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Des Hauswarts Sohn

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The porter's son


Der General wohnte im ersten Stockwerk, der Hauswart wohnte im Keller; es war ein großer Abstand zwischen den beiden Familien, das ganze Erdgeschoß und die Rangordnung; aber unter einem Dache wohnten sie und mit der Aussicht auf die Straße und den Hof. Und auf dem Hof war ein Rasenplatz mit einer blühenden Akazie, wenn sie blühte, und darunter saß zuweilen eine geputzte Amme mit dem noch mehr geputzten Kind des Generals, der "kleinen Emilie." Vor ihnen tanzte auf seinen bloßen Beinen des Hauswarts kleiner Junge mit den großen braunen Augen und dem dunklen Haar, und die Kleine lachte ihm zu und streckte die Händchen nach ihm aus, und wenn der General das von seinem Fenster aus sah, so nickte er hinunter und sagte: "Charmant!" Die Generalin selber, die so jung war, daß sie fast ihres Gatten Tochter aus einer frühen Ehe hätte sein können, sah nie zu dem Fenster auf den Hof hinaus, aber sie hatte Befehl gegeben, der kleine Junge aus dem Keller dürfe gern mit dem Kinde spielen, es aber nicht anrühren. Die Amme gehorchte genau dem Befehl der gnädigen Frau.

Und die Sonne schien zu den Bewohnern des ersten Stockwerks und zu denen im Keller hinein, die Akazie setzte Blüten an, und sie fielen wieder ab, und im nächsten Jahr kamen neue; der Baum blühte, und des Hauswarts kleiner Sohn blühte, er sah aus wie eine frische Tulpe.

Die kleine Tochter des Generals blieb fein und bleich wie das blaßrosa Blatt der Akazienblüte. Jetzt kam sie nur noch selten hinunter zu dem Baum, sie schöpfte frische Luft in der Kutsche. Sie fuhr mit Mama spazieren, und dann nickte sie immer Hauswarts Georg zu, ja, warf ihm ein Kußhändchen zu, bis ihre Mutter sagte, daß sie jetzt zu groß dazu sei.

Eines Morgens sollte er dem General die Zeitungen und Briefe hinaufbringen, die der Postbote unten beim Hauswart abgegeben hatte. Als er die Treppe hinauflief und an der Tür zum Sandloch vorbeikam, hörte er etwas da drinnen piepsen; es glaubte, es sei ein Küchlein, das sich dahinein verirrt habe, und statt dessen war es des Generals kleines Töchterchen in Flor und Spitzen.

"Sag es nur ja nicht Papa und Mama, denn dann werden sie böse!"

"Aber was ist denn dies hier, kleines Fräulein?" fragte Georg.

"Es brennt alles zusammen!" sagte sie. "Es brennt lichterloh!"

Georg öffnete die Tür zum Kinderzimmer. Die Gardine am Fenster war fast heruntergebrannt, der Gardinenhalter stand in Flammen. Georg sprang hinauf, riß die Stange herunter, rief Leute herbei; ohne ihn wäre ein Hausbrand entstanden.

Der General und die Generalin examinierten die kleine Emilie.

"Ich hab nur ein einziges Streichholz genommen," sagte sie, "da brannte es gleich, und die Gardine brannte auch gleich. Ich spuckte, um zu löschen, ich spuckte, soviel ich nur konnte, aber ich hatte nicht Spucke genug, und da lief ich hinaus und versteckte mich, weil Papa und Mama böse werden."

"Du spucktest!" sagte der General. "Was für ein Wort ist das! Wenn hast du gehört, daß Papa oder Mama "spucken" gesagt haben? Das wirst du unter gehört haben!"

Aber der kleine Georg bekam vier Schilling. Die wurden nicht beim Konditor angelegt, sie wanderten in die Sparkasse, und bald waren da so viele Schillinge, daß er sich einen Malkasten kaufen konnte, und nun malte er alle seine Zeichnungen an. Er hatte eine ganze Menge Zeichnungen, die kamen ihm förmlich aus den Fingern und aus dem Bleistift heraus. Die ersten bunten Bilder schenkte er der kleinen Emilie.

"Charmant!" sagte der General; selbst die Generalin gab zu, daß man deutlich sehen könne, was der Kleine sich gedacht hatte. "Genie hat er!" Die Worte brachte die Frau des Hauswarts mit in den Keller hinab.

Der General und seine Frau waren vornehme Leute; sie hatten zwei Wappen an ihrem Wagen; eins für einen jeden von ihnen; die gnädige Frau hatte das Wappen auf jedem Kleidungsstück, auswendig und inwendig, auf ihrer Nachtmütze und ihrer Nachtzeugtasche. Das eine Wappen, das der Gnädigen, war ein kostbares Wappen, ihr Vater hatte es für blanke Taler gekauft, denn er war nicht damit geboren, sie auch nicht; sie war zu früh gekommen, sieben Jahre vor dem Wappen; dessen erinnerten sich die meisten Leute, nur nicht die Familie. Das Wappen des Generals war alt und groß, es war keine Kleinigkeit, es mit Anstand zu tragen, geschweige denn, zwei Wappen zu tragen. Das sah man der Generalin denn auch an, wenn sie steif und stattlich zum Hofball fuhr.

Der General war alt und grau, aber er saß gut zu Pferd, das wußte er, und jeden Tag ritt er aus, seinen Reitknecht in passendem Abstand hinter sich. Wenn er in Gesellschaft kam, so sah es aus, als komme er auf seinem hohen Roß hereingeritten, und er hatte so viele Orden, daß es fast unbegreiflich war, aber das war nun wirklich nicht seine Schuld. Als ganz junger Mann hatte er die militärische Karriere eingeschlagen und hatte alle die großen Herbstmanöver mitgemacht, die in Friedenszeiten über die Truppen abgehalten wurden. Aus jeder Zeit stammte eine Anekdote, die einzige, die er zu erzählen wußte: sein Unteroffizier schnitt einem der Prinzen den Rückzug ab und machte ihn zum Gefangenen, und nun mußte der Prinz mit seinem kleinen Trupp gefangener Soldaten, selber als Gefangener, hinter dem General her in die Stadt einreichten. Das war ein unvergleichliches Ereignis, das während all der Jahre von dem General wieder erzählt wurde mit genau denselben denkwürdigen Worten, die er gesagt hatte, als er dem Prinzen den Säbel wieder überreicht: "Nur mein Unteroffizier konnte Eure Hoheit gefangennehmen, ich hätte es nie gekonnt!" Und der Prinz hatte ihm darauf geantwortet: "Sie sind unvergleichlich!" In einem wirklichen Krieg war der General niemals gewesen; als es wirklich Krieg gab, war der General zur Diplomatie übergegangen und hielt sich längere Zeit an drei verschiedenen ausländischen Höfen auf. Er sprach die französische Sprache so gut, daß er seine Muttersprache fast ganz vergaß; er tanzte gut, er ritt gut, eine Unmenge von Orden schmückten seine Brust; die Schildwachen präsentierten vor ihm, eins der schönsten Mädchen ward seine Gattin, und sie bekamen ein entzückendes kleines Kind, es war so liebreizend, daß man hätte denken können, es sei vom Himmel gefallen, und der Sohn des Hauswarts tanzte auf dem Hofe vor ihm und schenkte ihm alle seine buntgemalten Zeichnungen, und die Kleine sah sie an und freute sich darüber und zerriß sie. Sie war so fein und so niedlich.

"Mein Rosenblatt!" sagte die Generalin. "Für einen Prinzen bist du geboren!" Der Prinz stand bereits draußen vor der Tür, man wußte es nur nicht; die Menschen sehen nicht weit über die Türschwelle hinaus.

"Neulich hat unser Junge, weiß Gott, sein Butterbrot mit ihr geteilt!" sagte die Frau des Hauswarts. "Es war weder Käse noch Fleisch darauf, aber es hat ihr geschmeckt, als wenn es Rinderbraten gewesen wäre. Das hätte was gegeben, wenn Generals die Mahlzeit gesehen hätten, aber sie haben es gottlob nicht gesehen!"

Georg hatte sein Butterbrot mit der kleinen Emilie geteilt; gern hätte er sein Herz mit ihr geteilt, wenn es ihr nur Vergnügen gemacht hätte. Er war ein guter Junge, er war aufgeweckt und klug, er besuchte jetzt die Abendschule der Akademie, um richtig zeichnen zu lernen. Die kleine Emilie machte ebenfalls Fortschritte in bezug auf Kenntnisse; sie sprach französisch mit ihrer Bonne und hatte Unterricht beim Tanzmeister.

"Zu Ostern soll Georg eingesegnet werden!" sagte die Frau des Hauswarts; so weit war Georg.

"Am richtigsten wäre es wohl, wenn er dann in die Lehre käme," sagte der Vater. "Eine anständige Profession muß es sein! Und dann sind wir ihn aus dem Hause los!"

"Er wird doch bei uns schlafen müssen!" sagte die Mutter. "Es ist nicht leicht, einen Meister zu finden, der Platz hat. Kleiden müssen wir ihn ja auch, das bißchen Essen, was er ißt, werden wir auch schon aufbringen, mit ein paar gekochten Kartoffeln ist er ja zufrieden, freien Unterricht hat er. Laß du ihn nur seinen Weg gehen, du sollst sehen, wir werden Freude an ihm erleben, das hat der Professor auch gesagt!"

