DEUTSCH

Die Eisjungfrau

ENGLISH

The ice maiden


I. Klein-Rudi

Laßt uns die Schweiz besuchen, laßt uns in dem herrlichen Berglande umsehen, wo die Wälder die steilen Felsenwände hinaufwachsen; laßt uns die blendenden Schneegefilde emporsteigen und wieder in die grünen Wiesen hinabgehen, wo Flüsse und Bäche dahinbrausen, als befürchteten sie, das Meer nicht früh genug erreichen und verschwinden zu können. Die Sonne brennt in dem tiefen Tale; sie brennt auch auf die schweren Schneemassen, so daß sie im Laufe der Jahre zu schimmernden Eisblöcken zusammenschmelzen und rollende Lawinen, aufgetürmte Gletscher werden. Zwei solcher Gletscher liegen in den breiten Felsenklüften unterhalb des Schreckhorns und des Wetterhorns bei dem kleinen Bergstädtchen Grindelwald. Sie gehören zu den merkwürdigsten und ziehen deshalb während der Sommerzeit viele Fremde aus allen Ländern der Welt herbei. Sie kommen über die hohen schneebedeckten Berge; sie kommen aus den tiefen Tälern und müssen dann stundenlang steigen, und während sie steigen, senkt sich das Tal tiefer und tiefer, sie sehen tief hinein, als schauten sie aus einen Luftballon. Oben hängen oft die Wolken wie dicke, schwere Vorhänge um die Berggipfel, während unten im Tale, wo die vielen braunen hölzernen Häuser verstreut liegen, noch ein Sonnenstrahl glänzt und ein grünes Plätzchen wie durchsichtig hervortaucht. Das Wasser braust, rauscht und gießt herab; das Wasser rieselt und plätschert hernieder; es sieht aus, als ob silberne Bänder von den Felsen hinabflatterten.

Auf beiden Seiten des Weges liegen Balkenhäuser; jedes Haus hat seinen kleinen Kartoffelacker, und der ist ein Bedürfnis; denn hinter der Tür gibt es viele Münder, gibt es einen Reichtum an Kindern, denen allen es vortrefflich schmeckt. Aus allen Häusern wimmeln sie hervor, drängen sie sich um die Reisenden, ob sie nun zu Fuß oder zu Wagen kommen. Ganze Kinderscharen treiben Handel; die kleinen bieten niedlich ausgeschnitzte Häuschen feil, wie man sie hier im Gebirge gebaut findet. Mag es nun Regen oder Sonnenschein sein, das Kindergewimmel kommt mit seinen Waren zum Vorschein.

Vor etwa 30 Jahren stand hier bisweilen, aber stets von den anderen Kindern getrennt, ein kleiner Knabe, der auch Waren zum Verkauf bei sich hatte. Er stand mit einem so ernsten Antlitz da und hielt mit beiden Händen seine Holzschachtel so fest umklammert, als wollte er sie doch nicht loslassen. Aber gerade dieser Ernst und die Kleinheit des Bürschchens waren die Ursache, daß er oftmals bemerkt, ja, angerufen wurde und nicht selten den besten Handel machte, er wußte selbst nicht weshalb. Höher hinauf wohnte sein Großvater mütterlicherseits, der die feinen niedlichen Häuser schnitzte; und in der Stube stand ein alter Schrank, vollgestopft von allerlei Schnitzwerk. Da gab es Nußknacker, Messer, Gabeln und Kästchen mit schönem Laubwerk und springenden Gemsen; da gab es alles, was Kinderaugen erfreuen konnte; aber der Kleine, Rudi hieß er, betrachtete mit größerer Lust und Sehnsucht das alte Gewehr unter dem Balken, das er einmal, wie Großvater gesagt hatte, bekommen sollte, aber er müßte erst groß und stark genug werden, um es meistern zu können.

So klein der Knabe war, wurde ihm doch schon das Hüten der Ziegen anvertraut und, wenn es zu den Vorzügen eines guten Ziegenhirten gehört, mit seinen Untergebenen um die Wette klettern zu können, ja dann war Rudi ein guter Hirt. Er kletterte sogar noch höher als sie; die Vogelnester im Gipfel hoher Bäume auszunehmen, war seine Lust. Keck und verwegen war er, aber lächeln sah man ihn nur, wenn er im brausenden Wasserfalle stand oder eine Lawine rollen hörte. Nie spielte er mit den anderen Kindern: er kam nur mit ihnen zusammen, wenn ihn sein Großvater zum Verkauf hinabsandte, und daran war Rudi nicht viel gelegen. Er zog es vor, sich allein auf den Bergen umherzutummeln oder beim Großvater zu sitzen und auf seine Erzählungen aus alter Zeit und über den Volksstamm zu lauschen, der in seiner alten Heimat Meiringen ansässig war. Der Stamm gehörte, wie man sich erzählte, nicht zu den Ureinwohnern, sondern war erst in späterer Zeit eingewandert. Hoch oben vom Norden war er herabgekommen, wo die Schweden wohnten. Es gehört schon immer eine gewisse Klugheit dazu, das zu wissen, und Rudi wußte es; aber eine noch ungleich größere Klugheit verdankte er einem anderen guten Umgange, und zwar mit den Hausbewohnern aus der Tierwelt. Sie teilten das Häuschen mit einem großen Hunde, Ajola, den Rudis Vater hinterlassen hatte, und mit einem Kater. Besonders dieser Kater hatte für Rudi große Bedeutung gewonnen, denn er hatte ihm das Klettern beigebracht.

"Komm mit auf das Dach hinaus!" hatte der Kater völlig deutlich und verständlich gesagt; denn wenn man ein Kind ist und noch nicht sprechen kann, versteht man Hühner und Enten, Katzen und Hunde ganz vortrefflich; sie sprechen ebenso verständlich wie Vater und Mutter, nur muß man recht klein sein. Selbst Großvaters Stock kann dann wiehern, kann sich in ein Pferd mit Kopf, Beinen und Schwanz verwandeln. Bei einigen Kindern verliert sich dieses Verständnis später als bei anderen, und von diesen sagt man, daß sie weit zurück sind, daß sie sich sehr spät entwickeln. Man sagt ja so viel!

"Komm mit, Rudichen, komm mit hinaus aufs Dach!" war mit das erste, was der Kater sagte, und Rudi verstand. "Das Hinunterfallen kommt nur in der Einbildung vor. Man fällt nicht, wenn man sich davor nicht fürchtet.. Komm, setz Dein eines Pfötchen so, das andere so! Setze die Vorderpfötchen voreinander! Habe Augen im Kopf und sei gewandt! Ist eine Spalte da, so spring hinüber und halte Dich fest, ich mache es auch so!"

Und Rudi machte es gleichfalls so. Deshalb saß er so oft bei ihm auf dem Dache, saß mit ihm in den Baumgipfeln, ja hoch oben auf den Felsenrändern, wohin der Kater nicht kam.

"Höher, höher!" sagten Bäume und Büsche. "Siehst Du, wie wir hinaufklettern, wie hoch wir gelangen, wie fest wir uns selbst auf den äußersten schmalen Felsenspitzen halten!"

Und Rudi kletterte den Berg hinauf, oft ehe die ersten Sonnenstrahlen auf ihn fielen, und dort bekam er seinen Morgentrunk, die frische stärkende Bergluft, den Trunk, den nur Gott bereiten kann. Die Menschen lesen sein Rezept und darauf steht geschrieben: der frische Duft der Gebirgskräuter und der Krauseminze und des Thymians im Tale. Alles, was schwer ist, saugen die hängenden Wolken in sich und strömen es dann auf die Nachbarwälder aus, aber der Geist des Duftes wird Luft, leicht und frisch und immer frischer; sie war Rudis Morgentrunk.

Die Sonnenstrahlen, der Sonne segenspendende Töchter, küßten seine Wangen, und der Schwindel stand daneben und lauerte auf ihn, durfte sich ihm aber nicht nahen. Die Schwalben unten von Großvaters Hause, an dem sich nicht weniger als sieben Nester befanden, flogen zu ihm und den Ziegen empor, lustig zwitschernd: "Wir und ihr! Ihr und wir!" Grüße brachten sie von daheim, selbst von den beiden Hühnern, den einzigen Vögeln in der Stube, mit denen sich Rudi nie einließ.

Wie klein er auch war, so hatte er sich doch schon in der Welt umgesehen. Für so einen kleinen Knirps war seine Reise ziemlich bedeutend gewesen. Geboren war er drüben im Kanton Wallis und über die Berge hierher getragen. Vor kurzem hatte er zu Fuß den nahegelegenen Staubbach besucht, der vor der Jungfrau, diesem schneebedeckten blendenweißen Berge, wie ein Silberschleier in der Luft flattert. Auch in Grindelwald war er bei dem großen Gletscher gewesen, aber das war eine traurige Geschichte. Seine Mutter hatte hier den Tod gefunden. "Der hat dem kleinen Rudi die Kinderlust fortgetragen," sagte der Großvater. Als der Knabe noch kein Jahr alt war, da hatte er, wie die Mutter schrieb, mehr gelacht als geweint, seit er aber in der Gletscherspalte gesteckt hatte, war ein ganz anderer Sinn über ihn gekommen. Großvater sprach sonst nicht viel davon, aber auf dem ganzen Berge wußte man Bescheid.

Rudis Vater war Postillon gewesen, der große Hund dort in der Stube hatte ihn auf seinen Fahrten über den Simplon nach dem Genfer See hinab regelmäßig begleitet. Im Rhonetale im Kanton Wallis wohnte noch Rudis Familie väterlicherseits. Der Bruder seines Vaters war ein geschickter Gemsenjäger und wohlbekannter Führer. Rudi war erst ein Jahr alt, als er seinen Vater verlor. Seine Mutter wollte nun gern mit ihrem kleinen Kinde zu ihrer Familie im Berner Oberlande zurück. Einige Stunden Weges von Grindelwald entfernt wohnte ihr Vater, er war Holzschnitzer und verdiente sich durch seine Arbeit so viel, daß er sich durchschlagen konnte. Im Monat Juni ging sie mit ihrem kleinen Kinde in Gesellschaft zweier Gemsjäger über die Gemmi, um auf dem kürzesten Wege ihre Heimat zu erreichen. Schon hatten sie den größten Teil ihres Weges zurückgelegt, schon hatten sie den Kamm des Gebirges mit seinem ewigen Schnee überschritten, schon überblickte sie ihr heimisches Tal mit all seinen ihr wohlbekannten zerstreuten Holzhäusern, und es galt nur noch einen großen Gletscher zu passieren. Frischgefallener Schnee bedeckte ihn und verhüllte eine Spalte, die zwar nicht bis auf den Boden hinabbreichte, wo das Wasser rauschte, aber doch tiefer als Manneshöhe war. Die junge Frau, die ihr Kind trug, glitt aus, sank hinein und war verschwunden. Man hörte keinen Schrei, keinen Seufzer, aber man hörte ein kleines Kind weinen. Mehr als eine Stunde verging, ehe ihre beiden Begleiter aus dem nächstgelegenen Hause Stricke und Stangen geholt hatten, womit sie ihr möglicherweise Hilfe bringen konnten; und nach unendlicher Mühe wurden zwei Leichen, wie es schien, aus der Eisspalte hervorgezogen. Alle Mittel wurden angewendet, und es glückte wirklich, das Kind wieder ins Leben zurückzurufen, nicht aber die Mutter; und deshalb bekam der Großvater einen Tochtersohn anstatt einer Tochter ins Haus, jenen Kleinen, der mehr lachte als weinte. Aber das schien er sich jetzt abgewöhnt zu haben; die Veränderung war wahrscheinlich in der Gletscherspalte vor sich gegangen, in der kalten wunderbaren Eiswelt, wo, wie der Schweizerbauer glaubt, die Seelen der Verdammten bis zum Tage des Gerichts eingesperrt sind.

Nicht unähnlich einem brausenden Wasser, zu grünen Glasblöcken erstarrt und zusammengedrückt, liegt der Gletscher da, ein großes Eisstück immer über das andere gewälzt. Unten in der Tiefe rauscht der reißende Strom von geschmolzenem Schnee und Eis. Tiefe Löcher, mächtige Spalten zeigen sich in ihm, er bildet einen wunderbaren Glaspalast, und darin wohnt die Eisjungfrau, die Gletscherkönigin. Sie, die Todbringende, die Zerschmetternde, ist halb ein Kind der Luft, halb des Flußes mächtige Beherrscherin. Deshalb vermag sie sich mit der Geschwindigkeit der Gemse zu dem höchsten Gipfel des Schneegebirges zu erheben, wo sich die kühnsten bergbesteiger, um festen Fuß fassen zu können, Tritte in das Eis hauen müssen. Sie schwebt auf dem dünnen Tannenzweige zu dem reißenden Fluße hinab und springt dort von Felsblock zu Felsblock, von ihrem langen schneeweißen Haare und ihrem blaugrünen Gewande umflattert, welches wie das Wasser der tiefen Schweizer Seen glänzt und schimmert.

"Zerschmettre, halte fest, mein ist die Macht!" ruft sie. "Einen schönen Knaben stahl man mir, einen Knaben, den ich geküßt hatte. Er ist wieder unter den Menschen, er weidet die Ziegen auf dem Berge, er klettert hinauf, immer hinauf, fort von den anderen, nicht von mir! Mein ist er, ich hole ihn!"

Und sie bat den Schwindel, ihren Auftrag auszuführen. Im Sommer war es der Eisjungfrau zu schwül im Grünen, wo die Krauseminze wächst. Und der Schwindel erhob und verbeugte sich. Da kam einer, nein, da kamen drei. Der Schwindel hat viele Brüder, eine ganze Schar. Die Eisjungfrau wählte die stärksten aus der großen Menge, die draußen in der Natur wie drinnen in den Gebäuden herrschen. Sie sitzen auf den Treppen, und auf dem Turmgeländer, sie laufen wie ein Eichhörnchen am Felsenrand entlang, sie springen von ihm hinab und treten Luft, wie der Schwimmer Wasser tritt, und locken ihre Opfer über den Abgrund hinaus und hinab. Der Schwindel und die Eisjungfrau, beide greifen sie nach den Menschen, wie der Polyp nach allem greift, was sich um ihn bewegt. Der Schwindel sollte Rudi ergreifen.

"Ja, greift ihn mir nur!" sagte der Schwindel, "Ich vermag es nicht, die böse Katze hat ihn ihre Künste gelehrt. Dem Menschenkinde steht eine Macht bei, die mich fortstößt. Ich kann den kleinen Burschen nicht erreichen, so oft er an einem Zweige über den Abgrund hinaushängt, wenn ich ihn auch unter den Fußsohlen kitzelte oder ihn tief unter die Luft tauchte! Ich vermag es nicht!"

"Wir vermögen es!" sagte die Eisjungfrau, "Du oder ich, ich, ich!"

"Nein, nein!" schallte es zu ihnen hinüber, als wäre es das Echo der Kirchenglocken; aber es war Gesang, es war Rede, es war der zusammenschmelzende Chor anderer Naturgeister, milder, liebevoller und guter, der Töchter der Sonnenstrahlen. Sie lagern sich jeden Abend auf den Gipfeln der Bergesgipfeln und breiten ihre rosigen Schwingen aus, die, je tiefer die Sonne sinkt, desto röter und röter aufflammen. Die hohen Alpen glühen, die Menschen nennen es das "Alpenglühen." Wenn dann die Sonne hinunter ist, flüchten sie sich in die Felsenspitzen, in den weißen Schnee hinein, schlafen dort, bis sich die Sonne erhebt, und kommen dann wieder hervor. Besonders lieben sie die Blumen, die Schmetterlinge und die Menschen, und unter diesen hatten sie sich vorzüglich den kleinen Rudi erkoren. "Ihr fangt ihn nicht! Ihr fangt ihn nicht!" sangen sie.

"Größere und Stärkere habe ich gefangen und bekommen!" erwiderte die Eisjungfrau.

Da sangen die Töchter der Sonne ein Lied von dem Wandersmann , dem der Wirbelwind den Mantel entriß und in stürmischer Eile entführte. "Die Hülle trug der Wind fort, aber nicht den Mann. Ihn könnt Ihr Kinder der Kraft ergreifen, aber nicht halten. Er ist stärker, er ist geistiger als wir selbst. Er steigt höher als die Sonne, unsere Mutter. Er kennt das Zauberwort, das Wind und Wasser bindet, so daß sie ihm dienen und gehorchen müssen. Ihr löst nur das schwere hinabziehende Gewicht, und er erhebt sich desto höher."

So herrlich lautete der glockenklingende Chor.

Und jeden Morgen schienen die Sonnenstrahlen durch das einzige kleine Fenster in Großvaters Haus, zu dem stillen Kinde, hinein. Die Töchter der Sonnenstrahlen küßten ihn, sie wollten die Eisküsse auftauen, erwärmen, vernichten, welche ihm die königliche Maid der Gletscher gegeben hatte, als er im Schoße seiner toten Mutter in der tiefen Eiskluft lag und wie durch ein Wunder daraus gerettet wurde.

II. Die Reise nach der neuen Heimat
Rudi war jetzt acht Jahre alt; sein Onkel im Rhonetal auf der anderen Seite des Gebirges wollte den Knaben zu sich nehmen. Dort konnte er besser unterrichtet werden und es einmal weiter bringen; das sah auch sein Großvater ein und setzte sich deshalb dem Plane nicht entgegen.

Rudi sollte fort. Großvater war es nicht allein, von dem es nun galt Abschied zu nehmen; da war zuerst Ajola, der alte Hund.

"Dein Vater war Postillon, und ich war Posthund," sagte Ajola. "Wir sind auf und ab gefahren; ich kenne die Hunde und Menschen auch auf der anderen Seite des Gebirges. Viel zu reden war nicht meine Gewohnheit, aber jetzt, wo wir leider nicht mehr lange miteinander sprechen können, will ich etwas mehr als sonst reden. Ich will Dir eine Geschichte erzählen, die ich schon lange mit mir herumgetragen habe. Ich kann sie nicht verstehen und Du kannst es auch nicht, aber das tut auch weiter nichts, denn so viel habe ich doch daraus ersehen, daß in der Welt die Lose der Hunde und der Menschen nicht völlig richtig verteilt sind. Nicht alle sind dazu geschaffen, auf dem Schoße zu liegen oder Milch zu schlürfen. Ich bin nicht daran gewöhnt worden, aber ich habe ein Hündchen mit im Postwagen fahren und einen Menschenplatz einnehmen sehen. Die Frau, die seine Herrin war (wenn nicht etwa das Hündchen ihre Herrschaft war), hatte eine Milchflasche bei sich, aus der sie ihm zu trinken gab. Es erhielt Zuckerbrot, mochte es aber nicht einmal fressen, sondern schnüffelte nur daran, und sie aß es dann selbst. Ich lief in der Sonnenhitze neben dem Wagen her, hungrig wie ein Hund nur sein kann, und kaute an meinen eigenen Gedanken. Das war nicht in Ordnung aber wie vieles gibt es freilich noch außerdem, was nicht in Ordnung ist. Möchtest Du doch auf den Schoß kommen und in der Kutsche fahren können! Aber das kann man sich leider nicht selbst verschaffen, ich habe es wenigstens nicht vermocht, weder durch Bellen noch durch Heulen."

So lautete Ajolas Rede, und Rudi fasste ihn um den Hals und küßte ihn gerade auf seine feuchte Schnauze. Dann nahm er den Kater in seine Arme, der sich jedoch seinen Liebkosungen entzog.

"Du wirst mir zu stark, und gegen Dich will ich meine Krallen nicht gebrauchen. Klettere nur über die Berge: ich habe Dir das Klettern ja beigebracht! Bilde Dir nie ein, daß Du hinabfällst, dann hältst Du Dich gewiß fest!" Nach diesen Worten lief der Kater davon, denn er wollte Rudi nicht sehen lassen, daß ihm der Kummer aus den Augen leuchtete.

"Rudi will über die Berge!" sagte das Huhn.

"Er hat immer Eile!" versetzte das andere, "und ich liebe die Abschiedsszenen nicht!" Und schnell trippelten sie beide fort.

Den Ziegen sagte er gleichfalls Lebewohl, und sie riefen: "Mit! Mit! Meck! Meck!" Was gar traurig klang.

Zwei Leute aus der Gegend, tüchtige, flinke Führer, mußten gerade über die Berge und wählten den Weg über die Gemmi. Rudi begleitete sie, und zwar zu Fuß. Es war ein anstrengender Marsch für einen so kleinen Burschen, aber Kräfte hatte er und einen Mut, der unermüdlich war.

Die Schwalben flogen eine Strecke mit. "Wir und ihr, ihr und wir!" sangen sie. Der Weg führte über die reißende Lütschine, die in vielen kleinen Bächlein aus der schwarzen Kluft des Grindelwaldgletschers hervorstürzt. Frei daliegende schwankende Baumstämme und zertrümmerte Felsenblöcke dienen hier als Brücken. Jetzt waren sie oberhalb des Erlengebüsches und begannen den Berg hinaufzusteigen, dicht neben der Stelle, wo sich der Gletscher vom Berge gelöst hat. Darauf traten sie auf den Gletscher selbst hinaus über Eisblöcke, fort oder um sie herum. Bald mußte Rudi kriechen, bald gehen. Seine Augen strahlten vor Entzücken. Mit seinen eisenbeschlagenen Bergschuhen trat er so fest auf, als wollte er in dem zurückgelegten Wege seine Fußstapfen zurücklassen.

Aufwärts, immer aufwärts ging es; hoch erstreckte sich der Gletscher. Er glich einer Flut wild übereinandergetürmter Eismassen, die zwischen steilen Felsen eingeklemmt dalagen. Rudi dachte einen Augenblick an das, was ihm erzählt worden war, dachte daran, daß er mit seiner Mutter in einer dieser Kälte aushauchenden Spalten gelegen hatte, aber bald lenkte er seine Gedanken wieder auf andere Gegenstände. Es galt ihm nicht mehr als jede andere der vielen Geschichten, die er gehört hatte. Ein und das andere mal, wenn die Männer das unaufhörliche Steigen zu beschwerlich für den kleinen Buben hielten, reichten sie ihm die Hand, aber er ermüdete nicht und stand auf dem Glatteise fest wie eine Gemse. Jetzt gelangten sie auf Felsenboden; bald gingen sie zwischen nackten Steinen hindurch, bald unter niedrigen Tannen fort und wieder auf grüne Weideplätze hinaus, fortwährend dem Blicke Neues darbietend. Ringsumher erhoben sich schneebedeckte Berge, deren Namen er wie jedes Kind hiesiger Gegend kannte: Jungfrau, Mönch und Eiger.

Rudi war nie zuvor so hoch gewesen, hatte nie zuvor das ausgedehnte Schneemeer betreten. Es lag mit seinen unbeweglichen Schneewogen da, von denen der Wind die einzelnen Flocken weggeblasen hatte, wie er den Schaum von den Wellen des Meeres bläst. Ein Gletscher reicht, wenn man so sagen kann, dem anderen die Hand; jeder ist ein Glaspalast der Eisjungfrau, deren Macht und Wille ist: zu fangen und zu begraben. Die Sonne brannte heiß, der Schnee war blendend und wie mit bläulich blitzendem Diamantengefunkel übersät.

Unzählige Insekten, hauptsächlich Schmetterlinge und Bienen, lagen massenhaft tot auf dem Schnee; sie hatten sich zu hoch gewagt, oder der Wind hatte sie, die in dieser Kälte notwendig zugrunde gehen mußten, so hoch getrieben. Um das Wetterhorn hing gleich ein Büschel schwarzer Wolle eine drohende Wolke. Sie senkte sich, von dem, was sie in sich barg, dem Föhn, immer mehr anschwellend. Zerstörend und schreckerregend mußte sich seine Macht offenbaren, wenn er losbrach. Der Eindruck der ganzen Wanderung, das Nachtquartier hier oben, der Weg am folgenden Tage, die tiefen Felsenspalten, welche das Wasser in unvordenklicher Zeit in die harten Steinblöcke hineingerissen hatte, hafteten unvergeßlich in Rudis Erinnerung.

Ein verlassenes steinernes Gebäude jenseits des Schneemeeres gewährte ihnen für die Nacht ein sicheres Obdach. Hier fanden sie Holzkohlen und Tannenzweige; bald war das Feuer angezündet und das Nachtlager, so gut man konnte, hergestellt. Die Männer setzten sich um das Feuer, rauchten ihr Pfeifchen und erquickten sich an dem warmen gewürzreichen Tranke, den sie sich selbst bereitet hatten. Rudi erhielt redlich seinen Anteil. Die Unterhaltung drehte sich um die geheimnisvollen Wesen des Alpenlandes, um die seltsamen Riesenschlangen in den tiefen Seen, um die nächtlichen Erscheinungen, das Gespensterheer, das den Schlafenden nach der wunderbaren schwimmenden Stadt Venedig durch die Luft trägt, den wilden Hirten, der seine schwarzen Schafe über die Weideplätze triebt. Hatte sie man auch nicht gesehen, so hatte man doch den Ton ihrer Glocken, das unheimliche Gebrüll der Herde gehört. Rudi lauschte neugierig, aber ohne alle Furcht zu, die kannte er nicht; und während er zulauschte, glaubte er das spukartige, hohle Gebrüll zu vernehmen. Ja, es wurde immer lauter und deutlicher, die Männer hörten es auch, unterbrachen ihr Gespräch, horchten und forderten Rudi auf, nicht zu schlafen.

Es war ein Föhn, der einherblies, der gewaltige Sturmwind, der sich von den Bergen in die Täler hinabstürzt und in seiner Heftigkeit Bäume bricht, als wären sie Rohrstengel, und die Blockhäuser von einem Flussufer auf das andere versetzt, wie wir die Schachfiguren hin- und herrücken.

Erst nach einer Stunde sagten sie zu Rudi, daß es nun überstanden wäre und er jetzt schlafen könnte, und, müde vom Marsch, schlief er wie auf Befehl.

