron el camino de Villeneuve. Eran felices, y también lo era el molinero, que no cesaba de reírse y dar rienda suelta a su buen humor. Era un buen padre, un alma honrada.
- Ahora somos los dueños de la casa - dijo el gato del salón.

15. Desenlace

No había anochecido aún cuando los tres alegres viajeros llegaron a Villeneuve. Después de cenar, el molinero se sentó con su pipa en una butaca, dispuesto a echar una siestecilla, mientras los novios salían de la ciudad cogidos del brazo y seguían la carretera que discurría por entre rocas cubiertas de vegetación silvestre, a lo largo del lago de aguas verdeazules. El tétrico castillo de Chillon reflejaba en él sus murallas grises y sus negras torres. La islita de las tres acacias se hallaba aún más cerca, como un ramillete sobre el lago.
- ¡Qué precioso debe de ser aquello! - dijo Babette. Volvió a sentir un deseo vehemente de visitar el islote, deseo que esta vez fue satisfecho en el acto. Había un bote a la orilla; el cabo que lo sujetaba era fácil de desatar. No había allí nadie a quien pedir permiso, y se embarcaron sin más preámbulos. Rudi era maestro en el arte de bogar. Los remos se cogían al agua dócil cual aletas de pez; aquella agua era muy dúctil y, al mismo tiempo, muy fuerte, toda ella espalda para cargar, boca para tragar, que sonríe con dulce sonrisa, a suavidad y la placidez mismas; y, sin embargo, puede infundir espanto y aniquilar lo que se pone a su alcance. El agua de la quilla salpicaba espumeante la popa de la embarcación, que en pocos minutos transportó a la pareja a la isla. Desembarcaron; sólo había sitio suficiente para un bailecito de los dos.
- Dieron unas vueltecitas, y luego se sentaron en un banco, bajo las acacias de ramas colgantes, mirándose a los ojos y cogidos de las manos. Todo, a su alrededor, aparecía radiante, bañado por los últimos rayos del sol. Los bosques de abetos de las montañas habían adquirido una tonalidad lila, comparable a la de los brezos en flor; y allí donde cesaban los árboles dejando lugar a la roca desnuda, el brillo era tal que parecía transparente. Las nubes lucían como oro rojo, y todo el lago era como un fresco y llameante pétalo de rosa. A medida que las sombras se elevaban hasta las nevadas montañas de Saboya, éstas iban tomando un color azuloscuro, mientras el borde superior refulgía como lava incandescente. Así debía ser en los primeros días del mundo, cuando las masas ígneas brotaron del seno de la tierra, conservando aún la temperatura del núcleo central. Fue un rosicler de los Alpes como Rudi y Babette no habían contemplado en su vida. La «Dent du Midi», cubierta de nieve, brillaba como el disco de la luna llena cuando aparece detrás del horizonte.
- ¡Cuánta belleza y cuánta dicha! - exclamaron los dos -. ¡Más no puede desearse en el mundo! - añadió Rudi -. Una hora como ésta vale por, una vida entera. Muchas veces me he sentido dichoso, y a menudo he pensado que había agotado toda la felicidad posible. Pero aquel día pasaba, y empezaba otro que aún me parecía más hermoso. Dios es infinitamente bueno, Babette.
- ¡Qué feliz soy! - respondió ella.
- Más no puede desearse en este mundo - repitió Rudi con exaltación.
Y llegó de las montañas de Saboya, de las montañas de Suiza, el tañido de las campanas vespertinas. Aureolado de oro, levantábase a Poniente el macizo azul oscuro del Jura.
- ¡Dios te dé lo más magnífico y lo mejor! - dijo Babette con voz dulce y cariñosa.
- ¡Me lo dará! - repuso Rudi -. Mañana lo tendré. Mañana serás mía del todo, serás mi mujercita querida.
- ¡El bote! - gritó ella de súbito.
La embarcación que debía volverlos a la orilla se había soltado y se alejaba a la deriva.
- ¡Voy a buscarlo! - dijo Rudi, y, quitándose rápidamente la chaqueta y los zapatos, saltó al lago y se puso a nadar con vigorosos movimientos en persecución de la barca.
El agua verdeazulada, procedente del glaciar, era fría, límpida y profunda. Rudi miró al fondo; dirigióle una única mirada, y, sin embargo, le pareció ver en él un anillo de oro que brillaba y rodaba por el suelo. Acordóse de su sortija de noviazgo, y aquélla se agrandó, extendiéndose a modo de círculo fulgurante, en cuyo interior brillaba el glaciar luminoso. A su alrededor abríase pavorosos abismos, en los que el agua goteaba con un sonido como de campanillas y con un resplandor azulado. En un instante vio cosas que nosotros no podríamos relatar sino con un gran número de palabras. Jóvenes cazadores y doncellas, hombres y mujeres, caídos un día en las grietas del glaciar, reaparecían ahora vivos, con los ojos abiertos y las bocas sonrientes.
Desde lo más profundo llegaba el sonido de las campanas de los pueblos sepultados. La comunidad estaba arrodillada bajo las bóvedas de los templos, cilindros de hielo componían los tubos de los órganos, el río de la montaña actuaba de organista. La Virgen de los Ventisqueros aparecía sentada en el suelo claro y transparente; levantábase hasta Rudi besándole los pies, y él sintió en todos sus miembros un estremecimiento de muerte, como una descarga eléctrica: ¡hielo y fuego a la vez!
- ¡Mío, mío! - resonaba en torno suyo y en su interior -. Te besé cuando eras aún muy pequeño, te besé en la boca. Ahora te beso en las plantas de los pies y en los talones; ¡eres mío del todo!
Y Rudi desapareció en el seno de las aguas límpidas y azules.
El silencio era absoluto. Las campanas de las iglesias cesaron de doblar, los últimos sonidos se esfumaron con el brillo de las rojas nubes.
- ¡Eres mío! - oyóse desde el fondo -; ¡eres mío! - repitió el eco en las alturas, en el infinito.
Es hermoso volar de un amor a otro amor, de la Tierra al Cielo. Vibró una cuerda de violín, resonó un triste acorde; el beso helado de la muerte venció lo perecedero. Terminó el prólogo para que pudiese empezar el drama de la vida, la disonancia se disolvió en armonía.
¿Llamas a esto una historia triste?
¡Pobre Babette! Para ella fue una hora de angustia; el bote se alejaba incesantemente. Nadie sabía que los novios se encontraban en la islita. Cerraba la noche, las nubes descendían, llegó la oscuridad, y ella seguía allí, sola y desesperada. Cerníase sobre su cabeza una tempestad; los relámpagos iluminaban las cumbres del Jura, Suiza y la Saboya; de todas las direcciones llegaban los rayos, y los truenos retumbaban incesantes, por espacio de minutos. Las chispas eléctricas rivalizaron pronto con el fulgor del sol, permitiendo contar las vides una por una, como a mediodía, y un instante más tarde reinaban las tinieblas más profundas. Los rayos dibujaban lazos y zigzags y precipitábanse en el lago, mientras el eco centuplicaba el fragor de los truenos. En la orilla, los pescadores sacaban sus barcas a tierra; personas y animales se pusieron a cobijo; la lluvia empezó a caer a torrentes.
- ¿Dónde están Rudi y Babette con este tiempo endiablado? - se preguntaba el molinero.
Babette estaba con las manos dobladas, caída la cabeza sobre el pecho, muda de dolor, exhausta a fuerza de gritar y de lamentarse. - ¡En el fondo de las aguas - se decía para sí -, está en el fondo, como debajo del glaciar!
Vínole entonces a la memoria lo que Rudi le había contado acerca de la muerte de su madre, de su salvación cuando lo sacaron casi cadáver de la grieta del glaciar. «¡La Virgen de los Ventisqueros lo ha recuperado!».
Y un relámpago fulguró con la intensidad del sol sobre la blanca nieve. Babette se puso de pie bruscamente, y en el mismo momento el lago se levantó como un rutilante glaciar, con la Virgen de los Ventisqueros en el centro, majestuosa, radiante, azulada, y a sus pies yacía el cuerpo de Rudi.
- ¡Mío! - gritó, y a su alrededor se extendieron nuevamente las tinieblas y las aguas embravecidas.
- ¡Cruel! - exclamó Babette -. ¿Por qué has tenido que hacerlo morir la víspera del día de nuestra dicha? Dios mío, ilumina mi entendimiento, ilumina mi corazón, pues no comprendo tus designios. Disuelve la oscuridad que me oculta tu sabiduría y tu misericordia.
Y Dios iluminó su corazón. Recorrió su alma un pensamiento instantáneo, un rayo de gracia: el sueño de la noche anterior cobró vida. Acordóse de las palabras que había pronunciado: el deseo de lo mejor para ella y para Rudi.
- ¡Ay de mí! ¿Habría en mi corazón la semilla del pecado? ¿Fue mi sueño una vida futura, cuyas cuerdas debían quebrarse para mi salvación? ¡Mísera de mí!
Seguía lamentándose en el seno de la noche tenebrosa. En medio del silencio profundo resonaban aún en sus oídos las palabras de Rudi, las últimas que le oyera: «¡Más felicidad no puede darme la vida!». Y resonaron con toda la plenitud de gozo, y encontraron eco en el torrente de su dolor. Dios le mostraba lo más conveniente, y esto la llenaba desconsuelo.