Der Konfirmationsanzug war fertig, Mutter hatte ihn selber genäht, aber er war vom Flickschneider zugeschnitten, und der hatte einen guten Schnitt; wäre er anders gestellt gewesen, so daß er eine Werkstatt mit Gesellen hätte halten können, so hätte der Mann sehr wohl Hofschneider werden können, sagte die Frau des Hauswarts.

Die Kleider waren fertig, und der Konfirmand war bereit. Georg erhielt an seinem Konfirmationstag eine große Tombakuhr von seinem Paten, dem alten Gehilfen des Speckhökers. der der wohlhabendste von Georgs Paten war. Die Uhr war alt und erprobt, sie ging immer vor, aber das ist besser, als wenn sie nachgeht. Das war ein kostbares Geschenk; und von Generals kam ein Gesangbuch in Saffianleder, von dem kleinen Fräulein gesandt, dem Georg so oft Bilder geschenkt hatte. Voran im Buch stand sein Name und ihr Name und "Huldvolle Gönnerin." Das war nach dem Diktat der Generalin geschrieben, und der General hatte es durchgelesen und "Charmant!" dazu gesagt.

"Das war wirklich eine große Aufmerksamkeit von einer so vornehmen Herrschaft," sagte die Frau des Hauswarts; und Georg mußte in seinem Konfirmationsanzug und mit dem Gesangbuch hinauf und sich bedanken. Die Generalin saß ganz eingehüllt da und hatte ihre großen Kopfschmerzen, die sie immer hatte, wenn sie sich langweilte. Sie sah Georg sehr freundlich an und wünschte ihm alles Gute und daß er niemals ihre Kopfschmerzen bekommen möchte. Der General war im Schlafrock und Zipfelmütze und hatte russische Stiefel mit roten Schäften an; er ging dreimal im Zimmer auf und nieder, in Gedanken und Erinnerungen versunken, dann blieb er stehen und sagte:

"Lieber Georg, so bist du denn also jetzt in die Christenheit aufgenommen! Sei auch ein braver Mann, der seine Obrigkeit ehrt! Wenn du einstmals ein alter Mann bist, kannst du sagen, daß dir der General diesen Ratschlag mit auf den Weg gegeben hat!"

Dies war eine längere Rede, als wie sie der General sonst hielt, darauf kehrte er wieder zu seinen stillschweigenden Betrachtungen zurück und sah vornehm aus. Doch von allem, was Georg hier oben sah und hörte, haftete das kleine Fräulein Emilie am festesten in seinem Gedächtnis. Wie süß und sanft war sie doch, wie schwebend, wie fein! Wenn sie abgezeichnet werden sollte, mußte es in einer Seifenblase geschehen. Es hing ein Duft in ihren Kleidern, in ihrem blondgelockten Haar, als sei sie ein eben erblühter Rosenstock; und mit ihr hatte er einmal sein Butterbrot geteilt! Sie hatte es mit mächtigem Appetit verzehrt und ihm bei jedem zweiten Bissen zugenickt. Ob sie sich dessen noch entsann? Freilich, sie hatte ihm ja in Erinnerung hieran das schöne Gesangbuch geschenkt, und als zum erstenmal wieder der erste Neumond im neuen Jahr am Himmel stand, ging er mit einem Stück Brot und einem Schilling hinaus und schlug im Gesangbuch auf, um zu sehen, welcher Gesang für ihn bestimmt sei. Es war ein Lob- und Danklied; und dann schlug er auf, um zu sehen, was der kleinen Emilie bestimmt sein würde; er nahm sich recht in acht, daß er nicht dort aufschlug, wo die Sterbelieder standen, und dann geriet er trotzdem zwischen Grab und Tod. Aber es war ja Unsinn, an so etwas zu glauben. Und doch ergriff ihn eine große Angst, als das reizende kleine Mädchen bald darauf das Bett hüten mußte und jeden Mittag der Wagen des Doktors vor der Tür hielt.

"Sie behalten sie nicht!" sagte die Frau des Hauswarts. "Der liebe Gott weiß auch, wen er gerne haben möchte!"

Aber sie behielten sie; und Georg zeichneten Bilder und schickte sie ihr; er zeichnete das Schloß des Zaren, den alten Kreml in Moskau, genau so, wie er dastand mit Kuppeln und Türmen, sie sahen aus wie sieben große grüne und vergoldete Gurken, wenigstens auf Georgs Zeichnung. Sie machten der kleinen Emilie so viel Vergnügen, und deswegen schickte ihr Georg im Laufe der Woche noch ein paar Bilder, alles Gebäude, denn dabei konnte er selber sich so viel denken hinter den Türen und Fenstern.

Er zeichnete ein chinesisches Haus mit einem Glockenspiel durch alle sechzehn Stockwerke; er zeichnete zwei griechische Tempel mit schlanken Marmorsäulen und einer Treppe ringsherum; er zeichnete eine Kirche aus Norwegen, man konnte sehen, daß sie ganz aus Balken war, ausgehauen und wunderlich zusammengestellt, jedes Stockwerk sah so aus, als habe es Wiegenkufen. Am schönsten war aber doch auf einem Blatt das Schloß, das er "Der kleinen Emilie Schloß" nannte. So sollte sie wohnen; das hatte sich Georg ganz genau ausgedacht, und er hatte zu diesem Schloß alles genommen, was er an den andern Gebäuden am schönsten fand. Es hatte geschnitzte Balken wie die norwegische Kirche, Marmorsäulen wie ein griechischer Tempel, ein Glockenspiel in jedem Stockwerk und ganz oben Kuppeln, grüne und vergoldete, wie am Kreml des Zaren. Es war ein richtiges Kinderschloß, und unter jedem Fenster stand geschrieben, wozu dieser Saal oder jenes Zimmer dienen sollte: hier schläft Emilie, hier tanzt Emilie, und hier spielt sie: Es kommt Besuch! Das war amüsant anzusehen, und es wurde gründlich angesehen.

"Charmant!" sagte der General.

Aber der alte Graf, denn da war ein alter Graf, der noch vornehmer war als der General und selber ein Schloß und ein Rittergut hatte, der sagte nichts; er hörte, daß es von dem kleinen Sohn des Hauswarts ersonnen und gezeichnet sei. Nun, so klein war er ja freilich nicht mehr; er war ja schon eingesegnet. Der alte Graf betrachtete die Bilder und hatte so seine eigenen, stillen Gedanken dabei.

Eines Tages, als das Wetter so recht grau und naß und gräßlich war, sollte sich der Tag für den kleinen Georg zu einem der lichtesten und besten gestalten. Der Professor der Kunstakademie ließ ihn zu sich kommen.

"Höre einmal, mein Freund, laß uns ein wenig miteinander plaudern! Der liebe Gott ist in Bezug auf Fähigkeiten sehr gut gegen dich gewesen, er ist auch in Bezug auf gute Menschen gut gegen dich. Der alte Graf dort von der Ecke hat mir von dir gesprochen; ich habe auch deine Bilder gesehen, darunter wollen wir einen Strich machen, es ist viel daran auszusetzen. Nun kannst du zweimal wöchentlich in meinen Zeichenunterricht kommen, dann wird es damit schon besser werden. Ich glaube, du hast mehr Anlage zum Baumeister als zum Maler; aber du hast ja Zeit genug, um dir das zu überlegen! Du mußt jedenfalls noch heute zu dem alten Grafen im Eckhaus gehen, und danke du deinem Schöpfer, daß er dir den Mann gesandt hat!"

Der Graf wohnte in einem großen Eckhaus; da waren ausgehauene Elefanten und Dromedare um die Fenster herum, alles aus alten Zeiten; aber der alte Graf interessierte sich am meisten für die neue Zeit und alles gute, was sie brachte, mochte es aus dem ersten Stockwerk, aus dem Keller oder der Mansarde kommen.

"Ich glaube," sagte die Frau des Hauswarts, "daß, je vornehmer die Leute wirklich sind, je weniger stellen sie sich an. Wie reizend und natürlich der alte Graf ist! Und er spricht, weiß Gott, geradeso wie du und ich; das können Generals nicht. Georg war ja gestern auch ganz aus dem Häuschen, weil der Graf so freundlich gegen ihn gewesen war; und heute, wo ich mit dem mächtigen Mann gesprochen hat, geht es mir geradeso! War es nun nicht ein Glück, daß wir den Jungen nicht in die Handwerkerlehre gegeben hatten! Talent hat er!"

"Aber das nützt alles nichts, wenn man keine Unterstützung von außen hat!" sagte der Vater.

"Die hat er jetzt!" sagte die Mutter. "Der Graf sprach sich ganz klar und deutlich darüber aus!"

"Von Generals ist das Ganze aber doch ausgegangen!" sagte der Vater. "Bei denen müssen wir uns auch bedanken."

"Das können wir ja gern tun," sagte die Mutter, "wenn ich auch gerade nicht einsehen kann, was wir denen groß zu verdanken haben. Aber dem lieben Gott will ich danken, und ich will mich auch bei ihm dafür bedanken, daß die kleine Emilie wieder besser wird!"