Früh am folgenden Morgen brachen sie auf. Die Sonne zeigte dem kleinen Rudi heute neue Berge, neue Gletscher und Schneefelder. Sie hatten die Grenzen des Kanton Wallis überschritten und befanden sich jetzt auf der anderen Seite des Bergrückens, den man von Grindelwald aus wahrnahm, waren aber von des Knaben neuer Heimat noch immer weit entfernt. Andere Bergklüfte, andere Weideplätze, Wälder und Felsenpfade entfalteten sich, andere Häuser, andere Menschen zeigten sich, aber welche Menschen er auch sah, alle waren Mißgestalten, widerliche, fette, weißlichgelbe Gesichter, der Hals ein schwerer, häßlicher, tief hängender Fleischklumpen. Es waren Kretins. Siech und elend schleppten sie sich weiter und glotzten mit dummen Augen die anlangenden Fremden an. Die Weiber sahen am gräßlichsten aus. Wie, waren das die Menschen in seiner neuen Heimat?

III. Der Onkel
In Onkels Haus, in das nun Rudi eintrat, sahen, Gott sei Lob! die Menschen aus, wie Rudi sie zu sehen gewohnt war. Nur ein einziger Kretin wohnte augenblicklich hier; ein armer, blödsinniger Bursche, eines dieser armen Geschöpfe, die in ihrer Armut und Verlassenheit von den Familien des Kanton Wallis abwechselnd unterhalten werden und in jedem Hause ein paar Monate bleiben. Der arme Saperli war gerade hier, als Rudi ankam.

Onkel war noch ein kräftiger Jäger und verstand sich außerdem auf das Böttcherhandwerk. Seine Frau war eine kleine lebhafte Person mit einem vogelähnlichen Antlitze, mit Augen wie ein Adler und einem langen, von oben bis unten mit Flaum bedeckten Halse.

Alles war Rudi neu: Kleidung, Sitte und Gebrauch, die Sprache sogar, aber diese konnte das Kindesohr bald verstehen lernen. Im Vergleich zu dem Hause seines Großvaters machte sich überall eine gewisse Wohlhabenheit bemerkbar. Die Stube, in der sie wohnten, war größer, die Wände waren mit Gemsenhörnern und blankpolierten Büchsen geschmückt, über der Tür hing das Bild der Mutter Gottes. Frische Alpenrosen und eine brennende Lampe standen davor.

Onkel war, wie gesagt, einer der tüchtigsten Gemsenjäger der Gegend und außerdem der geschickteste und beste Führer. Es war alle Aussicht, daß Rudi hier im Hause bald der Liebling werden würde; freilich gab es einen solchen schon. Es war ein alter, blinder, tauber Jagdhund, der nicht mehr Dienste verrichten konnte, es aber einst treu und fleißig getan hatte. Man vergaß die Tüchtigkeit des Tieres in früheren Jahren nicht, und deshalb gehörte es jetzt mit zur Familie und sollte das Gnadenbrot haben. Rudi streichelte den Hund, der sich aber mit Fremden, und das war ja Rudi bis jetzt noch, nicht mehr einließ. Lange sollte es Rudi jedoch nicht bleiben; in Haus und Herz schlug er bald feste Wurzeln.

"Hier im Kanton Wallis lebt es sich nicht so übel!" sagte der Onkel. "Gemsen haben wir, sie sterben nicht so schnell wie die Steinböcke aus; es ist jetzt hier weit besser als in alter Zeit. Wie viel auch immer zu ihrer Ehre erzählt wird, die unsrige ist doch besser. Der Sack hat ein Loch bekommen, ein frischer Luftzug weht jetzt durch unser eingeschlossenes Tal. Wenn das Veraltete und Überlebte fällt, kommt immer etwas Besseres zum Vorschein" sagte er, und wurde Onkel recht gesprächig, dann erzählte er von seinen Jugendjahren, die in seines Vaters kräftigste Manneszeit fielen, wo noch Wallis, wie er sich ausdrückte, ein verschlossener Sack mit allzuviel siechen Leuten, elenden Kretins war. "Aber die französischen Soldaten kamen, sie waren die richtigen Ärzte, schlugen die Krankheiten und die Menschen gleich dazu tot. Auf das Schlagen verstehen sich die Franzosen, sie teilen Schläge mancherlei Art aus, und auch die Französinnen können Schläge versetzen!" und dabei nickte Onkel seiner Frau, die eine Französin von Geburt war, freundlich zu und lachte. "Die Franzosen verstehen das Steineschlagen meisterlich! Die Simplonstraße haben sie in die Felsen hineingeschlagen, haben dort eine Straße angelegt, daß ich jetzt zu einem dreijährigen Kinde sagen kann: Gehe nach Italien hinab, halte Dich immer nur auf der Landstraße! Und das Kleine findet sich nach Italien hinunter, wenn es nicht von der Landstraße abweicht!" Dann sang der Onkel ein französisches Lied und brachte ein Hoch auf Napoleon Bonaparte aus.

Damals hörte Rudi zum erstenmal von Frankreich, von Lyon, der großen Stadt an der Rhone, wo Onkel gewesen war.

In nicht allzu vielen Jahren würde Rudi gewiß ein flinker Gemsenjäger werden, Anlagen hätte er dazu, meinte Onkel, und er lehrte ihn, eine Büchse im Anschlage zu halten, zielen und sie abschießen. Während der Jagdzeit nahm er ihn mit auf die Berge, ließ ihn von dem warmen Gemsenblute trinken, was, wie man dort allgemein glaubt, den Jäger schwindelfrei machen soll. Er machte ihn mit der Zeit bekannt, in den auf den verschiedenen Bergseiten die Lawinen zu rollen pflegen, um Mittag oder zur Abendzeit, je nach den Wirkungen der Sonnenstrahlen. Er hielt ihn an, die Gemsen recht zu beobachten und von ihnen zu lernen, wie man nach dem Sprunge auf die Füße fallen und feststehen müßte. Fände man in der Felsenspalte keine Stütze für den Fuß, so müßte man zusehen, sich mit den Ellenbogen zu stützen, sich mit den Muskeln in Waden und Schenkeln anzuklammern. Selbst der Nacken könnte sich im Notfalle förmlich festbeißen. Die Gemsen wären klug und stellten Vorposten aus, aber der Jäger müßte klüger sein und ihnen den Wind abzugewinnen suchen. Er verstände es, sie in ergötzlicher Weise zu überlisten, hinge seinen Rock und Hut auf den Alpenstock, und die Gemsen nähmen das Kleid für den Mann. Diesen Spaß trieb Onkel eines Tages, als er mit Rudi auf der Jagd war.

Der Felsenpfad war schmal, ja es war eigentlich keiner vorhanden, sondern ein nur kaum bemerkbarer Sims dicht neben dem schwindelnden Abgrund. Der Schnee dort war halb aufgetaut, das Gestein so verwittert, das es beim Auftreten zerbröckelte; Onkel legte sich deshalb, so lang er war, hin, und kroch vorwärts. Jeder Stein, der sich löste, fiel, prallte gegen, sprang, rollte und machte viele Sprünge von Felsenwand zu Felsenwand, ehe er in der dunklen Tiefe zur Ruhe kam. Hundert Schritte hinter dem Onkel stand Rudi auf dem äußersten festen Felsenknoten und erblickte in der Luft, langsam über Onkel hinschwebend, einen Lämmergeier, der mit seinen Flügelschlägen den kriechenden Wurm mit seinen Flügelschlägen in den Abgrund schleudern wollte, um ihn zur künftigen Nahrung in Aas zu verwandeln. Onkel hatte nur für die Gemse, die jenseits der Kluft mit ihrem Zicklein sichtbar wurde, Augen. Rudi verließ den Vogel mit keinem Blicke, verstand, was er wollte, und behielt deshalb die Hand am Drücker, um schnell feuern zu können. Da setzte die Gemse zum Sprunge an, Onkel schoß, und das Tier war von der tödlichen Kugel getroffen, während das Zicklein, das ein ganzes Leben in Flucht und Gefahr zugebracht hatte, in weiten Sätzen entsprang. Der ungeheure Vogel, vom Knalle erschreckt, schlug eine andere Richtung ein, Onkel wußte nichts von der Gefahr, in der er geschwebt hatte, hörte sie erst von Rudi.

Als sie sich jetzt in bester Stimmung auf den Weg machten und Onkel ein Lied aus seinen Knabenjahren pfiff, erschallte auf einmal ein eigentümlicher Laut in nicht allzu weiter Ferne. Sie schauten nach allen Seiten, sie schauten aufwärts, und dort in der Höhe, auf dem schrägen Felsenabsatz, erhob sich die Schneedecke, es wogte, wie wenn der Wind unter ein ausgebreitetes Stück Leinwand fährt. Die hochgehobenen Wogen brachen plötzlich in sich zusammen und lösten sich in scheinbar schäumende Wasserstrudel auf, die prasselnd wie gedämpftes Donnergeroll hinabstürzten. Es war eine Lawine, die hinabfiel, nicht über Rudi und seinen Onkel, aber nahe, nur allzu nahe neben ihnen.

"Halte Dich fest, Rudi!" reif er. "Fest, aus allen Kräften!"

Rudi umklammerte den nächsten Baum, Onkel kletterte über ihn in die Zweige des Baumes hinauf und hielt sich fest, während die Lawine viele Meter von ihnen entfernt hinabrollte; aber der durch sie erregte Sturm, der Wirbelwind, der sie begleitet, knickte und brach ringsum Bäume und Büsche, als wären sie dürre Rohrstengel und warf sie weit umher. Rudi wurde zu Boden geschmettert; der Baumstamm, an dem er sich hielt, war wie zersägt, und die Krone ein weites Stück fortgeschleudert. Zwischen den zerknickten Zweigen lag mit zerschmettertem Haupte der Onkel, seine Hand war noch warm, aber sein Gesicht nicht zu erkennen. Bleich und zitternd stand Rudi da; es war der erste Schreck in seinem Leben, das erste Gefühl von Furcht, das er empfand.

Mit der Todesbotschaft kam er spät am Abend nach Hause, wo nun die Trauer einzog. Wortlos, tränenlos stand die Gattin da, und erst als die Leiche gebracht wurde, kam der Schmerz zum Ausbruch. Der arme Kretin kroch in sein Bett, man sah ihn den ganzen Tag nicht. Gegen Abend kam er zu Rudi.

"Schreibe mir einen Brief! Saperli kann nicht schreiben! Saperli kann aber den Brief auf die Post tragen!"

"Einen Brief für Dich?" fragte Rudi. "Und an wen?"

"An den Herrn Christus!"

"Wen meinst Du damit?"

Und der Halbblödsinnige, den sie einen Kretin nannten, sah Rudi mit einem rührenden Blicke an, faltete seine Hände und sagte dann feierlich und fromm: "Jesus Christus! Saperli will ihm einen Brief senden, will ihn bitten, daß Saperli tot daliegen muß und nicht der Mann hier im Hause!"

Rudi drückte ihm Die Hand "Der Brief kommt nicht an sein Ziel! Der Brief gibt ihn uns nicht zurück."

Es war Rudi schwer, ihm die Unmöglichkeit zu erklären.

"Nun bist die Stütze des Hauses," sagte die Pflegemutter, und Rudi wurde es.

IV. Babette
Wer ist der beste Schütze im Kanton Wallis? Nun, die Gemsen wußten es. "Nimm Dich vor Rudi in acht!" konnten sie sagen. "Wer ist der schönste Schütze?" - "Je nun, das ist der Rudi!" sagten die Mädchen, aber sie setzten nicht hinzu: "Nimm Dich in acht!" Nicht einmal die ernsten Mütter sagten es, denn er nickte ihnen ebenso freundlich zu wie den jungen Mädchen. Er war kühn und frohgesinnt, seine Wangen waren braun, seine Zähne weiß und seine Augen leuchteten kohlschwarz; ein schöner Bursch war er und nur zwanzig Jahre. Das Eiswasser kam ihm nicht kalt vor, wenn er schwamm; wie ein Fisch konnte er sich im Wasser wenden und drehen, klettern wie kein anderer, wie eine Schnecke an die Felsenwände kleben; es war Mark in ihm; stahlfest waren seine Muskeln und Sehnen. Das bewies er auch beim Springen, der Kater hatte ihn ja zuerst gelehrt und später die Gemsen. Er war der zuverlässigste Führer, er hätte als solcher ein ganzes Vermögen sammeln können. Für das Böttcherhandwerk, in dem ihn Onkel ebenfalls unterrichtet hatte, fehlte es ihm an Sinn; Gemsen zu schießen war seine Lust und Sehnsucht; das brachte nicht weniger Geld ein. Rudi war, wie man sagte, eine gute Partie, wollte er nur seinen Augen nicht über seinen Stand erheben. Er war beim Tanze ein Tänzer, von dem die Mädchen träumten, und eine und die andere dachte seiner auch wachend.

"Mich hat er im Tanze geküßt!" sagte Schullehrers Anette zu ihrer liebsten Freundin, aber das hätte sie nicht erzählen sollen, nicht einmal ihrer liebsten Freundin. Dergleichen ist nicht leicht bei sich zu behalten, es gleicht dem Sande im durchlöcherten Sacke, der ausläuft. Bald wußte man, wie gut und brav Rudi auch sonst war, daß er im Tanze küßte, und doch hatte er nicht einmal die geküßt, die er am liebsten geküßt hätte.

"Paß auf ihn auf!" sagte ein alter Jäger, "er hat Anette geküßt; er hat mit A angefangen und wird das ganze Alphabet durchküssen."

Ein Kuß bei Tanze war bisher alles, was die Klatschschwestern über ihn zu berichten wußten, aber geküßt hatte er wirklich Anette, und sie war keineswegs seines Herzens Blume.

Unten in der Nähe von Bex, zwischen den großen Walnußbäumen, hart an einem kleinen, reißenden Bergstrome wohnte der reiche Müller. Das Wohnhaus, ein großes, dreistöckiges Gebäude mit kleinen Türmen, war mit Schindeln gedeckt und mit Blechplatten beschlagen, die im Sonnen- wie im Mondenscheine weithin leuchteten. Der größte Turm hatte einen schimmernden Pfeil, der einen Apfel durchbohrte, als Wetterfahne. Es sollte damit auf Tells Pfeilschuß hingedeutet werden. Die Mühle verriet schon im Äußern Wohlhabenheit und sah schön und stattlich aus; der Maler, der sie sah, griff unwillkürlich zum Pinsel, um sie zu malen, aber des Müllers Tochter ließ sich nicht malen, ließ sich nicht beschreiben. Dies behauptete Rudi wenigstens, während doch ihr Bild in seinem Herzen lebte. Ihre Augen strahlten darin so, daß es in hellen Flammen loderte. Der Brand war so plötzlich wie jede andere Feuersbrunst ausgebrochen, und das Wunderbarste dabei war, daß des Müllers Töchterlein, die niedliche Babette, keine Ahnung davon hatte; sie und Rudi hatten in ihrem Leben auch nicht zwei Worte miteinander gesprochen.

Der Müller war reich, der Reichtum machte, daß Babette zu hoch für viele Wünsche stand. Aber nichts steht so hoch, dachte Rudi, daß man es nicht erreichen kann. Man muß klettern, und man fällt nicht, wenn man es sich nicht einbildet. Die Lehre hatte er von Hause mitgebracht.

Nun traf es sich, daß Rudi Geschäfte in Bex hatte. Es war eine nicht unbedeutende Reise dorthin, denn die einzige Eisenbahn dorthin war damals noch nicht gebaut. Vom Rhonegletscher aus, den Fuß des Simplon entlang, dehnt sich zwischen vielen und abwechselnden Bergen das breite Walliser Tal mit seinem mächtigen Flusse, der Rhone, aus, die häufig anschwillt und alles verheerend Felder und Wege überschwemmt. Zwischen den Städten Sion und St. Maurice bildet das Tal eine Krümmung, biegt sich wie ein Ellbogen und wird unterhalb Maurice so schmal, daß es nur für das Flußbett und die schmale Forststraße Raum darbietet. Ein alter Turm steht gleichsam als Schildwache des Kanton Wallis, der hier endet, auf dem Berge und schaut über die steinerne Brücke nach dem Zollhause auf der anderen Seite hinüber. Dort beginnt der Kanton Waadt, und die nächstgelegene Stadt darin ist Bex. Hier drüben nimmt alles bei jedem Schritte vorwärts an Fülle und Fruchtbarkeit zu, man wandelt in einem Garten von Walnuß- und Kastanienbäumen. Hier und da tauchen Zypressen und Granatbäume auf; es herrscht hier eine südliche Wärme, als wäre man schon nach Italien hinabgekommen.

Rudi langte in Bex an, verrichtete sein Geschäft, sah sich um, aber kein Müllerbursche, geschweige denn Babette ließ sich blicken. Es war nicht, wie es sein sollte.

Es wurde Abend, die Luft war mit dem Dufte des wilden Thymian und der blühenden Linden geschwängert. Es lag gleichsam ein schimmernder, luftblauer Schleier um die waldgrünen Berge. Eine tiefe Stille herrschte überall, nicht die des Schlafes, nicht die des Todes, nein, es war, als hielte die Natur ihre Atemzüge an, als hätte sie diese feierliche Ruhe angenommen, damit ihr Bild auf dem blauen Himmelsgrunde photografiert werden könnte. Hier und da standen das ganze Feld entlang zwischen den Bäumen hohe Stangen, die den Telegraphendraht hielten, der durch das stille Tal geführt war. Gegen eine lehnte sich ein Gegenstand, so unbeweglich, daß man hätte glauben können, es wäre ein verdorrter Baumstamm; aber es war Rudi, der hier ebenso stillstand wie seine ganze Umgebung in diesem Augenblicke. Er schlief nicht, war noch weniger tot, aber wie durch den Telegraphendraht oft große Weltbegebenheiten, Lebensmomente von entscheidender Bedeutung für den einzelnen hindurchfliegen, ohne daß der Draht durch ein Zittern oder durch einen Ton darauf hindeutet, so zogen dort durch Rudi Gedanken, mächtige, überwältigende, das Glück seines Lebens, von nun an seine einzigen, seine beständigen Gedanken. Seine Augen waren auf den Punkt zwischen dem Laube gerichtet, auf ein Licht in der Wohnstube des Müllers, wo Babette wohnte. Bei der unerschütterlichen Ruhe, mit der Rudi dastand, hätte man annehmen können, er zielte nach einer Gemse, aber er selbst glich in diesem Augenblicke einer Gemse, die minutenlang wie aus dem Felden herausgemeißelt dastehen kann, und plötzlich, wenn ein Stein rollt, einen Satz macht und von dannen jagt. Und das tat Rudi gerade auch. Ein Gedanke rollte durch seine Seele.

"Niemals verzagen!" rief er. "Besuch in der Mühle! Guten Abend zum Müller, Guten Tag zu Babette! Man fällt nicht, wenn man es sich nicht einbildet. Soll ich Babettes Mann werden, so muß sie mich doch einmal sehen."

Und Rudi lachte, war guten Muts und ging nach der Mühle; er wußte, was er wollte, er wollte Babette haben.

Schäumend brauste der Fluß mit seinem weißlichgelben Wasser, Linden und Weiden neigten sich tief über den rauschenden Strom. Schnell schritt Rudi auf das Haus zu, aber wie es in dem alten Kinderliede heißt:

"im Müllerhaus
War keine Seele heut daheim,
Nur eine Katze guckt heraus!"


Die Stubenkatze stand vorn auf der Treppe, machte einen krummen Buckel und sagte: "Miau!" aber Rudi hatte jetzt keinen Sinn für diese Sprache. Er klopfte an; niemand hörte, niemand öffnete. "Miau!" sagte die Katze. Wäre Rudi noch klein gewesen, so hätte er die Sprache der Tiere verstanden und gehört, daß die Katze sagte: "Es ist niemand zu Hause." Nun muß er erst zur Mühle hinüber und sich dort erkundigen. Da erhielt er Bescheid. Der Hausherr befand sich auf Reisen, weit fort in der Stadt Interlaken, "inter lacus, zwischen den Seen," wie es ihnen der Schullehrer, Anettes Vater, beim Unterricht erklärt hatte. So weit war der Müller verreist und hatte Babette mitgenommen. Ein großes Schützenfest wurde daselbst gefeiert, morgen sollte es beginnen und dauerte acht Tage lang. Die Schweizer aus allen deutschen Kantonen strömten dort zusammen.

Armer Rudi, konnte man sagen, es war nicht die glücklichste Zeit, daß er nach Bex kam, er konnte nur getrost wieder umkehren; und das tat er und schlug den Weg über St. Maurice und Sion nach seinem eigenen Tale, seinen eigenen Bergen ein. Doch verzagt war er deshalb nicht. Als die Sonne am nächsten Morgen aufging, war seine gute Laune längst wieder zurückgekehrt, lange verließ sie ihn nie.

"Babette ist in Interlaken, viele Tagereisen von hier entfernt," sprach er bei sich selbst. "Es ist ein weiter Weg dorthin, will man die große Landstraße benutzen, aber er ist lange nicht so weit, wenn man über die Berge klettert, und das ist gerade ein Weg für einen Gemsenjäger. Den Weg bin ich schon früher gegangen, dort drüben ist ja meine Heimat, wo ich als Kind beim Großvater lebte. Außerdem ist Schützenfest in Interlaken! Dabei will ich der erste sein; und das will ich auch bei Babette sein, wenn ich erst ihre Bekanntschaft gemacht habe."

Mit seinem leichten Ränzel, mit dem Sonntagsstaat darin, Gewehr und Jagdtasche über der Schulter, stieg Rudi den Berg hinauf, ging den kurzen Weg, der doch ziemlich lang war. Aber das Schützenfest hatte ja heute erst seinen Anfang genommen und dauert über eine Woche. Die ganze Zeit über blieben, hatte man gesagt der Müller und Babette bei ihren Verwandten in Interlaken. Rudi ging über die Gemmi und wollte bei Grindelwald hinabsteigen.

Munter und fröhlich schritt er vorwärts, in die frische, die stärkende Bergesluft hinein. Das Tal sank tiefer, der Gesichtskreis wurde weiter; hier ein Schneegipfel, dort ein Schneegipfel und bald die weithin leuchtende, weiße Alpenkette. Rudi kannte jeden schneebedeckten Berg. Er schritt geradewegs auf das Schreckhorn zu, das seinen weißgepuderten Steinfinger hoch in die blaue Luft streckte.

Endlich hatte er den Höherücken überschritten. Die Weideplätze neigten sich abwärts nach dem Tale seiner Heimat. Die Luft war leicht, sein Herz war leicht. Berg und Tal waren voller Blumen und Grün, sein Herz voller Jugendgedanken: man wird nie alt, man kann nie sterben; leben, herrschen, genießen! Frei wie ein Vogel, leicht wie ein Vogel war er. Und die Schwalben flogen vorüber und sangen wie in seiner Kindheit: "Wir und ihr, ihr und wir!" Alles war Flug und Freude!

Unten lag die samtgrüne Wiese, mit braunen Holzhäusern gleichsam bestreut; die Lütschine schlängelte sich murmelnd und plätschernd hindurch. Er sah den Gletscher mit seinen glasgrünen Rändern, seinen tiefen Spalten; den obersten und untersten Gletscher erblickte er. Die Glocken klangen von der Kirche auf der Höhe zu ihm hinüber, als wollten sie zu seinem Willkommen in der Heimat läuten. Sein Herz klopfte stärker, erweiterte sich, so daß Babette einen Augenblick daraus verschwand, so groß wurde sein Herz, so voller Erinnerungen.

Er ging wieder denselben Weg entlang, auf dem er als kleiner Bursche mit den anderen Kindern am Grabenrande gestanden und ausgeschnitzte Holzhäuser verkauft hatte. Dort oben hinter der Tanne lag noch Großvaters Haus, Fremde wohnten jetzt darin. Kinder kamen ihm auf dem Wege entgegengelaufen, sie wollten ihren kleinen Handel betreiben; das eine reicht ihm eine Alpenrose, Rudi nahm sie als gutes Zeichen an und dachte an Babette. Bald hatte er die Brücke im Tale erreicht, wo sich die beiden Lütschinen vereinigen. Die Laubbäume nahmen zu, die Walnußbäume gaben Schatten. Jetzt sah er die wehende Flagge, das weiße Kreuz im roten Grunde, wie der Schweizer und der Däne sie führt. Vor ihm lag Interlaken.

Nach Rudis Gedanken war es wirklich eine Prachtstadt, wie keine andere. Eine Schweizer Stadt im Sonntagsstaate. Sie war nicht, wie die anderen kleinen Städte, eine Masse schwerfälliger, steinerner Häuser, plump, fremd und vornehm; nein, hier sah es so aus, als ob sich die hölzerne Häuser oben von den Bergen unten in das grüne Tal an den klaren pfeilschnellen Fluß verlaufen und sich, hier ein wenig auswärts, dort ein wenig einwärts, in Reihe gestellt hätten, um eine Straße zu bilden. Die prächtigste von allen Straßen, ja, die war freilich ordentlich in die Höhe geschossen, seitdem Rudi als Kind zum letzten Male hier gewesen war. Es kam ihm vor, als ob alle die niedlichen hölzernen Häuser, welche Großvater ausgeschnitzt hatte und mit denen das Spind zu Hause angefüllt war, sich hier aufgestellt hätten und ebenso kräftig wie die alten, edlen Kastanienbäume aufgewachsen wären. Jedes Haus hieß ein Hotel, Fenster und Altane zeichneten sich durch treffliche Holzarbeiten aus, die durch ihre Schönheit und Zierlichkeit dem Ganzen einen eigentümlichen Reiz verliehen, und vor jedem Hause dehnte sich ein reizender Blumengarten bis an die breite, asphaltierte Landstraße aus. Längs der Straße standen nur auf der einen Seite die Häuser, sie würden sonst die frische, grüne Wiese unmittelbar davor versteckt haben, auf welcher die Kühe mit ihren Glocken gingen, die gerade wie auf den hohen Alpenweiden klangen. Die Wiese war von hohen Bergen eingeschlossen, die gerade in der Mitte gleichsam zur Seite traten, so daß man die Jungfrau, diesen leuchtenden, schneebedeckten Berg, recht überschauen konnte, den schönsten aller Schweizerberge.