* * *

Han transcurrido unos años desde la desgracia. El lago sonríe, sonríen sus orillas; los viñedos hinchan sus jugosos racimos. Pasan vapores con ondeantes gallardetes; lanchas de recreo, con las dos velas desplegadas, vuelan cual mariposas por la superficie del agua. Ha sido inaugurado el ferrocarril que pasa por Chillon y se adentra en el Valle del Ródano. En cada estación se apean viajeros provistos de su guía, encuadernada en rojo, y leen en ella lo que de interesante van a ver. Visitan Chillon, contemplan la islita de las tres acacias y leen en el libro la historia de los novios que desembarcaron en ella un atardecer del año 1856; cómo murió el prometido, y cómo hasta la mañana siguiente no fueron oídos los gritos de socorro de la desesperada muchacha.
Pero la guía turística no habla de la vida retirada de Babette junto a su padre, no en el molino, habitado hoy por desconocidos, sino en la linda casita de las inmediaciones de la estación, desde cuyas ventanas mira la muchacha con frecuencia, a la hora de ponerse el sol, por encima de los castaños, las montañas nevadas recorridas antaño por Rudi. Contempla, al anochecer, el rosicler de los Alpes; las Hijas del Sol, desde allá arriba, repiten la canción del vagabundo a quien el huracán arrebató la capa y se la llevó. ¡Llevóse la envoltura, pero no el hombre!
Hay un brillo rosado en la nieve de la Cordillera como hay un brillo rosado en los corazones que creen que Dios nos da siempre lo que más nos conviene. Pero no siempre nos lo revela, como a Babette en su sueño.




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