Die kleine Emilie machte wirklich Fortschritte, und Georg machte auch Fortschritte; im Lauf des Jahres bekam er die kleine silberne Medaille und später auch die große.

"Es wäre doch besser gewesen, wenn wir ihn in die Handwerkerlehre gegeben hätten," sagte die Frau des Hauswarts und weinte, "dann hätten wir ihn jetzt behalten. Was soll er in Rom? Ich krieg ihn nie wieder zu sehen, selbst wenn er je wieder nach Hause kommt, aber er kommt nie wieder nach Hause, das süße Kind!"

"Das ist aber doch sein Glück und sein Ruhm!" sagte der Vater.

"Ja, das sagst du wohl!" entgegnete die Mutter. "Du sagst auch vieles, was du gar nicht meinst! du bist ebenso betrübt wie ich!"

Und es hatte seine Richtigkeit mit der Betrübnis und mit der Abreise. Es sei ein großes Glück für den jungen Menschen, sagten alle Leute.

Und nun ging es ans Abschiednehmen. Auch beim General; aber die Gnädige ließ sich nicht blicken, sie hatte ihre großen Kopfschmerzen. Der General erzählte zum Abschied seine einzige Anekdote, was er zu dem Prinzen gesagt hatte und was der Prinz zu ihm gesagt hatte: "Sie sind unvergleichlich!" Und dann reichte er Georg die Hand.

Auch Emilie reichte Georg ihre Hand und sah beinahe betrübt aus, aber am allerbetrübtesten war doch Georg.

Die Zeit vergeht, wenn man etwas tut, sie vergeht auch, wenn man nichts tut. Die Zeit ist gleich lang, aber nicht gleich nützlich. Für Georg war sie nützlich und gar nicht lang, außer wenn er an die Lieben in der Heimat dachte. Wie mochte es untern und oben aussehen? Ja, darüber ward geschrieben; und man kann so viel in einen Brief hineinlegen, den lichten Sonnenschein und die schweren, trüben Tage. Die lagen im Brief, sie meldeten, daß der Vater gestorben und die Mutter allein zurückgeblieben war. Die kleine Emilie sei ein wahrer Engel des Trostes gewesen, sie sei zu ihr in die Kellerwohnung gekommen, schrieb die Mutter, und über sich selber fügte sie hinzu, daß man ihr erlaubt habe, den Hauswartposten zu behalten.

Die Generalin führte Tagebuch; darin waren jede Gesellschaft, jeder Ball, den sie besucht hatte, aufgeführt, auch alle Visiten, die sie erhielt. Das Tagebuch war mit den Visitenkarten der Diplomaten und des höchsten Adels illustriert. Sie war stolz auf ihr Tagebuch, es wuchs im Laufe langer Jahre, vieler Jahre, unter vielen großen Kopfschmerzen, aber auch in vielen hellen Nächten, das heißt auf Hofbällen. Emilie war zum erstenmal auf einem Hofball gewesen; die Mutter war in Rosa mit schwarzen Spitzen: spanisch! Die Tochter in Weiß, so klar und fein. Grüne, seidene Bänder flatterten wie Schilf in dem blonden Lockenhaar, auf dem ein Kranz von weißen Seerosen ruhte; die Augen waren so blau und klar, der Mund so fein und rot, sie glich einer kleinen Seejungfrau, so lieblich, wie man sie sich nur denken kann. Drei Prinzen tanzten mit ihr, daß heißt, erst der eine und dann der andere; die Generalin hatte acht Tage lang keine Kopfschmerzen.

Aber der erste Ball blieb nicht der letzte, das konnte Emilie nicht aushalten, daher war es gut, daß der Sommer mit Ruhe und Aufenthalt in der frischen Luft kam. Die Familie war auf das Schloß des alten Grafen eingeladen.

Das war ein Schloß und ein Garten, die es sich zu sehen verlohnte. Ein Teil davon war ganz wie in alten Zeiten mit steifen, grünen Hecken, als gehe man zwischen grünen Schirmwänden, in denen Gucklöcher waren. Buchsbaum und Taxus standen zu Sternen und Pyramiden ausgeschnitten da, das Wasser sprang aus großen Grotten, die mit Muschelschalen belegt waren; ringsumher standen steinerne Figuren aus allerschwerstem Stein, das konnte man den Gesichtern und auch den Kleidern ansehen; jedes Blumenbeet hatte seine Gestalt, als Fisch, Wappenschild oder Namenszug, das war der französische Teil des Garten; aus dem gelangte man gleichsam in den freien, frischen Wald hinein, wo die Bäume wachsen duften, wie sie wollten, und daher so groß und prächtig waren; das Gras war grün, und man durfte darauf gehen, es wurde auch gewalzt, geschnitten, gepflegt und gehütet; das war der englische Teil des Garten.

"Alte Zeit und neue Zeit!" sagte der Graf. "Hier gleiten sie auch so gut ineinander hinein! In zwei Jahren wird das Schloß selber sein richtiges Aussehen bekommen, das wird eine ganze Verwandlung zu etwas Schönem und Besserm werden; ich werde Ihnen die Zeichnungen zeigen, und auch den Baumeister werde ich Ihnen zeigen, er ist heute zu Tische hier!"

"Charmant!" sagte der General.

"Es ist paradiesisch hier!" sagte die Generalin. "Und da haben Sie ja eine Ritterburg!"

"Das ist mein Hühnerhaus!" sagte der Graf. "Die Tauben wohnen im Turm, die Kalikuten im ersten Stockwerk, aber im Erdgeschoß regiert die alte Else. Sie hat Fremdenzimmer nach allen Seiten: die Glucken für sich, die Hühner und Küchlein für sich, und die Enten, ja, die haben freien Zutritt zum Wasser!"

"Charmant!" wiederholte der General.

Und sie gingen alle hinein, um diese Herrlichkeit zu sehen.

Die alte Else stand mitten in der Stube, und neben ihr stand Georg; er und die kleine Emilie sahen sich nach mehreren Jahren im Hühnerhaus wieder.

Ja, hier stand er, und er war gar schon vom Aussehen; sein Gesicht war offen und bestimmt, er hatte schwarzes, glänzendes Haar und um den Mund ein Lächeln, das zu sagen schien: hinter meinem Ohr sitzt ein Schelm, der kennt euch aus und ein. Die alte Else hatte ihre Holzschuhe ausgezogen und stand auf Socken da, zu Ehren der vornehmen Gäste. Und die Hühner glucksten, und der Hahn krähte, die Enten watschelten "gack, gack!" Aber das feine, blasse Mädchen, die Tochter des Generals, stand da mit einem Rosenschimmer auf den sonst so bleichen Wangen, ihre Augen wurden so groß, und ihr Mund redete, ohne daß er auch nur ein einziges Wort gesagt hätte, und der Gruß, den Georg erhielt, war der entzückendste Gruß, den ein junger Mann sich von einer jungen Dame wünschen konnte, mit der er nicht verwandt war oder mit der er nicht sehr oft getanzt hatte; sie und der Maumeister hatten aber niemals zusammen getanzt.

Der Graf drückte ihm die Hand und stellte ihn vor. "Ganz fremd ist er Ihnen nicht, unser junger Freund, Herr Georg!"

Die Generalin verneigte sich, die Tochter war kurz davor, ihm die Hand zu reichen, aber sie reichte sie ihm doch nicht.

"Unser lieber Herr Georg!" sagte der General. "Alte Hausfreunde! Charmant!"

"Sie sind ja vollständig Italiener geworden!" sagte die Generalin. "Und Sie sprechen die Sprache wohl wie ein Eingeborener!"

Die Generalin singe die Sprache, spreche sie aber nicht, sagte der General.

Bei Tische saß Georg zu Emiliens Rechten, der General führte sie, der Graf führte die Generalin.

Herr Georg sprach und erzählte, und er erzählte so gut, er war das Wort und der Geist bei Tische, obwohl der alte Graf es auch sein konnte. Emilie saß stumm da, die Ohren hörten, die Augen strahlten.

Aber sie sagte nichts.

Auf der Veranda zwischen den Blumen standen sie und Georg, die Rosenhecke entzog sie den Blicken. Georg hatte wieder das Wort, hatte es zuerst.

"Vielen Dank für Ihre Freundlichkeit gegen meine alte Mutter!" sagte er. "Ich weiß alles, in der Nacht, als mein Vater starb, kamen Sie zu Mutter hinunter und waren bei ihr, bis seine Augen sich geschlossen hatten, ich danke Ihnen!" Er ergriff Emiliens Hand und küßte sie, das konnte er wohl tun bei der Gelegenheit, sie ward dunkelrot, drückte ihm aber die Hand und sah ihn mit ihren blauen, herzensguten Augen an.

"Ihre Mutter war eine liebevolle Seele" Wie hat sie Sie geleibt! Und alle Ihre Briefe ließ sie mich lesen, ich glaube fast, ich kenne Sie! Wie freundlich waren Sie gegen mich, als ich noch klein war, Sie schenkten mir Bilder -!"

"Die Sie zerrissen!" sagte Georg. "Nein, ich habe mein Schloß noch, die Zeichnung!"