Was für eine Menge geputzter Herren und Damen aus fremden Ländern, was für ein Gewimmel von Landleuten aus den verschiedenen Kantonen! Die Schützen trugen ihre Schießnummer am Hute. Überall war Musik und Gesang, ließen sich Leierkasten und Blasinstrumente, Rufen und Lärmen vernehmen. Häuser und Brücken waren mit Versen und Emblemen geschmückt. Flaggen und Fahnen wehten, die Büchsen knallten Schuß auf Schuß. Das war die schönste Musik in Rudis Ohren, er vergaß unter all diesen Babette völlig, um derentwillen er doch allein hergekommen war.

Die Schützen drängten sich zum Scheibenschießen, Rudi war bald unter ihnen, und zwar der Geschickteste, der Glücklichste. Immer traf er mitten in das Schwarze.

"Wer ist nur der fremde, blutjunge Jäger?" fragte man. "Er spricht die französische Sprache, wie sie im Kanton Wallis geredet wird. Er drückt sich aber auch in unserer deutschen Sprache ganz verständlich aus!" sagten einige. "Als Kind soll er hier in der Gegend von Grindelwald gelebt haben!" wußte jemand zu berichten.

Es war Leben in dem Burschen, seine Augen leuchteten, sein Blick und Arm waren sicher. Glück verleiht Mut, und Mut hatte Rudi ja immer. Bald hatte er hier schon einen großen Kreis von Freunden um sich, man ehrte ihn; man huldigte ihm; Babette war ihm fast ganz aus den Gedanken entschwunden. Da schlug ihm plötzlich eine schwere Hand auf die Schulter, und eine grobe Stimme redete ihn in französischer Sprache an: "Ihr seid aus dem Kanton Wallis?"

Rudi wandte sich um und sah ein rotes, vergnügtes Gesicht, eine dicke Gestalt; es war der reiche Müller aus Bex. Er verbarg mit seinem breiten Körper die feine niedliche Babette, die jedoch bald mit ihren strahlenden, dunklen Augen hervorguckte. Für den reichen Müller diente zum Beweise, daß er ein Jäger seines Kantons war, lediglich der Umstand, daß er die besten Schüsse abgab und der Gefeiertste war. Rudi war wahrlich ein Glückskind; wonach er hierher gewandert war, was er aber an Ort und Stelle beinahe vergessen hatte, das suchte ihn auf.

Wo sich Landsleute fern von der Heimat treffen, da kennen sie einander, da reden sie einander an. Rudi war beim Schützenfeste durch seine Schüsse offenbar der Erste, geradeso wie der Müller daheim in Bex durch sein Geld und seine gute Mühle war, und deshalb drückten die beiden Männer einander die Hände, was sie nie zuvor getan hatten. Auch Babette reichte Rudi treuherzig die Hand, und er drückte sie ihr wieder und sah sie an, daß sie ganz rot dabei wurde.

Der Müller erzählte von dem langen Wege, den sie zurückgelegt, von den vielen Städten, die sie gesehen hatten. Es war eine ordentliche Reise gewesen; sie hatten das Dampfschiff benutzt, waren mit der Eisenbahn und mit der Post gefahren.

"Ich bin den kürzeren Weg gegangen," sagte Rudi. "Ich bin über die Berge gegangen. Kein Weg ist so hoch, daß man ihn nicht passieren kann!"

"Aber auch den Hals dabei brechen," sagte der Müller. "Und Ihr seht mir gerade danach aus, daß Ihr den Hals einmal brechen müßt, so verwegen wie Ihr seid!"

"Man fällt nicht, wenn man es sich nicht selbst einbildet!" sagte Rudi.

Des Müllers Verwandte in Interlaken, bei denen der Müller und Babette auf Besuch waren, baten Rudi, bisweilen bei ihnen vorzusprechen, er wäre ja mit ihnen aus demselben Kanton. Das war für unseres Rudi Pläne ein gar günstiges Anerbieten, das Glück war mit ihm, wie es immer mit denjenigen ist, der sich auf sich selbst verläßt und dessen eingedenk bleibt: "Gott gibt uns zwar die Nüsse, aber er knackt sie uns nicht auf."

Rudi saß, als ob er mit zur Familie gehörte, bei den Verwandten des Müllers; ein Hoch wurde auf den besten Schützen ausgebracht, und Babette stieß mit an, und Rudi bedankte sich für die ihm erzeigte Ehre.

Gegen Abend durchschritten sie alle die schöne Straße längs den prächtigen Hotels unter den alten Walnußbäumen, und es bewegte sich dort eine solche Volksmenge, es war ein so großes Gedränge, daß Rudi Babette den Arm bieten mußte. Er wäre so froh darüber, daß er Leute aus Waadt getroffen hätte, sagte er. Waadt und Wallis wären gute Nachbarkantone. Er sprach seine Freude so aufrichtig und ungeheuchelt aus, daß es Babette durchaus notwendig erschien, ihm dafür die Hand zu drücken. Sie gingen fast wie alte Bekannte nebeneinander, und drollig war sie, das kleine, allerliebste Menschenkind. Es stand ihr in Rudis Augen so niedlich, auf das Lächerliche und Übertriebene in der Kleidung und den Moden aufmerksam zu machen, welche die fremden Damen zur Schau trugen. Es geschah übrigens durchaus nicht , um sich über sie lustig zu machen, denn es konnten sehr rechtschaffene, ja gute und liebenswürdige Menschen sein, wie Babette sehr wohl wußte, hatte sie doch eine solche vornehme englische Dame zur Patin. Vor achtzehn Jahren befand sie sich, als Babette getauft wurde, gerade in Bex; sie hatte Babette die kostbare Nadel geschenkt, die sie an der Brust trug. Zweimal hätte ihre Patin bereits geschrieben, und in diesem Jahr hätte sie mit ihr und ihren Töchtern, alten Jungfern an die Dreißig heran, wie sich Babette ausdrückte, sie selbst war ja nur achtzehn, hier in Interlaken zusammentreffen sollen.

Der süße kleine Mund stand nicht einen Augenblick still, und alles, was Babette sagte, klang Rudi wie Dinge von der größten Wichtigkeit, und er erzählte wieder, was er zu erzählen hatte, erzählte, wie oft er in Bex gewesen wäre, wie gut er die Mühle kenne, wie oft er Babette gesehen, sie ihn dagegen wahrscheinlich nie bemerkt hätte. Als er nun das letztemal zur Mühle gekommen, und zwar mit allerlei Gedanken, die er ihr nicht sagen könnte, wäre sie und ihr Vater fortgewesen, weit fort, aber doch nicht so weit, daß man nicht hätte die Mauer überspringen können, die den Weg weit machte.

Ja, das sagte er, und er sagte so vieles. Er sagte, wie lieb er sie hätte, und daß er nur um ihretwillen und nicht wegen des Schützenfestes gekommen wäre.

Babette wurde ganz still; es war fast zu viel, was er ihr zu tragen anvertraute.

Und während sie gingen, sank die Sonne hinter die hohe Felsenwand, die Jungfrau erhob sich in Pracht und Glanz, umgeben vom waldgrünen Kranze der nahen Berge. Die vielen Menschen blieben stehen und schauten dorthin; auch Rudi und Babette weideten ihre Augen an der erhabenen Pracht.

"Nirgends ist es schöner als hier!" sagte Babette

"Nirgends!" wiederholte Rudi und sah Babette dabei an.

"Morgen muß ich fort!" fügte er kurz darauf hinzu.

"Besuche uns in Bex!" flüsterte Babette. "Das wird meinen Vater erfreuen!"

V. Auf dem Heimwege
Oh, wie vieles hatte Rudi zu tragen, als er am nächsten Tage über die hohen Berge heimwärts ging! Ja, er hatte drei silberne Becher, zwei ausgezeichnete Büchsen und eine silberne Teekanne, von der man Gebrauch machen konnte, wenn man einen Hausstand begründete. Das war jedoch noch nicht das am meisten ins Gewicht Fallende. Etwas Gewichtigeres, Mächtigeres trug er, oder trug ihn vielmehr über die Berge nach Hause. Aber das Wetter war rauh, der Himmel grau, trüb und schwer. Die Wolken senkten sich wie Trauerschleier über die Bergeshöhen und hüllten die weithin leuchtenden Berggipfel ein. Aus dem Waldgrunde schallten die letzten Axtschläge, und die Berge abwärts rollten Baumstämme, die sich von der Höhe aus wie leichtes Schnitzwerk, in der Nähe dagegen wie schwere Mastbäume ausnahmen. Die Lütschine rauschte in ihren einförmigen Akkorden, der Wind sauste, die Wolken segelten. Dicht neben Rudi ging plötzlich ein junges Mädchen, das er nicht eher bemerkt hatte, als bis es ihm unmittelbar zur Seite ging. Es wollte ebenfalls über das Gebirge. Des Mädchens Augen hatten eine eigentümliche Macht, man mußte in sie hineinschauen, sie waren so sonderbar glashell, so tief, so bodenlos.

"Hast Du einen Liebsten?" fragte Rudi. Seine Gedanken drehten sich nur darum, daß man eine Liebste haben müßte.

"ich habe keinen!" sagte das Mädchen und lachte, aber es war, als ob es nicht die Wahrheit spräche. "Laß uns keinen Umweg machen!" fuhr es fort. "Wir müssen uns mehr nach links halten; es ist kürzer!"

"Ja, um in eine Eisspalte zu fallen!" erwiderte Rudi. "Weißt Du den Weg nicht besser und willst Führerin sein?"

"Ich kenne den Weg recht gut und habe meine vollen Gedanken beisammen. Deine weilen wahrscheinlich noch unten im Tale. Hier oben muß man an die Eisjungfrau denken. Sie ist den Menschen nicht gut, sagen die Menschen."

"Ich fürchte sie nicht," versetzte Rudi, "hat sie mich loslassen müssen, als ich noch ein Kind war, so werde ich ihr jetzt, wo ich älter bin, auch wohl entgehen."

Und die Finsternis nahm zu, der Regen fiel, der Schnee kam, er leuchtete, er blendete.

"Reiche mir Deine Hand, damit ich Dir beim Steigen helfen kann!" sagte das Mädchen und berührte sie mit eiskalten Fingern.

"Du mir helfen!" rief Rudi. "Noch nie bedurfte ich Weiberhilfe zum Klettern!" Er ging rascher zu, fort von ihr. Das Schneegestöber hüllte ihn gleichsam in einen Vorhang ein, der Wind sauste, und hinter sich hörte er, wie das Mädchen lachte und sang. Es klang so seltsam. Es gab soviel Zauberspuk im Dienste der Eisjungfrau. Rudi hatte davon gehört, wie er als Kind auf seiner Wanderung über die Berge hier oben übernachtete.

Der Schnee fiel dünner, die Wolken lagen unter ihm. Er schaute zurück, und niemand war mehr zu sehen, aber er hörte Lachen und Jodeln, und es tönte nicht, als ob es von einem Menschen herrührte.

Als Rudi endlich die obersten Gipfel des Berges erreichte, wo sich der Gebirgspfad nach dem Rhonetale abwärts senkte, erblickte er in dem hellen blauen Luftstreifen, in der Richtung auf Chamonix, zwei funkelnde Sterne, und er dachte an Babette, an sich und sein Glück, und wurde bei den Gedanken warm.

VI. Der Besuch in der Mühle
"Sachen, wie sie für Herrschaften passen, bringst Du in das Haus!" rief die alte Pflegemutter, und ihre sonderbaren Adleraugen blitzten, sie bewegte den mageren Hals noch geschwinder in seltsamen Verdrehungen. "Das Glück ist mit Dir, Rudi! Ich muß Dich küssen, mein süßer Junge!"

Und Rudi ließ sich küssen, aber es war seinem Gesicht anzusehen, daß er sich in die Umstände, in die kleinen häuslichen Beschwerden nur mit Mühe fand. "Wie schön Du bist, Rudi!" sagte die alte Frau.

"Bilde mir nichts ein!" versetzte Rudi lachend, aber es war ihm doch angenehm.

"Ich sage es noch einmal," fuhr die Alte fort, "Das Glück ist mit Dir!"

"Ja, darin schenke ich Dir Glauben!" antwortete er und dachte an Babette.

Nie hatte er sich vorher so wie jetzt nach dem tiefen Tale gesehnt.

"Sie müssen jetzt zurückgekommen sein!" sagte er bei sich selbst. "Es sind schon zwei Tage über die festgesetzte Zeit. Ich muß nach Bex!"

Und Rudi kam nach Bex, und Müllers waren daheim. Gut wurde er aufgenommen und empfing Grüße von der Familie in Interlaken. Babette sprach nicht viel, sie war schweigsam geworden, aber ihre Augen sprachen, und das war auch Rudi völlig genug. Der Müller, der sonst gerne das Wort führte, denn er war gewöhnt, daß man seine Einfälle und Wortspiele stets belachte, war er doch der reiche Müller, fand merkwürdigerweise ein Vergnügen daran, Rudi seine Jagdabenteuer, die Beschwerden und Gefahren, welche die Gemsenjäger auf den hohen Felsenzacken zu bestehen haben, erzählen zu hören. Aufmerksam lauschte er der Erzählung, wie sie über die unsicheren Schneegesimse, welche Wind und Wetter fest an den Felsenrand kitten, kriechen müßten, über die kühnen Brücken hinwegkriechen, welche das Schneegestöber über die tiefen Abgründe gezogen hat. So kühn sah Rudi dabei aus, seine Augen glänzten, während er von dem Jägerleben, von der Klugheit und den verwegenen Sprüngen der Gemsen, vom wütenden Föhn und von den rollenden Lawinen erzählte. Er merkte sehr wohl, daß er bei jeder neuen Beschreibung mehr und mehr bei dem Müller gewann. Das, was diesen aber ganz besonders ansprach, war sein Bericht über die Lämmergeier und die kühnen Königsadler.

Nicht weit von hier befand sich im Kanton Wallis ein unter einem überhängenden Felsenrande sehr schlau angelegtes Adlernest. Es war ein Junges darin, das niemand auszunehmen wagte. Ein Engländer hatte Rudi vor wenigen Tagen eine ganze Handvoll Gold geboten, wenn er ihm das Junge lebendig verschaffen wollte. Aber "es hat alles seine bestimmten Grenzen," hatte er geantwortet. "Der junge Adler läßt sich nicht ausnehmen, es wäre eine Torheit, sich darauf einzulassen."

Und der Wein floß, und die Rede floß, aber der Abend deuchte Rudi zu kurz, und doch war es weit über Mitternacht, als er nach seinem ersten Besuch in der Mühle Abschied nahm.

Einen kurzen Augenblick blinkten die Lichter noch durch das Fenster und zwischen die grünen Zweige hindurch. Aus der offenen Dachluke kam die Stubenkatze und die Dachrinne entlang spazierte die Küchenkatze.

"Weißt Du was Neues aus der Mühle?" fragte die Stubenkatze. "Es gibt hier im Hause eine heimliche Verlobung! Vater weiß noch nichts davon. Rudi und Babette haben sich während des ganzen abends einander unter dem Tische auf die Füße getreten. Mich traten sie zweimal, aber ich miaute doch nicht, es hätte sonst Aufmerksamkeit erregt!"

"Ich würde es doch getan haben!" entgegnete die Küchenkatze.

"Was sich in der Küche schickt, schickt sich nicht in der Stube!" erwiderte die Stubenkatze. "Ich möchte nur wissen, was der Müller sagen wird, wenn er von der Verlobung hört!"

Ja, was würde der Müller sagen, das hätte auch Rudi gern wissen mögen; aber lange darauf zu warten, bis er es erfuhr, vermochte er nicht. Und deshalb saß Rudi nicht viele Tage später, als der Omnibus über die Rhonebrücke zwischen Wallis und Waadt rollte, guten Mutes wie immer darin und wiegte sich in herrliche Träume von dem Jaworte, das er noch heute abend zu erhalten hoffte.

"Weißt Du es schon, Du aus der Küche! Der Müller weiß jetzt alles. Es hat ein merkwürdiges Ende genommen. Rudi kam hier gegen Abend an, und er und Babette hatten viel miteinander zu flüstern und zu tuscheln; sie standen auf dem Gange gerade vor des Müllers Zimmer. Ich lag zu ihren Füßen, aber sie hatten für mich weder Auge noch Sinn. 'Ich gehe direkt zu Deinem Vater hinein,' sagte Rudi, 'es ist eine ehrliche Sache.' 'Soll ich Dich begleiten?' fragte Babette. 'Meine Gegenwart wird Dir Mut einflößen!' 'An Mut fehlt es mir nicht!' versetzte Rudi, 'aber bist Du zugegen, muß er wenigstens Ruhe bewahren, er mag wollen oder nicht!' Und darauf gingen sie hinein. Rudi trat mir dabei heftig auf den Schwanz. Rudi ist schrecklich linkisch. Ich miaute, aber weder er noch Babette hatten Augen, um zu hören. Sie öffneten die Tür und traten beide ein, ich voran, schnell sprang ich auf eine Stuhllehne, konnte ich doch nicht wissen, was für Kratzfüße Rudi machen würde. Aber jetzt kam die Reihe an den Müller, seine Füße zu gebrauchen. Ohne Fußtritte ging es nicht ab. 'Hinaus zur Tür und zu den Gemsen ins Gebirge hinauf! Nach ihnen kann nun Rudi zielen und nicht nach unserer kleinen Babette!'"

"Aber was wurde denn gesagt?" fragte die Küchenkatze.

"Gesagt? Nun, es wurde alles gesagt, was die Leute bei einer Bewerbung zu sagen pflegen: Ich habe sie lieb und sie hat mich lieb; und wenn Milch im Topfe für einen da ist, so ist auch genug Milch im Topfe für zwei!"

"'Aber sie steht viel zu hoch für Dich!' erwiderte der Müller, 'sie steht, das weißt Du ja, auf einem Berge, auf einem Goldberge! Zu ihr klimmst Du nicht hinauf!' 'Nichts steht so hoch, daß man es nicht erreichen könnte, wenn man ernstlich will!' sagte Rudi, denn um eine Antwort ist er nicht verlegen. 'Aber das Adlernest ist Dir doch zu hoch; den jungen Adler kannst Du Dir doch nicht erbeuten, sagtest Du selbst das letzte Mal. Babette steht höher!' 'Ich erbeute sie alle beide!' rief Rudi rasch. 'Ja, ich will sie Dir schenken, wenn Du mir den jungen Adler lebendig bringst,' versetzte der Müller und lachte, daß ihm die Tränen in die Augen traten. 'Aber nun habe schönen Dank für Deinen freundlichen Besuch, Rudi; komm morgen wieder, dann ist hier niemand zuhause! Lebe wohl, Rudi!' Und Babette sagte ebenfalls 'Lebewohl,' so kläglich, wie ein junges Kätzchen, das seine Mutter nicht sehen kann. 'Ein Mann, ein Wort!' sprach Rudi entschlossen. 'Weine nicht, Babette, ich bringe den jungen Adler!' 'Ich hoffe, Du brichst Dir den Hals!' entgegnete der Müller, 'und dann sind wir Dich los!' Das heiße ich einen Fußtritt versetzen! Rudi ist nun fort, und Babette sitzt und weint, aber der Müller singt ein deutsches Lied, das er auf der Reise gelernt hat. Ich will mich nicht weiter über die Geschichte grämen; es hilft doch nichts!" - "Es kann ja immer noch anders kommen!" sagte die Küchenkatze.

VII. Das Adlernest
Ein lustiger und lauter Jodler schallte von dem Felsenpfade herab und drückte gute Laune und unerschrockenen Mut aus. Rudi war es, er ging zu seinem Freunde Vesinand.

"Du mußt mir helfen! Wir nehmen Ragli mit, ich muß den jungen Adler aus dem Neste oben am Felsenrande ausnehmen!"

"Willst Du nicht lieber gleich den Mann aus dem Monde holen, das ist ungefähr ebenso leicht!" erwiderte Vesinand. "Du bist heut gut gelaunt!"

"Ja, denn ich denke, Hochzeit zu feiern. Doch nun ernstlich geredet: Du mußt wissen, wie meine Angelegenheiten stehen!"

Und bald wußten Vesinand und Ragli, um was es sich handelte.

"Du bist ein waghalsiger Bursche!" sagten sie. "Es geht nicht, Du brichst Dir den Hals!"

"Man fällt nicht, wenn man es sich nicht einbildet!" entgegnete Rudi.

Um Mitternacht brachen sie auf, mit Stangen, Leitern und Stricken reichlich versehen. Der Weg führte zwischen Sträuchern und Büschen hindurch, über rollende Steine hinweg, immer aufwärts, aufwärts in die dunkle Nacht hinein. Das Wasser rauschte hernieder, das Wasser rieselte auf der Höhe, feuchte Wolken trieben in der Luft. Die Jäger erreichten den steilen Felsenrand, dunkler wurde es hier, die Felsenwände stießen fast zusammen, und nur hoch oben in der schmalen Spalte zeigte sich ein geringer Lichtschimmer. Dicht vor ihnen war ein tiefer Abgrund mit einem rauschenden Wasserfall. Still saßen sie alle drei da, sie wollten die Dämmerung erwarten, in welcher der Adler ausflog. War er nicht erst geschossen, konnte man gar nicht daran denken, sich des Jungen zu bemächtigen. Rudi saß zusammengekauert, so still, als wäre er ein Stück des Steines, auf dem er saß. Das Gewehr hielt er schußfertig vor sich, die Augen unverwandt auf die oberste Spalte gerichtet, wo sich das Adlernest unter den herabhängenden Felsen verbarg. Die drei Jäger warteten lange.

Plötzlich ertönte über ihnen ein krachender, rauschender Laut; ein großer schwebender Gegenstand überschattete sie. Zwei Büchsenläufe richteten sich auf die schwarze Adlergestalt, als sie aus dem Neste aufflog. Ein Schuß fiel. Einen Augenblick bewegten sich die ausgebreiteten Schwingen und dann senkte sich der Vogel langsam hinab, als wollte er durch seine Größe und seine ausgestreckten Flügel die ganze Kluft ausfüllen und die Jäger in seinem Falle mit hinunterreißen. Der Adler sank in die Tiefe; es krachte in den Baumzweigen und Büschen, die durch den Fall des Vogels zerknickt wurden.

Und jetzt begann eine emsige Geschäftigkeit. Drei der längsten Leitern wurden, damit sie bis oben hinaufreichten, zusammengebunden. Sie wurden auf dem äußersten festen Punkte am Rande des Abgrundes aufgestellt, reichten aber trotzdem noch nicht. Und noch ein ganzes Stück höher hinauf, bis dorthin, wo sich das Nest im Schutze des obersten hinüberragenden Felsenknotens verbarg, war die Felswand glatt wie eine Mauer. Nach kurzer Beratung wurde man darüber einig, daß sich nichts Besseres tun ließe, als von obenher zwei zusammengebundene Leitern in die Kluft hinabzulassen und dann diese mit den dreien, die schon unten aufgestellt waren, in Verbindung zu setzen. Mit großer Mühe gelang es, die beiden Leitern hinaufzuschleppen und die Stricke zu befestigen. Die Leitern wurden über den hervorspringenden Felsen hinausgeschoben und hingen frei mitten über dem Abgrunde. Rudi saß bereits auf der untersten Sprosse. Es war ein eiskalter Morgen; Nebelwolken erhoben sich von unten aus der schwarzen Kluft. Rudi saß draußen, wie eine Fliege auf dem schaukelnden Strohhalme sitzt, welchen ein sein Nest bauender Vogel auf dem Rande des hohen Fabrikschornsteins verloren hat, aber die Fliege kann eben fliegen, Rudi konnte sich nur den Hals brechen. Der Wind umsauste ihn, und im Abgrunde unter ihm brauste das aus dem aufgetauten Gletscher, dem Palaste der Eisjungfrau, schnell herabströmende Wasser.

Nun setzte er die Leitern in eine schwingende Bewegung, wie die Spinne, die sich von ihrem langen schwebenden Faden aus an irgendeinen Haltepunkte festklammern will, und als Rudi zum viertenmal die von untenher angelehnten Leitern berührte, faßte er sie und band sie mit sicherer und kräftiger Hand zusammen, was aber doch nicht verhinderte, daß sie unaufhörlich hin und her schwankten.

Einem schwebenden Rohre glichen die fünf langen Leitern, die bis zum Neste hinaufreichten und sich fast senkrecht an die Felsenwand lehnten. Doch das Gefährlichste kam jetzt erst; nun galt es wie eine Katze zu klettern; aber Rudi verstand es auch, sein alter Kater hatte es ihn gelehrt. Er empfand keinen Schwindel, gewahrte nicht, daß der Schwindel hinter ihm Luft trat und seine Polypenarme nach ihm ausstreckte. Jetzt stand er auf der obersten Sprosse der Leiter und bemerkte, daß er immer noch nicht in das Nest hineinzusehen vermochte, nur mit der Hand konnte er an dasselbe reichen. Vorsichtig prüfte er, wie fest die untersten Zweige saßen, die den Boden des Nestes bildeten, und nachdem er einen dicken und haltbaren Zweig ergriffen hatte, schwang er sich von der Leiter auf den Zweig hinauf und lag nun mit Brust und Kopf über dem Neste; aber ein erstickender Leichengeruch strömte ihm entgegen. Verfaulte Lämmer, Gemsen und Vögel lagen in großen Fetzen umher. Der Schwindel, der ihn nicht zu berühren vermochte, blies ihm die giftigen Dünste ins Antlitz, um ihn zu betäuben; und unten in der schwarzen gähnenden Tiefe, auf dem rauschenden Wasser saß die Eisjungfrau selbst mit ihren langen weißlichgrünen Haaren und starrte ihn mit todbringenden Augen, wie mit zwei Büchsenläufen an.

"Jetzt fange ich Dich!"

In einer Ecke des Nestes saß groß und mächtig der junge Adler, der noch nicht fliegen konnte. Rudi richtete seine Augen auf ihn, hielt sich mit der einen Hand kräftig fest und warf mit der anderen Hand die Schlinge um den jungen Adler. Lebendig war er gefangen, die Schnur hatte sich um seine Füße gewunden, und Rudi warf die Schlinge mit dem Vogel über seine Schulter, so daß das Tier ein gutes Stück unter ihm hinabhing, während er sich an einem zu seiner Hilfe herabgelassenen Stricke festhielt, bis er wieder mit der Fußspitze den obersten Rand der Leiter erreichte.

"Halte Dich fest, bilde Dir nicht ein, daß Du fällst, dann fällst Du auch nicht!" so lautete die alte Lehre, und er befolgte sie, hielt sich fest, kroch, war dessen gewiß nicht zu fallen, und er fiel nicht.

Ein Jodler, kräftig und froh, schallte weithin. Rudi stand mit seinem jungen Adler wieder auf festem Felsengrunde.

VIII. Welche Neuigkeiten die Stubenkatze wieder zu erzählen hatte
"Hier ist das Verlangte!" sagte Rudi, der zu dem Müller in Bex in das Zimmer trat und einen großen Korb auf den Fußboden setzte. Als er das Tuch abnahm, starrten zwei gelbe, schwarz umränderte Augen daraus, so funkelnd, so wild hervor, daß man ihm die Lust anmerkte, sich in alles, was er sah, einzubeißen. Der kurze starke Schnabel öffnete sich zum Bisse, der Hals war rot und mit Daunen bedeckt.

"Der junge Adler!" rief der Müller. Babette stieß einen Schrei aus und sprang auf die Seite, vermochte aber ihre Augen weder von Rudi noch von dem jungen Adler abzuwenden.

"Du läßt Dich nicht verblüffen!" sagte der Müller.

"Und Ihr haltet stets Wort!" sagte Rudi. "Jeder hat sein besonderes Merkmal!"

"Aber weshalb brachest Du Dir nicht den Hals?" fragte der Müller

"Weil ich festhielt!" erwiderte Rudi, "und das tue ich auch jetzt, ich halte fest an Babette!"

"Sieh erst zu, daß Du sie hast!" sagte der Müller und lachte; und das war, wie Babette wußte, ein gutes Zeichen.

"Laß uns erst den jungen Adler aus dem Korbe schaffen, es ist ja schrecklich mit anzusehen, wie er uns anglotzt! Wie hast Du ihn denn gefangen?"

Und Rudi mußte erzählen, und der Müller betrachtete ihn mit Augen, die immer größer und größer wurden.

"Mit Deinem Mute und Deinem Glücke kannst Du drei Frauen versorgen!" hob endlich der Müller an.

"Dank, herzlichen Dank!" rief Rudi.

"Ja, Babette hast Du deshalb doch noch nicht!" entgegnete der Müller und klopfte dem jungen Alpenjäger scherzend auf die Schulter.

"Weißt Du das Neueste aus der Mühle?" fragte die Stubenkatze die Küchenkatze; "Rudi hat uns den jungen Adler gebracht und tauscht Babette dafür ein. Sie haben einander geküßt und den Vater zusehen lassen, das ist so gut wie eine Verlobung! Der Alte versetzte keine Fußtritte mehr, zog die Krallen ein, hielt ein Mittagsschläfchen und ließ die beiden sitzen und schön miteinander tun. Sie haben sich soviel zu erzählen, sie werden bis Weihnachten nicht fertig!"

Und sie wurden auch bis Weihnachten nicht fertig. Der Wind wirbelte in braunen Kreisen das Laub umher, der Schnee stöberte im Tale wie auf den hohen Bergen. Die Eisjungfrau saß in ihrem stolzen Schloß, das zur Winterszeit sich ausdehnte und vergrößerte. Die Felsenwände waren mit Eis überzogen und klafterdicke, elefantenschwere Eiszapfen hingen da, wo im Sommer der Gebirgsstrom seinen Wasserschleier flattern ließ. Eisgirlanden von fantastischen Eiskristallen glitzerten über den schneebepuderten Tannen. Die Eisjungfrau ritt auf dem sausenden Winde, über die tiefsten Täler dahin. Bis nach Bex hinab lag eine feste Schneedecke, und wenn sie dort ankam, konnte sie Rudi weit mehr als er gewohnt war, hinter der Tür sehen; saß er doch bei seiner Babette. Im Sommer sollte die Hochzeit gefeiert werden; freunde und Bekannte sprachen so oft davon, daß ihnen ordentlich die Ohren klangen. Es war ewiger Sonnenschein, wie die schönste Alpenrose glühte die muntere, lachende Babette, schön wie der Frühling, der jetzt nahte, der Frühling, der alle Vögel vom Sommer, vom Hochzeitstage singen ließ.

"Wie die beiden nur so ewig beieinander sitzen und sich übereinander neigen können!" sagte die Stubenkatze. "Das stete Einerlei ihres Miauens ist mir nun doch zu langweilig!"

IX. Die Eisjungfrau
Der Frühling hatte seinen saftgrünen Kranz von Walnuß- und Kastanienbäumen entfaltet, der besonders von der Brücke bei St. Maurice die Rhone entlang bis zum Ufer des Genfer Sees an Üppigkeit stets zunahm. In schnellem Lauf rauschte dieser Strom von seiner Quelle unter dem grünen Gletscher, dem Eispalaste, daher, rauschte stürmisch von dorther, wo die Eisjungfrau wohnt, wo sie sich vom scharfen Wind auf das oberste Schneefeld tragen läßt und sich im warmen Sonnenscheine auf den rein gefegten Kissen ausstreckt. Dort saß sie und blickte weitschauend in die tiefen Täler hinab, wo sich die Menschen wie Ameisen geschäftig bewegten.

"Geisteskräfte, wie Euch die Kinder der Sonne nennen!" sagte die Eisjungfrau, "Gewürm seid Ihr! Ein rollender Schneeball, und Ihr und Eure Häuser seid zerdrückt und ausgewischt von der Tafel des Lebens!" Und höher erhob sie ihr stolzes Haupt und blickte mit todsprühenden Augen weit umher und tief hinab. Aber aus dem Tale schallte ein eigentümliches Rollen empor: der Donner von Felsensprengungen, Menschenwerk! Wege und Tunnel wurden für Eisenbahnen angelegt.

"Die niedrigen Maulwürfe!" sagte sie; "sie graben Gänge und deshalb lassen sich Töne wie Flintenschüsse vernehmen. Verlege ich meine Schlösser, dann klingt es stärker als Donnergeroll!"

Aus dem Tale erhob sich Rauch, der sich vorwärts bewegte wie ein flatternder Schleier, ein von der Lokomotive wehender Federbusch, von der Lokomotive, die auf der neueröffneten Eisenbahn die Wagenreihe zog, diese sich windende Schlange, deren Glieder Wagen an Wagen bilden; pfeilschnell schoß der Zug dahin.

"Sie spielen die Herren da unten, diese Geisteskräfte!" fuhr die Eisjungfrau in ihrem Selbstgespräche fort. "Die Kräfte der Naturmächte sind doch allein die herrschenden!" und sie lachte, sie sang, und es hallte im Tale wider.

"Dort rollte soeben eine Lawine!" sagten die Menschen da unten. Aber die Kinder der Sonne sangen noch lauter von dem Menschengedanken, welcher gebietet; das Meer unter dem Joche hält, Berge versetzt, Täler füllt; der Menschengedanke, er ist der Herr der Naturkräfte. Gerade in demselben Augenblicke ging über das Schneefeld, auf dem die Eisjungfrau saß, eine Gesellschaft Reisender. Sie hatten sich mit Stricken aneinander festgebunden, um gleichsam einen einzigen größeren Körper auf der glatten Eisfläche, an den tiefen Abgründen zu bilden.

"Gewürm!" sagte sie. "Ihr wäret die Herren der Naturmächte!" und sie wandte sich von ihnen ab und sah spöttisch in das tiefe Tal hinab, wo der Eisenbahnzug eben vorüberbrauste.

"Da sitzen sie, diese Gedanken. Sie sitzen in der Gewalt der Kräfte, ich sehe sie, sehe jeden einzelnen Menschen im Zuge! Einer sitzt stolz wie ein König, allein; dort sitzen sie in einem Haufen zusammen, die Hälfte schläft, und wenn der Dampfdrache hält, steigen sie aus und gehen ihre Wege. Die Gedanken gehen in die Welt hinaus!" Und sie lachte.

"Da rollt schon wieder eine Lawine!" sagten sie unten im Tale.

"Uns trifft sie nicht!" sagten zwei auf dem Rücken des Dampfdrachens, "zwei Seelen und ein Gedanke," wie es im Liede heißt. Es waren Rudi und Babette, auch der Müller war dabei.

"Als Gepäck!" sagte er. "Ich reise mit als das notwendige Übel!"

"Da sitzen die beiden!" sagte die Eisjungfrau. "Viele Gemsen habe ich zerschmettert, Millionen von Alpenrosen habe ich geknickt und gebrochen, nicht die Wurzel blieb. Ich vertilge sie, die Gedanken, die Geisteskräfte!" Und sie lachte.

"Es rollt schon wieder eine Lawine!" sagten sie unten im Tale.

X. Die Frau Patin
In Montreux, einem der nächsten Städtchen, das mit Clarens, Vernex und Crin einen Kranz um den nordöstlichen Teil des Genfer Sees bildet, wohnte Babettes Patin, die vornehme Engländerin mit ihren Töchtern und einem jungen Verwandten. Sie waren vor kurzem eingetroffen, doch hatte ihnen der Müller schon seinen Besuch abgestattet, hatte ihnen Babettes Verlobung mitgeteilt und von Rudi und dem jungen Adler, von dem Besuche in Interlaken, kurzum die ganze Geschichte erzählt, und das alles hatte sie im höchsten Grade unterhalten und ihnen ein lebhaftes Interesse für Rudi und Babette und auch für den Müller eingeflößt. Schließlich sollen sich alle drei vorstellen, und deshalb kamen sie. Babette soll ihre Patin, die Patin Babette sehen.

Bei der kleinen Stadt Villeneuve, am Ende des Genfer Sees, lag das Dampfschiff, das die Reisenden in halbstündiger Fahrt nach Bernex, gerade unterhalb Montreux, befördert. Es ist ein von Dichtern besungenes Ufer; hier, unter den Walnußbäumen an dem tiefen blaugrünen See, saß Byron und schrieb seine melodischen Verse von dem Gefangenen in dem unheimlichen Felsenschloß Chillon. Dort, wo Clarens sich mit seinen Trauerweiden im Wasser spiegelte, wanderte Rousseau, von seiner Heloïse träumend. Die Rhone gleitet unter Savoyens hohen schneebedeckten Bergen hervor. Hier liegt nicht weit von ihrer Mündung in den See eine kleine Insel, ja sie ist so klein, daß sie vom Ufer aus wie ein Schiff erscheint. Es ist ein Felseneiland, das eine Dame vor länger als hundert Jahren eindämmen, mit Erde belegen und mit drei Akazienbäumen, die jetzt die ganze Insel überschatten, bepflanzen ließ. Babette war über das kleine Plätzchen völlig entzückt, in ihren Augen war es das schönste auf der ganzen Fahrt, dort sollte man hin, dort müßte man hin, dort müßte es unvergleichlich lieblich sein, meinte sie. Aber das Dampfschiff fuhr vorüber und legte, wie es sollte, bei Vernex an.

Die kleine Gesellschaft wanderte von hier zwischen den weißen sonnigen Mauern aufwärts, welche die Weingärten vor dem kleinen Bergstädtchen Montreux umgeben. Feigenbäume gewähren vor den Bauernhäusern Schatten, Lorbeeren und Zypressen wachsen in den Gärten. Den Berg halb hinauf lag die Pension, in welcher die Frau Patin wohnte.

Der Empfang war sehr herzlich. Die Patin war eine große freundliche Frau mit rundem lächelndem Gesicht. Als Kind mußte sie ein wahres Raffaelsches Engelsköpfchen gewesen sein, aber jetzt war sie ein alter Engelskopf, den sie silberweißen Haare reich umlockten. Die Töchter waren zierlich, fein, lang und schlank. Der junge Vetter, der sie begleitet und vom Scheitel bis zu den Zehen ganz in Weiß gekleidet war, mit rötlichem Haar und rötlichem Backenbarte, so lang, daß sich drei Gentlemen darein hätten teilen können, erzeigte der kleinen Babette sofort die größte Aufmerksamkeit.

Reich eingebundene Bücher, Notenblätter und Zeichnungen lagen zerstreut auf dem großem Tische, die Tür zu dem Balkon, von dem eine herrliche Aussicht auf den sich weithin ausdehnenden See hatte, stand geöffnet. Still und ruhig lag der klare Wasserspiegel da, in dem sich Savoyens Berge mit ihren Städtchen, Wäldern und Schneegipfeln umgekehrt spiegelten.

Rudi, der sonst immer kühn, lebensfrisch und unbefangen war, fühlte sich sehr beklommen und unbehaglich. Hier bewegte er sich, als ob er auf einem glatten Boden über Erbsen ginge. Wie entsetzlich träge die Zeit verstrich! Er glaubte sich in einer Tretmühle zu befinden. Nun wollte man spazieren gehen. Es ging genau ebenso langsam. Rudi mußte zwei Schritte vorwärts und einen rückwärts machen, um den anderen nicht zuvorzukommen. Nach Chillon, dem alten düstern Schloß auf der Felseninsel, gingen sie hinab, um den Marterpfahl, die Kerker, die verrosteten Ketten an der Felsenmauer, die steinerne Pritsche für die zum Tode Verurteilten und die Falltür anzusehen, von welcher die Unglücklichen hinabgestürzt und auf eisernen Stacheln mitten in der Brandung gespießt wurden. Ein Richtplatz war es, durch Byrons Lied in die Welt der Poesie gehoben. Rudi war es zumute, als würde er selbst zur Richtstätte geführt; er lehnte sich an den steinernen Fensterrahmen und schaute in das tiefe bläulichgrüne Wasser hinab, schaute hinüber zu der kleinen einsamen Insel mit den drei Akazien; weit fort wünschte er sich von der ganzen schwatzenden Gesellschaft, während Babette in der heitersten Laune war. Sie hätte sich vortrefflich amüsiert, sagte sie später. Den Vetter fand sie vollkommen.

"Ja, ein vollkommenes Schatzmaul ist er!" erwiderte Rudi, und das war das erstemal, daß Rudi etwas sagte, was Babette unangenehm berührte. Ein kleines Buch hatte ihr der Engländer zur Erinnerung an Chillon geschenkt. Es war Byrons Gedicht "Der Gefangene in Chillon" in französischer Übersetzung, so daß Babette imstande war, es zu lesen.

"Das Buch kann vielleicht gut sein," sagte Rudi, "aber der feingekämmte Bursche, der es Dir gab, hat bei mir wenigstens kein Glück gehabt."

"Er sah wie ein Mehlsack ohne Mehl aus!" sagte der Müller und belachte seinen Witz. Rudi brach ebenfalls in Gelächter aus und meinte, daß es eine ganz richtige Bezeichnung wäre.

XI. Der Vetter
Als Rudi ein paar Tage später zu dem Müller auf Besuch kam, fand er den jungen Engländer daselbst; Babette setzte ihm gerade gekochte Forellen vor, die sie jedenfalls eigenhändig mit Petersilie ausgeputzt hatte, sonst hätten sie nicht so einladend aussehen können. Das hatte sie durchaus nicht nötig. Was wollte überhaupt der Engländer hier? Was konnte er nur hier wollen? Sich etwa von Babette traktieren und sie den Mundschenk spielen lassen? Rudi war eifersüchtig und das amüsierte Babette; es machte ihr Freude, ihn von allen Seiten seines Herzens, den starken, wie den schwachen, kennen zu lernen. Die Liebe war ihr bis jetzt noch ein Spiel, und sie spielte mit Rudis Herzen, und dennoch, das muß man zugestehen, war er allein ihr Glück, der einzige Gedanke ihres Lebens, das beste und herrlichste in dieser Welt. Aber je finsterer er dreinschaute, desto mehr lachten ihre Augen, sie würde den blonden Engländer mit dem rötlichen Backenbarte gern geküßt haben, hätte sie es dadurch zuwege gebracht, daß Rudi rasend und wütend fortliefe. Das hätte ihr ja gerade den Beweis geliefert, wie sehr sie von ihm geliebt wurde. Recht und klug handelte die kleine Babette darin freilich nicht, aber sie war ja auch erst neunzehn Jahre. Sie bedachte das nicht, bedachte noch weniger, wie ihr Betragen ausgelegt werden konnte, von dem jungen Engländer sicherlich leichtfertiger und lebensfroher, als sich für des Müllers ehrbare und neuverlobte Tochter schickte.

Wo die Landstraße von Bex unter der schneebedeckten Felsenspitze hinläuft, die in der Landessprache Diablerets heißt, lag die Mühle unweit eines reißenden Gebirgsstromes, der eine weißlichgraue Farbe wie gepeitschtes Seifenwasser hatte. Die Mühle trieb er aber nicht, vielmehr tat das ein kleiner Gießbach der auf dem anderen Ufer des Flusses vom Felsen hinabstürzte und sich durch einen steinernen Abzugskanal unter der Straße hindurch infolge seiner Kraft und Schnelligkeit wieder erhob und dann in einer breiten, von starken Balken gezimmerten und auf allen Seiten geschlossenen Rinne über den reißenden Fluß lief. Die Rinne war so reichhaltig an Wasser, daß es überströmte und deshalb demjenigen, der auf den Einfall geriet, die Mühle auf diesem Weg schneller zu erreichen, nur einen nassen und schlüpfrigen Pfad darbot. Und auf diesen Einfall geriet ein junger Mann: der Engländer. Weißgekleidet wie ein Müllerbursche trat er in der Abendstunde, von dem Lichtschimmer geleitet, der aus Babettes Kammer fiel, seine Kletterwanderung an. Klettern war seine Stärke nicht, das hatte er nicht gelernt, und beinahe wäre er häuptlings in den Strom gefallen, kam aber mit durchnäßten Ärmeln und bespritzten Beinkleidern fort. Durchnäßt und beschmutzt kam er unter Babettes Fenstern an, wo er in die alte Linde hinaufkletterte und das Geschrei einer Eule nachahmte; das war der einzige Vogel, dessen Töne er einigermaßen nachmachen konnte. Babette hörte es und guckte durch die dünnen Vorhänge hindurch, als sie aber den weißen Mann gewahrte und sich denken konnte, wer es war, schlug ihr kleines Herz vor Schrecken und zugleich vor Zorn. Schnell löschte sie das Licht, fühlte, ob alle Fensterriegel vorgeschoben waren, und ließ ihn dann tuten und heulen.

Schrecklich müßte es sein, wenn Rudi jetzt hier in der Mühle wäre; aber Rudi war nicht in der Mühle, nein, es war weit schlimmer er befand sich gerade davor.

Laute zornige Worte wurden gewechselt; es schien zur Schlägerei kommen zu wollen; vielleicht gab es gar Mord und Totschlag.

In ihrer Angst öffnete Babette ihr Fenster, rief Rudi bei Namen und bat ihn, doch zu gehen; sie könnte, sagte sie, es nicht dulden, daß er hierbliebe.

"Du duldest es nicht, daß ich bleibe!" brach er zornig aus, "es ist also eine Verabredung! Du erwartest gute Freunde, bessere als ich! Schäme Dich, Babette!"

"Du bist abscheulich!" erwiderte Babette. "Ich hasse Dich!" und dabei brach sie in Tränen aus. "Geh, geh!"

"Das habe ich nicht verdient!" entgegnete er und ging; seine Wangen brannten wie Feuer, sein Herz brannte wie Feuer.

Babette warf sich auf ihr Bett und weinte.

"So innig liebe ich Dich, Rudi, und Du kannst so übel von mir denken!"

Und sie war böse, und das war gut für sie, sonst wäre sie tief betrübt gewesen. Nun konnte sie in Schlaf fallen und den stärkenden Schlaf der Jugend schlafen.

XII. Böse Mächte
Rudi verließ Bex, begab sich auf den Heimweg und suchte die Berge mit ihrer frischen, kühlenden Luft auf, die Berge, wo der Schnee lag, wo die Eisjungfrau herrschte. Die Laubbäume standen tief unten, als wären sie nur Kartoffelkraut. Tannen und Sträucher wurden kleiner, die Alpenrosen wuchsen aus dem Schnee hervor, der in einzelnen Flecken wie Leinwand auf der Bleiche dalag. Ein blaues Blümchen wiegte sich in der balsamischen Luft, er zerschlug es mit seinem Gewehrkolben.

Höher hinauf zeigten sich zwei Gemsen; Rudis Augen erhielten Glanz, seine Gedanken neuen Flug. Aber er war nicht nahe genug, um sich seines Schußes sicher zu sein. Höher stieg er, wo nur noch struppiges Gras zwischen den Steinblöcken wuchs. Ruhig gingen die Gemsen auf dem Schneefeld weiter. In Eile beflügelte er seine Schritte. Die Nebelwolken senkten sich rings um ihn, und plötzlich stand er vor der steilen Felsenwand. Der Regen begann hinabzuströmen.

Er fühlte einen brennenden Durst, Hitze im Kopfe, Kälte in seinen anderen Gliedern; er griff nach seiner Jagdflasche, aber diese war leer; er hatte, als er in die Berge hinaufstürmte, nicht daran gedacht. Nie war er krank gewesen, aber jetzt hatte er ein Gefühl davon. Müde war er; Lust, sich hinzuwerfen und zu schlafen, überschlich ihn, doch strömte das Wasser überall und er suchte sich deshalb zusammenzunehmen. Sonderbar zitterten die Gegenstände vor seinen Augen, und plötzlich gewahrte er, was er vorher nie bemerkt hatte: ein neu gezimmertes niedriges Haus, das sich an den Felsen lehnte. In der Tür stand ein junges Mädchen; im ersten Augenblicke hielt er es für Schullehrers Anette, die er einmal beim Tanzen geküßt hatte, allein Anette war es nicht, und doch mußte er sie schon vorher gesehen haben, vielleicht bei Grindelwald, an jenem Abend, als er vom Schützenfest in Interlaken heimkehrte.

"Wie kommst Du hierher?" fragte er.

"Ich bin hier zu Hause!" entgegnete sie. "Ich hüte meine Herde!"

"Deine Herde? Wo weidet sie?" versetzte er und lachte. "Hier gibt es nur Schnee und Felsen."

"Du weißt wirklich gut Bescheid!" erwiderte sie lachend. "Hier hinten, ein klein wenig unten, ist ein herrlicher Weideplatz. Dort gehen meine Ziegen! Ich hüte sie gut. Nicht eine verliere ich, was mein ist, bleibt mein!"

"Du bist kühn!" sagte Rudi.

"Auch Du!" lautete die Antwort.

"Hast Du Milch, so gib mir einen Schluck. Ich durste ganz unerträglich."

"Ich habe etwas Besseres als Milch!" entgegnete sie, "das sollst Du bekommen. Gestern waren einige Reisende mit ihren Führern hier; sie vergaßen eine halbe Flasche Wein, wie Du ihn noch nie gekostet hast. Sie holen sie nicht und ich trinke sie nicht; trinke Du!"

Und sie holte den Wein hervor, goß ihn in eine hölzerne Schale und reichte sie Rudi.

"Der ist gut!" sagte er. "Nie kostete ich einen so wärmenden, so feurigen Wein." Seine Augen strahlten, es kam ein Leben, eine Glut in ihn, als ob alles, was ihn traurig gemacht und bedrückt hatte, verdunstet wäre. Die sprudelnde, frische Menschennatur bewegte sich in ihm.

"Aber es ist doch Schullehrers Anette!" rief er mit einem Male aus. "Gib mir einen Kuß!"

"Wenn Du mir den schönen Ring gibst, den Du am Finger trägst!"

"Meinen Verlobungsring?"

"Gerade den!" sagte das Mädchen, goß Wein in die Schale und setzte sie ihm an die Lippen; und er trank. Echte Lebensfreude strömte da in sein Blut, die ganze Welt schien ihm zu gehören; weshalb sich mit Grillen plagen? Alles ist da, um uns Genuß und Glück zu gewähren! Der Lebensstrom ist ein Freudenstrom; sich von ihm forttragen zu lassen, das ist Glückseligkeit. Er sah das junge Mädchen an, es war Anette und doch auch wieder nicht, noch weniger das Spukphantom, wie er es genannt hatte, das er bei Grindelwald traf. Das Mädchen hier auf dem Berge war wie frisch wie der neugefallene Schnee, schwellend wie die Alpenrose und leicht wie ein Reh, doch immer aus Adams Rippe geschaffen, ein Mensch wie Rudi. Und er schlang seine Arme um sie, schaute in ihre wunderbaren hellen Augen hinein, nur eine einzige Sekunde war es, und in dieser ja wer erklärt, was geschah? war es das Leben des Geistes oder des Todes, was ihn erfüllte? Wurde er erhoben oder sank er in den tiefen tödlichen Eisschlund hinab, tiefer, immer tiefer? Er sah die Eiswände wie bläulichgrünes Glas glänzen; unendliche Spalten und Klüfte gähnten ringsum und das Wasser tröpfelte klingend wie ein Glockenspiel hinab, und dabei in blauweißen Flammen strahlend. Die Eisjungfrau gab ihm einen Kuß, der ihn durch das Rückenmark bis in die Stirn erstarren ließ. Er stieß einen Schmerzensschrei aus, riß sich los, taumelte und fiel; es wurde Nacht vor seinen Augen, aber er öffnete sie wieder. Böse Mächte hatten ihr Spiel getrieben.