"Nun muß ich es wirklich bauen!" sagte Georg, und er wurde selber ganz warm bei dem, was er sagte.

Der General und die Generalin sprachen in ihren eigenen Zimmern über den Sohn des Hauswarts, er wisse sich ja zu bewegen und drücke sich mit Verstand und Kenntnissen aus. Er könnte Informator sein!" sagte der General. "Geist!" sagte die Generalin, und dann sagte sie nichts weiter.

In der schönen Sommerzeit kam Herr Georg häufiger auf das Schloß des Grafen. Er ward vermißt, wenn er nicht kam.

"Wieviel doch der liebe Gott Ihnen vor uns andern armen Menschen voraus gegeben hat!" sagte Emilie zu ihm. "Erkennen Sie das nun auch so recht an?" Es schmeichelte Georg, daß das schöne junge Mädchen zu ihm aufsah, erfand sie so ungewöhnlich begabt.

Und der General gelangte mehr und mehr zu der Überzeugung, daß Georg unmöglich ein Kellerkind sein könne. "Die Mutter war freilich eine sehr anständige Frau," sagte er, "das muß ich ihr im Grabe nachsagen!"

Der Sommer verging, der Winter kam, da sprach man wieder von Herrn Georg; er war selbst höchsten Ortes gern gesehen und gut aufgenommen, der General war ihm auf einem Hofball begegnet.

Jetzt sollte im Hause ein Ball zu Ehren von Emilie stattfinden. Ob man Herrn Georg einladen konnte?

"Wen der König einladet, den kann auch der General einladen!" sagte der General und erhob sich einen ganzen Zoll vom Fußboden in die Höhe.

Herr Georg wurde eingeladen und er kam; und es kamen Grafen und Prinzen und der eine tanzte immer noch besser als der andere; aber Emilie konnte nur den ersten Tanz tanzen; in dem vertrat sie sich den Fuß, nicht schlimm, aber sie fühlte es doch, und da mußte sie vorsichtig sein, mit dem Tanzen innehalten und den andern zusehen. So saß sie denn da und sah zu, und der Baumeister stand neben ihr.

"Sie schildern ihr wohl die ganze Peterskirche?" sagte der General, indem er vorüberging und wohlwollend lächelte.

Mit demselben Lächeln empfing er Herrn Georg einige Tage später. Der junge Mann kam natürlich, um für die Balleinladung zu danken, was sollte ihn sonst auch herführen? Ja, das Überraschendste, Erstaunlichste führte ihn her: mit wahnwitzigen Worten kam er, der General wollte seinen Ohren nicht trauen; "pyramidale Deklamation," ein ganz undenkbares Ansinnen: Herr Georg bat um Emiliens Hand!

"Mensch!" sagte der General und bekam einen dunkelroten Kopf. "Ich begreife Sie nicht! Was sagen Sie? Was wollen Sie? Ich kenne Sie nicht! Mein Herr! Mensch! Wie kommen Sie darauf, in mein Haus einzubrechen! Darf ich hier sein, oder darf ich nicht hier sein?" Und damit ging er rücklings in sein Schlafzimmer, drehte den Schlüssel um und ließ Herrn Georg allein dastehen. Der blieb einige Minuten stehen und drehte sich dann ebenfalls um. Im Korridor stand Emilie.

"Nun, was sagte mein Vater?" fragen sie, und ihre Stimme bebte.

Georg drückte ihr die Hand. Er lief vor mir davon! Aber es werden schon bessere Zeiten kommen!"

In Emiliens Augen standen Tränen; aus des jungen Mannes Augen strahlten Zuversicht und Mut; und die Sonne beschien die beiden und gab ihnen ihren Segen.

Kochend vor Wut saß der General in seinem Zimmer; ja, es kochte noch in ihm, es kochte über in Worten und Ausdrücken: "Wahnsinn! Hauswartsirrsinn!" -

Eine Stunde war vergangen, da hatte die Generalin es aus des Generals eignem Munde vernommen, und sie rief Emilie zu sich und schloß sich mir ihr ein.

"Du armes Kind! Dich so zu beleidigen! Uns so zu beleidigen! Auch du hast Tränen in den Augen, aber das steht dir! Du bist bezaubernd in Tränen! Du gleichst mir an meinem Hochzeitstage. Weine nur, liebe Emilie!"

"Ja, weinen muß ich," sagte Emilie, "falls du und Vater nicht ja sagt!"

"Kind," rief die Generalin, "bist du krank? Du redest im Irrsinn, und ich bekomme meine schrecklichen Kopfschmerzen. Ach, welch Unglück ist über unser Haus gekommen! Du willst doch nicht, daß deine Mutter stirbt! Emilie, dann hast du keine Mutter mehr!"

Und die Augen der Generalin wurden feucht, sie konnte es nicht aushalten, an ihren eignen Tod zu denken.

In der Zeitung stand unter andern Ernennungen zu Lesen: Herr Georg zum Professor ernannt, fünfte Rangklasse Nummer acht.

"Schade, daß seine Eltern im Grabe liegen und das nicht lesen können," sagten die neuen Hauswartsleute, die jetzt im Keller unter dem General wohnten; sie wußten, daß der Professor innerhalb ihrer vier Wände geboren und aufgewachsen war.

"Ja, für den Titel muß er ein gutes Stück Geld bezahlen!" sagte der Mann.

"Ach, was macht der sich aus den paar Talern," sagte die Frau, "die kann er sich leicht wieder verdienen. Und eine reiche Frau kriegt er natürlich auch. Wenn wir Kinder hätten, dann sollte unser Kind auch Baumeister und Professor werden."

Georg bekam eine gute Nachrede im Keller, aber auch im ersten Stockwerk wurde gut von ihr gesprochen, das erlaubte sich der alte Graf.

Die Zeichnungen aus der Kinderzeit gaben den Anlaß dazu. Aber weshalb sprach man von diesen Zeichnungen? Die Rede war auf Rußland gekommen, aus Moskau, und dann lag ja der Kreml so nahe, und en Kreml hatte der kleine Georg einmal für Fräulein Emilie gezeichnet, er hatte so viele Bilder gezeichnet; des einen erinnerte sich der Graf noch ganz besonders: "Emiliens Schloß," wo sie schlief, wo sie tanzte und "Es kommt Besuch" spielte; der Professor besaß große Tüchtigkeit, er würde gewiß als alter Konferenzrat sterben, das war gar nicht unmöglich, und vorher würde er wohl auch ein Schloß für die jetzt noch so junge Dame erbaut haben; warum auch nicht?

"Das war ja eine sonderbare Ausgelassenheit!" bemerkte die Generalin, als der Graf gegangen war. Der General schüttelte nachdenklich den Kopf, ritt aus, den Reitknecht in geziemendem Abstand hinter sich, und saß stolzer denn je zu Roß.

Es war Emiliens Geburtstag, Blumen und Bücher, Briefe und Visitenkarten wurden gebracht; die Generalin küßte sie auf den Mund, der General auf die Stirn; es waren liebevolle Eltern. Und es kam hoher Besuch, zwei von den Prinzen. Man sprach von Bällen und vom Theater, von diplomatischen Sendungen, von der Regierung der Länder und Reiche. Man sprach von Tüchtigkeit, von des eignen Landes Tüchtigkeit, und dadurch kam die Rede auf den jungen Professor, den Herrn Baumeister.

"Der baut für seine Unsterblichkeit," wurde gesagt, "er baut sich auch wohl in eine unser ersten Familien hinein!"

"Eine der ersten Familien!" wiederholte später der General der Generalin gegenüber. "Wer ist eine unserer ersten Familien?"

"Ich weiß, worauf angespielt wurde," sagte die Generalin, "aber ich sage es nicht! Gott lenkt die Geschicke! Wundern soll es mich aber doch!"

"Ich möchte mich gern mit dir wundern!" sagte der General. "Ich habe keine Ahnung!" Und er versank in Gedanken.

Es liegt eine Macht, eine unaussprechliche Macht in dem Gnadenquell von oben; Hofgunst, Gottes Gunst - und die Gunst all dieser Gnade besaß der kleine Georg. Aber wir vergessend en Geburtstag.

Emiliens Zimmer duftete von Blumen, die ihr Freunde und Freundinnen gesandt, auf dem Tische lagen schöne Geschenke als Grund und zur Erinnerung, aber nicht die geringste Gabe von Georg. Die konnte nicht kommen, brauchte auch nicht zu kommen, das ganze Haus war eine Erinnerung an ihn. Selbst aus dem Sandloch unter der Treppe guckte die Erinnerungsblume hervor; dort hatte Emilie gepiepst, als die Gardine brannte und Georg als erste Spritze kam. Ein Blick zum Fenster hinaus und der Akazienbaum erinnerte an die Kinderzeit. Blüten und Blätter waren abgefallen, aber der Baum stand mit Reif bedeckt da wie ein ungeheurer Korallenzweig; und der Mond schien klar und groß zwischen den Zweigen hindurch, unverändert in all seiner Veränderlichkeit, ganz so wie damals, als Georg sein Butterbrot mit der kleinen Emilie teilte.