Fort war das Alpenmädchen, fort die bergende Hütte; das Wasser rann von der nackten Felsenwand hinab, der Schnee lag ringsum. Rudi schauderte vor Kälte, bis auf die Haut war er durchnäßt, und sein Verlobungsring war fort, der Ring, den ihm Babette an den Finger gesteckt hatte. Sein Gewehr lag neben ihm im Schnee, er hob es auf, wollte es abschießen, aber es versagte. Feuchte Wolken lagerten sich wie feste Schneemassen über die Kluft, der Schwindel saß darin und lauerte auf seine kraftlose Beute, und unter ihm klang es in der tiefen Kluft, wie wenn ein Felsenblock fiele und alles, was seinen Fall aufhalten wollte, zerschmetterte und mit sich fortrisse.

Aber in der Mühle saß Babette und weinte. Rudi war sechs Tage lang nicht dagewesen, er, der unrecht hatte, er. Der sie hätte um Verzeihung bitten müssen und den sie doch von ganzem Herzen liebte.

XIII. Im Hause des Müllers
"Die Menschen machen doch schrecklichen Unsinn," sagte die Stubenkatze zur Küchenkatze. "Zwischen Babette und Rudi ist schon wieder alles aus. Sie weint und er denkt wahrscheinlich gar nicht mehr an sie."

"Das gefällt mir nicht!" erwiderte die Küchenkatze, "aber deswegen will ich mich grämen! Babette kann ja die Braut des Rotbärtigen werden! Er ist übrigens auch nicht hier gewesen, seitdem er auf das Dach klettern wollte."

Böse Mächte treiben ihr Spiel, in und außer uns. Rudi hatte es empfunden und darüber nachgedacht. Was war doch um ihn und in ihm vorgegangen, dort oben auf dem Berge? Waren es Visionen oder ein Fiebertraum? Nie hatte er früher etwas von Fieber oder Krankheit gewußt. Während er Babette verurteilte, hatte er einen Einblick in sich selbst getan. Er dachte an die wilde Jagd in seinem Herzen, an den heißen Föhn, der neulich darin losbrach. Konnte er Babette alles, jeden Gedanken beichten, der bei ihm in der Stunde der Versuchung zur Tat werden konnte? Ihren Ring hatte er verloren, und gerade durch diesen Verlust hatte sie ihn wiedergewonnen. Konnte sie ihm beichten? Es war, als sollte ihm das Herz brechen, wenn er an sie dachte. So viele Erinnerungen wurden in ihm wach. Er sah sie vor sich, wie sie leibte und lebte, lachend, ein mutwilliges Kind. Manch zärtliches Liebeswort, das sie aus der Fülle ihres Herzens geredet hatte, flog wie ein Sonnenblick durch seine Brust, und bald leuchtete Babette nur in hellem Sonnenschein vor ihm.

Sie mußte ihm beichten und sollte es.

Er kam zur Mühle und es kam zur Beichte. Sie begann mit einem Kuß und endete damit, daß Rudi der eigentliche Sünder war. Sein großer Fehler bestand darin, an Babettes Treue zweifeln zu können. Es wäre geradezu abscheulich von ihm! Solches Mißtrauen, solche Heftigkeit könnte nur sie beide ins Unglück stürzen. Ja, ja, ganz gewiß, und deshalb hielt ihm Babette eine kleine Predigt; es machte ihr selbst Spaß und kleidete sie so reizend. In einem Punkte hätte Rudi jedoch recht, der Vetter der Frau Patin wäre ein Schwatzmaul! Sie würde das Buch, das er ihr geschenkt hätte, verbrennen, und nicht das geringste im Besitze halten, was sie an ihn erinnern könnte.

"Nun ist es überstanden!" sagte die Stubenkatze. "Rudi ist wieder hier; sie haben sich miteinander verständigt und versichert, es sei das größte Glück!"

"Heute nacht," erwiderte die Küchenkatze, "hörte ich die Ratten sagen, das größte Glück bestehe darin, Talglichter zu fressen und eine gehörige Portion verdorbenen Speck vor sich zu haben. Wem soll man nun glauben, den Ratten oder den Liebesleuten?"

"Keinem von ihnen," versetzte die Stubenkatze. "Das ist immer das Sicherste."

Das größte Glück für Rudi und Babette war gerade in seinem Aufgange begriffen, den schönsten Tag, wie er genannt wird, den Hochzeitstag, hatten sie zu erwarten.

Aber nicht in der Kirche zu Bex, nicht in dem Hause des Müllers sollte die Trauung stattfinden. Die Frau Patin wünschte, daß die Hochzeit bei ihr gefeiert würde und die Trauung in der hübschen kleinen Kirche zu Montreux geschähe. Der Müller bestand darauf, daß man auf dieses Verlangen einginge. Er allein wußte, was die Frau Patin für die Neuvermählten bestimmt hatte. Sie sollten ein Brautgeschenk erhalten, das wohl diese kleine Nachgiebigkeit wert war. Der Tag war festgesetzt. Schon den Abend vorher beabsichtigten sie, nach Villeneuve zu reisen, um mit dem Schiffe früh am nächsten Morgen nach Montreux hinüberzufahren, damit die Töchter der Frau Patin die Braut schmücken könnten.

"Es wird wohl am nächsten Tage hier im Hause eine Nachfeier geben," sagte die Stubenkatze. "Sonst ist das Ganze auch nicht ein einziges Miau wert."

"Hier gibt es natürlich ein Fest," sagte die Küchenkatze. "Enten sind geschlachtet, Tauben gerupft und eine ganze Gemse hängt an der Wand. Mir wässert ordentlich der Mund, wenn ich sie mir betrachte! Morgen begeben sie sich schon auf die Reise."

Ja morgen! Diesen Abend saßen Rudi und Babette zum letztenmal als Verlobte in der Mühle.

Draußen war Alpenglühen, die Abendglocke klang, die Töchter der Sonnenstrahlen sangen: "Das Beste geschehe!"

XIV. Nächtliche Gesichte
Die Sonne war untergegangen; die Wolken senkten sich zwischen die hohen Berge im Rhonetal hinab; ein Südwind, der über die heißen Sandwüsten Afrikas hinweggebraust war, blies über die hohen Alpen fort, ein Föhn, welcher die Wolken zerriß. Als der Wind vorübergejagdt war, wurde es einen Augenblick ganz still. Die zerrissenen Wolken lagerten sich in phantastischen Gestalten zwischen den waldbedeckten Bergen über die schnell dahinfließende Rhone. Sie bildeten die Gestalten der Seetiere der Urwelt, des schwebenden Adlers der Luft und der springenden Frösche des Sumpfes; sie senkten sich auf den reißenden Strom hinab, sie segelten auf ihm und segelten doch in der Luft. Der Strom führte eine mit den Wurzeln ausgerissenen Tanne mit sich, vor ihr zeigten sich im Wasser kreiselnde Wirbel. Es war der Schwindel, es war mehr als einer seiner Brüder, die sich auf dem rauschenden Strome im Kreise drehten. Der Mond beleuchtete den Schnee der Berggipfel, die dunklen Wälder und die weißen, sonderbaren Wolken, die Gesichte der Nacht, die Geister der Naturkräfte. Der Bauer im Gebirge sah sie durch die Scheiben, scharenweise schwebten sie vor der Eisjungfrau her. Sie kam von ihrem Gletscherschloß, sie saß auf ihrem zerbrechlichen Schiff, einer ausgerissenen Tanne, das Gletscherwasser trug sie den Strom abwärts nach dem offenen See.

"Die Hochzeitsgäste kommen!" brauste und sang es in Luft und Wasser.

Gesichte draußen, Gesichte drinnen. Babette hatte einen merkwürdigen Traum.

Es kam ihr vor, als wäre sie mit Rudi verheiratet, und zwar schon seit vielen Jahren. Er befand sich auf der Gemsenjagd, sie aber war in ihrer Heimat, und neben ihr saß der junge Engländer mit dem rötlichen Backenbarte. Seine Augen blickten so warm, seine Worte hatten solche Zaubermacht, er reichte ihr die Hand, und sie mußte ihm folgen. Sie verließen miteinander die Heimat. Beständig ging es aufwärts! Babette war es, als läge ihr eine schwere Last auf dem Herzen, sie wurde immer schwerer, eine Sünde war es gegen Rudi, eine Sünde gegen Gott. Plötzlich stand sie verlassen da, ihre Kleider waren von den Dornen zerrissen, ihr Harr war grau, voll Schmerz schaute sie aufwärts und auf dem Felsenrande gewahrte sie Rudi. Sie streckte ihre Arme gegen ihn aus, wagte es aber nicht, ihn zu rufen oder zu bitten, und das würde ihr auch nichts geholfen haben, denn bald sah sie, daß er es nicht selbst war, sondern nur seine Jägerjacke und Hut, die auf dem Alpenstocke hingen, wie die Jäger sie hinstellen, um die Gemsen zu überlisten. Und in grenzenlosem Schmerze jammerte Babette: "O wäre ich doch an meinem Hochzeitstage, meinem glücklichsten Tage, gestorben! Herr, Du mein Gott, es wäre eine Gnade, ein unsägliches Glück gewesen! Dann wäre das Beste geschehen, was für mich und Rudi geschehen konnte! Niemand weiß seine Zukunft vorher!" Und in frevelhaftem Schmerze stürzte sie sich in die tiefe Felsenkluft hinab. Es riß eine Saite, es klang ein Trauerton...!

Babette erwachte, der Traum war zu Ende und verwischt, jedoch wußte sie, daß sie etwas Schreckliches geträumt und von dem jungen Engländer geträumt hatte, den sie seit Monaten nicht gesehen und an den sie noch weniger gedacht. Ob er sich in Montreux befand? Sollte sie ihn bei der Hochzeit zu sehen bekommen? Ein leichter Schatten glitt um ihren feinen Mund. Ihre Augenbrauen runzelten sich. Aber bald kehrte ein Lächeln und ein eigentümlicher Schimmer in ihr Auge zurück: die Sonne schien draußen so schön, und morgen war ihre und Rudis Hochzeit.

Er war schon in der Stube, als sie herunterkam, und bald machten sie sich auf den Weg nach Villeneuve. Sie waren so glücklich, die beiden und der Müller gleichfalls, er lachte und strahlte in der herrlichsten Laune, ein guter Vater, eine ehrliche Seele war er.

"Nun sind wir die Herrinnen zu Hause!" sagte die Stubenkatze.

XV. Schluß

Es war noch nicht Abend, als die drei frohen Menschen Villeneuve erreichten und ihre Mahlzeit hielten. Der Müller setzte sich mit seiner Pfeife in den Lehnstuhl und hielt ein kleines Schläfchen. Die jungen Brautleute gingen Arm in Arm zur Stadt hinaus, die Landstraße unter den mit Buschwerk bewachsenen Felsen hinab, den bläulichgrünen tiefen See entlang. Das düstre Chillon spiegelte seine grauen Mauern und schwarzen Türme in dem klaren Wasser. Die kleine Insel mit den drei Akazien lag noch näher, sie sah aus wie ein Blumenstrauß auf dem See.

"Dort drüben muß es lieblich sein!" sagte Babette, sie hatte wieder die größte Lust, hinüberzukommen, und der Wunsch ließ sich sofort erfüllen. Ein Boot lag am Ufer; der Strick, der es hielt, war leicht zu lösen. Man sah niemand, den man hätte um Erlaubnis fragen können, und deshalb nahm man ohne weiteres das Boot. Mit der Ruderkunst war Rudi ganz vertraut.

Die Ruder griffen wie Fischflossen in das nachgiebige Wasser; es ist so gefügig und doch so stark, es ist ganz Rücken zum Tragen, ganz Mund zum Verschlingen, sanft lächeln, die Weichheit und Sanftmut selbst, und doch Schrecken einjagend und stark zum Zerschmettern. Schäumend spritzte das Kielwasser hinter dem Boote auf, das in wenigen Minuten die beiden zur Insel hinübertrug. Dort stiegen sie ans Land. Hier gab es keinen größeren Platz, als gerade zu einem Tänzchen für die beiden hinreichte.

Rudi schwenkte Babette zwei-, dreimal herum, und dann setzten sie sich auf die kleine Bank unter den herabhängenden Akazien, schauten einander in die Augen, hielten einander an den Händen, und alles ringsumher strahlte im Glanze der sinkenden Sonne. Die Tannenwälder auf den Bergen erhielten dem blühenden Heidekraut gleich ein rötlichlila Aussehen, und wo die Bäume aufhörten und der nackte Fels hervortrat, glühte er, als ob er durchsichtig wäre. Die Wolken am Himmel leuchteten wie das rote Gold, der ganze See glich einem frischen flammenden Rosenblatte. Während sich die Schatten bis zu den schneebedeckten Bergen Savoyens erhoben, wurden diese dunkelblau, aber der oberste Rand leuchtete wie die rote Lava. Er enthüllte einen Moment aus der Gebirgsschöpfung, als sich diese Massen glühend aus dem Schoße der Erde erhoben und noch nicht erloschen waren. Es war ein Alpenglühen, wie Rudi und Babette nie ein ähnliches gesehen zu haben meinten. Der schneebedeckte "Dent Du Midi" hatte einen Glanz wie die Scheibe des Vollmondes, wenn er sich am Horizonte erhebt.

"Soviel Schönheit, soviel Glück!" riefen beide. "Mehr hat die Erde nicht zu geben!" sagte Rudi. "Eine Abendstunde wie diese ist doch ein ganzes Leben! Wie oft empfand ich mein Glück, wie ich es jetzt empfinde, und dachte, wenn jetzt plötzlich alles endete, wie glücklich hätte ich doch gelebt! Wie voller Segen ist doch diese Welt! Und der Tag endete, allein ein neuer begann wieder, und es kam mir vor, als wäre dieser noch schöner! Der liebe Gott ist doch unendlich gut, Babette!"

"Ich bin so glücklich!" erwiderte sie.

"Mehr hat die Erde mir nicht zu geben!" brach Rudi stürmisch aus.

Und die Abendglocken klangen von den Bergen Savoyens, von den Bergen der Schweiz herab. Im Goldglanz erhob sich gegen Westen das dunkelblaue Juragebirge.

"Gott gebe Dir das Herrlichste und Beste!" sagte Babette sanft und zärtlich.

"Das will er!" entgegnete Rudi. "Morgen habe ich es! Morgen bist Du ganz die Meine, mein trautes, reizendes Weibchen!"

"Das Boot!" rief Babette in demselben Augenblicke.

Das Boot, welches sie zurückbringen sollte, hatte sich gelöst und trieb von der Insel ab.

"Ich hole es!" entgegnete Rudi, warf seinen Rock ab, zog schnell die Stiefel aus, sprang in den See und schwamm mit kräftigen Bewegungen dem Boote nach.

Kalt und tief war das klare, blaugrüne Eiswasser aus dem Gletscher. Rudi schaute in die Tiefe, nur einen einigen Blick warf er herab; und es kam ihm vor, als sähe er einen goldenen Ring rollen, blinken und spielen. Er gedachte seines verlorenen Verlobungsringes, und der Ring wurde größer, dehnte sich zu einem funkelnden Kreise aus und darin leuchtete der helle Gletscher. Ringsum gähnten unendlich tiefe Klüfte, und das Wasser tropfte wie ein Glockenspiel und in weißlichblauen Flammen erglänzend hinab. In einem Augenblicke überschaute er, was wir in langen vielen Worten erzählen müssen. Junge Jäger und junge Mädchen, Männer und Weiber, einst in die Spalten des Gletschers gesunken, standen hier lebendig mit offenen Augen und lächelndem Munde. Tief unter ihnen erschallte der Klang der Kirchenglocken aus den begrabenen Dörfern. Die Gemeinde kniete unter dem Kirchengewölbe, Eisstücke bildeten die Orgelpfeifen, der Gebirgsstrom spielte die Orgel. Die Eisjungfrau saß auf dem hellen, durchsichtigen Grunde, sie schwang sich zu Rudi empor, küßte ihm die Füße, und ein Todesschauer durchzitterte seine Glieder, es war, als träfe ihn ein elektrischer Stoß - -Eis und Feuer zugleich! Bei der kurzen Berührung fühlt man zwischen ihnen keinen Unterschied.

"Mein, mein!" klang es um ihn und in ihm. "Ich küßte Dich, als Du noch klein warst, küßte Dich auf den Mund! Jetzt küsse ich Dich auf die Zehen und Fersen, mein bist Du ganz!"

Und er war verschwunden in dem klaren, blauen Wasser.

Alles war still. Die Kirchenglocken hörten auf zu läuten, die letzten Töne verschwanden mit dem Glanze der roten Wolken.

"Mein bist Du!" klang es in der Tiefe; "mein bist Du!" klang es in der Höhe, aus dem Unendlichen.

Schön ist es, zu fliegen von Liebe zu Liebe, von der Erde in den Himmel.

Es riß eine Saite, es erklang ein Trauerton; der Eiskuß des Todes besiegte das Vergängliche. Das Vorspiel endete, damit das Lebensdrama beginnen konnte, der Mißklang wurde aufgelöst in Harmonie.

Nennst Du es eine traurige Geschichte?

Arme Babette! Für sie war es eine Stunde der Angst; weiter und weiter trieb das Boot fort. Niemand wußte, daß sich das Brautpaar auf der kleinen Insel befand. Der Abend nahm zu; die Wolken senkten sich, die Finsternis kam. Allein, verzweifelt, jammernd stand sie da. Ein Unwetter hing über ihr. Blitze leuchteten über den Bergen des Jura auf, über der Schweiz und über Savoyen; von allen Seiten Blitz auf Blitz, Donner ging in Donner über, sie rollten unaufhörlich, minutenlang. Die Blitzstrahlen wetteiferten bald mit dem Sonnenglanze, man konnte jeden einzelnen Weibstock wie zur Mittagszeit sehen, und bald darauf herrschte wieder schwarze Finsternis. Die Blitze bildeten Schleifen, Zickzacke, schlugen ringsum in den See ein, leuchteten von allen Seiten auf, während die Donnerschläge sich durch den Widerhall des Echos verstärkten. Auf dem Lande zog man die Boote bis auf das Ufer; alles, was Leben hatte, suchte Schutz und nun strömte der Regen hinab.

"Wo sind doch nur Rudi und Babette in diesem entsetzlichen Unwetter!" sagte der Müller

Babette saß mit gefalteten Händen, den Kopf gegen den Schoß geneigt, stumm vor Schmerz, vom Schreien und Jammern, da.

"Im tiefen Wasser," sagte sie bei sich selbst, "tief unten, wie unter dem Gletscher, ist er!"

Ihr kam in den Sinn, was ihr Rudi vom Tode seiner Mutter, von seiner Rettung und wie er scheinbar als Leiche aus der Spalte des Gletschers gezogen wurde, erzählt hatte. "Die Eisjungfrau hat ihn wieder!"

Und ein Blitzstrahl leuchtete so blendend wie Sonnenglanz auf den weißen Schnee. Babette fuhr in die Höhe; der See erhob sich in demselben Augenblicke, wie ein weithin schimmernder Gletscher, die Eisjungfrau stand mittendrin, majestätisch, bläßlichblau, strahlend, und zu ihren Füßen lag Rudis Leiche. "Mein!" rief sie, und ringsum war wieder Dunkelheit und Finsternis, strömendes Wasser.

"Entsetzlich!" jammerte Babette. "Weshalb mußte er doch sterben, während der Tag unseres Glücks kam! Gott, erleuchte meinen Verstand, erleuchte mein Herz! Ich verstehe meine Wege nicht, tappe im Dunkeln umher, welches mir Deine Weisheit und Güte verbirgt!"

Und Gott erleuchtete ihr Herz. Ein Gedankenblitz, ein Gedankenstrahl, ihr Traum der letzten Nacht, völlig lebendig, durchzuckte sie. Sie entsann sich der Worte, die sie gesprochen hatte: der Wunsch von dem Besten für sich und Rudi.

"Weh mir! War es der Samen der Sünde in meinem Herzen? War mein Traum ein Zukunftsleben, dessen Saiten um meiner Rettung willen zerrissen werden mußten? Ich Elende?"

Jammernd saß sie in der finsteren Nacht. In ihrer tiefen Stille klangen ihr noch immer Rudis Worte in den Ohren, die letzten, die er gesagt hatte: "Mehr Glück hat mir die Erde nicht zu bieten!" Sie erklangen in der Fülle der Freude, sie wurden wiederholt im Strome des Schmerzes.

Ein paar Jahre sind seither verstrichen. Der See lächelt, die Ufer lächeln; die Weinreben setzen schwellende Trauben an. Dampfschiffe mit wehenden Wimpeln jagen vorüber, Luftboote mit ihren zwei ausgespannten Segeln fliegen wie Schmetterlinge über den Wasserspiegel. Die Eisenbahn über Chillon ist eröffnet, sie führt tief über das Rhonetal hinein. Auf jeder Station steigen Fremde aus, sie kommen mit ihrem in Rot eingebundenen Reisebuche und lesen aus ihm heraus, was sie Merkwürdiges zu sehen haben... Sie besuchen Chillon, sie sehen sich draußen im See die kleine Insel mit den drei Akazien an, und lesen im Buche von dem Brautpaare, das eines abends im Jahre 1856 hinüberfuhr, lesen vom Tode des Bräutigams, und wie man erst am nächsten Morgen am Ufer das verzweifelte Jammern der Braut hörte.

Aber das Reisehandbuch meldet nichts von Babettes stillen Lebenstagen bei ihrem Vater, nicht in der Mühle in der jetzt Fremde wohnen, sondern in dem schönen Häuschen in der Nähe des Bahnhofs, aus dessen Fenstern sie noch manchen Abend über die Kastanienbäume fort nach den Schneebergen hinüberschaute, wo sich Rudi einst tummelte. Sie betrachtet des Abends das Alpenglühen, die Kinder der Sonne lagern sich dort oben und wiederholen das Lied von dem Wandersmann, dem der Wirbelwind den Mantel abriß und entführte. Die Hülle und nicht den Mann nahm er.

Es ist Rosenglanz auf dem Schnee des Gebirges, es ist Rosenglanz in jedem Herzen, in dem der Gedanke lebt: "Gott läßt stets das Beste für uns geschehen!" Aber es wird uns nicht immer offenbart, wie einst Babette in ihrem Traume.
Let us visit Switzerland. Let us take a look at that magnificent land of mountains, where the forests creep up the sides of the steep rocky walls; let us climb to the dazzling snow-fields above, and descend again to the green valleys below, where the rivers and streams rush along as if afraid they will be too late to reach the ocean and disappear. The burning rays of the sun shine in the deep dales and also on the heavy masses of snow above, so that the ice blocks which have been piling for years melt and turn to thundering avalanches or heaped-up glaciers.

Two such glaciers lie in the broad ravines under the Schreckhorn and the Wetterhorn, near the little mountain town of Grindelwald. They are strange to look at, and for that reason, in summertime many travelers come here from all parts of the world. They cross the lofty, snow-capped hills, and they come through the deep valleys; then they have to climb for several hours, and as they ascend, the valleys seem to become deeper and deeper, until they look as if they are being viewed from a balloon. Often the clouds hang around the towering peaks like thick curtains of smoke, while down in the valley dotted with brown wooden houses, a ray of the sun may be shining brightly, throwing into sharp relief a brilliant patch of green, until it seems transparent. The water foams and roars, and rushes along below, but up above the water murmurs and tinkles; it looks as if silver ribbons were streaming down over the rocks.

On both sides of the ascending road are wooden houses. Each house has its little potato garden, and this is a real necessity; for within those doors are many hungry mouths - there are many children, and children are often wasteful with food. From all the cottages they swarm out and besiege travelers, whether these be on foot or in carriages. All the children are little merchants; they offer for sale charming toy wooden houses, replicas of those that are built here in the mountains.

Some twenty years ago there often stood here, but always somewhat apart from the other children, a little boy who was also eager to do some business. He would stand there with an earnest, grave expression, holding his chip-box tightly with both hands, as if afraid of losing it; but it was this seriousness, and the fact that he was so small, that caused him to be noticed and called forward, so that he often sold more than all the others - he didn't exactly know why himself.

His grandfather lived high up on the mountain, where he carved out the neat, pretty little houses. In a room up there he had an old chest full of all sorts of carved things - nutcrackers, knives, forks, boxes with cleverly carved scrollwork, and leaping chamois - everything that would please a child's eye. But little Rudy, as he was called, gazed with greater interest and longing at the old gun that hung under the beams of the roof. "He shall have it some day," his grandfather had said, "but not until he's big and strong enough to use it."

Small as the boy was, he took care of the goats. If knowing how to climb along with the goats meant that he was a good goatherd, then Rudy certainly was an excellent goatherd; he could even go higher than the goats, for he loved to search for birds' nests high up in the tops of the trees. He was bold and daring. No one ever saw him smile, except when he stood near the roaring waterfall or heard the rolling of an avalanche.

He never played with the other children; in fact, he never went near them except when his grandfather sent him down to sell the things he had carved. And Rudy didn't care much for that; he would much rather climb about in the mountains or sit home with his grandfather and hear him tell stories of ancient times and of the people at nearby Meiringen, where he was born. This race, he said, had not always lived there; they were wanderers from other lands; they had come from the far North, where their people still lived, and were called "Swedes." This was a good deal for Rudy to learn, but he learned still more from other teachers - the animals that lived in the house. There was a big dog, Ajola, which had belonged to Rudy's father, and there was a tomcat. Rudy had much to thank the tomcat for - the Cat had taught him to climb.

"Come on out on the roof with me!" the Cat had said one day, very distinctly and intelligibly, too. For to a little child who can hardly speak, the language of hens and ducks, cats and dogs, is almost as easily understood as that of fathers and mothers. But you must be very young indeed then; those are the days when Grandpa's stick neighs and turns into a horse, with head, legs, and tail.

Some children keep these thoughts longer than others, and people say that these are exceedingly backward, and remain children too long. But people say so much!

"Come on out on the roof with me, little Rudy!" was one of the first things the Cat said, and Rudy could understand him.

"It's all imagination to think you'll fall; you won't fall unless you're afraid! Come on! Put one of your paws here, and another there, and then feel your way with your forepaws. Use your eyes and be very active in your limbs. If there's a hole, jump over it the way I do."

And that's what little Rudy did. Very often he sat on the sloping roof of the house with the Cat, and often in the tops of the trees, and even high up among the towering rocks, where the Cat never went.

"Higher! Higher!" the trees and bushes said. "Can't you see how we climb - how high we go, and how tightly we hold on, even on the narrowest ledge of rock?"

And often Rudy reached the top of the hill even before the sun; there he took his morning draught of fresh, strengthening mountain air, that drink which only Our Lord can prepare, and which human beings call the early fragrance from the mountain herbs and the wild thyme and mint in the valley. Everything that is heavy in the air is absorbed by the overhanging clouds and carried by the winds over the pine woods, while the essence of fragrance becomes light and fresh air - and this was Rudy's morning draught.

Sunbeams, daughters of the sun who bring his blessings with them, kissed his cheeks. Dizziness stood nearby watching, but dared not approach him. The swallows from his grandfather's house below (there were at least seven nests) flew up toward him and the goats, singing, "We and you, and you and we!" They brought greetings from his home, even from the two hens, who were the only birds in the house; however, Rudy had never been very intimate with them.

Young as he was he had traveled, and quite a good deal for such a little fellow. He was born in Canton Valais, and brought from there over the hills. He had recently traveled on foot to the near-by Staubbach, that seems to flutter like a silver veil before the snow-clad, glittering white Jungfrau. And he had been to the great glaciers near Grindelwald, but there was a sad story connected with that trip; his mother had met her death there, and it was there, as his grandfather used to say, that "little Rudy had lost all his childish happiness." When he was less than a year old he laughed more than he cried, as his mother had written; but from the time he fell into the crevasse his whole nature had changed. His grandfather didn't talk about this very much, but it was known all over the mountain.

Rudy's father had been a coach driver, and the big dog that now shared the boy's home had always gone with him on his journeys over the Simplon down to Lake Geneva. Rudy's relatives on his father's side lived in the Rhone valley, in Canton Valais, where his uncle was a celebrated chamois hunter and a famous Alpine guide. Rudy was only a year old when he lost his father, and his mother decided to return with the child to her own family in the Berner Oberland. Her father lived a few hours' journey from Grindelwald; he was a wood carver, and his trade enabled him to live comfortably.

With her infant in her arms she set out toward home in June, accompanied by two chamois hunters, over the Gemmi toward Grindelwald. They had made the greater part of the journey, had climbed the highest ridges to the snow fields and could already see her native valley with the familiar scattered cottages; they now had only to cross the upper part of one great glacier. They newly fallen snow concealed a crevasse, not deep enough to reach the abyss below where the water rushed along, but deeper than a man's height.

As she was carrying her child the young woman suddenly slipped, sank down, and instantly disappeared. Not a shriek or groan was heard, only the wailing of a little child. It was over an hour before her two companions could obtain ropes and poles from the nearest house to pull her out; and after tremendous labor they brought from the crevasse what they thought were two dead bodies. Every means of restoring life was tried, and at last they managed to save the child, but not the mother. Thus the old grandfather received in his house, not a daughter, but a daughter's son, the little one who laughed more than he cried. But a change seemed to have come over him since his terrible experience in the glacier crevasse - that cold, strange ice world, where the Swiss peasant believes the souls of the damned are imprisoned till doomsday.

The glacier lies like a rushing stream, frozen and pressed into blocks of green crystal, one huge mass of ice balanced on another; the swelling stream of ice and snow tears along in the depths beneath, while within it yawn deep hollows, immense crevasses. It is a wondrous palace of crystal, and in its dwells the Ice Maiden, queen of the glaciers. She, the slayer, the crusher, is half the mighty ruler of the rivers, half a child of the air. Thus it is that she can soar to the loftiest haunts of the chamois, to the towering summits of the snow-covered hills, where the boldest mountaineer has to cut footrests for himself in the ice; she sails on a light pine twig over the foaming river below, and leaps lightly from one rock to another, with her long, snow-white hair fluttering about her, and her blue-green robe glistening like the water in the deep Swiss lakes.

"To crush! To hold fast! That is my power!" she says. "And yet a beautiful boy was snatched from me - one whom I had kissed, but not yet kissed to death! He is again among human beings - he tends his goats on the mountain peaks; he is always climbing higher and still higher, far, far from other humans, but never from me! He is mine! I will fetch him!"

So she commanded Dizziness to undertake the mission; it was in the summertime and too hot for the Ice Maiden in the valley where the green mint grew; so Dizziness mounted and dived. Now Dizziness has a flock of sisters - first one came, then three of them - and the Ice Maiden selected the strongest of those who wield their power indoors and out. They perch on the banisters of steep staircases and the guard rails of lofty towers; they run like squirrels along the mountain ridges and, leaping away from them, tread the air as a swimmer treads water, luring a victim onward to the abyss beneath.

Dizziness and the Ice Maiden both reach out for mankind, as the polypus reaches after whatever comes near it. The mission of Dizziness was to seize Rudy.

"Seize him, you say!" said Dizziness. "I can't do it. That wretched Cat has taught him its skill. That human child has a power within himself that keeps me away. I can't touch the little fellow when he hangs from branches out over the abyss, or I'd be glad to tickle his feet and send him flying down through the air. I can't do it!"

"We can seize him!" said the Ice Maiden. "Either you or I! I will! I will!"

"No! No!" A whisper, a song, broke upon the air like the echo of church bells pealing; it was the harmonious tones of a chorus of other spirits of Nature, the mild, soft, and loving daughters of the rays of the sun. Every evening they encircle the mountain peaks and spread their rosy wings, which, as the sun sinks, become redder and redder until the lofty Alps seem blazing. Mountaineers call this the Alpine glow. When the sun has set, they retire into the white snow on the peaks and sleep there until they appear again at sunrise. Greatly do they love flowers and butterflies and mankind, and they had taken a great fancy to little Rudy.

"You shall not catch him! You shall not have him!" they sang.

"I have caught greater and stronger ones than he!" said the Ice Maiden.

Then the daughters of the sun sang of the traveler whose cap was torn from his head by the whirlwind, and carried away in stormy flight. The wind had power to take his cap, but not the man himself. "You can seize him, but you cannot hold him, you children of strength. The human race is stronger and more divine even than we are; they alone can mount higher than our mother the sun. They know the magic words that can compel the wind and waves to obey and serve them. Once the heavy, dragging weight of the body is loosened, it soars upward."

Thus sounded the glorious bell-like chorus.

And every morning the sun's rays shone on the sleeping child through the one tiny window of the old man's house. The daughters of the sun kissed the boy; they tried to thaw, to wipe out the ice kiss given him by the queen of the glaciers when, in his dead mother's arms, he lay in the deep ice crevasse from which he had only been rescued as if by a miracle.

THE JOURNEY TO THE NEW HOME

Now Rudy was eight years old. His uncle, who lived in the Rhone valley on the other side of the mountain, wanted to take the boy, so that he could have a better education and be taught to take care of himself. The grandfather thought this would be better for the boy, so agreed to part with him.

As the time for Rudy's departure drew near, there were many others besides Grandfather to take leave of. First there was Ajola, the old dog.

"Your father was the coachman, and I was the coachman's dog," said Ajola. "We often traveled back and forth, and I know both dogs and men on the other side of the mountains. I never had the habit of speaking very much, but now that we have so little time to talk to each other, I'll say a little more than I usually do, and tell you a story that I've been thinking about for a long time. I can't understand it, and you can't either, but that doesn't matter. I have learned this: the good things of this world aren't dealt out equally either to dogs or to men; not everyone is born to lie in someone's lap or to drink milk. I've never been accustomed to such luxury. But I've often seen a puppy dog traveling inside a post carriage, taking up a human being's seat, while the lady to whom he belonged, or rather who belonged to him, carried a bottle of milk from which she fed him. She also offered him sweet candy, but he wouldn't bother to eat it; he just sniffed at it, so she ate it herself. I was running in the mud beside the carriage, about as hungry as a dog could be, but I had only my own bitter thoughts to chew on. Things weren't quite as they ought to be, but then there is much that is not! I hope you get to ride inside carriages, and ride softly, but you can't make all that happen by yourself. I never could either by barking or yawning."

That was Ajola's lecture, and Rudy threw his arms around the dog's neck and kissed his wet nose. Then he took the Cat in his arms, but he struggled to be free, and cried, "You're getting much too strong for me, but I won't use my claws against you. Climb away over the mountains - I've taught you how to climb. Never think about falling, but hold tightly; don't be afraid, and you'll be safe enough."

Then the Cat ran off, for he didn't want Rudy to see how sorry he was.

The hens were hopping about the floor. One of them had lost its tail, for a traveler, who thought himself a sportsman, had shot it off, mistaking the poor hen for a game bird.

"Rudy is going over the mountains," said one of the hens.

"He's in a hurry," said the other, "and I don't like farewells." So they both hopped away.

And the goats also said their farewells. "Maeh! Maeh!" they bleated; it sounded so sad.

Just at that time there happened to be two experienced guides about to cross the mountains; they planned to descend the other side of the Gemmi, and Rudy would go with them on foot. It was a hard trip for such a little fellow, but he had considerable strength, and was untiring and courageous.

The swallows accompanied him a little way, and sang to him, "We and you, and you and we."

The travelers' route led across the foaming Lütschine, which falls in many small rivulets from the dark clefts of the Grindelwald glaciers. Fallen tree trunks made bridges, and pieces of rock served here as steppingstones. Soon they had passed the alder thicket, and began to climb the mountain near where the glaciers had loosened themselves from the cliff. They went around the glacier and over the blocks of ice.

Rudy crept and walked. His eyes sparkled with joy as he firmly placed his iron-tipped mountain shoes; it seemed as if he wished to leave behind him an impression of each footstep. The patches of black earth, tossed onto the glacier by the mountain torrents, gave it a burned look, but still the blue-green, glassy ice shone through. They had to circle the little pools that seemed damned up by detached masses of ice. On this route they approached a huge stone which was balanced on the edge of an ice crevasse. Suddenly the rock lost its balance and toppled into the crevasse; the echo of its thunderous fall resounded faintly from the deep abyss of the glacier, far, far below.

Upward, always upward, they climbed; the glacier stretched up like a solid stream of masses of ice piled in wild confusion, wedged between bare and rugged rocks. For a moment Rudy remembered what had been told him, how he had lain in his mother's arms, buried in one of these terrible crevasses. But he soon threw off such gloomy thoughts, and considered the tale as only one of the many stories he had heard. Occasionally, when the guides thought the way was too difficult for a such a little boy, they held out their hands to help him; but he didn't tire, and he crossed the glacier as sure-footedly as a chamois itself.

From time to time they reached rocky ground; they walked between mossless stones, and sometimes between low pine trees or out on the green pastures - always changing, always new. About them towered the lofty, snow- capped peaks, which every child in the country knows by name - the Jungfrau, the Eiger, and the Mönch.

Rudy had never before been up so high, had never before walked on the wide ocean of snow with its frozen billows of ice, from which the wind occasionally swept little clouds of powdery snow as it sweeps the whitecaps from the waves of the sea. Glacier stretched beside glacier, almost as if they were holding hands; and each is a crystal palace of the Ice Maiden, whose joy and in whose power it is to seize and imprison her victims.

The sun shone warmly, and the snow dazzled the eye as if it were covered with the flashing sparks of pale blue diamonds. Countless insects, especially butterflies and bees, lay dead in heaps on the snow; they had winged their way too high, or perhaps the wind had carried them up to the cold regions that to them meant death. Around the Wetterhorn there hung a threatening cloud, like a large mass of very fine dark wool; it sank, bulging with what was concealed within - a foehn, the Alpine south wind that foretells a storm, fearfully violent in its power when it should break loose.

This whole journey - the stops for the nights high up in the mountains, the wild route, the deep crevasses where the water, during countless ages of time, had cut through the solid stone - made an unforgettable impression on little Rudy's mind.

A deserted stone hut, beyond the snowfields, gave them shelter and comfort for the night. Here they found charcoal and pine branches, and a fire was soon kindled. Sleeping quarters were arranged as well as possible, and the men settled near the blazing fire; they smoked their tobacco and drank some of the warm, spiced beverage they had prepared - and they didn't forget to give Rudy some.

The talk turned to the mysterious creatures who haunt the high Alps: the huge, strange snakes in the deep lakes - the night riders - the spectral host that carry sleepers through the air to the wonderful, floating city of Venice - the wild herdsman, who drives his black sheep over the green pastures: these had never been seen, although men had heard the sound of their bells and the frightful noise of the phantom herd.

Rudy listened to these superstitious tales with intense interest, but with no fear, for that he had never known; yet while he listened he imagined he could hear the roar of that wild, spectral herd. Yes! It became more and more distinct, until the men heard it too. They stopped their talking and listened to it, and then they told Rudy that he must not fall asleep.

It was a foehn that had risen - that violent tempest which whirls down from the mountains into the valley below, and in its fury snaps large trees like reeds, and tosses the wooden houses from one bank of a river to the other, as easily as we would move chessmen.

After an hour they told Rudy the wind had died down and he might go to sleep safely; and, weary from his long walk, he followed their instructions and slept.

Early next morning, they set off again. That day the sun shone for Rudy on new mountains, new glaciers, and new snowfields. They had entered Canton Valais, on the other side of the ridge of mountains visible from Grindelwald; but they still had a long way to go to his new home.

More mountain clefts, pastures, woods, and new paths unfolded themselves; then Rudy saw other houses and other people. But what kind of human beings were these? They were misshapen, with frightful, disgusting, fat, yellowish faces, the hideous flesh of their necks hanging down like bags. They were the cretins- miserable, diseased wretches, who dragged themselves along and stared with stupid, dead eyes at the strangers who crossed their path; the women were even more disgusting than the men. Were these the sort of people who lived in his new home?

THE UNCLE

When Rudy arrived in his uncle's house he thanked God to see people such as he was accustomed to. There was only one cretin, a poor imbecile boy, one of those unfortunate beings who, in their poverty, which amounts to utter destitution, always travel about in Canton Valais, visiting different families in turn and staying a month or two in each house. Poor Saperli happened to be living in the house of Rudy's uncle when the boy arrived.

This uncle was a bold hunter, and a cooper by trade, while his wife was a lively little person, with a face somewhat like a bird's, eyes like an eagle's, and a long, skinny, fuzz-covered neck.

Everything was strange and new to Rudy - dress, customs, employment, even the language, though his young ear would soon learn to understand that. A comparison between his grandfather's little home and his uncle's domicile greatly favored the latter. The room they lived in was larger; the walls were decorated with chamois heads and brightly polished guns; a painting of the Virgin Mary hung over the door, with fresh Alpine roses and a constantly burning lamp before it.

As you have learned, his uncle was one of the most famous chamois hunters of the canton, and also the most experienced and best guide.

Rudy became the pet of the house, but there was another pet too - a blind, lazy old dog, of not much use any more. But he had been useful once, and his value in former years was remembered, so he now lived as one of the family, with every comfort. Rudy patted him, but the dog didn't like strangers and still considered Rudy one. But the boy did not long remain so, for soon he won his way into everyone's heart.

"Things are not so bad here in Canton Valais," said his uncle. "We have plenty of chamois; they don't die off as fast as the wild goats. Things are much better now than in the old days, however much we praise the olden times. A hole has been burst in the bag, so now we have a little fresh air in our cramped valley. When you do away with out-of-date things you always get something better," he said.

When the uncle became really talkative, he would tell the boy about his own and his father's childhood. "In those days Valais was," he called it, "just a closed bag full of too many sick people - miserable cretins. But the French soldiers came, and they made excellent doctors - they soon killed the disease, and the patients too. They knew how to strike - yes, to strike in many different ways; even their girls knew how to strike!" Then he winked at his wife, who was French by birth, and laughed. "The French knew how to split solid stones if they wanted to. It was they who cut out of solid rock the road over the Simplon Pass - yes, and made such a road that I could tell a three-year-old child to go to Italy! You just have to keep on the highway, and there you are!" Then the uncle sang a French song, and ended by shouting "hurrah!" for Napoleon Bonaparte.

It was the first time Rudy had ever heard of France or of Lyons, that great city on the Rhone which his uncle had visited.

In a few years Rudy would become an expert chamois hunter, for he showed quite a flair for it, said the uncle. He taught the boy to hold, load, and fire a gun; in the hunting season he took him up into the hills and made him drink warm chamois blood to ward off hunter's giddiness; he taught him to know the times when, on different slopes of the mountains, avalanches were likely to fall, in the morning or evening, whenever the sun's rays had the greatest effect. He taught him to observe the movements of the chamois and copy their leaps, so that he might light firmly on his feet. He told him that if there was no footing in the rock crevices, he must support himself by the pressure of his elbows, and the muscles, of his thighs and calves; if necessary even the neck could be used.

The chamois is cunning and places sentinels on guard, so the hunter must be still more cunning, and scent them out. Sometimes he could cheat them by arranging his hat and coat on his alpine staff, so that the chamois would mistake the dummy for the man. The uncle played this trick one day when he was out hunting with Rudy.

It was a narrow mountain path - indeed, scarcely a path at all; it was nothing more than a slight ledge close to the yawning abyss. The snow there was half thawed, and the rock crumbled away under the pressure of a boot; so that uncle lay down at full length and inched his way forward. Every fragment of rock that crumbled off fell, knocking and bouncing from one side of the wall to the other, until it came to rest in the depths far below. Rudy stood on the edge of the last point of solid rock, about a hundred paces behind his uncle, and from there he suddenly saw, wheeling through the air and hovering just above his uncle, an enormous vulture, which, with one stroke of its tremendous wings, could easily have hurled the creeping form into the abyss beneath, and there feed on his carcass.

The uncle had eyes for nothing but the chamois, which had appeared with its young kid on the other side of the crevasse. But Rudy kept watching the bird, with his hand on his gun to fire the instant it became necessary, for he understood its intention. Suddenly the chamois leaped upward; the uncle fired, and the animal was hit by the deadly bullet; but the kid escaped as skillfully as if it had had a lifelong experience of danger and flight. The huge bird, frightened by the report, wheeled off in another direction; and the uncle was saved from a danger of which he knew nothing until Rudy told him about it later.

As they were making their way homeward in high good humor, the uncle humming an air he remembered from his childhood; they heard a strange noise very close to them. They looked all around, and then upward; and there, on the slope of the mountain high above, the heavy snow covering was lifted up and heaving as a stretched linen sheet heaves when the wind creeps under it. Then the great mass cracked like a marble slab, broke, and changed into a foaming cataract, rushing down on them with a rumbling noise like distant thunder. An avalanche was coming, not directly toward Rudy and his uncle, but close to them - much too close!

"Hang on, Rudy!" he cried. "Hang on with all your might!"

Rudy threw his arms around the trunk of a near-by tree, while his uncle climbed higher and clung to the branches of the tree. The avalanche roared past a little distance away, but the gale of wind that swept behind it, the tail of a hurricane, snapped trees and bushes all around them as if they had been dry rushes, and hurled them about in wild confusion. Rudy was flung to the ground, for the trunk of his tree looked as if it had been sawed in two, and the upper part was tossed a great distance. And there, among the shattered branches, Rudy found his poor uncle, with a fractured skull! His hands were still warm, but his face was unrecognizable. Rudy turned pale and trembled, for this was the first real shock of his life, the first terror he had ever experienced.

Late that evening he brought the fatal news to his home - his home, which was now to be the home of grief. The wife stood like a statue, uttering no word, shedding no tear; it was not until the corpse was brought home that her sorrow found utterance. The poor cretin crept into his bed, and was not seen throughout the whole next day. But the following evening he came to Rudy.

"Write a letter for me please!" he said. "Saperli can't write. Saperli can only take letter to post office."

"A letter for you?" Rudy asked. "To whom?"

"To our Lord Christ!"

"What do you mean?"

And the half-wit, as he was called, looked at Rudy with a touching expression, clasped his hands, and said solemnly and reverently, "Jesus Christ! Saperli would send Him a letter to pray Him that Saperli lie dead, and not the master of the house here."

And Rudy pressed his hand. "That letter wouldn't reach up there. That letter wouldn't restore him to us."

He found it very difficult to convince Saperli how impossible his request was.

"Now you must be the support of the house," said his aunt. And Rudy became just that.

BABETTE

"Who is the best hunter in Canton Valais?" The chamois knew well. "Beware of Rudy!" they might have said to each other. And, "Who is the handsomest hunter?" - "Oh, it's Rudy!" the girls said. But they didn't add, "Beware of Rudy!" And their serious mothers didn't say so either, for he bowed as politely to them as to the young girls.

He was so brave and happy; his cheeks were so brown, his teeth so white, his dark eyes so sparkling! He was a handsome fellow, just twenty years old. The most icy water never seemed too cold for him to go swimming; in fact, he was like a fish in water. He could outclimb anyone else; he could cling as tightly as a snail to the cliffs. There were steel muscles and sinews in him; that was clear whenever he jumped. He had learned how to leap, first from the Cat, and later from the chamois. Rudy was considered the best mountain guide, and he could have made a great deal of money in that vocation. His uncle had also taught him the trade of a cooper, but he had no inclination for that. He was interested in nothing but chamois hunting; that was his greatest pleasure, and it also brought in good money. Everybody said Rudy would be an excellent match, if only he didn't set his sights too high. He was the kind of graceful dancer that the girls dreamed about; and more than one carried him in her thoughts while she was awake.

"He kissed me while we were dancing!" the schoolmaster's daughter, Annette, told her dearest friend; but she shouldn't have told it, even to her dearest friend. Such secrets are seldom kept; they ooze out, like sand from a bag that has holes in it. Consequently, however well behaved and good Rudy was, the rumor soon spread about that he kissed his dancing partners. And yet he had never kissed the one he really wanted to kiss.

"Watch him!" said an old hunter. "He has kissed Annette. He has begun with A, and he's going to kiss his way through the whole alphabet!"

A kiss in the dance was all the gossips so far could find to bring against Rudy; but he certainly had kissed Annette, and yet she wasn't the real flower of his heart.

Down at Bex, among the great walnut trees near a small rushing mountain stream, there lived a rich miller. His home was a large house, three stories high, with small turrets; it was made of wood, and covered with tin plates, which shone both in sunshine and moonlight. On the highest turret was a weather vane, a shining arrow piercing an apple - an allusion to Wilhelm Tell's famous arrow shot. The mill was prominent and prosperous looking and allowed itself to be sketched and written about, but the miller's daughter did not permit herself to be described in painting or writing, at least so Rudy would have said. Yet her image was engraved on his heart; her eyes sparkled in it so that it was quite on fire. This fire had, like most fires, begun suddenly. The strangest part of it was that the miller's daughter, the lovely Babette, had no suspicion of it, for she and Rudy had never spoken so much as two words to each other.

The miller was rich, and because of his wealth Babette was rather high to hope for. "But nothing is so high," Rudy told himself, "that one may not reach it. You must climb on, and if you have confidence you won't fall." This was how he had been taught as a child.

Now it so happened that Rudy had some business in Bex. It was quite a journey, for in those days there was no railroad. From the Rhone glaciers, at the very foot of the Simplon, the broad valley of Canton Valais stretches among many and often-shifting mountain peaks, with its mighty Rhone River, whose rising waters often overflow its banks, covering fields and roads, destroying everything. Between the towns of Sion and St. Maurice the valley bends sharply like an elbow, and below St. Maurice it narrows until there is room only for the bed of the river and the narrow carriage road. Canton Valais ends here, and an old tower stands on the side of the mountain like the guardian of the canton, commanding a view across the stone bridge to the customhouse on the other side, where Canton Vaud commences. And the closest of the near-by towns is Bex. Fruitfulness and abundance increase here with every step forward; one enters, so to speak, a grove of chestnut and walnut trees. Here and there cypresses and pomegranates peep out; it is as warm here as if one were in Italy.

Rudy reached Bex, and after finishing his business he took a walk about town; but he saw no one belonging to the mill, not even Babette. And that wasn't what he wanted.

Evening came on; the air was heavy with the fragrance of the wild thyme and the blossoming lime trees; a shining veil of skyblue seemed to lie over the wooded green hills; and a stillness was everywhere. It was not the stillness of sleep or of death - no, it was as if nature were holding here breath, as of posing, for her image to be photographed on the blue surface of the heavens above. Here and there among the trees in the green field stood poles that carried the telegraph wires through the silent valley. Against one of them there leaned an object, so motionless that it might have been the dead trunk of a tree; it was Rudy, standing there as still as the world around him at that moment. He wasn't sleeping, nor was he dead; but just as great events of the world, or matters of the highest importance to individuals often are transmitted through the telegraph wires without those wires betraying them by the slightest movement or the faintest sound, so there passed through Rudy's mind the one, mighty, overwhelming thought that now constantly occupied him - the thought of his life's happiness. His eyes were fixed on a single point before him - a light that glimmered through the foliage from the parlor of the miller's house, where Babette lived. Rudy stood as still as if he were taking aim at a chamois; but at that moment he was like the chamois itself, which could stand as if chiseled from rock, and in the next instant, if only a stone rolled past, would spring into life and leave the hunter far behind. And so it was with Rudy, for a thought passed through his mind.

"Never give up!" he said. "Visit the mill; say good evening to the miller, and good day to Babette. You won't fall unless you're afraid of falling. If I'm going to be Babette's husband, she'll have to see me sooner or later!"

Then Rudy laughed, and in good spirits, he went to the mill. He knew what he wanted; he wanted Babette!