Sie nahm aus der Schublade die Zeichnungen von des Zaren Schloß und von ihrem eigenen Schloß, Erinnerungen an Georg. Und sie sah sie an und hatte ihre Gedanken dabei; sie gedachte des Tages, als sie unbemerkt von Vater und Mutter zu der Frau des Hauswarts hinabging, die in den letzten Zügen lag; sie hatte bei ihr gesessen, ihre Hand gehalten und ihre letzten Worte "Segen! - Georg!" gehört. Die Mutter dachte an ihren Sohn. - Jetzt legte Emilie ihre Bedeutung dahinein. Ja, Georg war an ihrem Geburtstag bei ihr!

An nächsten Tage war wieder ein Geburtstag dort im Hause, der Geburtstag des Generals; er war am Tage nach seiner Tochter geboren, natürlich früher als sie, viele Jahre früher. Und es kamen wieder Geschenke, und unter diesen ein Sattel von prächtigem Aussehen, bequem und köstlich, nur einer von den Prinzen hatte einen ebensolchen. Von wen kam der? Der General war entzückt. Ein kleiner Zettel lag dabei, und darauf stand geschrieben: "Von einem, den der Herr General nicht kennt!"

"Wen in aller Welt kenne ich nicht!" sagte der General. "Alle Menschen kenne ich!" Und sein Gedanke durchschweifte die ganze große Gesellschaft; er kannte sie alle. "Er ist von meiner Frau!" sagte er schließlich. "Sie will mich necken! Charmant!"

Aber die neckte nicht mehr, die Zeiten waren vorüber.

Und es war abermals ein Fest, ein großes Fest, aber diesmal nicht bei Generals; es war ein Kostümball bei einem der Prinzen; Masken waren ebenfalls gestattet.

Der General erschien als Rubens, in spanischer Tracht mit kleinem Tollenkragen, Degen und guter Haltung; die Generalin war Madame Rubens, in schwarzem Sammet, hoch am Halse, schrecklich warm, mit einem Mühlsein um den Hals, das heißt natürlich mit einem großen Tollenkragen, ganz nach einem holländischen Gemälde, das der General besaß und an dem namentlich die Hände bewundert wurden, die sahen ganz so aus wie die der Generalin.

Emile war Psyche, in Flor und Spitzen. Sie war wie eine schwebende Schwanenflaumfeder, sie brauchte gar keine Flügel, sie trug sie nur als Psyche-Abzeichen.

Da war ein Glanz, eine Pracht, da waren Licht und Blumen, Reichtum und Geschmack; da war so viel zu sehen, daß man Madame Rubens' schöne Hände gar nicht beachtete.

Ein schwarzer Domino mit einer Akazienblüte auf der Kapuze tanzte mit Psyche.

"Wer ist das?" fragte die Generalin.

"Seine königliche Hoheit!" sagte der General. "Ich bin meiner Sache ganz sicher, ich habe ihn gleich am Händedruck erkannt!"

Die Generalin zweifelte.

General Rubens zweifelte nicht, näherte sich dem schwarzen Domino und schrieb ihm königliche Buchstaben in die Hand; sie wurden verneint, aber es wurde ein Fingerzeig gegeben:

"Die Devise des Sattels" Einer, den der Herr General nicht kennt!"

"Aber dann kenne ich Sie ja!" sagte der General. "Sie haben mir den Sattel geschenkt!"

Der Domino erhob die Hand und verschwand unter der Menge.

"Wer ist der schwarze Domino, mit dem du tanztest, Emilie?" fragte die Generalin.

"Ich habe nicht nach seinem Namen gefragt," antwortete sie.

"Weil du es wußtest! Es ist der Professor! Ihr Protége, Herr Graf, ist hier!" fuhr sie fort und wandte sich an den Grafen, der in der Nähe stand. "Schwarzer Domino mit Akazienblute!"

"Wohl möglich, meine Gnädige!" antwortete der Graf. "Aber einer der Prinzen ist übrigens ebenso kostümiert."

"Ich kenne den Händedruck!" sagte der General. "Von dem Prinzen habe ich den Sattel. Ich bin meiner Sache so sicher, daß ich ihn zu uns einladen kann."

"Tun Sie das!" sagte der Graf. "Wenn es der Prinz ist, so kommt er sicher!"

"Und ist es ein anderer, so kommt er sicher nicht!" sagte der General und näherte sich dem schwarzen Domino, der gerade dastand und mit dem König redete. Der General bracht eine sehr ehrerbietige Einladung vor, damit sie einander kennenlernen könnten. Er lächelte so sicher in seiner Gewißheit, wen er einlud; er sprach laut und deutlich.

Der Domino lüftete seine Maske: es war Georg.

"Wiederholen der Herr General die Einladung?"

Der General wurde allerdings einen Zoll großer, nahm eine festere Haltung an, trat zwei Schritte zurück und einen Schritt vor wie bei einem Menuett, und es lag Ernst und Ausdruck in des Generals Gesicht, soviel sich hineinlegen ließ.

"Ich nehme niemals mein Wort zurück; der Herr Professor ist eingeladen!" Und er verneigte sich mit einem Blick auf den König, der sicher das Ganze gehört hatte.

Und dann war die Mittagsgesellschaft bei Generals, und es waren nur der alte Graf und sein Protége eingeladen.

"Wenn ich erst den Fuß unterm Tisch habe," meinte Georg, "so ist auch schon der Grundstein gelegt!"

Und der Grundstein wurde wirklich unter großer Feierlichkeit bei dem General und der Generalin gelegt.

Georg war erschienen und hatte sich, wie der General das ja an ihm kannte, ganz wie ein Mann aus der guten Gesellschaft unterhalten, war höchst interessant gewesen, der General hatte mehrmals sein "Charmant" sagen müssen. Die Generalin sprach von ihrem kleinen Diner, sprach auch zu einer der Hofdamen davon, und diese, eine der geistreichsten Hofdamen, bat sich eine Einladung für das nächste Mal aus, wo der Professor kommen würde. Da mußte er ja wieder eingeladen werden, und er wurde eingeladen und kam und war wieder charmant, konnte sogar Schach spielen.

"Der ist nicht aus dem Keller," sagte der General, "er ist ganz sicher von vornehmer Herkunft, und daran ist der junge Mann ganz unschuldig!"

Der Professor, der in des Königs Hause verkehrte, konnte sehr wohl in des Generals Haus verkehren, aber von einem Festwachsen war keine Rede, außer in der ganzen Stadt.

Es wuchs fest. Der Tau der Gnade fiel von oben!

Es war daher gar keine Überraschung, daß, als der Professor Etatsrat wurde, Emilie Etatsrätin wurde.

"Das Leben ist eine Tragödie oder eine Komödie!" sagte der General. "In der Tragödie sterben sie, in der Komödie kriegen sie sich!"

Hier kriegen sie sich. Und sie bekamen drei prächtige Jungen, aber nicht sofort.

Die süßen Kinder ritten auf ihren Steckenpferden durch Stuben und Säle, wenn sie bei Großvater und Großmutter waren. Und der General ritt auch auf dem Steckenpferd, ritt hinter ihnen her, "als Jockey hinter den kleinen Etatsräten!"

Die Generalin saß auf dem Sofa und lächelte, selbst wenn sie ihre großen Kopfschmerzen hatte.

Wie weit brachte Georg es und noch viel weiter, sonst wäre es ja nicht wert gewesen, die Geschichte von des Hauswarts Sohn zu erzählen.
The General lived in the grand first floor, and the porter lived in the cellar. There was a great distance between the two families– the whole of the ground floor, and the difference in rank; but they lived in the same house, and both had a view of the street, and of the courtyard. In the courtyard was a grass-plot, on which grew a blooming acacia tree (when it was in bloom), and under this tree sat occasionally the finely-dressed nurse, with the still more finely-dressed child of the General– little Emily. Before them danced about barefoot the little son of the porter, with his great brown eyes and dark hair; and the little girl smiled at him, and stretched out her hands towards him; and when the General saw that from the window, he would nod his head and cry, "Charming!" The General's lady (who was so young that she might very well have been her husband's daughter from an early marriage) never came to the window that looked upon the courtyard. She had given orders, though, that the boy might play his antics to amuse her child, but must never touch it. The nurse punctually obeyed the gracious lady's orders.

The sun shone in upon the people in the grand first floor, and upon the people in the cellar; the acacia tree was covered with blossoms, and they fell off, and next year new ones came. The tree bloomed, and the porter's little son bloomed too, and looked like a fresh tulip.

The General's little daughter became delicate and pale, like the leaf of the acacia blossom. She seldom came down to the tree now, for she took the air in a carriage. She drove out with her mamma, and then she would always nod at the porter's George; yes, she used even to kiss her hand to him, till her mamma said she was too old to do that now.

One morning George was sent up to carry the General the letters and newspapers that had been delivered at the porter's room in the morning. As he was running up stairs, just as he passed the door of the sand-box, he heard a faint piping. He thought it was some young chicken that had strayed there, and was raising cries of distress; but it was the General's little daughter, decked out in lace and finery.

"Don't tell papa and mamma," she whimpered; "they would be angry."

"What's the matter, little missie?" asked George.