The river with its yellowish-white water was rolling along, overhung with willows and lime trees. Rudy went along the path, and, as the old nursery rhyme says,

Found to the miller's house his way;
But no one was at home
Except a pussycat at play!
The cat, which was standing on the steps, arched its back and mewed, but Rudy was not inclined to pay my attention to it. He knocked at the door, but no one heard him; no one opened the door. "Meow!" said the cat. If Rudy had still been a little boy, he would have understood the cat's language, and known that it said, "No one is home!" But now he had to go over to the mill to find out; and there he was told that the miller had gone on a long journey to Interlaken - "Inter Lacus, among the lakes," as the highly learned schoolmaster, Annette's father, had explained the name. There was going to be a great shooting match held there, to begin the next morning and last for eight days. The Swiss from all the German cantons were assembling there, and the miller and Babette had gone too.

"Poor Rudy" we may well say. It wasn't a lucky time for him to have come to Bex. He could only go home again, which he did, taking the road over St. Maurice and Sion to his own valley, his own mountains. But he wasn't disheartened. The next morning when the sun rose he was in good spirits, for they had never been really depressed.

"Babette is in Interlaken, a good many days' journey from here," he said to himself. "It's a long way if you follow the highway, but not so far if you cut across the mountain, and that's the best way for a chamois hunter. I've traveled that route before; over there is my first home, where I lived with my grandfather when I was a little boy. And there are shooting matches at Interlaken; I'll show I'm the best one there, and I'll be with Babette there too, after I've made her acquaintance."

With his musket and gamebag, and his light knapsack packed with his Sunday best, Rudy went up the mountain; it was the shortest way, though still fairly long. But the shooting matches would only begin that day, and were to last more than a week. During all that time, he had been told, the miller and Babette would be staying with their relatives at Interlaken. So Rudy crossed the Gemmi; he planned to descend near Grindelwald.

Happily and in good health he walked along, enjoying the fresh, pure, invigorating mountain air. The valley sank below him; the horizon widened, showing here one snow-capped summit, there another, until the whole of the bright shining Alpine range was visible. Rudy well knew every snow-covered mountain peak. He was now approaching the Schreckhorn, which pointed its white, powdered stone finger high toward the blue vault above.

At last he had crossed the highest mountain ridge. Now the pasture lands sloped down to the valley that was his old home. The air was light, and his thoughts were light; mountain and valley were blooming with flowers and foliage, and his heart was blooming with the bright dreams of youth. He felt as if old age and death would never approach him; life, power, and enjoyment would be before him always. Free as a bird, light as a bird, was Rudy; and as the swallows flew past him they sang as in the days of his childhood, "We and you, and you and we!" Everything was light and happy.

Down below lay the green-velvet meadows, dotted with brown wooden houses; and the river Lütschine murmured and rolled along. He could see the glacier, with its edges like green glass bordering the dirty snow, and looking down into the deep crevasses, he saw both the upper and lower glacier. The pealing of the church bells came to his ears, as if they were welcoming him to his old home. His heart beat faster, and so many old memories filled his mind that for a moment he almost forgot Babette.

He was again passing along the same road where, as a little boy, he had stood with the other children to sell the carved wooden toy houses. His grandfather's house still stood over above the pine trees, but strangers lived there now. As in the olden days, the children came running to sell their wares. One of them offered him an Alpine rose, and Rudy took it as a good omen, thinking of Babette. Soon he came to the bridge where the two Lütschines unite; here the foliage was heavier and the walnut trees gave grateful shade. Then he could make out waving flags, the white cross on the red ground - the standard of Switzerland as of Denmark - and before him lay Interlaken.

To Rudy it certainly seemed like a wonderful town - a Swiss town in its Sunday dress. Unlike other market towns, it was not a heap of heavy stone buildings, stiff, cold, foreign looking. No, it looked as if the wooden chalets from the hills above had moved down into the green valley below, with its clear stream rushing swiftly as an arrow, and had ranged themselves in rows, somewhat unevenly, to be sure, to form a street. And most beautiful of all, the streets, which had been built since Rudy had last been there as a child, seemed to be made up of all the prettiest wooden houses his Grandfather had carved and that had filled the cupboard at home. They seemed to have transplanted themselves down here and to have grown very much in size, as the old chestnut trees had done.

Every house was a so-called hotel, with carved wooden grillwork around the windows and balconies, and with projecting roofs; they were very meat and dainty. Between each house and the wide, hard-surfaced highway was a flower garden. Near these houses, though on only one side of the road, there stood other houses; if they had formed a double row they would have cut off from view the fresh green meadows where cattle grazed, their bells jingling as in the high Alpine pastures. The valley was surrounded by high mountains, with a little break on one side that revealed the glittering, snow-white Jungfrau, in form the most beautiful of all the Swiss mountains.

What a multitude of gayly dressed ladies and gentlemen from foreign countries! What crowds of country people from the near-by cantons! The marksmen carried the number of their posts in a garland round their hats. There were shouting and racket and music of all kinds, from singing to hand organs and wind instruments. The houses and bridges were decorated with flags and verses. Banners waved, and shot after shot was being fired; to Rudy's ears that was the best music. In all this excitement he almost forgot Babette, though it was for her sake alone that he had gone there.

The marksmen were crowding around the targets. Rudy quickly joined them, and he was the best shot of them all, for he always made a bull's-eye.

"Who's that strange fellow, that very young marksman?" people asked. "He speaks the French of Canton Valais; but he can also express himself fluently in our German," said some.

"He is supposed to have lived in the valley, near Grindelwald, when he was a child," someone explained.

The lad was full of life; his eyes sparkled; his aim and his arm were steady, so his shots were always perfect. Good luck brings courage, and Rudy always had courage. Soon a whole circle of admirers was around him; they showed him their esteem and honored him. Babette had almost disappeared from his thoughts. But suddenly a heavy hand was laid on his shoulder, and a deep voice spoke to him in French.

"You're from Canton Valais?"

Rudy turned and saw a fat man with a jolly face. It was the rich miller from Bex, his broad body hiding the slender, lovely Babette; however, she soon came forward, her dark eyes sparkling brightly. The rich miller was very proud that it was a marksman from his own canton who proved to be the best shot, and was so much admired and praised. Rudy was truly the child of good fortune; that which he had traveled so far to find, but had nearly forgotten since his arrival, now sought him out.

When in a far land one meets people from his own part of the country, it is easy to make friends, and people speak as if they were well acquainted. Rudy was the foremost at the shooting matches, as the miller was foremost at Bex, because of his money and his fine mill. So, though they had never met before, the two men shook hands warmly. Babette, too, gave the young man her hand frankly, and he pressed it and gazed at her in such a way that it made her blush.

The miller spoke of the long trip they had made and of the many large towns they had seen; it had been quite a journey, for they had traveled partly by railroad and partly by post.

"I came the shorter way," said Rudy. "I came over the mountains. There's no road so high that you can't try it."

"But you can also break your neck," said the miller. "And you look as if you probably will break your neck some day; you're so daring."

"One never falls so long as one doesn't think of it," said Rudy.

The miller's relatives at Interlaken, with whom he and Babette were staying, invited Rudy to visit them, since he came from the same canton as their kinfolk. It was a wonderful invitation for Rudy. Luck was running with him, as it always does with those who are self-reliant and remember that "Our Lord gives nuts to us, but He does not crack them for us!"

And Rudy sat with the miller's relatives, almost like one of the family. They drank a toast in honor of the best marksman; Babette clinked glasses with Rudy too, and he in return thanked them for the toast.

In the evening the whole party walked on the lovely avenue, past the gay-looking hotels under the walnut trees, and there was such a large crowd that Rudy had to give Babette his arm. He explained to her how happy he was to have met people from Canton Vaud, for Vaud and Valais were good neighbors. He expressed himself so cordially about this that Babette could not keep from squeezing his hand. As they walked there, they seemed almost like old friends, and she was such a lively, pretty little person. Rudy was greatly amused at her remarks about the absurd affectations in the dress of some of the foreign ladies, and the airs they put on; but she really didn't mean to make fun of them, because there must be some nice people among them - yes, some sweet and lovely people, she was sure, for her godmother was a very superior English lady. Eighteen years before, when Babette was christened, that lady had lived in Bex, and had given Babette the valuable brooch she was wearing. Her godmother had written her twice, and this year they were to have met her here at Interlaken, where she was bringing her daughters; they were old maids, almost thirty, said Babette - she herself was just eighteen.

Her pretty little mouth was not still for an instant, and everything she said appeared to Rudy to be of the greatest importance, and he in turn told her all he had to tell, how he had been to Bex, and how well he knew the mill, and how often he had seen her, though, of course, she had never noticed him. He told her he had been too disappointed for words when he found she and her father were far away; but still it wasn't far enough to keep him from climbing the wall that made the road so long.

Yes, he said all this, and a great deal more, too. He told her how fond he was of her, and how it was for her sake, and not because of the shooting matches, that he had come to Interlaken.

Babette became very silent now; all this that he confided to her was almost too much to listen to.

As they walked on, the sun set behind the mighty peaks, and the Jungfrau stood in all her glory, encircled by the dark green woods of the surrounding mountains. The big crowd stopped to gaze at it; even Rudy and Babette enjoyed the magnificent scene.

"Nowhere is it more beautiful than it is here!" said Babette.

"Nowhere!" agreed Rudy, with his eyes fixed on Babette.

"Tomorrow I must leave," he said a little later.

"Come and visit us at Bex," Babette whispered. "My father will be very pleased!"

ON THE WAY HOME

Oh, what a load Rudy had to carry the next day, when he started his return home over the mountains! He had two handsome guns, three silver cups, and a silver coffeepot - this last would be useful when he set up his own home. But these valuable prizes were not the heaviest burden he had to bear; a still weightier load he had to carry - or did it carry him? - across the high mountains.

The weather was dismal, gloomy, and rainy; the clouds hung like a mourning veil over the mountain summits, and shrouded the shining peaks. The last stroke of the axe had resounded from the woods, and down the side of the mountain rolled the great tree trunks. From the vast heights above they looked like matchsticks, but were nevertheless as big as masts of ships. The Lütschine River murmured its monotonous song; the wind whistled, and the clouds sailed swiftly by.

Suddenly there appeared next to Rudy a young girl; he had not noticed her until she was quite near him. She also was planning to cross the mountain. Her eyes had a peculiar power that compelled one to look into them; they were so clear and deep - bottomless.

"Do you have a sweetheart?" asked Rudy, whose thoughts were filled with love.

"I have none," she laughed, but it seemed as if she were not speaking the truth. "Let us not take the long way around; let us keep to the left - it is shorter."

"Yes, and easier to fall into some crevasse," said Rudy. "You ought to know the route better if you're going to be the guide."

"I know the way very well," she said, "and I have my thoughts collected. Your thoughts are down there in the valley; but up here you should think of the Ice Maiden. People say she is not friendly to the human race."

"I'm not a bit afraid of her," said Rudy. "She couldn't keep me when I was a child, and she won't catch me now that I'm a grown-up man."

Now it became very dark. First rain fell, then snow, and its whiteness was quite blinding.

"Give me your hand, and I shall help you climb," said the girl, touching him with her icy fingers.

"You help me?" said Rudy. "I don't yet need a woman's help in climbing!"

Then he walked on away from her quickly. The falling snow thickened about him like a curtain, the wind moaned, and behind him he could hear the girl laughing and singing. It sounded very strange. Surely it must be a specter in the service of the Ice Maiden; Rudy had heard of these things when, as a little boy, he had spent that night on the mountain, during his trip across the mountains.

The snow no longer fell so thickly, and the clouds lay far below him. He looked back, but there was no one to be seen; he could only hear laughing and jeering that did not seem to come from a human being.

When at last he reached the highest part of the mountain, where the path led down into the Rhone valley, he saw in the clear blue heaven, toward Chamonix, two glittering stars. They shone brightly; and he thought of Babette, of himself, and of his good fortune. And these thoughts made him warm.

THE VISIT TO THE MILL

"What grand prizes you have brought home," said his old foster mother. And her strange, birdlike eyes sparkled, as she twisted her thin, wrinkled neck even more strangely and faster than usual. "You carry good luck with you, Rudy. I must kiss you, my dear boy!"

Rudy allowed himself to be kissed, but one could read in his face that he did not enjoy this affectionate greeting.

"How handsome you are, Rudy!" said the old woman.

"Oh, stop your flattery," Rudy laughed; but still the compliment pleased him.

"I repeat it," said the old woman. " And fortune smiles on you."

"Yes, I think you're right there," he said, thinking of Babette. Never before had he longed so for the deep valley.

"They must have come home by now," he told himself. "It's more than two days past the day they intended to return. I must go to Bex!"

So to Bex he went, and the miller and his daughter were home. He was received in friendly fashion, and many messages of remembrance were given him from the family at Interlaken. Babette spoke very little; she had become quite silent, but her eyes spoke, and that was enough for Rudy. The miller, who usually had plenty to say, and was accustomed to making jokes and having them laughed at, for he was "the rich miller," seemed to prefer listening to Rudy's adventures - hearing him tell of the hardships and risks that the chamois hunters had to undergo on the mountain heights, how they had to crawl along the treacherous snowy cornices on the edges of cliffs, attached to the rocks only by the force of wind and weather, and cross the frail bridges cast by the snowstorms over deep ravines.

Rudy looked very handsome, and his eyes flashed as he described the

life of a hunter, the cunning of the chamois and the wonderful leaps they made, the powerful foehn, and the rolling avalanche. He noticed that every new description held the miller's interest more and more, and that he was particularly fascinated by the youth's account of the vulture and the great royal eagle.

Not far from there, in Canton Valais, there was an eagle's nest, built cleverly under a projecting platform of rock, in the face of a cliff; and in it there was an eaglet, but it was impossible to get at it.

A few days before an Englishman had offered Rudy a whole handful of gold if he would bring him the eaglet alive.

"But there is a limit to everything," said Rudy. "You can't get at that eaglet up there; it would be madness to try."

As the wine flowed freely, and the conversation flowed just as freely, Rudy thought the evening was much too short, although it was past midnight when he left the miller's house after this, his first visit.

For a little while the lights shone through the windows, and through the green branches of the trees, while out from the open skylight on the roof crept the Parlor Cat, and along the drainpipe the Kitchen Cat came to meet her.

"Is there any news at the mill?" said the Parlor Cat. "There's some secret love-making in this house! The father doesn't know anything about it yet. Rudy and Babette have been stepping on each other's paws under the table all evening. They trod on me twice, but I didn't mew; that would have aroused suspicion.

"Well, I would have mewed," said the Kitchen Cat.

"What would go in the kitchen wouldn't do in the parlor," said the Parlor Cat. "I certainly would like to know what the miller will say when he hears about this engagement."

Yes, what would the miller say? That Rudy also was most anxious to know; and he couldn't make himself wait very long. Before many days had passed, when the omnibus crossed the bridge between Cantons Valais and Vaud, Rudy sat in it, with his usual self- confidence and happy thoughts of the favorable answer he would hear that evening.

And later that evening, when the omnibus was driving back along the same road, Rudy was sitting in it again, going home, while the Parlor Cat was running over to the mill with the news.

"Look here, you kitchen fellow, the miller knows everything now. The affair has come to a fine end. Rudy came here towards evening, and he and Babette found a great deal to whisper about, as they stood in the hallway outside the miller's room. I lay at their feet, but they had neither eyes nor thoughts for me.

" 'I'll go straight to your father,' said Rudy. 'My proposal is perfectly honorable.'

" 'Do you want me to go with you?' said Babette, 'to give you courage?'

" 'I have enough courage,' said Rudy, 'but if you're with me he'll have to be friendly, whether he likes it or not.'

"So they went in. Rudy stepped hard on my tail - he's awfully clumsy. I mewed, but neither he nor Babette had any ears for me. They opened the door, and went in together, and I too. I jumped up on the back of a chair, for I didn't know if Rudy would kick me. But it was the miller who kicked - and what a kick! Out of the door and back up to the mountains and the chamois! Rudy could take care of them, but not of our little Babette!"

"But what was said?" asked the Kitchen Cat.

"Said? Oh, they said everything that people say when they're wooing! 'I love her, and she loves me; and if there's milk in the can for one, there's milk in the can for two.'

" 'But she's much above you,' said the miller. 'She sits on heaps of grain, golden grain - as you know. You can't reach up to her!'

" 'There's nothing so high that one can't reach it, if one has the will to do it!' said Rudy, for he is a determined fellow.

" 'But you said a little while ago that you couldn't reach the eaglet in its nest! Babette is still higher than that.'

" 'I'll take them both,' said Rudy.

" 'Yes,' said the miller. 'I'll give her to you when you bring me the eaglet alive!"' Then he laughed until the tears stood in his eyes. 'But now, thank you for your visit, Rudy. Come again tomorrow; then you'll find nobody home! Good-by, Rudy!'

"Then Babette said farewell too, as meekly as a little kitten that can't see its mother.

" 'A promise is a promise, and a man's a man!' said Rudy. 'Don't cry, Babette. I'll bring the eaglet.'

" 'I hope you break your neck!' said the miller. 'And then we'll be spared your visits here!' That's what I call kicking him out! Now Rudy's gone, and Babette just sits and cries; but the miller sings German songs he learned in his travels. I'm not going to worry myself about the matter; it wouldn't do any good."

" But it would look better if you pretended," said the Kitchen Cat.

THE EAGLE'S NEST

From the mountain path there sounded lively yodeling that meant good humor and gay courage. The yodeler was Rudy; he was going to see his friend Vesinand.

"You must help me," he said. "We'll take Ragli with us. I have to capture the eaglet up there on the top of the cliff!"

"Better try to capture the moon first. That would be about as easy a job," said Vesinand. "I see you're in good spirits."

"Yes; I'm thinking about marrying. But now, seriously, you must know how things stand with me."

And soon Vesinand and Ragli knew what Rudy wanted.

"You're a daring fellow," they said. "But you won't make it. You'll break your neck."

"One doesn't fall, so long as one doesn't think of it!" said Rudy.

They set out about midnight, with poles, ladders and ropes. The road led through brushwood and over loose stones, up, always up, up through the dark night. The water roared below, and the water trickled down from above; damp clouds swept heavily along. At last the hunters reached the edge of the precipice, where it was even darker, for the rock walls almost met, and the sky could only be seen through the narrow opening above. Close by was a deep abyss, with the hoarsely roaring water far beneath them.

All three sat quite still. They had to await daybreak, for when the parent eagle flew out, they would have to shoot it if they were to have any hopes of capturing the young one. Rudy was as still as if he were a part of the rock on which he was sitting. He held his gun ready; his eyes were fixed steadily on the highest part of the cleft, where the eagle's nest was hidden under the projecting rock. The three hunters had a long time to wait.

But at last they suddenly heard high above them a crashing, whirring sound, and the air was darkened by a huge object. Two guns took aim at the enormous eagle the moment it left the nest. A shot blazed out; for an instant the outspread wings fluttered, and then the bird slowly began to sink. It seemed that with its tremendous size and wingspread it would fill the whole chasm, and in its fall drag the hunters down with it. The eagle disappeared in the abyss below; the hunters could hear the crashing of trees and bushes, crush by the fall of the bird.

And now the men began to get busy. Three of the longest ladders were tied tightly together. They were supposed to reach the last stepping place on the margin of the abyss, but they did not reach far enough; and the perpendicular rock side was smooth as a brick wall on up to where the nest was hidden under the highest projecting rock overhang. After some discussion they agreed that the only thing to do was to tie two more ladders together, let them down into the chasm from above, and attach these to the three already raised. With immense difficulty they dragged the two ladders up, binding them with ropes to the top; they were then let out over the rock and hung there swaying in the air over the bottomless abyss. Rudy was already seated on the lowest rung. It was an icy-cold morning, and the mist was rising heavily from the dark chasm below. Rudy was like a fly sitting on some bit of a straw that a bird, while building its nest, might have dropped on the edge of a tall factory chimney; but the insect could fly if the straw gave way, while Rudy could only break his neck. The wind howled about him, while far below in the abyss the gushing water roared out from the melting glacier - the palace of the Ice Maiden.

He then made the ladder swing to and fro, like the spider swings its body when it wants to catch anything in its slender thread; and when he, for the fourth time touched the top of the ladders set up from below, he got a good hold on them, and bound them together with sure and skillful hands, though they swayed as if they hung on worn-out hinges.

The five long ladders, which now reached the nest, seemed like a swaying reed knocking against the perpendicular cliff. And now the most dangerous part of the job was to be done, for he had to climb as a cat climbs. But Rudy could do that, for a cat had taught him. He never noticed the presence of Dizziness, who floated in the air behind him, and stretched forth her embracing arms toward him. At last he reached the last step of the highest ladder, and then he found that he was still not high enough even to see into the nest. He would have to use his hands to raise himself up to it; he tried the lowest part of the thick, interwoven branches, forming the base of the nest, to learn if it was sufficiently strong; then having secured a firm hold on a heavy, strong branch; he swung himself up from the ladder, until his head and chest were level with the nest. Then there swept over him a horrible stench of carrion, for putrefied lambs, chamois, and birds littered the nest.

Dizziness, who had little power over him, blew the poisonous odor into his face to make him faint; while down below, on the dank, foaming waters of the yawning ravine, sat the Ice Maiden herself, with her long pale-green hair, staring at him with eyes as deadly as two gun barrels. "Now I will catch you!"

In a corner of the nest Rudy could see the eaglet sitting - a big powerful bird, even though it could not yet fly. Staring straight at it, Rudy somehow held on with one hand, while with the other he cast a noose around the bird. Thus it was captured alive; its legs were held by the tightened cord, and Rudy flung the noose over his shoulder, so that the bird hung a good distance below him. Then he held on to a rope, flung out to help him, until his toes at last touched the highest rung of the ladder.

"Hold tightly; don't be afraid of falling and you won't fall!" That was his early training, and Rudy acted on it. He held tightly, climbed down, and believing he couldn't fall, he didn't fall.

Then there arose loud and joyous yodeling. He stood safely on the firm rocky ledge, with his eaglet.

WHAT NEWS THE PARLOR CAT HAD TO TELL

"Here's what you asked for!" said Rudy, as he entered the miller's house at Bex, and placed a large basket on the floor. When he took the lid off two yellow eyes surrounded by dark rings glared out, eyes so flashing, so fierce, that they looked as though they would burn or blast anything they saw. The neck was red and downy; the short strong beak opened to bite.

"The eaglet!" cried the miller. Babette screamed and sprang back, but could not tear her eyes from Rudy and the eaglet.

"Nothing frightens you!" said the miller to Rudy.

"And you always keep your word," said Rudy. "Everyone has his principles."

"But how did it happen that you didn't break your neck?" asked the miller.

"Because I held tightly," said Rudy. "And so I'm doing now - holding tightly to Babette."

"Better wait till you get her!" laughed the miller; and Babette knew that was a good sign.

"Let's take the eaglet out of the basket; it's horrible to see its eyes glaring. How did you manage to capture it?"

And Rudy had to describe his adventure. As he talked the miller's eyes opened wider and wider.

"With your courage and good luck you could take care of three wives!" said the miller.

"Thank you! Thank you!" cried Rudy.

"But you won't get Babette just yet!" said the miller, slapping the young hunter good-humoredly on the shoulder.

"Do you know the latest news at the mill?" said the Parlor Cat to the Kitchen Cat. "Rudy has brought us the eaglet, and takes Babette in exchange. They have actually kissed each other, and her father saw it! That's as good as an engagement! The old man didn't make any fuss at all; he kept his claws pulled in, took his afternoon nap, and left the two of them to sit and spoon. They have so much to tell each other that they won't have finished until Christmas!"

And they hadn't finished by Christmas, either. The wind shook down the yellow leaves; the snow drifted up in the valleys as well as on the high mountains; the Ice Maiden sat in her stately palace, which grew larger during the winter. The cliffs were covered with sleet, and icicles, big and heavy as elephants, hung down. Where in summer the mountain streams poured down, there were now enormous masses of icy tapestry; fantastic garlands of crystal ice hung over the snow-covered pine trees. Over the deepest valleys the Ice Maiden rode the howling wind. The carpet of snow spread down as far as Bex, so she could go there and see Rudy in the house where he spent so much time with Babette. The wedding was to take place the following summer; and their ears often tingled, for their friends often talked about it.

Then everything was sunny, and the most beautiful Alpine rose bloomed. The lovely, laughing Babette was as charming as the early spring itself - the spring which makes all the birds sing of the summertime and weddings.

"How those two do sit and drool over each other!" said the Parlor Cat. "I'm tired of their mewing now!"

THE ICE MAIDEN

Spring has unfolded her fresh green garlands of walnut and chestnut trees which burst into bloom, especially in the country extending from the bridge at St. Maurice to Lake Geneva and along the banks of the Rhone. With wild speed the river rushes from its sources beneath the green glaciers - the Ice Palace, home of the Ice Maiden, from where she allows herself to be carried on the biting wind up to the highest fields of snow, there to recline on their drifting masses in the warm sunshine. Here she sat and gazed down into the deep valleys below where she could see human beings busily bustling about, like ants on a sunlit stone.

" 'Mental giants,' the children of the sun call you," said the Ice Maiden. "You are only vermin! One rolling snowball, and your houses and villages are crushed, wiped out!" Then she raised her proud head still higher, and stared with death-threatening eyes about and below her. Then from the valley there arose a strange sound; it was the blasting of rocks - the labors of men - the building of roadbeds and tunnels for the coming of the railroad.

"They work like moles," she said, "digging passages in the rocks, and therefore are heard these sounds like the reports of guns. If I move my palaces, the noise is stronger than the roar of thunder itself."

Then up from the valley there arose thick smoke - moving forward like a fluttering veil, a waving plume - from the locomotive which on the new railway was drawing a train, carriage linked to carriage, looking like a winding serpent. It shot past with the speed of an arrow.

"They think they're the masters down there, these 'mental giants!'" said the Ice Maiden. "But the powers of nature are still the real rulers!"

And she laughed and sang, and it made the valley tremble.

"It's an avalanche!" the people down there said.

But the children of the sun sang still more loudly of the power of mankind's thought. It commands all, it yokes the wide ocean, levels mountains, fills valleys; the power of thought makes mankind lord over the powers of nature.

At that moment a party of climbers crossed the snow field where the Ice Maiden sat; they had roped themselves together, to form one large body on the slippery ice, near the deep abyss.

"Vermin! she said. "You the lords of the powers of nature!" And she turned from them and gazed scornfully into the deep valley, where the railway train was rushing along.

"There they sit, those thoughts! But they are in the power of nature's force. I see every one of them! One sits alone like a king, others sit in a group, and half of them are asleep! And when the steam dragon stops, they climb out and go their way. Then the thoughts go out into the world!" And she laughed.

"There's another avalanche!" said the people in the valley.

"It won't reach us!" said two who sat together in the train - "two minds with but a single thought," as we say. They were Rudy and Babette, and the miller was going with them.

"Like baggage," he said. "I'm along with them as sort of extra baggage!"

"There sit those two!" said the Ice Maiden. "Many a chamois have I crushed, millions of Alpine flowers have I snapped and broken, leaving no root behind - I destroy them all! Thoughts! 'Mental giants,' indeed!" Again she laughed.

"That's another avalanche!" said those down in the valley.

THE GODMOTHER

At Montreux, one of the near-by towns which, with Clarens, Bernex, and Crin, encircle the northeast shore of Lake Geneva, lived Babette's godmother, the highborn English lady, with her daughters and a young relative. They had been there only a short while, but the miller had already visited them, announced Babette's engagement, and told them about Rudy and the visit to Interlaken and the young eagle - in short, the whole story. It had pleased them greatly, and they felt very kindly toward Rudy and Babette, and even the miller himself. They insisted upon all three of them coming to Montreux, and that's why they went. Babette wanted to see her godmother, and her godmother wanted to see her.

At the little village of Villeneuve, at the end of Lake Geneva, lay the steamboat which, in a voyage of half an hour, went from there to Bernex, a little below Montreux. That coast has often been celebrated by poets in song and story. There, under the walnut trees, beside the deep, blue-green lake Byron sat, and wrote his melodious verses about the prisoner in the dark, mountain Castle of Chillon. There, where Clarens is reflected amid weeping willows in the clear water, Rousseau wandered, dreaming of his Héloïse. The Rhone River glides beneath the lofty, snow-capped hills of Savoy, and near its mouth here there is a small island, so tiny that from the shore it looks as if it were a ship floating in the water. It is just a patch of rocky ground, which a century before a lady had walled around and covered with earth, where three acacia trees were planted, which now overshadowed the whole island. Babette was enchanted with this little spot; to her it was the loveliest place to be seen on the whole trip. She said they ought to land there - they must land there - it would be so charming under those beautiful trees. But the steamer passed by and did not stop until it reached Vernex.

The little party passed up among the white sunlit walls that surrounded the vineyards before the little mountain town of Montreux, where the peasants' cottages are shaded by fig trees, and laurels and cypresses grow in the gardens. Halfway up the mountain was the hotel where the godmother lived.

The meeting was very cordial. The godmother was a stout, pleasant-looking woman, with a smiling, round face. As a child she must certainly have resembled one of Raphael's cherubs; it was still an angel's head, but older, with silver-white hair. The daughters were tall and slender, well-dressed and elegant looking. The young cousin with them, who had enough golden hair and golden whiskers for three gentlemen, was dressed in white from head to foot, and promptly began to pay devoted attention to little Babette.

Beautifully bound books and music and drawings were on the large table. The balcony door was open, and from the balcony there was a lovely view of the calm lake, so bright and clear that the villages, woods, and snow-peaks of Savoy were reflected in it.

Rudy, who was generally so lively and gay, found himself very ill at ease. He moved about as if he were walking on peas over a slippery floor. How slowly the time passed - it was like being in a treadmill! And now they had to go out for a walk! And that was just as tiresome. Rudy had to take two steps forward and one back to keep abreast of the others. They went down to Chillon, the gloomy old castle on the island, to look at dungeons and instruments of torture, rusty chains hanging from rocky walls, stone benches for those condemned to death, trap doors through which the doomed were hurled down onto iron spikes amid the surge. They called it a pleasure to look at these things! It was a dreadful place of execution, elevated by Byron's verse into the world of poetry - but to Rudy still only a place of execution. He leaned out of one of the great windows and gazed down into the blue-green water, and over to the lonely little island with the three acacias. How he longed to be there, free from the whole chattering party!

But Babette was very happy. She had had a wonderful time, she said later; and the cousin she thought was perfect!

"Yes, perfectly flippant!" said Rudy; and that was the first time he had ever said anything to her that did not please her.

The Englishman had given her a little book as s souvenir of Chillon; it was Byron's poem, The Prisoner of Chillon, translated into French so that she could read it.

"The book may be all right," said Rudy, "but the finely combed fellow who gave it to you didn't make a hit with me."

"He looks like a flour sack without any flour!" said the miller, laughing at his own wit.

Rudy laughed too, and said that he was exactly right.

THE COUSIN

When Rudy went to visit the mill a couple of days later, he found the young Englishman there. Babette had just set a plate of boiled trout before him, which she herself had decorated with parsley, to make it look appetizing, no doubt. Rudy thought that was entirely unnecessary. What did he want there? What was his business? To be served and pampered by Babette? Rudy was jealous, and that pleased Babette. It amused her to see revealed all the feelings of his heart - the weak as well as the strong.

Love was still an amusement to her, and she played with Rudy's heart; but it must be said that he was still the center of all her thoughts, the dearest and most cherished in the world. Still, the gloomier he looked the more merrily she laughed at him with her eyes. She would even have kissed the blond Englishman with the golden whiskers if it would have made Rudy rush out in a fury; for it would have shown her how much he loved her.

This was not the fair nor the wise thing for little Babette to do, but she was only nineteen. She had no intention of being unkind to Rudy; still less did she think how her conduct would appear to the young Englishman, or how light and improper it was for the miller's modest, newly betrothed daughter.

Where the road from Bex passes beneath the snow-clad peaks, which in the language of the country are called diablerets, the mill stood, near a rushing, grayish-white mountain stream that looked as if it were covered with soapsuds. It wasn't that stream that turned the mill wheel, but a smaller one which came tumbling down the rocks on the other side of river. It ran through a reservoir dammed up by stones in the road beneath, and forced itself up with violence and speed into an enclosed wooden basin, formed by a wide dam across the rushing river, where it turned the large mill wheel. When the water had piled up behind the dam it overflowed, and made the path so wet and slippery that it was difficult for anyone who wanted to take this short cut to the mill to do so without falling into the water. However, the young Englishman thought he would try it.

Dressed in white like a mill worker, he was climbing the path one evening, following the light that shone from Babette's window. He had never learned to climb, and so almost went head first into the stream, but escaped with wet arms and spattered trousers. Soaking wet and covered with mud, he arrived beneath Babette's window, climbed the old linden tree, and there began to make a noise like an owl, which was the only bird he could even try to imitate. Babette heard it and peeped out through the thin curtains, but when she saw the man in white, and realized who he was, her little heart pounded with fright, but also with anger. Quickly she put out her light, made sure the window was securely fastened, and then left him to his hooting and howling.

How terrible it would be, she thought, if Rudy were now at the mill! But Rudy wasn't at the mill - no, it was much worse - he was standing right under the tree. Loud words were spoken - angry words - they might come to blows, or even murder!

Babette hurried to open her window, and called down to Rudy to go away, adding that she couldn't let him stay there.

"You won't let me stay here!" he cried. "Then this is an appointment! You're expecting some good friend - someone you'd rather see than me! Shame on you, Babette!"

"You are very nasty!" said Babette, and started to cry. "I hate you! Go away! Go away!"

"I haven't deserved anything like this," said Rudy as he went away, his cheeks burning, his heart on fire.

Babette threw herself on her bed and cried. "And you can think that of me, Rudy, of me who loves you so!"

She was angry, very angry, and that was good for her; for otherwise she would have been deeply hurt. As it was, she could fall asleep and enjoy youth's refreshing slumber.

EVIL POWERS

Rudy left Bex, and started homeward, following the mountain path, with its cold fresh air, and where the snow is deep and the Ice Maiden reigns. The trees with their thick foliage were so far below him that they looked like potato tops; the pines and bushes became smaller; the Alpine roses were blanketed with snow, which lay in isolated patches like linen put out to be bleached. A single blue gentian stood in his path, and he crushed it with the butt of his gun. Higher up two chamois became visible, and Rudy's eyes sparkled as his thoughts turned into another course, but he wasn't near enough for a good shot. Still higher he climbed, to where only a few blades of grass grew between the rocks. The chamois passed calmly over the snow fields as Rudy pressed on.

The thick mists enshrouded him, and suddenly he found himself on the brink of a steep rock precipice. Then the rain began to fall in torrents. He felt a burning thirst; his head was hot, and his limbs were cold. He reached for his hunting flask, but found it was empty; he had not given it a thought when he rushed away, up the mountain. He had never been sick in his life, but now he suddenly felt that he was ill. He felt exhausted, and wanted only to lie down and sleep; but the rain was streaming down around him. He tried to pull himself out of it, but every object seemed to dance strangely before his eyes.

Suddenly he became aware of something he had never before seen in that place - a small, newly built hut leaning against the rock; and in the doorway stood a young girl. First he thought she was the schoolmaster's daughter, Annette, whom he had once kissed while dancing with her; but she wasn't Annette. But he was sure he had seen her before, perhaps near Grindelwald the evening he went home from the Interlaken shooting matches.

"How did you get here?" he asked.

"I'm home," she said. "Watching my flocks."

"Your flocks! Where do they find grass? There's nothing here but snow and rocks!"

"You know a lot about it!" she said and laughed. "A little way down behind here is a very nice pasture, where my goats go. I take good care of them, and never lose one. What's mine is mine!"

"You're very brave," said Rudy.

"And so are you," she answered.

"If you have any milk, please give me some; I have a terrible thirst."

"I have something much better than milk," she replied, "and you may have some. Yesterday some travelers came here with guides, and left half a flask of wine behind them, such wine as you have never tasted. They won't come back for it, and I don't drink it, so you may have it."

She brought the wine, poured some into a wooden goblet, and gave it to Rudy.

"That's fine!" he said. "I have never tasted a wine so warming and reviving!" His eyes sparkled with life; a glowing thrill of happiness swept over him, as if every sorrow and vexation had vanished from his mind; a carefree feeling awoke in him.

"But surely you are Annette, the schoolmaster's daughter!" he exclaimed. "Give me a kiss!"

"Yes, but first give me that pretty ring you're wearing on your finger!"

"My engagement ring?"

"Yes, just that ring," said the girl, then refilling the goblet, she held it to his lips, and he drank again. A feeling of joy seemed to flow through his blood. The whole world was his, he seemed to think, so why torture himself! Everything is created for our pleasure and enjoyment. The stream of life is the stream of happiness; let yourself be carried away on it - that is joy. He looked at the young girl. She was Annette, and yet not Annette; but still less was she the magical phantom, as he had called the one he had met near Grindelwald. This girl on the mountain was fresh as newly fallen snow, as blooming as an Alpine rose, as lively as a young lamb; yet still she was formed from Adam's rib, a human being like Rudy himself.

He flung his arms about her and gazed into her marvelously clear eyes. It was only for a second, but how can that second be expressed or described in words? Was it the life of the soul or the life of death that took possessions of his being? Was he carried up high, or did he sink down into the deep and deathly icy crevasse, deeper, always deeper? He beheld the ice walls shining like blue-green glass; bottomless crevasses yawned about him; the waters dripped, sounding like the chimes of bells, and were as clear as a pearl glowing with pale blue flames. Then the Ice Maiden kissed him - a kiss that sent an icy shiver through his whole body. He gave a cry of pain, tore himself away from her, stumbled, and fell; all went dark before his eyes, but he opened them again. The powers of evil had played their game.

The Alpine girl was gone, and the sheltering hut was gone; water streamed down on the bare rocks, and snow lay everywhere. Rudy was shivering with cold, soaked through to the skin, and his ring was gone - the engagement ring Babette had given him. His gun lay on the snow beside him, but when he took it up and tried to fire it as a signal, it missed fire. Damp clouds filled the chasm like thick masses of snow. Dizziness sat there, glaring at her helpless prey, while there rang through the deep crevasse beneath her a sound as if a mass of rock had fallen, and was crushing and carrying away everything that obstructed its course.

Back at the miller's Babette sat and wept. It was six days since Rudy had been there - Rudy, who had been in the wrong, and should ask her pardon, for she loved him with all her heart.

AT THE MILLER'S HOUSE

"It's lot of nonsense with those people!" said the Parlor Cat to the Kitchen Cat. "It's all off now between Babette and Rudy. She just sits and cries, and he doesn't think about her any more."

"I don't like that," said the Kitchen Cat.

"I don't either," said the Parlor Cat. "But I'm not going to mourn about it. Babette can take golden whiskers for her sweetheart. He hasn't been here since the night he tried to climb onto the roof!"

The powers of evil carry out their purposes around us and within us. Rudy understood this, and thought about it. What was it that had gone on about him and inside him up there on the mountain? Was it sin or just a feverish dream? He had never known illness or fever before. While he blamed Babette, he also searched his own heart. He remembered the wild tornado, the hot whirlwind that had broken loose in there. Could he confess everything to Babette - every thought which in that hour of temptation almost brought about his action? He had lost her ring, and by that very loss she had won him back. Would she be able to confess to him? When his thoughts turned to her, so many memories crowded his mind that he felt that his heart was breaking. He saw her as a laughing, happy child, full of life; the many loving words she had addressed to him from the fullness of her heart gladdened his soul like a ray of light, and soon there was only sunshine there for Babette.

However, she would have to confess to him, and he would see that she did so.

So he went to the mill, and there was a confession; it began with a kiss, and ended with Rudy's being the sinner. His great fault was that he could have doubted for one moment Babette's faithfulness - that was very wicked of him! Such distrust, such violence, might bring misery to both of them. Yes, that was very true! Babette preached him a little sermon, which pleased her greatly and which was very becoming to her. But Rudy was right about one thing - the godmother's nephew was a babbler. She'd burn the book he had given her, and wouldn't keep the slightest thing that would remind her of him.

"Now that's all over with," said the Parlor Cat. "Rudy's back again, and they've made up; and they say that's the greatest of happiness."

"Last night," said the Kitchen Cat, "I heard the rats saying that their greatest happiness was to eat candle grease and have plenty of tainted bacon. Which of them should we believe, the lovers or the rats?"

"Neither of them," said the Parlor Cat. "That's always the safest."

Rudy's and Babette's greatest happiness was drawing near, the most beautiful day, as they call it, was coming - their wedding day!

But the wedding was not to take place in the church at Bex, nor in the miller's house; the godmother had asked that the party be held at her house, and that the ceremony be performed in the pretty little church at Montreux. And the miller was very insistent that they should agree to this arrangement, for he alone knew what the godmother intended giving the young couple - her wedding gift would be well worth such a small concession to her wishes. The day was agreed upon. They would go to Villeneuve the evening before, then proceed to Montreux by boat the next morning, so that the godmother's daughters would have time to dress the bride.

"I suppose there'll be a second ceremony in this house," said the Parlor Cat. "Or else I know I wouldn't give a mew for the whole business."

"There's going to be a feast here, too," said the Kitchen Cat. "The ducks have been killed, the pigeons plucked, and a whole deer is hanging on the wall. My mouth waters when I look at all the food. Tomorrow they start their journey."

Yes, tomorrow! That evening Rudy and Babette sat in the miller's house for the last time as an engaged couple. Outside, the evening glow was on the Alps; the vesper bells were chiming; and the daughters of the sun sang, "That which is best shall come to pass!"

VISIONS IN THE NIGHT

The sun had gone down, and the clouds lay low in the valley of the Rhone between the tall mountains; the wind blew from the south, an African wind; it suddenly sprang up over the high summits like a foehn, which swept the clouds away; and when the wind had fallen everything for a moment was perfectly still. The scattered clouds hung in fantastic shapes between the wooded hills skirting the rushing Rhone; they hung in the shapes of sea monsters of the prehistoric world, of eagles hovering in the air, of frogs leaping in a marsh; they settled down on the swift river and seemed to sail on it, yet they were floating in the air. The current swept along an uprooted pine tree, with the water making circles around it. It was Dizziness and some of her sisters dancing in circles on the foaming stream. The moon lighted up the snow-covered mountain peaks, the dark woods, and the strange white clouds - those visions of the night that seemed to be the powers of nature. The mountain peasant saw them through his window; they sailed past in great numbers before the Ice Maiden, who had come from her glacier palace. She was sitting on a frail boat, the uprooted pine, as the waters from the glacier carried her down the river to the open lake.

"The wedding guests are coming!" was sung and murmured in the air and in the water.

There were visions outside and visions inside. And Babette had a very strange dream.

It seemed to her that she had been married to Rudy for many years. He had gone chamois hunting, leaving her at home; and the young Englishman with the golden whiskers was sitting beside her. His eyes were passionate, his words seemed to have a magic power in them. He held out his hand to her, and she was obliged to follow him; they walked away from her home, always downward. And Babette felt a weight in her heart that became heavier every moment. She was committing a sin against Rudy - a sin against God Himself. And suddenly she found herself alone; her dress had been torn to pieces by thorns, and her hair had turned gray. In deep grief she looked upward, and saw Rudy on the edge of a mountainous ridge. She stretched up her arms to him, but dared neither pray nor call out to him; and neither would have been of any avail, for she soon discovered it was not Rudy, but only his cap and shooting jacket hanging on an alpenstock, as hunters often place them to deceive the chamois. In miserable grief Babette cried, "Oh, if I had only died on my wedding day - the happiest day of my life! Oh, Lord, my God, that would have been a blessing! That would have been the best thing that could have happened for me and Rudy. No one knows his future!" Then in godless despair she hurled herself down into the deep chasm. A thread seemed to break, and the echo of sorrowful tones was heard.

Babette awoke; the dream was ended, and although partly forgotten she knew it had been a frightful one, and that she had dreamed about the young Englishman whom she had not seen or thought of for several months. She wondered if he still was at Montreux, and if she would see him at the wedding. A faint shadow passed over Babette's pretty mouth, her brows knitted; but soon there came a smile, and the sparkle returned to her eye. The sun was shining brightly outside, and tomorrow was her and Rudy's wedding day!

When she came down he was already in the parlor, and soon they set off for Villeneuve. They were both so happy, and so was the miller. He laughed and joked, and was in excellent humor, for he was a kind father and an honest soul.

"Now we are the masters of the house," said the Parlor Cat.

THE CONCLUSION

It was not yet evening when the three happy people reached Villeneuve, and sat down to dinner. The miller settled himself in a comfortable armchair with his pipe, and had a little nap. They young bridal couple went out of the town arm in arm, along the highway, under the wooded hills by the side of the deep blue green lake. The clear water reflected the gray walls and heavy towers of gloomy-looking Chillon. The little island with its three acacias seemed quite close, looking like a bouquet lying on the lake.

"How lovely it must be over there!" said Babette, who again felt a great desire to go to the island; and her desire could be satisfied at once, for a boat was lying near the bank, and it was easy to undo the rope securing it. There was no one around of whom they could ask permission, so they got into the boat anyway.

Rudy knew how to use the oars. Like the fins of a fish, the oars divided the water, so pliant and yet so powerful, with a back for carrying and a mouth for swallowing - gentle, smiling, calmness itself, yet terrible and mighty in destruction. Foamy wake stretched out behind the boat, and in a few minutes they arrived at the little island, where they landed. There was just room for the two of them to dance.

Rudy whirled Babette around two or three times. Then they sat on the little bench under the drooping acacia, and held each other's hands and looked deep into each other's eyes, while the last rays of the setting sun streamed about them. The pine forests on the mountains took on a purplish-red tint like that of blooming heather, and where the trees stopped and the bare rocks began, they glowed as if the mountain itself were transparent. The clouds in the sky glowed a brilliant crimson; the whole lake was like a fresh, blushing rose petal. As the shades of evening gathered, the snow-capped mountains of Savoy turned a dark blue, but the highest summits still shone like red lava and for a moment reflected their light on the mountains before the vast masses were lost in darkness. It was the Alpine glow, and Rudy and Babette thought they had never before seen so magnificent a sight. The snow-covered Dent du Midi glistened like the disk of the full moon when it rises above the horizon.

"Oh, what beauty! What happiness!" both of them said.

"Earth can give me no more," said Rudy. "An evening like this is like a whole life. How often have I realized my good fortune, as I realize it now, and thought that if everything ended for me at once now I have still had a happy life! What a blessed world this is! One day passes, and a new one, even more beautiful than the other, begins. Our Lord is infinitely good, Babette!"

"I'm so happy!" she said.

"Earth can give me no more," exclaimed Rudy. Then the vesper bells sounded from the Savoy mountains and the mountains of Switzerland. The dark-blue Jura stood up in golden splendor in the west.

"God give you all that is brightest and best!" exclaimed Babette.

"He will," said Rudy. "Tomorrow I shall have that wish. Tomorrow you'll be wholly mine - my own lovely, little wife!"

"The boat!" Babette suddenly cried.

For the boat that was to take them back had broken loose and was drifting away from the island.

"I'll get it!" said Rudy, and he stripped off his coat and boots, plunged into the lake, and swam with vigorous strokes after the boat.

The clear blue-green water from the mountain glacier was icy and deep. Rudy looked down into the depths; he took only a single glance, and yet, he thought he saw a gold ring trembling, glittering, wavering there! He thought of his lost engagement ring, and the ring became larger and spread out into a glittering circle, within which appeared the clear glacier. Endless deep chasms yawned about it, and the dropping water tinkled like the sound of bells and glowed with pale blue flames. In a second he beheld what will take us many long words to describe!

Young hunters and young girls, men and women who had once fallen into the glacier's crevasses, stood there as in life, with open eyes and smiling lips, while far below them arose from buried villages the chimes of church bells. The congregation knelt beneath the church roofs; icicles made the organ pipes, and the mountain torrents furnished the music. And the Ice Maiden sat on the clear, transparent ground. She stretched herself up toward Rudy and kissed his feet, and there shot through his limbs a deadly chill like an electric shock - ice and fire, one could not be distinguished from the other in that brief touch.

"Mine! Mine!" sounded around him and within him. "I kissed you when you were little - kissed you on the mouth! Now I kiss you on your toes and your heels - now you belong to me!"

And he disappeared in the clear blue water.

All was still. The church bells had ceased their ringing; their last tones had died away with the glow on the red clouds above.

"You are mine!" sounded from the depths below. "You are mine!" resounded from beyond the heights - from infinity itself!

How wonderful to pass from love to love, from earth to heaven!

A thread seemed to break, and sorrowful tones echoed around. The icy kiss of death had conquered what was mortal; the prelude to the drama of life had ended before the play itself had begun. And discord had resolved itself into harmony.

Do you call this a sad story?

Poor Babette! For her it was the hour of anguish. The boat drifted farther and farther away. No one on the mainland knew that the bridal couple had crossed over to the little island. Evening came on, the clouds gathered, and darkness settled down. Alone, despairing and crying, she stood there. A storm broke out; lightning flashed over the Jura mountains and over the peaks of Savoy and Switzerland; from all sides came flash after flash, while one peal of thunder followed the other for minutes at a time. One instant the lightning was so vivid that the surroundings were bright as day - every single vine stem was as distinct as at high noon - and in the next instant everything was plunged back into the blackest darkness. The lightning formed circles and zigzagged, then darted into the lake; and the increasing noise of the rolling thunder echoed from the surrounding mountains. On the mainland the boats had been drawn far up the beach, while all living things sought shelter. And now the rain poured down in torrents.

"Where can Rudy and Babette be in this terrible storm?" said the miller.

Babette sat with folded hands, her head in her lap, utterly worn out by grief, tears, and screams for help.

"In the deep water," she said to herself, "far down there as if under a glacier, he lies!"

Then she thought of what Rudy had told her about his mother's death, and of his escape, how he was lifted up out of the cleft of the glacier almost dead. "The Ice Maiden has him again!"

Then there came a flash of lightning as dazzling as the rays of the sun on white snow. Babette jumped up; at that moment the lake rose like a shining glacier; there stood the Ice Maiden, majestic, bluish, pale, glittering, with Rudy's corpse at her feet.

"Mine!" she said, and again everything was darkness and torrential rain.

"Horrible!" groaned Babette. "Ah, why should he die when our day of happiness was so near? Dear God, make me understand; shed light into my heart! I cannot understand the ways of your almighty power and wisdom!"

And God enlightened her heart. A memory - a ray of mercy - her dream of the night before - all rushed vividly through her mind. She remembered the words she had spoken, the wish for the best for herself and Rudy.

"Pity me! Was it the seed of sin in my heart? Was my dream, a glimpse into the future, whose course had to be violently changed to save me from guilt? How miserable I am!"

In the pitch-black night she sat weeping. And now in the deep stillnes around her she seemed to hear the last words he had spoken here, "Earth can give me no more." They had been spoken in the fullest of joy; they echoed in the depths of great sorrow.

A few years have passed since that night. The lake smiles; its shores are smiling; the vines yield luscious grapes; steamboats with waving pennants glide swiftly by; pleasure boats with their two sails unfurled skim like white butterflies over the mirrored water; the railway beyond Chillon is open now, leading far into the valley of the Rhone. At every station strangers get out, studying in their little red guidebooks what sights they should see. They visit Chillon, see the little island with the three acacias, and read in their books about a bridal couple who in 1856 rowed over to it one evening - how not until the next morning could the bride's despairing cries be heard on the mainland.

But the guidebooks tell nothing about Babette's quiet life in her father's house - not at the mill, for strangers live there now - in the pretty house near the railway station, where many an evening she gazes from her window beyond the chestnut trees to the snowy mountains over which Rudy had loved to range. In the evening hours she can see the Alpine glow - up there where the daughters of the sun settle down, and sing again their song about the traveler whose coat the whirlwind snatched off, taking it, but not the man himself.

There is a rosy glow upon the mountain's snow fields; there is a rosy tint in every heart in which lives the thought, "God wills what is best for us!" But it is not always revealed to us as it was revealed to Babette in her dream.




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