"It's all on fire!" she answered. "It's burning with a bright flame!" George hurried up stairs to the General's apartments; he opened the door of the nursery. The window curtain was almost entirely burnt, and the wooden curtain-pole was one mass of flame. George sprang upon a chair he brought in haste, and pulled down the burning articles; he then alarmed the people. But for him, the house would have been burned down.

The General and his lady cross-questioned little Emily.

"I only took just one lucifer-match," she said, "and it was burning directly, and the curtain was burning too. I spat at it, to put it out; I spat at it as much as ever I could, but I could not put it out; so I ran away and hid myself, for papa and mamma would be angry."

"I spat!" cried the General's lady; "what an expression! Did you ever hear your papa and mamma talk about spitting? You must have got that from down stairs!"

And George had a penny given him. But this penny did not go to the baker's shop, but into the savings-box; and soon there were so many pennies in the savings-box that he could buy a paint-box and color the drawings he made, and he had a great number of drawings. They seemed to shoot out of his pencil and out of his fingers' ends. His first colored pictures he presented to Emily.

"Charming!" said the General, and even the General's lady acknowledged that it was easy to see what the boy had meant to draw. "He has genius." Those were the words that were carried down into the cellar.

The General and his gracious lady were grand people. They had two coats of arms on their carriage, a coat of arms for each of them, and the gracious lady had had this coat of arms embroidered on both sides of every bit of linen she had, and even on her nightcap and her dressing-bag. One of the coats of arms, the one that belonged to her, was a very dear one; it had been bought for hard cash by her father, for he had not been born with it, nor had she; she had come into the world too early, seven years before the coat of arms, and most people remembered this circumstance, but the family did not remember it. A man might well have a bee in his bonnet, when he had such a coat of arms to carry as that, let alone having to carry two; and the General's wife had a bee in hers when she drove to the court ball, as stiff and as proud as you please.

The General was old and gray, but he had a good seat on horseback, and he knew it, and he rode out every day, with a groom behind him at a proper distance. When he came to a party, he looked somehow as if he were riding into the room upon his high horse; and he had orders, too, such a number that no one would have believed it; but that was not his fault. As a young man he had taken part in the great autumn reviews which were held in those days. He had an anecdote that he told about those days, the only one he knew. A subaltern under his orders had cut off one of the princes, and taken him prisoner, and the Prince had been obliged to ride through the town with a little band of captured soldiers, himself a prisoner behind the General. This was an ever-memorable event, and was always told over and over again every year by the General, who, moreover, always repeated the remarkable words he had used when he returned his sword to the Prince; those words were, "Only my subaltern could have taken your Highness prisoner; I could never have done it!" And the Prince had replied, "You are incomparable." In a real war the General had never taken part. When war came into the country, he had gone on a diplomatic career to foreign courts. He spoke the French language so fluently that he had almost forgotten his own; he could dance well, he could ride well, and orders grew on his coat in an astounding way. The sentries presented arms to him, one of the most beautiful girls presented arms to him, and became the General's lady, and in time they had a pretty, charming child, that seemed as if it had dropped from heaven, it was so pretty; and the porter's son danced before it in the courtyard, as soon as it could understand it, and gave her all his colored pictures, and little Emily looked at them, and was pleased, and tore them to pieces. She was pretty and delicate indeed.

"My little Roseleaf!" cried the General's lady, "thou art born to wed a prince."

The prince was already at the door, but they knew nothing of it; people don't see far beyond the threshold.

"The day before yesterday our boy divided his bread and butter with her!" said the porter's wife. There was neither cheese nor meat upon it, but she liked it as well as if it had been roast beef. There would have been a fine noise if the General and his wife had seen the feast, but they did not see it.

George had divided his bread and butter with little Emily, and he would have divided his heart with her, if it would have pleased her. He was a good boy, brisk and clever, and he went to the night school in the Academy now, to learn to draw properly. Little Emily was getting on with her education too, for she spoke French with her "bonne," and had a dancing master.

"George will be confirmed at Easter," said the porter's wife; for George had got so far as this.

"It would be the best thing, now, to make an apprentice of him," said his father. "It must be to some good calling– and then he would be out of the house."

"He would have to sleep out of the house," said George's mother. "It is not easy to find a master who has room for him at night, and we shall have to provide him with clothes too. The little bit of eating that he wants can be managed for him, for he's quite happy with a few boiled potatoes; and he gets taught for nothing. Let the boy go his own way. You will say that he will be our joy some day, and the Professor says so too."

The confirmation suit was ready. The mother had worked it herself; but the tailor who did repairs had cut them out, and a capital cutter-out he was.

"If he had had a better position, and been able to keep a workshop and journeymen," the porter's wife said, "he might have been a court tailor."

The clothes were ready, and the candidate for confirmation was ready. On his confirmation day, George received a great pinchbeck watch from his godfather, the old iron monger's shopman, the richest of his godfathers. The watch was an old and tried servant. It always went too fast, but that is better than to be lagging behind. That was a costly present. And from the General's apartment there arrived a hymn-book bound in morocco, sent by the little lady to whom George had given pictures. At the beginning of the book his name was written, and her name, as "his gracious patroness." These words had been written at the dictation of the General's lady, and the General had read the inscription, and pronounced it "Charming!"

"That is really a great attention from a family of such position," said the porter's wife; and George was sent up stairs to show himself in his confirmation clothes, with the hymn-book in his hand.

The General's lady was sitting very much wrapped up, and had the bad headache she always had when time hung heavy upon her hands. She looked at George very pleasantly, and wished him all prosperity, and that he might never have her headache. The General was walking about in his dressing-gown. He had a cap with a long tassel on his head, and Russian boots with red tops on his feet. He walked three times up and down the room, absorbed in his own thoughts and recollections, and then stopped and said:

"So little George is a confirmed Christian now. Be a good man, and honor those in authority over you. Some day, when you are an old man, you can say that the General gave you this precept."

That was a longer speech than the General was accustomed to make, and then he went back to his ruminations, and looked very aristocratic. But of all that George heard and saw up there, little Miss Emily remained most clear in his thoughts. How graceful she was, how gentle, and fluttering, and pretty she looked. If she were to be drawn, it ought to be on a soap-bubble. About her dress, about her yellow curled hair, there was a fragrance as of a fresh-blown rose; and to think that he had once divided his bread and butter with her, and that she had eaten it with enormous appetite, and nodded to him at every second mouthful! Did she remember anything about it? Yes, certainly, for she had given him the beautiful hymn-book in remembrance of this; and when the first new moon in the first new year after this event came round, he took a piece of bread, a penny, and his hymn-book, and went out into the open air, and opened the book to see what psalm he should turn up. It was a psalm of praise and thanksgiving. Then he opened the book again to see what would turn up for little Emily. He took great pains not to open the book in the place where the funeral hymns were, and yet he got one that referred to the grave and death. But then he thought this was not a thing in which one must believe; for all that he was startled when soon afterwards the pretty little girl had to lie in bed, and the doctor's carriage stopped at the gate every day.

"They will not keep her with them," said the porter's wife. "The good God knows whom He will summon to Himself."

But they kept her after all; and George drew pictures and sent them to her. He drew the Czar's palace; the old Kremlin at Moscow, just as it stood, with towers and cupolas; and these cupolas looked like gigantic green and gold cucumbers, at least in George's drawing. Little Emily was highly pleased, and consequently, when a week had elapsed, George sent her a few more pictures, all with buildings in them; for, you see, she could imagine all sorts of things inside the windows and doors.

He drew a Chinese house, with bells hanging from every one of sixteen stories. He drew two Grecian temples with slender marble pillars, and with steps all round them. He drew a Norwegian church. It was easy to see that this church had been built entirely of wood, hewn out and wonderfully put together; every story looked as if it had rockers, like a cradle. But the most beautiful of all was the castle, drawn on one of the leaves, and which he called "Emily's Castle." This was the kind of place in which she must live. That is what George had thought, and consequently he had put into this building whatever he thought most beautiful in all the others. It had carved wood-work, like the Norwegian church; marble pillars, like the Grecian temple; bells in every story; and was crowned with cupolas, green and gilded, like those of the Kremlin of the Czar. It was a real child's castle, and under every window was written what the hall or the room inside was intended to be; for instance: "Here Emily sleeps;" - "Here Emily dances;" - "Here Emily plays at receiving visitors." It was a real pleasure to look at the castle, and right well was the castle looked at accordingly.

"Charming!" said the General.

But the old Count– for there was an old Count there, who was still grander than the General, and had a castle of his own– said nothing at all; he heard that it had been designed and drawn by the porter's little son. Not that he was so very little, either, for he had already been confirmed. The old Count looked at the pictures, and had his own thoughts as he did so.

One day, when it was very gloomy, gray, wet weather, the brightest of days dawned for George; for the Professor at the Academy called him into his room.

"Listen to me, my friend," said the Professor; "I want to speak to you. The Lord has been good to you in giving you abilities, and He has also been good in placing you among kind people. The old Count at the corner yonder has been speaking to me about you. I have also seen your sketches; but we will not say any more about those, for there is a good deal to correct in them. But from this time forward you may come twice a-week to my drawing-class, and then you will soon learn how to do them better. I think there's more of the architect than of the painter in you. You will have time to think that over; but go across to the old Count this very day, and thank God for having sent you such a friend."

It was a great house– the house of the old Count at the corner. Round the windows elephants and dromedaries were carved, all from the old times; but the old Count loved the new time best, and what it brought, whether it came from the first floor, or from the cellar, or from the attic.

"I think," said, the porter's wife, "the grander people are, the fewer airs do they give themselves. How kind and straightforward the old count is! and he talks exactly like you and me. Now, the General and his lady can't do that. And George was fairly wild with delight yesterday at the good reception he met with at the Count's, and so am I to-day, after speaking to the great man. Wasn't it a good thing that we didn't bind George apprentice to a handicraftsman? for he has abilities of his own."

"But they must be helped on by others," said the father.

"That help he has got now," rejoined the mother; "for the Count spoke out quite clearly and distinctly."

"But I fancy it began with the General," said the father, "and we must thank them too."

"Let us do so with all my heart," cried the mother, "though I fancy we have not much to thank them for. I will thank the good God; and I will thank Him, too, for letting little Emily get well."

Emily was getting on bravely, and George got on bravely too. In the course of the year he won the little silver prize medal of the Academy, and afterwards he gained the great one too.

"It would have been better, after all, if he had been apprenticed to a handicraftsman," said the porter's wife, weeping; "for then we could have kept him with us. What is he to do in Rome? I shall never get a sight of him again, not even if he comes back; but that he won't do, the dear boy."

"It is fortune and fame for him," said the father.

"Yes, thank you, my friend," said the mother; "you are saying what you do not mean. You are just as sorrowful as I am."

And it was all true about the sorrow and the journey. But everybody said it was a great piece of good fortune for the young fellow. And he had to take leave, and of the General too. The General's lady did not show herself, for she had her bad headache. On this occasion the General told his only anecdote, about what he had said to the Prince, and how the Prince had said to him, "You are incomparable." And he held out a languid hand to George.

Emily gave George her hand too, and looked almost sorry; and George was the most sorry of all.

Time goes by when one has something to do; and it goes by, too, when one has nothing to do. The time is equally long, but not equally useful. It was useful to George, and did not seem long at all, except when he happened to be thinking of his home. How might the good folks be getting on, up stairs and down stairs? Yes, there was writing about that, and many things can be put into a letter– bright sunshine and dark, heavy days. Both of these were in the letter which brought the news that his father was dead, and that his mother was alone now. She wrote that Emily had come down to see her, and had been to her like an angel of comfort; and concerning herself, she added that she had been allowed to keep her situation as porteress.

The General's lady kept a diary, and in this diary was recorded every ball she attended and every visit she received. The diary was illustrated by the insertion of the visiting cards of the diplomatic circle and of the most noble families; and the General's lady was proud of it. The diary kept growing through a long time, and amid many severe headaches, and through a long course of half-nights, that is to say, of court balls. Emily had now been to a court ball for the first time. Her mother had worn a bright red dress, with black lace, in the Spanish style; the daughter had been attired in white, fair and delicate; green silk ribbons fluttered like flag-leaves among her yellow locks, and on her head she wore a wreath of water-lillies. Her eyes were so blue and clear, her mouth was so delicate and red, she looked like a little water spirit, as beautiful as such a spirit can be imagined. The Princes danced with her, one after another of course; and the General's lady had not a headache for a week afterwards.

But the first ball was not the last, and Emily could not stand it; it was a good thing, therefore, that summer brought with it rest, and exercise in the open air. The family had been invited by the old Count to visit him at him castle. That was a castle with a garden which was worth seeing. Part of this garden was laid out quite in the style of the old days, with stiff green hedges; you walked as if between green walls with peep-holes in them. Box trees and yew trees stood there trimmed into the form of stars and pyramids, and water sprang from fountains in large grottoes lined with shells. All around stood figures of the most beautiful stone– that could be seen in their clothes as well as in their faces; every flower-bed had a different shape, and represented a fish, or a coat of arms, or a monogram. That was the French part of the garden; and from this part the visitor came into what appeared like the green, fresh forest, where the trees might grow as they chose, and accordingly they were great and glorious. The grass was green, and beautiful to walk on, and it was regularly cut, and rolled, and swept, and tended. That was the English part of the garden.

"Old time and new time," said the Count, "here they run well into one another. In two years the building itself will put on a proper appearance, there will be a complete metamorphosis in beauty and improvement. I shall show you the drawings, and I shall show you the architect, for he is to dine here to-day."

"Charming!" said the General.

"'Tis like Paradise here," said the General's lady, "and yonder you have a knight's castle!"

"That's my poultry-house," observed the Count. "The pigeons live in the tower, the turkeys in the first floor, but old Elsie rules in the ground floor. She has apartments on all sides of her. The sitting hens have their own room, and the hens with chickens have theirs; and the ducks have their own particular door leading to the water."

"Charming!" repeated the General.

And all sailed forth to see these wonderful things. Old Elsie stood in the room on the ground floor, and by her side stood Architect George. He and Emily now met for the first time after several years, and they met in the poultry-house.

Yes, there he stood, and was handsome enough to be looked at. His face was frank and energetic; he had black shining hair, and a smile about his mouth, which said, "I have a brownie that sits in my ear, and knows every one of you, inside and out." Old Elsie had pulled off her wooden shoes, and stood there in her stockings, to do honor to the noble guests. The hens clucked, and the cocks crowed, and the ducks waddled to and fro, and said, "Quack, quack!" But the fair, pale girl, the friend of his childhood, the daughter of the General, stood there with a rosy blush on her usually pale cheeks, and her eyes opened wide, and her mouth seemed to speak without uttering a word, and the greeting he received from her was the most beautiful greeting a young man can desire from a young lady, if they are not related, or have not danced many times together, and she and the architect had never danced together.

The Count shook hands with him, and introduced him.

"He is not altogether a stranger, our young friend George."

The General's lady bowed to him, and the General's daughter was very nearly giving him her hand; but she did not give it to him.

"Our little Master George!" said the General. "Old friends! Charming!"

"You have become quite an Italian," said the General's lady, "and I presume you speak the language like a native?"

"My wife sings the language, but she does not speak it," observed the General.

At dinner, George sat at the right hand of Emily, whom the General had taken down, while the Count led in the General's lady.

Mr. George talked and told of his travels; and he could talk well, and was the life and soul of the table, though the old Count could have been it too. Emily sat silent, but she listened, and her eyes gleamed, but she said nothing.

In the verandah, among the flowers, she and George stood together; the rose-bushes concealed them. And George was speaking again, for he took the lead now.

"Many thanks for the kind consideration you showed my old mother," he said. "I know that you went down to her on the night when my father died, and you stayed with her till his eyes were closed. My heartiest thanks!"

He took Emily's hand and kissed it– he might do so on such an occasion. She blushed deeply, but pressed his hand, and looked at him with her dear blue eyes.

"Your mother was a dear soul!" she said. "How fond she was of her son! And she let me read all your letters, so that I almost believe I know you. How kind you were to me when I was little girl! You used to give me pictures."

"Which you tore in two," said George.

"No, I have still your drawing of the castle."

"I must build the castle in reality now," said George; and he became quite warm at his own words.

The General and the General's lady talked to each other in their room about the porter's son– how he knew how to behave, and to express himself with the greatest propriety.

"He might be a tutor," said the General.

"Intellect!" said the General's lady; but she did not say anything more.

During the beautiful summer-time Mr. George several times visited the Count at his castle; and he was missed when he did not come.

"How much the good God has given you that he has not given to us poor mortals," said Emily to him. "Are you sure you are very grateful for it?"

It flattered George that the lovely young girl should look up to him, and he thought then that Emily had unusually good abilities. And the General felt more and more convinced that George was no cellar-child.

"His mother was a very good woman," he observed. "It is only right I should do her that justice now she is in her grave."

The summer passed away, and the winter came; again there was talk about Mr. George. He was highly respected, and was received in the first circles. The General had met him at a court ball.

And now there was a ball to be given in the General's house for Emily, and could Mr. George be invited to it?

"He whom the King invites can be invited by the General also," said the General, and drew himself up till he stood quite an inch higher than before.

Mr. George was invited, and he came; princes and counts came, and they danced, one better than the other. But Emily could only dance one dance– the first; for she made a false step– nothing of consequence; but her foot hurt her, so that she had to be careful, and leave off dancing, and look at the others. So she sat and looked on, and the architect stood by her side.

"I suppose you are giving her the whole history of St. Peter's," said the General, as he passed by; and smiled, like the personification of patronage.

With the same patronizing smile he received Mr. George a few days afterwards. The young man came, no doubt, to return thanks for the invitation to the ball. What else could it be? But indeed there was something else, something very astonishing and startling. He spoke words of sheer lunacy, so that the General could hardly believe his own ears. It was "the height of rhodomontade," an offer, quite an inconceivable offer– Mr. George came to ask the hand of Emily in marriage!

"Man!" cried the General, and his brain seemed to be boiling. "I don't understand you at all. What is it you say? What is it you want? I don't know you. Sir! Man! What possesses you to break into my house? And am I to stand here and listen to you?" He stepped backwards into his bed-room, locked the door behind him, and left Mr. George standing alone. George stood still for a few minutes, and then turned round and left the room. Emily was standing in the corridor.

"My father has answered?" she said, and her voice trembled.

George pressed her hand.

"He has escaped me," he replied; "but a better time will come."

There were tears in Emily's eyes, but in the young man's eyes shone courage and confidence; and the sun shone through the window, and cast his beams on the pair, and gave them his blessing.

The General sat in his room, bursting hot. Yes, he was still boiling, until he boiled over in the exclamation, "Lunacy! porter! madness!"

Not an hour was over before the General's lady knew it out of the General's own mouth. She called Emily, and remained alone with her.

"You poor child," she said; "to insult you so! to insult us so! There are tears in your eyes, too, but they become you well. You look beautiful in tears. You look as I looked on my wedding-day. Weep on, my sweet Emily."

"Yes, that I must," said Emily, "if you and my father do not say 'yes.' "

"Child!" screamed the General's lady; "you are ill! You are talking wildly, and I shall have a most terrible headache! Oh, what a misfortune is coming upon our house! Don't make your mother die, Emily, or you will have no mother."

And the eyes of the General's lady were wet, for she could not bear to think of her own death.

In the newspapers there was an announcement. "Mr. George has been elected Professor of the Fifth Class, number Eight."

"It's a pity that his parents are dead and cannot read it," said the new porter people, who now lived in the cellar under the General's apartments. They knew that the Professor had been born and grown up within their four walls.

"Now he'll get a salary," said the man.

"Yes, that's not much for a poor child," said the woman.

"Eighteen dollars a year," said the man. "Why, it's a good deal of money."

"No, I mean the honor of it," replied the wife. "Do you think he cares for the money? Those few dollars he can earn a hundred times over, and most likely he'll get a rich wife into the bargain. If we had children of our own, husband, our child should be an architect and a professor too."

George was spoken well of in the cellar, and he was spoken well of in the first floor. The old Count took upon himself to do that.

The pictures he had drawn in his childhood gave occasion for it. But how did the conversation come to turn on these pictures? Why, they had been talking of Russia and of Moscow, and thus mention was made of the Kremlin, which little George had once drawn for Miss Emily. He had drawn many pictures, but the Count especially remembered one, "Emily's Castle," where she was to sleep, and to dance, and to play at receiving guests.

"The Professor was a true man," said the Count, "and would be a privy councillor before he died, it was not at all unlikely; and he might build a real castle for the young lady before that time came: why not?"

"That was a strange jest," remarked the General's lady, when the Count had gone away. The General shook his head thoughtfully, and went out for a ride, with his groom behind him at a proper distance, and he sat more stiffly than ever on his high horse.

It was Emily's birthday. Flowers, books, letters, and visiting cards came pouring in. The General's lady kissed her on the mouth, and the General kissed her on the forehead; they were affectionate parents, and they and Emily had to receive grand visitors, two of the Princes. They talked of balls and theatres, of diplomatic missions, of the government of empires and nations; and then they spoke of talent, native talent; and so the discourse turned upon the young architect.

"He is building up an immortality for himself," said one, "and he will certainly build his way into one of our first families."

"One of our first families!" repeated the General and afterwards the General's lady; "what is meant by one of our first families?"

"I know for whom it was intended," said the General's lady, "but I shall not say it. I don't think it. Heaven disposes, but I shall be astonished."

"I am astonished also!" said the General. "I haven't an idea in my head!" And he fell into a reverie, waiting for ideas.

There is a power, a nameless power, in the possession of favor from above, the favor of Providence, and this favor little George had. But we are forgetting the birthday.

Emily's room was fragrant with flowers, sent by male and female friends; on the table lay beautiful presents for greeting and remembrance, but none could come from George– none could come from him; but it was not necessary, for the whole house was full of remembrances of him. Even out of the ash-bin the blossom of memory peeped forth, for Emily had sat whimpering there on the day when the window-curtain caught fire, and George arrived in the character of fire engine. A glance out of the window, and the acacia tree reminded of the days of childhood. Flowers and leaves had fallen, but there stood the tree covered with hoar frost, looking like a single huge branch of coral, and the moon shone clear and large among the twigs, unchanged in its changings, as it was when George divided his bread and butter with little Emily.

Out of a box the girl took the drawings of the Czar's palace and of her own castle– remembrances of George. The drawings were looked at, and many thoughts came. She remembered the day when, unobserved by her father and mother, she had gone down to the porter's wife who lay dying. Once again she seemed to sit beside her, holding the dying woman's hand in hers, hearing the dying woman's last words: "Blessing George!" The mother was thinking of her son, and now Emily gave her own interpretation to those words. Yes, George was certainly with her on her birthday.

It happened that the next day was another birthday in that house, the General's birthday. He had been born the day after his daughter, but before her of course– many years before her. Many presents arrived, and among them came a saddle of exquisite workmanship, a comfortable and costly saddle– one of the Princes had just such another. Now, from whom might this saddle come? The General was delighted. There was a little note with the saddle. Now if the words on the note had been "many thanks for yesterday's reception," we might easily have guessed from whom it came. But the words were "From somebody whom the General does not know."

"Whom in the world do I not know?" exclaimed the General. "I know everybody;" and his thoughts wandered all through society, for he knew everybody there. "That saddle comes from my wife!" he said at last. "She is teasing me– charming!"

But she was not teasing him; those times were past.

Again there was a feast, but it was not in the General's house, it was a fancy ball at the Prince's, and masks were allowed too.

The General went as Rubens, in a Spanish costume, with a little ruff round his neck, a sword by his side, and a stately manner. The General's lady was Madame Rubens, in black velvet made high round the neck, exceedingly warm, and with a mill-stone round her neck in the shape of a great ruff– accurately dressed after a Dutch picture in the possession of the General, in which the hands were especially admired. They were just like the hands of the General's lady.

Emily was Psyche. In white crape and lace she was like a floating swan. She did not want wings at all. She only wore them as emblematic of Psyche.

Brightness, splendor, light and flowers, wealth and taste appeared at the ball; there was so much to see, that the beautiful hands of Madame Rubens made no sensation at all.

A black domino, with an acacia blossom in his cap, danced with Psyche.

"Who is that?" asked the General's lady.

"His Royal Highness," replied the General. "I am quite sure of it. I knew him directly by the pressure of his hand."

The General's lady doubted it.

General Rubens had no doubts about it. He went up to the black domino and wrote the royal letters in the mask's hand. These were denied, but the mask gave him a hint.

The words that came with the saddle: "One whom you do not know, General."

"But I do know you," said the General. "It was you who sent me the saddle."

The domino raised his hand, and disappeared among the other guests.

"Who is that black domino with whom you were dancing, Emily?" asked the General's lady.

"I did not ask his name," she replied, "because you knew it. It is the Professor. Your protege is here, Count!" she continued, turning to that nobleman, who stood close by. "A black domino with acacia blossoms in his cap."

"Very likely, my dear lady," replied the Count. "But one of the Princes wears just the same costume."

"I knew the pressure of the hand," said the General. "The saddle came from the Prince. I am so certain of it that I could invite that domino to dinner."

"Do so. If it be the Prince he will certainly come," replied the Count.

"And if it is the other he will not come," said the General, and approached the black domino, who was just speaking with the King. The General gave a very respectful invitation "that they might make each other's acquaintance," and he smiled in his certainty concerning the person he was inviting. He spoke loud and distinctly.

The domino raised his mask, and it was George. "Do you repeat your invitation, General?" he asked.

The General certainly seemed to grow an inch taller, assumed a more stately demeanor, and took two steps backward and one step forward, as if he were dancing a minuet, and then came as much gravity and expression into the face of the General as the General could contrive to infuse into it; but he replied,

"I never retract my words! You are invited, Professor!" and he bowed with a glance at the King, who must have heard the whole dialogue.

Now, there was a company to dinner at the General's, but only the old Count and his protege were invited.

"I have my foot under his table," thought George. "That's laying the foundation stone."

And the foundation stone was really laid, with great ceremony, at the house of the General and of the General's lady.

The man had come, and had spoken quite like a person in good society, and had made himself very agreeable, so that the General had often to repeat his "Charming!" The General talked of this dinner, talked of it even to a court lady; and this lady, one of the most intellectual persons about the court, asked to be invited to meet the Professor the next time he should come. So he had to be invited again; and he was invited, and came, and was charming again; he could even play chess.

"He's not out of the cellar," said the General; "he's quite a distinguished person. There are many distinguished persons of that kind, and it's no fault of his."

The Professor, who was received in the King's palace, might very well be received by the General; but that he could ever belong to the house was out of the question, only the whole town was talking of it.

He grew and grew. The dew of favor fell from above, so no one was surprised after all that he should become a Privy Councillor, and Emily a Privy Councillor's lady.

"Life is either a tragedy or a comedy," said the General. "In tragedies they die, in comedies they marry one another."

In this case they married. And they had three clever boys– but not all at once.

The sweet children rode on their hobby-horses through all the rooms when they came to see the grandparents. And the General also rode on his stick; he rode behind them in the character of groom to the little Privy Councillors.

And the General's lady sat on her sofa and smiled at them, even when she had her severest headache.

So far did George get, and much further; else it had not been worth while to tell the story of the porter's son.




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